Mittwoch, 26. Februar 2014

Standpunkt 887 - Nachrichten-Ticker, 20. & 21.02.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Leider ist es uns nicht gelungen, die Arbeiten an unserem neuen Dossier wie angekündigt noch im Januar abzuschließen. Selbst im Februar werden wir damit nicht fertig. Der Grund ist einfach: Mittlerweile arbeiten wir an der 3. Änderung und 4. Erweiterung. Der Grund: Dieses Update soll nicht einfach nur eine Fortschreibung der bisherigen Schwerpunkte sein, sondern die Ursachen und Folgen der Krise erläutern und bewerten, sowie die Vorschläge zum Abbau der Staatsschulden ausführlich beschreiben. Unser Dossier soll so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig sein, außerdem leicht verständlich geschrieben. Das erfordert Zeit. Dafür bitten wir um Verständnis. Das Warten lohnt sich auf jeden Fall. Versprochen. 

Das bedeutet aber auch, dass in diesen Tagen unser Nachrichten-Ticker nicht regelmäßig erscheint. Trotzdem bleiben wir am Ball und holen nach, was an Nachrichten erst einmal liegen bleibt. Garantiert. 


Tagesthemen: In eigener Sache – Exportwunder Deutschland (2 Beiträge) - Verbrauchervertrauen in Europa Michael Hudson erklärt die Krisen-Welt Schwellenländer – China Catarpillar und die Weltwirtschaft – Psychogramm eines Wall Street-Traders


In eigener Sache
Nicht erst seit dem Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle regelmäßig daraufhin. Nun hat auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, ihre Sympathie für den IWF-Vorschlag entdeckt (hier).

Jetzt heißt es endlich aufzuwachen und dem Feind in die Augen zu schauen. Einige der betroffenen 99% scheinen das so langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt.  Deshalb bieten wir wieder eine persönliche Beratung an, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail.


Wachstum auf Auslandskosten
(konicz.info) Wir sind mal wieder wer – und zwar Exportüberschussweltmeister. Seit einigen Jahren schon hat es sich in der Wirtschaftspresse eingebürgert, die alljährlichen Handelsbilanzüberschüsse der Bundesrepublik überschwänglich zu feiern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kletterte der deutsche Exportüberschuss im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 198,9 Milliarden Euro. Damit wurde die weltgrößte Handelsnation, die Volksrepublik China, eindeutig auf die Plätze verweisen, deren Überschuss sich auf 195 Milliarden US-Dollar summierte.
Während die EU-Kommission diesen extremen Überschuss einer eingehenden Prüfung unterzieht und insbesondere die US-Administration ihre andauernde Kritik an der deutschen Exportfixierung bestätigt sehen dürfte, weisen deutsche Wirtschaftsvertreter jedwede Kritik zurück. Volker Treier, Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, behauptete kürzlich, dass die Exportüberschüsse nicht "politisch angeordnet" seien, sondern einen "Ausweis der Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft" darstellten: "Weder manipulieren wir den Wechselkurs, noch subventionieren wir unsere Exporteure, damit sie ihre Waren anderswo billiger anbieten können."
Selbst deutschen Wirtschaftsvertretern gelingt es selten, die ökonomische Realität so dermaßen auf den Kopf zu stellen. Die politischen Programme, die diese extreme Exportausrichtung der Bundesrepublik forcierten, wurden unter den Namen Agenda 2010 und Hartz IV bekannt, die Subventionierung der deutschen Exporte erfolgte durch den hieraus resultierenden Lohnkahlschlag und die Etablierung des europaweit größten prekären Niedriglohnsektors. Und es ist kein Zufall, dass diese innerdeutsche Verelendungsstrategie zeitgleich mit der Einführung des – in Relation zur deutschen Wirtschaftsleistung gnadenlos unterbewerteten – Euro eingeleitet wurde. Mehr...


Kommentar/Ergänzung: Stur bleibt Deutschland in seiner Exportfalle sitzen. Konicz beschreibt in dieser Analyse in wenigen Sätzen treffend das deutsche Dilemma. Die folgenden beiden Grafiken gehören nicht zu diesem Beitrag, unterstreichen jedoch im Wesentlichen Konicz' Aussagen: 




Quelle: nachdenkseiten.de


Sein Fazit ist leicht nachzuvollziehen: "Doch inzwischen stößt dieser Neomerkantilismus, der Wirtschaftswachstum im Endeffekt durch einen "Verschuldungsexport" generiert, trotz einer partiellen Neuausrichtung auf das außereuropäische Ausland (Fernost und USA) an seine Grenzen. Die innere Erschöpfung des Modells Deutschland kommt in der langfristig sinkenden Investitionstätigkeit zum Ausdruck, die sich seit Anfang der 1990er Jahre auf inzwischen nur noch sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes halbierte. Die systemischen Grenzen manifestieren sich in der erlahmenden Wachstumsdynamik, die – nach 0,7 Prozent 2012 – auf nur noch 0,4 Prozent absackte. Die Überproduktionskrise des spätkapitalistischen Weltsystems wird somit auch den Exportüberschussweltmeister Deutschland einholen, der bisher die Krisenfolgen vermittels seiner Überschüsse und des europaweiten Spardiktats auf das Ausland abwälzen konnte." 

Ende 2012 hat sich Tomasz Konicz bei HEISE-TELEPOLIS in dem Beitrag "Der Exportüberschussweltmeister" sehr viel ausführlicher mit diesem Thema beschäftigt. Alle, die sich mit diesem deutschen Exportmodell vertiefend beschäftigen möchten, finden dort reichlich Gedankenfutter. Wer bis zum Ende durchhält, muss sich wahrscheinlich von einigen Vorurteilen verabschieden, die der Vorspann bereits andeutet: "Das exportfixierte deutsche Wirtschaftsmodell kann nicht ohne die Verschuldungsprozesse im Ausland funktionieren, die in der deutschen Öffentlichkeit so vehement kritisiert werden." Dazu gibt es weiterführende, lohnende Links, die den Beitrag ergänzen. Das Fazit kommt auf den Punkt: "Eine ähnliche exportfixierte Politik, die zusätzlich mit massivem Protektionismus einherging, verfolgten die meisten Industriestaaten während der großen Depression der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Innerhalb der Wirtschaftswissenschaft herrscht heutzutage weitgehende Einigkeit darüber, dass diese Politik zur Vertiefung der damaligen Systemkrise beigetragen hat. Damals etablierte sich im angelsächsischen Raum die Redewendung 'Beggar thy neighbour' ('Ruinier deinen Nachbarn') für solche wirtschaftspolitischen Strategien, bei denen die Widersprüche einer schweren kapitalistischen Systemkrise 'exportiert' werden. Deutschlands Wirtschaftskurs des 'Beggar thy neighbour' ist gerade deswegen so effektiv, weil keine anderen relevanten Staaten eine ähnliche aggressive Forcierung der Exportüberschüsse betreiben.
Letztendlich stellt sich somit die Frage, wieso ausgerechnet in Deutschland, dessen Exportindustrie von der Schuldenmacherei anderer Länder besonders profitierte, die öffentliche Empörung wegen dieses Schuldenturmbaus so vehement vernehmbar ist. Wieso kritisiert beispielsweise Schäuble die amerikanische Verschuldungsdynamik so lautstark, während die deutschen Exporteure gerade dank dieser Verschuldungsdynamik neue Exportüberschussrekorde gegenüber den USA erwirtschaften? 

Diese Absurdität der deutschen Krisenideologie hat keinen rationellen Kern, sie kann wohl nur aus einer ideologiekritischen Position heraus erhellt werden: So wie die deutsche Industrie die Widersprüche der gegenwärtigen kapitalistischen Systemkrise exportiert, werden in der korrespondierenden Ideologie die Ursachen der Krise ins Ausland exportiert. So erscheinen in der veröffentlichen Meinung gerade diejenigen Schuldenstaaten als die für die Krise anscheinend verantwortlichen Sündenböcke, die mit ihrer Defizitbildung die deutschen Exportüberschüsse erst ermöglichen." Mehr hier


European Consumer Confidence Plunges; Misses By Most In 30 Months
(zerohedge.com) Despite record low yields on sovereign bonds, record high stock prices, and a political elite proclaiming it's all shits and giggles from here... it seems record unemployment, record suicide rates, record bad loans, and record low credit creation were finally enough to trump the 'wealth effect' exuberance that European consumer confidence has envisaged in recent months. This is the biggest drop in confidence in 18 months and the biggest miss since Aug 2011. Read more...

Kommentar: Da müssen wir nichts kommentieren, die Entwicklung spricht für sich: Europa ist noch lange nicht über den Berg. Der folgende Chart stammt aus dem Beitrag:




Monopoly’s Poster Children
(michael-hudson.com) This the first installment of our "Alternative Voices" series where we talk to people who give us different perspectives on everything from economics, to politics, to culture.
Today we’re joined by Professor Michael Hudson. He’s a research professor of economics at the University of Missouri in Kansas City. He’s also the author of "The Bubble and Beyond" which is his latest book, and "Super Imperialism: The Economic Strategy of American Empire". He talks about austerity in Ireland, how US economic policy has affected Ireland, Europe and the rest of the world as well as how the various political parties in Ireland have mishandled the economic crisis. Read more...


Kommentar: Noch ein Beitrag, randvoll mit Hintergrundwissen. Michael Hudson ist ein "Linker" unter den Ökonomen, dementsprechend fallen seine Antworten aus. Hervorragend. Bestens geeignet für alle, die sich eine eigene Meinung zu den Dingen bilden wollen. Hudson liefert dazu reichlich Anregungen, die auch in Sachen Wirtschaft durchschnittlich Gebildete verstehen.


Übertreibungen bei den Schwellenländern
(project-syndicate.org) Bis vor kurzem wurden die so genannten Übergänge von Ländern "hin zu mittleren Einkommen" größtenteils ignoriert – teilweise deshalb, weil das, was ein Übergang sein sollte, oft zur Falle wurde. Einige Volkswirtschaften in Asien – insbesondere Japan, Südkorea und Taiwan – segelten direkt weiter zu hohen Einkommen mit relativ hohen Wachstumsraten. Aber die große Mehrheit der Volkswirtschaften verlangsamten sich, nachdem sie im Bereich mittleren Einkommens angekommen waren, oder stellten das Pro-Kopf-Wachstum völlig ein.
Heute gibt es für Investoren, Politiker und Unternehmen mehrere Gründe, diesen Übergängen viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Erstens hat China, mit einem BIP in der Höhe desjenigen aller anderen BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien und Südafrika) plus Indonesien und Mexiko zusammen, die Messlatte deutlich höher gelegt. Anhaltendes Wachstum in China oder dessen Abwesenheit hat einen deutlichen Effekt auf andere Schwellenländer – ebenso wie auf die Industriestaaten.
Zweitens sind die Industrieländer aus dem Gleichgewicht geraten. Sie wachsen deutlich weniger als potenziell möglich, und ihre Aussichten auf schnelleres Wachstum in den nächsten fünf Jahren sind unterschiedlich, aber generell begrenzt. Im Gegensatz dazu stellen die Schwellenländer angesichts ihres höheren Wachstumspotenzials große zu erschließende Märkte dar.

Drittens hat sich eine Mehrheit dieser großen Schwellenvolkswirtschaften (Indonesien, Brasilien, Russland, die Türkei, Argentinien, aber nicht China) zur Finanzierung wachstumsfördernder Investitionen anstatt auf Inlandsersparnisse fahrlässig auf hohe Zuflüsse ungewöhnlich billigen ausländischen Kapitals verlassen. Als Ergebnis haben sich ihre Leistungsbilanzen in der Zeit nach der Krise verschlechtert.
Jetzt, angesichts beginnender Straffung der Geldpolitik in den Industriestaaten, fließt das importierte Kapital auf etwas panische Weise wieder ab und drückt die Wechselkurse nach unten sowie die Inlandspreise nach oben. Die Anpassung, die jetzt stattfindet, erfordert echte Reformen und das Ersetzen billigen externen Kapitals durch inlandsfinanzierte Investitionen. Mehr...


Kommentar: Dem Autor dieses Beitrags, Michael Spence, fällt es schon schwerer zu folgen. Spence unternimmt den Versuch, hauptsächlich am Beispiel China die sich abzeichnende Krise der Schwellenländer zu relativieren und die damit verbundenen Risiken zu begrenzen. Bei uns hat er damit keinen Erfolg - zu schwammig sind seine Argumente: "Chinas Herausforderungen sind landesspezifisch und unterscheiden sich von denen der anderen Schwellenländer. Der erforderliche Strukturwandel ist riesig, und die Ungleichgewichte sind real. Aber China verfügt über eine eindrucksvolle Erfolgsbilanz, erhebliche Ressourcen und Erfahrung, eine starke Führung und ein ehrgeiziges, umfassendes sowie gut gezieltes Reformprogramm. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die meisten Schwellenländer, einschließlich China, eine vorübergehende Wachstumsverlangsamung erfahren, aber von geldpolitischen Änderungen des Westens nicht aus der Bahn geworfen werden. Im Laufe des kommenden Jahres sollten sie dann zu hohen Wachstumsraten zurückfinden. In jedem Land gibt es interne und externe Abwärtsrisiken, die nicht ignoriert werden können und sollten, und die Anpassung wird durch die Volatilität internationaler Kapitalströme erschwert. Das Problem besteht heute darin, dass diese Abwärtsrisiken zur Konsensvorhersage werden. Dies scheint mir fehlgeleitet zu sein – und eine schlechte Entscheidungsbasis für Investitionen und Politik."   


This is China's secret "financial weapon." The launch date is closer than you think.  
(thecrux.com) China could shock the world this spring... Of course, the communist government is extremely secretive. But all the evidence I have indicates that they are planning to unveil a massive secret. And this secret could reshape the world's financial system. Read more...

Kommentar: Offensichtlich ein Hardliner unter den Krisenpropheten, dessen Ansichten wir unseren LeserInnen nicht vorenthalten wollen. Wir "legen" eine Grafik dazu:




Caterpillar Global Retail Sales Decline For 14th Consecutive Month
(zerohedge.com) While the stock of Caterpillar may be discounting some improvement in global industrial demand, the current situation as reflected by the company's latest monthly retail sales update is hardly as optimistic: as was just reported by the company (in a revised retail sales format), global three month rolling retail sales declined by 8% in the month of January, which was the 14th consecutive drop, and the longest string of contracting sales since the Lehman crisis and the "last" recession. What's worse, Asia/Pacific, read China, retail sales have tumbled by double digits, -17% in January, every month since January 2013. Read more...

Kommentar: Der US-Baumaschinenkonzern Caterpillar, weltweit die No. 1, ist ein zuverlässiger Indikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Der folgende Chart aus dem Beitrag macht die Entwicklung anschaulich: 





Psychogramm eines Wall Street-Traders: Leben voll Gier und Narzissmus 
(wirtschaftsblatt.at)  Sam Polk, ein ehemaliger Hedgefonds-Trader und jetziger Millionär, spricht mit dem WirtschaftsBlatt über den Kampf um die Boni an der Wall Street, seine Geldsucht und das Leben in einer Blase. Mehr...

Kommentar: Ein unterhaltsames Interview. Es liefert Hintergrundwissen der besonderen Art. Geeignet, um damit den heutigen Ticker abzuschließen. 

Wer mehr wissen möchte über Sam Polk, dem empfehlen wir den Beitrag "For the Love of Money" in der NEW YORK TIMES (hier). Absolut lesenswert. 

Quelle: nytimes.com