Donnerstag, 27. Februar 2014

Standpunkt 888 - Nachrichten-Ticker, 22. & 23.02.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Leider ist es uns nicht gelungen, die Arbeiten an unserem neuen Dossier wie angekündigt noch im Januar abzuschließen. Selbst im Februar werden wir damit nicht fertig. Der Grund ist einfach: Mittlerweile arbeiten wir an der 3. Änderung und 4. Erweiterung. Der Grund: Dieses Update soll nicht einfach nur eine Fortschreibung der bisherigen Schwerpunkte sein, sondern die Ursachen und Folgen der Krise erläutern und bewerten, sowie die Vorschläge zum Abbau der Staatsschulden ausführlich beschreiben. Unser Dossier soll so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig sein, außerdem leicht verständlich geschrieben. Das erfordert Zeit. Dafür bitten wir um Verständnis. Das Warten lohnt sich auf jeden Fall. Versprochen. 

Das bedeutet aber auch, dass in diesen Tagen unser Nachrichten-Ticker nicht regelmäßig erscheint. Trotzdem bleiben wir am Ball und holen nach, was an Nachrichten erst einmal liegen bleibt. Garantiert. 


Tagesthemen: In eigener Sache – Konjunkturwunder Deutschland - Finanzreform Dank an Island Dänemark – Australien geht es gut?


In eigener Sache
Nicht erst seit dem Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle regelmäßig daraufhin. Nun hat auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, ihre Sympathie für den IWF-Vorschlag entdeckt (hier).

Jetzt heißt es endlich aufzuwachen und dem Feind in die Augen zu schauen. Einige der betroffenen 99% scheinen das so langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt.  Deshalb bieten wir wieder eine persönliche Beratung an, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail.


Krisenfeste Konjunktur: Der deutsche Teflon-Aufschwung
(manager-magazin.de) Staatskrise in der Ukraine, Turbulenzen in Schwellenländern, nachlassendes Wachstum in China - der deutschen Konjunktur kann all das bislang wenig anhaben. Viel wichtiger für die Bundesrepublik sind die weiteren Pläne der EZB. Mehr...

Kommentar: Ein Traum, ein schöner Traum... und viel Propaganda der Schönschreiberlinge: "Deutschland erfreut sich derzeit eines neuen Konjunkturmusters, das sich in den offiziellen Zahlen bislang nicht vollständig widerspiegelt. Nicht mehr der Export trägt das Wachstum - bereits im vorigen Jahr schwächte sich die außenwirtschaftliche Dynamik ab -, sondern die Binnenwirtschaft (...)." Bitter wird es, wenn dieser Traum demnächst wie eine Seifenblase platzt. Das sorgt dann für Katerstimmung. 

Wir haben gestern den Beitrag "Wachstum auf Auslandskosten" von Tomasz Konicz vorgestellt und kommentiert (hier). Zufällig sind wir in unserem Archiv zu diesem Thema noch einmal fündig geworden. Was wir gefunden haben, paßt auch zu dem heutigen Beitrag. MASKENFALL hat Anfang November 2013 die Folgen des deutschen Erfolgsmodells beschrieben: "In Zahlen: Exportüberschüsse gegenüber der Eurozone". Damals spielten die US-amerikanischen Vorwürfe gegen die deutschen Exporte in der öffentlichen Diskussion eine große Rolle. In dem Beitrag heißt es dazu: "Deshalb folgen nun zur  Aufklärung einige  Daten der  Bundesbank  zu den  Exportüberschüssen Deutschlands: 


Es ist sehr leicht zu erkennen, dass die Eurozone eine dominante Rolle bei der Entstehung der Exportüberschüsse Deutschlands, die auf Lohnzurückhaltung beruhen, spielt. Dies entspricht aufgrund des fehlenden Wechselkursmechanismus seit spätestens 1999 auch der Erwartung. In den jeweiligen   Jahren   von   1999   bis   2011  beträgt  der  Anteil der über die Euroländer hervorgerufenen Exportüberschüsse Deutschlands durchgehend über 50%. 2012 und 2013  hat sich dieser Anteil auf ungefähr 1/3 reduziert, beträgt aber immer noch mit mehr als 50 Mrd. Euro annähernd soviel wie 2002/2003. Anders als vielfach behauptet, ist hier – über die Betrachtung des Rückgangs der Überschüsse gegenüber der Eurozone allein – weder eine angebliche Erholung der sogenannten Euro-Peripherie (Spanien, Portugal, etc.), noch ein deutlicher Rückgang der von Deutschlands verursachten wirtschaftlichen Schädigungen   durch  den Abzug von Weltmarktnachfrage, abzuleiten. Im Gegenteil: Der Druck, Sparprogramme durchzusetzen, speist sich unter anderem aus den Exportdefiziten der Vergangenheit, werden diese durchgesetzt führt der  darauf folgende  Binnennachfrageeinbruch zu einem Rückgang der  Defizite.  Des Weiteren verringert sich zur Zeit weiterhin aufgrund der geringen deutschen Lohnabschlüsse beispielsweise die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs gegenüber Deutschland, sodass Deutschland  vermutlich Weltmarktanteile   von  Frankreich  übernommen  hat und  so   in  der  Lage   ist,   Verluste  bei   den Überschüssen wieder auszugleichen. Den Teil Schuldenlast der Eurozone, für den Deutschland verantwortlich ist, lässt sich durch die seit 1999 kumulierten Exportüberschüsse illustrieren: 


Im Verlauf der Währungsunion war die Eurozone insgesamt mit über 1 Billion Euro am stärksten von Exportdefiziten gegenüber Deutschland, die insgesamt über 2 Billionen Euro ausmachen, betroffen. Es folgen die restlichen EU-Staaten mit zusätzlichen 600 Mrd. Euro und 400 Mrd. Euro Überschüsse, die Deutschland gegenüber der restlichen Welt angehäuft hat. Die Verschuldung, die Deutschland gegenüber dem Nicht-EU Ausland verursacht, ist  bisher also insgesamt deutlich geringer als jene gegenüber der Eurozone." Mehr dazu hier. Dort gibt es auch noch weiterführende Links, die sich lohnen. 


Großbanken wollen nicht noch mehr reguliert werden
(faz.net)  Die Weltfinanzelite kommt in Sydney zusammen: Finanzminister und Zentralbank-Bosse streiten um die richtige Weltwirtschaftspolitik. Führende Banker drängen darauf, nicht noch mehr Regeln für sie zu beschließen. Mehr...

Kommentar: Ein schlechter Witz. Dieses nichtsnutzige Pack droht ganz offen mit einer neuen Krise: "Gary Cohn, geschäftsführender Vorstand der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs warnte beispielsweise, die Anstrengungen, die Risiken im Bankgeschäft durch schärfere Regeln zu mindern, lassen 'im Endeffekt schon die nächste Krise erahnen'. Cohn fuhr fort: 'Wenn wir weiterhin in einer Welt leben, in der Sicherheit und Zuverlässigkeit und Unerschütterlichkeit der Banken alles andere überragen, Wachstum überragen und Liquidität überragen, dann werden wir erfahren, wie Schattenbanken wachsen und wachsen. Bis sie das nächste große Problem werden oder bis (der Mangel an) Liquidität die nächste Krise erzeugen wird.'" Wir bleiben bei unserer schon früher geäußerten Forderung: Diese Leute gehören zur Verantwortung gezogen. Vor einem internationalen Finanzverbrecher-Tribunal und anschließend für viele Jahre in den Knast. Da gehören die nämlich hin. Vielleicht besteht dann die Chance, dass sie ihre vorlaute Klappe nicht so weit aufreißen. 

Fakt ist, es gibt keine Regeln für die Banken: "Sogar die äußerst schwache Dodd-Frank-Reform wird niemals implementiert werden. Die größten Institutionen wurden noch größer und sie tun das, was sie in 2007 taten." Wir zitieren  L. Randall Wray, Wirtschafts-Professor an der Universität von Missouri-Kansas City, aus dem Beitrag "Neue Krise - was gelernt? von TIMEPATTERNANALYSIS. Und er wird noch deutlicher: "Washington hat nichts gegen Wall Street unternommen. Schlimmer: Die Füchse der Wall Street haben sich überall in der Obama-Administration eingenistet, sie führen das Finanzministerium, die New York Fed und sind stark vertreten in jeder Stelle, die Aufsichtsgewalt über Wall Street hat. So lange Wall Street für 40% der Unternehmensgewinne gut ist, ist da das Geld. Und Washington funktioniert nur mit Geld. So lange die Füchse das Hühnerhaus bewachen, können die Chefs der größten Banken ungestört walten und schalten." Mehr dazu hier.

Zweiflern empfehlen wir außerdem den Beitrag von Anat Admati in der Schweizer HANDELSZEITUNG: "Fünf Jahre Nicht-Reform". Die US-Professorin für Wirtschaftswissenschaften erklärt darin u. a. anschaulich "die Gefahren der Basel-III-Regeln sind offensichtlich". Mehr hier.


Island verzichtet endgültig auf EU-Beitritt
(n-tv.de) Der EU-Beitritt Islands ist vom Tisch. Die ohnehin schon lange unterbrochenen Verhandlungen sollen nicht weitergeführt werden. Zwar gibt es zwischen Island und Brüssel Streitpunkte, ein Beitritt könnte jedoch eventuell der wirtschaftlichen Stabilität dienen. Mehr...

Kommentar: 1000 Dank nach Reykjavik. Es gibt schon genug Fußkranke in der EU. Wahrscheinlich ist diese Entscheidung aber nur der Einsicht geschuldet, dass Großbritannien und die Niederlande einem Beitritt wohl kaum zugestimmt hätten - solange die Isländer die Milliarden-Schulden aus ihren Bankenpleiten bei Millionen Briten und Niederländern nicht bezahlen. 


Dänische Regierung will der Euro-Zone beitreten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die dänische Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt hält an einem Beitritt ihres Landes zur Eurozone fest. Doch die Mehrheit der Dänen ist gegen den Euro. Daher will Thorning-Schmidt mit einem erneuten Referendum warten, bis die Euro-Krise vorbei ist. Mehr...

Kommentar: Das trifft sich gut. Dänemark steckt in ernsten Schwierigkeiten (Immobilien- und Bankenkrise). Da können die Dänen zeigen, wie gut sie damit alleine klarkommen. 


Australien: Ein kurzer Blick nach Down Under
(querschuesse.de) In der deutschen Öffentlichkeit und deutschen Medien spielt Down Under in der Regel keine Rolle, wenn nicht gerade mal wieder weite Landstriche wahlweise unter Wasser oder in Flammen stehen. Gönnen wir uns einen kurzen Überblick über die makroökonomische Entwicklung Australiens. Mehr...

Kommentar: Wir haben schon mehrfach von Problemen in Australien berichtet. Erstmals im August 2011 (hier). Dieser Beitrag von Steffen Bogs zeichnet dagegen tendenziell ein positives Bild: "Das war nur ein sehr grober Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung Australiens, der sicherlich kein vollumfängliches Urteil über Australien, seine Wirtschaft und die Wirtschaftspolitik dort erlaubt – gerade über die Umweltaspekte des Rohstoffbooms könnte man sicherlich noch allerlei schreiben. Was man aber sagen kann ist, dass das Land in Sachen Investitionstätigkeit und Industrieproduktion sehr gut dasteht, gerade im Vergleich zu den meisten europäischen Volkswirtschaften. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich seit geraumer Zeit klar in die falsche Richtung, aber noch kann man hier nicht von einer dramatischen Lage sprechen. Klar kritisch zu beurteilen sind hingegen die Leistungsbilanz und die Auslandsvermögensposition und natürlich die rasant steigenden Immobilienpreise."  Wir haben Zeit und warten ab. Kaum vorstellbar, dass Australien von der Krise vergessen wird.