Freitag, 28. Februar 2014

Standpunkt 889 - Nachrichten-Ticker, 24. & 25.02.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Leider ist es uns nicht gelungen, die Arbeiten an unserem neuen Dossier wie angekündigt noch im Januar abzuschließen. Selbst im Februar werden wir damit nicht fertig. Der Grund ist einfach: Mittlerweile arbeiten wir an der 3. Änderung und 4. Erweiterung. Der Grund: Dieses Update soll nicht einfach nur eine Fortschreibung der bisherigen Schwerpunkte sein, sondern die Ursachen und Folgen der Krise erläutern und bewerten, sowie die Vorschläge zum Abbau der Staatsschulden ausführlich beschreiben. Unser Dossier soll so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig sein, außerdem leicht verständlich geschrieben. Das erfordert Zeit. Dafür bitten wir um Verständnis. Das Warten lohnt sich auf jeden Fall. Versprochen. 

Das bedeutet aber auch, dass in diesen Tagen unser Nachrichten-Ticker nicht regelmäßig erscheint. Trotzdem bleiben wir am Ball und holen nach, was an Nachrichten erst einmal liegen bleibt. Garantiert. 


Tagesthemen: In eigener Sache – Banken contra Wirtschaft - Wachstum in Europa (4 Beiträge) Bankenkrise in Österreich Griechenland (3 Beiträge) – Neues aus Amerika


In eigener Sache
Nicht erst seit dem Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle regelmäßig daraufhin. Nun hat auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, ihre Sympathie für den IWF-Vorschlag entdeckt (hier).

Jetzt heißt es endlich aufzuwachen und dem Feind in die Augen zu schauen. Einige der betroffenen 99% scheinen das so langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt.  Deshalb bieten wir wieder eine persönliche Beratung an, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail.


Banken essen Wirtschaft auf
(project-syndicate.org)  Der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, überraschte sein Publikum auf einer Konferenz Ende letzten Jahres mit  Spekulationen, wonach die Aktiva der Banken in London bis 2050 auf das Neunfache des britischen BIPs anwachsen könnten.  Seine Prognose stellte eine einfache Extrapolation zweier Trends dar: die weltweit anhaltende Vertiefung des Finanzsektors (also schnelleres Wachstum der Finanzanlagen als der Realwirtschaft) und die Erhaltung des Londoner Anteils am globalen Finanzgeschäft.
Dabei handelt es sich vielleicht um vernünftige Annahmen, dennoch war die Einschätzung für viele zutiefst beunruhigend. Ein riesiges einheimisches Finanzzentrum und überdimensionale nationale Banken können den Steuerzahlern teuer zu stehen kommen. In Island und Irland entwuchsen die Banken den Möglichkeiten der Regierungen, sie im Notfall zu unterstützen. Das Ergebnis war desaströs.  
Ganz abgesehen von den möglichen Kosten einer Rettung argumentieren manche, dass die Hypertrophie des Finanzwesens der Realwirtschaft schadet, weil dadurch qualifizierte Arbeitskräfte und Ressourcen abgezogen werden, die man anderswo besser einsetzen könnte. Doch Carney argumentiert, dass der Rest der britischen Ökonomie sehr wohl davon profitiert, in seiner Mitte über ein globales Finanzzentrum zu verfügen.  "Die Position im Mittelpunkt des globalen Finanzsystems", so Carney, "erweitert die Investitionschancen für Institutionen, die sich um die britischen Ersparnisse kümmern und stärkt die Möglichkeiten der britischen Fertigungs- und Kreativwirtschaft im globalen Wettbewerb". 

Diese Annahme ist natürlich das Fundament, auf dem der Londoner Markt gründet und auch die Argumentation, die aufeinanderfolgende Regierungen vertreten haben. Doch sie gerät zunehmend in die Kritik. Mehr...

Kommentar: Unverdrossen rühren die führenden Köpfe der Finanzindustrie - die Notenbanken gehören definitiv dazu! - weiter die Werbetrommel für den von ihnen erfundenen Finanzkapitalismus als Gegenspieler des Realkapitalismus. Ganz so, als wäre die Finanzkrise nicht passiert, bzw. bereits erfolgreich beendet. Tatsächlich steht uns der Kollaps noch bevor. Die Welt befindet sich in einer Krisen-Sackgasse, immer noch unterwegs in die falsche Richtung. Umzukehren ist offensichtlich keine Option. Der Super-GAU zwanghaft eingeplant. 

Mark Carney ist ein Gaul aus dem Stall von Goldman Sachs. Er gehört zu denen, die der US-amerikanische Wirtschafts-Professor L. Randall Wray als "Füchse der Wall Street" bezeichnet die sich überall eingenistet haben, in der Obama-Administration, das US-Finanzministerium führen, die New York Fed und sind an den Stellen stark vertreten, von denen die Wall Street beaufsichtigt wird. In Europa ist der wichtigste Mann von Goldman Sachs, neben Carney, sicherlich der Chef der EZB, Mario Draghi. Die Füchse bewachen den Hühnerstall. 

Sie diktieren die Politik, ignorieren Verfassungen, Gesetze, demokratische Strukturen. Die dienen alle nur als Mittel zum Zweck. Der heißt "Geld regiert die Welt". 

Der österreichische Ökonom Stefan Schulmeister hat sich in vielen Analysen mit dieser Entwicklung beschäftigt. Hervorzuheben wäre in diesem Zusammenhang der Beitrag "Der Finanzkapitalismus, die Wachstumskrise und das Europäische Modell" (hier). Darin hat er u. a. die Unterschiede zwischen Real- und Finanzkapitalismus herausgearbeitet und in einer Übersicht zusammengefaßt: 



Bemerkenswert finden wir in jedem Fall die Rolle der Notenbanken im System des Finanzkapitalismus. Deren Aufgabe beschränkt sich zweifellos nur noch darauf die Interessen der Finanzindustrie zu wahren, sonst nichts. Eine These, die wir schon lange vertreten. Diese Entwicklung gibt in absehbarer Zeit dem kapitalistischen System den Rest. Natürlich nicht, ohne vorher noch die Umverteilung der Vermögen in ihre alleinigen Hände finalisiert zu haben. Diese finale Umverteilung ist seit 2008 voll im Gange. Jedes Rettungspaket und jedes Spardiktat in Europa sind ein Steinchen auf dem Weg dahin. Davor ist niemand gefeit. 

Auf diese Entwicklung geht der Autor des aktuellen Beitrags, Howard Davies, nicht ein. Er beschreibt die Folgen für die britische Realwirtschaft. Sein Fazit: "Sollten nun also die Briten der von Carney skizzierten Zukunft enthusiastisch entgegensehen? Ambitionierte Derivatehändler werden ihre Karriereaussichten bestimmt zuversichtlicher beurteilen. Und andere Teile der Ökonomie, die ihre Dienstleistungen dem Finanzsektor anbieten – wie Porschehändler oder Striplokale, zum Beispiel – werden wohl ähnlich hoffnungsfroh in die Zukunft blicken. Wenn jedoch der Finanzsektor weiterhin eine unverhältnismäßig hohe Zahl der klügsten und hellsten Köpfe aufnimmt, ist bis 2050 möglicherweise nur mehr wenig von der britischen Fertigungsbranche übrig und es könnte sogar weniger High-Tech-Firmen als heute geben. Wer wirtschaftliche Ungleichgewichte und die übermäßige Abhängigkeit von einem volatilen Finanzsektor mit Sorge betrachtet, wird bestimmt hoffen, dass sich dieser Aspekt der 'Forward Guidance' der BoE als ebenso unzuverlässig herausstellt wie ihre Prognosen hinsichtlich der Arbeitslosigkeit." 

Davies nimmt Bezug auf zwei Untersuchungen, auf die wir unsere LeserInnen an dieser Stelle ausdrücklich hinweisen möchten. Die eine heißt "The Growth of Modern Finance" und stammt von Robin Greenwood und David Scharfstein, beide Harvard Business School (hier). Die andere stammt von Stephen G. Cecchetti und Enisse Kharroubi von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel: "Why does financial sector growth crowd out real economic growth?" (hier). Die Ergebnisse der beiden Arbeiten stehen im Gegensatz zu den Behauptungen von Carney, was aber auch nicht wirklich überrascht. 


Jetzt kehrt das Wachstum nach ganz Europa zurück
(welt.de) EU-Kommissar Olli Rehn sieht das Wachstum zurück in der Euro-Zone und hebt die Konjunkturprognose an. Einen leichteren Job hat er dadurch aber nicht. Er fürchtet, dass die Länder das Sparen beenden. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wachstum? Nicht vergessen, im Mai sind Europa-Wahlen. Bis dahin muss die Mär vom Krisenende kräftig aufpoliert werden. Nicht nur Papier, auch Statistikzahlen sind ganz besonders geduldig. Wir bleiben gelassen und warten weiter geduldig auf die Wirklichkeit. Die folgende Grafik gibt wenig Anlass zur Zuversicht: 


Wenig Anlass zur Freude gibt auch der Beitrag "The Economic Roadmap Ahead: 'It Isn't That Complicated'" bei ZERO HEDGE (hier). Oder dieser hier: "The Pig In The Python Is About To Be Expelled": A Walk Thru Of China's Hard Landing, And The Upcoming Global HarderReset", randvoll mit Charts und Informationen, die Olli Rehn fleissig ignoriert. Markus Gärtner meldet auf seinem Blog: "Der Erdrutsch an Chinas Immobilienmarkt hat begonnen" (hier). Sicher ist das nur ein schleichender Prozess, in den Peking immer wieder eingreifen wird. Nur, wie in diesem Umfeld nennenswertes Wirtschaftswachstum entstehen soll, ist uns schleicherhaft. 


Österreich: US-Bank warnt vor Folgen für Europa bei Hypo-Insolvenz
(derstandard.at) Eine Gläubigerbeteiligung hätte europaweit negative Auswirkungen, so ein Report von Bank of America. Sie sieht den Staat in der Pflicht. Mehr... 

Kommentar: Die Finanzkapitalisten melden sich zu Wort. Offensichtlich besteht ein großes Interesse daran, den österreichischen Steuerzahlern die Verluste dieser Pleitebank unterzuschieben - und damit hauptsächlich deutsche Banken vor neuen Schwierigkeiten zu bewahren. Das offen zu fordern ist ein Novum in Europa. Das ist nur die Spitze des Eisbergs...


Griechenland: Es gibt kein Gesundheitssystem mehr! 
(griechenland-blog.gr) Fast jeder dritte Bürger in Griechenland hat keine Krankenversicherung mehr und ist von dem öffentlichen Gesundheitssystem ausgeschlossen. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Statt zu kommentieren möchten wir unsere LeserInnen auf zwei Beiträge hinweisen, die gerade bei HEISE-TELEPOLIS erschienen sind. Es handelt sich um ein zweiteiliges Interview mit dem ORF-Journalisten Christian Rathner zur Wirtschaftskrise in Griechenland. Teil 1 trägt die Überschrift "Wenn du nicht vernünftig wirst, vererbe ich dir das Haus!" (hier).  Teil 2 heißt  "Es ist kein Geheimnis, dass aufgrund der Krise längst Menschen sterben" (hier). Unbedingt lesenswert.


10 Stories From The Cold, Hard Streets Of America That Will Break Your Heart
(zerohedge.com) If the economy is really "getting better", then why have millions upon millions of formerly middle class Americans been pushed to the point of utter despair? The stories that you are about to read are absolutely heartbreaking. I don't know how anyone can read them without getting chills. In America today, if you lose a good job, there is a good chance that you will get back on your feet before too long. But there is also a good chance that you won't be able to find a decent job and will plunge into the abyss of depression and desperation that so many millions of other Americans have fallen into. As I wrote about earlier this month, the U.S. economy is definitely not getting any better. For example, if you assume that the percentage of Americans that want to work is about at the long term average, then the official unemployment rate in the United States would be above 11 percent. And compared to six years ago, 1,154,000 fewer Americans are working today even though our population has gotten significantly larger since then.  Behind all of these numbers are real flesh and blood people, and you are about to hear from some of them. The following are 10 stories from the cold, hard streets of America that will break your heart... Read more... 

Kommentar: Nein, kein Kommentar (mehr). Nur eine dazu passende Karikatur: 
Quelle: washtimes.com