Samstag, 1. März 2014

Standpunkt 890 - Nachrichten-Ticker, 26. & 27.02.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Leider ist es uns nicht gelungen, die Arbeiten an unserem neuen Dossier wie angekündigt noch im Januar abzuschließen. Selbst im Februar werden wir damit nicht fertig. Der Grund ist einfach: Mittlerweile arbeiten wir an der 3. Änderung und 4. Erweiterung. Der Grund: Dieses Update soll nicht einfach nur eine Fortschreibung der bisherigen Schwerpunkte sein, sondern die Ursachen und Folgen der Krise erläutern und bewerten, sowie die Vorschläge zum Abbau der Staatsschulden ausführlich beschreiben. Unser Dossier soll so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig sein, außerdem leicht verständlich geschrieben. Das erfordert Zeit. Dafür bitten wir um Verständnis. Das Warten lohnt sich auf jeden Fall. Versprochen. 

Das bedeutet aber auch, dass in diesen Tagen unser Nachrichten-Ticker nicht regelmäßig erscheint. Trotzdem bleiben wir am Ball und holen nach, was an Nachrichten erst einmal liegen bleibt. Garantiert. 


Tagesthemen: In eigener Sache – Bankenrettung à la Merkel - Ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland (5 Beiträge) – Wirtschaftskrise in Russland Zypern – China Forward Guidance


In eigener Sache
Nicht erst seit dem Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle regelmäßig daraufhin. Nun hat auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, ihre Sympathie für den IWF-Vorschlag entdeckt (hier).

Jetzt heißt es endlich aufzuwachen und dem Feind in die Augen zu schauen. Einige der betroffenen 99% scheinen das so langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt.  Deshalb bieten wir wieder eine persönliche Beratung an, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail.


Angela Merkel: Steuerzahler "nie wieder für Bankenfehler geradestehen lassen"
(wirtschaftsblatt.at) Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel hielt vor dem Parlament in London eine viel beachtete Rede. Sie forderte den Verbleib Großbritanniens in der EU, Zugeständnisse für Premier David Cameron gab es allerdings keine. Mehr...

Kommentar: Eine völlig wertlose Aussage, deren Haltbarkeit relativ bald nach der Europa-Wahl im Mai endet. Wer soll denn sonst die billionenschweren Probleme in den Bilanzen der TBTF-Banken lösen? Darauf bleibt Merkel wohlweislich den kleinsten Hinweis schuldig. Nüchtern betrachtet, lügen sich Politik und Finanzindustrie durch die Krise - um am Ende die Rechnung doch den Sparern und Steuerzahlern zu präsentieren. Wir haben darauf immer wieder hingewiesen. Es gibt keine Finanzreform, keine ernstzunehmenden Strafverfahren gegen die Finanzverbrecher (O-Ton Ernst Prost, Unternehmer) und ihre Helfershelfer, keine ernsthaften Absichten, die Krise zu lösen. Geplant ist nur, die bereits in den 1970er Jahren begonnene Vermögensumschichtung von unten nach oben endgültig abzuschließen. Die deutsche Bundesregierung ist, seit Gerhard Schröder, in Europa einer der wichtigsten Erfüllungsgehilfen dieses Plans. Wer dahintersteckt ist schwer auszumachen. Offensichtlich ist nur, dass die Finanzindustrie an der Wall Street und in London dieses "End Game" orchestriert. Die wahren Strippenzieher bleiben im Verborgenen. 

Merkels Aussage ist ein klarer Hinweis darauf, wie die Sache demnächst weitergeht: Bankenrettungen mit Hilfe der Gläubiger (nur ein anderes Wort für Sparer) und Eigentümer nach einem verbesserten, schlagkräftigeren "Zypern-Modell". Ein Beispiel effektiver Maßnahmen lieferte vor einem Jahr, noch vor der Aktion in Zypern, die niederländische Regierung bei der Not-Verstaatlichung der SNS Reaal: Sie erklärte Anleihen der Bank über Nacht für wertlos. Die Aktionäre der Bank verloren außerdem innerhalb weniger Stunden 1 Milliarde Euro. Trotzdem kostete diese Übernahme die niederländischen Steuerzahler weitere 3,7 Milliarden Euro. Ob diese Summe reicht ist noch nicht absehbar. Außerdem müssen 5 Milliarden Euro Garantien gestellt werden. Nachzulesen hier und hier. 

Nur zur Erinnerung:

Quelle: zerohedge.com


Armes Deutschland, reiches Deutschland
(dgb.de) Deutschland ist Europameister, wenn es um die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft geht. Gleichzeitig sind wir das Schlusslicht der Eurozone, wenn es um die gerechte Verteilung von Vermögen geht. Boom kommt, Rezession geht, Ungleichheit bleibt. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind nach wie vor riesig, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt (DIW).Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein Kommentar ist zwecklos. Das wäre, wie wenn man "einem Ochsen ins Horn petzt". Bereits frühere Untersuchungen mit einem ähnlichen Ergebnis wurden von den Betroffenen reglos, oder mit höchstens einem Achselzucken, hingenommen. Deshalb beschränken wir uns darauf, auf einige Beiträge zu diesem Thema hinzuweisen. Vorher aber die Grafik aus dem Beitrag des DGB:



Österreichs STANDARD meldet "Vermögensungleichheit: Deutschland Kaiser" und schreibt im Vorspann dazu: "Nirgendwo in Eurozone sind die Vermögen laut Studie ungleicher verteilt als in Deutschland - Österreich folgt laut OeNB-Papier aus 2013 auf Rang zwei". Mehr hier. Es geht um netto rund 6,3 Billionen Euro, wovon alleine 5,1 Billionen Euro auf Grund- und Immobilienbesitz entfallen. 

Die SÜDDEUTSCHE titelt zu der Studie "Arme bleiben arm, Reiche werden reicher".  Die Daten sind aktuell. Die Zeitung schreibt: "Für die Analyse der Vermögensverteilung wurden nun erstmals die Zahlen von 2012 berücksichtigt, die bei der Abfassung des Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung noch nicht vorlagen." Mehr hier

Die F.A.Z. hat - glücklicherweise - schon gleich ein "Haar in der Suppe gefunden" und liefert unter dem Titel "Wie die Rente Arm und Reich gleicher macht", sicherlich zur großen Freude ihrer Leserschaft, gleich die Erklärung dazu: "Deutschlands Vermögen ist besonders ungleich verteilt - so heißt es. Doch wer die Rente richtig mitrechnet, kommt zu ganz anderen Ergebnissen." Mehr dazu hier. Dann ist ja alles in bester Ordnung... 

Die Ergebnisse seiner Studie hat das DIW unter dem Titel "Anhaltend hohe Vermögensungleichheit in Deutschland" hier zusammengefasst. 


Der schwankende Riese
(zeit.de) Mit der Ukraine wendet sich ein wichtiger Wirtschaftspartner von Russland ab. Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein: Die russische Wirtschaft steckt in der Krise. Mehr...

Kommentar: Früher oder später erwischt es sie alle. Nun also auch Russland. Der Auslöser spielt eigentlich keine Rolle. Die Entwicklung in der Ukraine birgt auch für deutsche Sparer hohe Risiken. Jedenfalls für diejenigen, die nach den Pleiten der isländischen Banken insgesamt mehr als 100 Millionen Euro der größten russischen Bank VTB anvertraut haben, die selbst zu den größten Gläubigern der Ukraine gehört, wie es in dem Beitrag heißt. Das Land ist leider pleite, die Vermögen so weit wie möglich außer Landes gebracht. 


Zypern blockiert Privatisierungen
(n-tv.de) Neuer Brandherd in der europäischen Schuldenkrise: Tief im Südosten des Währungsgebiets drohen mühsam ausgehandelte Hilfsvereinbarungen zu platzen. Zyperns Staatschef Anastasiades scheitert mit einem zentralen Gesetzesvorhaben. Mehr...

Kommentar: Schon einmal hatten wir uns gewünscht, dass sich das zyprische Parlament gegen die Pläne der EU zur Bankenrettung auflehnt. Leider vergebens. Auch in diesen Tagen böte sich wieder eine günstige Gelegenheit: Es ist sehr vernünftig, sich gegen die Privatisierung von Staatseigentum zu wehren. Letztlich wird es dazu aber nicht kommen. Schade. So gerne möchten wir erleben, wie hilflos die Euro-Granden auf diese Rebellion reagieren.


Is China Set For A Japan-Style Lost-Decade?
(zerohedge.com) "The extent of unproductive investment in China today is much greater than was the casefor Japan at a comparable phase of development," warns Deutsche's EM strategist John-Paul Smith, and one glance at the chart below suggests China is tracing an ominous path towards the same "lost-decade" that un-inspired Japan since the mid-80s. While the PBOC is less interested in goosing its own stock market (since ownership is so low), Chinese stocks (down 60% from 2007 highs) "seem to be saying that there is a significant risk of a major slowdown." Read more... 
Kommentar: Nur zur Ergänzung der von uns in der jüngsten Zeit vorgestellten Beiträge. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag: 


Die Parallelen sind unverkennbar. 


Das schwierige Hauptwerkzeug der Krisen-Geldpolitik
(blog.fuw.ch) "Forward Guidance" heisst die Zauberformel der Notenbanker seit der Krise. Die Wirkung des Konzepts ist weniger zauberhaft. Mehr...

Kommentar: Der richtige Lesestoff für das Wochenende. Ein bisschen Hintergrundwissen zu Forward Guidance, einer relativ neuen Wortschöpfung aus der Krise. Der Knüller in jeder Diskussionsrunde. Als Appetithäppchen gibt es vorneweg schon das Fazit: "Kurz: Forward Guidance funktioniert schlecht, und sie ist das noch überzeugendste Mittel, das den Notenbanken in einer Krise bei Erreichen der Null-Prozent-Untergrenze für die Leitzinsen bleibt. Wie es Bernanke schon 2008 erkannt hat: Geldpolitik ist für eine solche Krise schlecht gerüstet, Fiskalpolitik wäre besser geeignet. Die Lehre aus allem ist, dass uns auch fünf Jahre nach 2008 so etwas wie ein überzeugender Konsens dazu fehlt, welche Politik in einer nächsten schweren Krise am besten wie eingesetzt werden sollte. Bleibt nur zu hoffen, dass wir genug Zeit haben, bevor erneut eine Entscheidung her muss..."