Dienstag, 15. April 2014

Standpunkt 913 - Nachrichten-Ticker, 09. & 10.04.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns sehr darum, ausgewogen zu sein. 

Leider müssen wir mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele Themen unbeachtet. Eine Übersetzung dieser Texte können wir nicht bewerkstelligen. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. In wenigen Tagen ist das Update fertig! Wir machen Fortschritte, gerade sind wir auf die Zielgerade eingebogen. Das neue Dossier ist so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig, außerdem leicht verständlich geschrieben (hoffen wir jedenfalls). Eigentlich ist es mehr als nur ein Update. Es platzt aus allen Nähten: Wir haben ausgiebig recherchiert und reingepackt, was irgendwie reingeht. Gefühlt wird es ein "Jahrhundert-Werk". Wir erwarten mehr als 80 Seiten. Zu viel für diesen Blog. Deshalb gibt es eine Änderung: Das Thema bekommt eine eigene Website, die wir parallel zum Dossier vorbereiten. 

Vor der Europa-Wahl im Mai werden "unsere" Regierungspolitiker den Ball flach halten. Zu groß ist die Angst vor den europafeindlichen Gruppierungen. Es bleibt also ein bisschen Zeit, um sich gründlich mit dem Update zu beschäftigen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die sind dringend geboten, dass werden wir beweisen. 

Aus dem Inhalt: 
  • Wir besprechen die Krisenherde in Europa, den USA, China und Japan. 
  • Wir informieren über die Geschichte der Finanzkrise, die sich nicht nur in wenigen Jahren entwickelt hat. 
  • Wir beschreiben die weitere Entwicklung dieser Krisen. 
  • Wir stellen das europäische Land vor, in dem seit November 2012 eine Bankeninsolvenzordnung in Kraft ist, mit der es die Enteignung seiner Sparer und Steuerzahler regelt. 
  • Wir erläutern ausführlich, warum die Krise in Europa nicht gelöst wird - ebenso alle anderen Krisen in der Welt. 
  • Wir stellen sehr detailliert die einzelnen Vorschläge der Boston Consulting Group, des DIW in Berlin und des IWF für eine einmalige Vermögensabgabe vor. 
  • Wir erklären, warum keiner dieser Ratschläge ausreicht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 
  • Wir beleuchten das "Zypern-Modell" und seine Auswirkungen.
  • Wir berichten darüber, wie Sparer und Gläubiger bei der Not-Verstaatlichung einer Bank über Nacht enteignet wurden - im Herzen der Eurozone, nicht an der Peripherie. 
Natürlich kümmern wir uns intensiv um die zahlreichen staatlichen Werkzeuge der Enteignung, beschreiben ihre Geschichte und ihre modernen Nachfolger, klären auf über deren Wirkung, erklären ihre geradezu zwanghafte Notwendigkeit. Da ist für jeden etwas dabei. Das Warten lohnt sich! 

Täglich erreichen uns noch Anregungen zu diesem Thema, die wir so weit wie möglich berücksichtigt haben. Dafür bedanken wir uns auf diesem Weg ausdrücklich. Gleichzeitig bitten aber auch um Verständnis dafür, dass wir neue Vorschläge, die ab sofort bei uns eingehen, nicht mehr verarbeiten können. Wir stoßen an unsere Grenze und das Dossier soll endlich fertig werden.  
  

Tagesthemen: In eigener SacheBanken-Lobby vs. EU (5 Beiträge) Joachim Gauck und die Banken – Bad Bank EZB – Nachtrag Mindestlohn Deutscher Außenhandel, Februar 2014 – Griechenland rockt den Finanzmarkt (19 Beiträge) – Deutschland und die Krise – EU-Beitritt der Türkei – EU-Austritt Großbritannien, eine unendliche Geschichte – GG-Änderung für die Abschussbefugnis Osteuropa-Krise (7 Beiträge) – Markus Gärtner –USA on top (7 Beiträge) 


In eigener Sache 
Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mit Hilfe der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt.  Deshalb bieten wir wieder eine persönliche Beratung an, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten.

Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail


Banken-Lobby beherrscht Brüssel
(fr-online.de) Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften legen sich in Brüssel mächtig ins Zeug, um Einfluss auf die Finanzgesetzgebung zu nehmen. Das ist seit langem klar. Doch genauere Untersuchungen darüber, wie mächtig die Finanzlobby in der EU-Hauptstadt ist, gab es bislang nicht. Das hat die Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) nun mit einer Studie nachgeholt, die der FR vorliegt. Mit erschreckenden Ergebnissen.
CEO hat ermittelt, dass mehr als 700 Unternehmen – Finanzinstitute, aber auch Verbände, Kanzleien oder Beratungsfirmen – mit mindestens 1700 Lobbyisten unterwegs sind, um die Interessen der Finanzlobby durchzudrücken. Jedem Beamten in der Europäischen Kommission, der sich mit Finanzthemen beschäftige, stünden somit vier Lobbyisten gegenüber. Am mächtigsten sei die britische Finanzlobby. Dagegen gebe es nur etwa 150 Gewerkschaften, Verbraucherorganisationen und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs). Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Da muss sich niemand mehr wundern, dass es mit der 2008/2009 unter dem Eindruck der Lehman-Pleite von den Regierungschefs der G8/G20-Staaten versprochenen Finanzreform auch in Europa nichts wird. Die Studie von CEO, "The Fire Power of the Financial Lobby" kann hier abgerufen werden. Sie gehört in jedes Archiv, das sich mit der Finanzkrise beschäftigt. Die Pressemitteilung dazu gibt es hier

Wer sich bis zur Website der CEO durchschlägt, dem möchten wir eine weitere Studie ans Herz legen: "Profiting from Crisis. How corporations and lawyers are scavenging profits from Europe’s crisis countries" (hier). Sie passt sehr gut zu den Beiträgen "Konzerne vs. Staaten" (hier, hier und hier). Und es gibt erfreulicherweise eine Zusammenfassung auf Deutsch: "Von der Krise profitieren. Wie Konzerne und Kanzleien in Europas Krisenländern Gewinne ergattern wollen". In der Einleitung heißt es: "Die Studie 'Von der Krise profitieren'  erzählt die Geschichte von Konzernen, die mit Hilfe von Anwaltskanzleien internationale Investitionsabkommen nutzen, um Gewinne zu ergattern – indem sie Regierungen der europäischen Krisenländer vor internationalen Schiedsgerichten verklagen. Die Studie zeigt, wie das globale Investitions-Schutz-System in Wirtschaftskrisen wächst und gedeiht, wobei sein Nutzen sehr ungleich verteilt ist. Spekulanten, die riskante Investitionen tätigen, sind geschützt, während normale Bürger keinen derartigen Schutz genießen und – durch strenge Sparpolitik in der Krise – grundlegender sozialer Rechte beraubt wurden." Mehr hier. Die Pressemitteilung zu diesem Report kommt schon in der Überschrift auf den Punkt: "Speculative investors claim at least 1,7 billion Euros from crisis-hit countries" (hier). Gehört ebenfalls in jedes Archiv. 


Gauck, der Banker-Versteher 
(spiegel.de) Die Spannung war groß: Würde Joachim Gauck der Finanzelite auf dem Bankentag ins Gewissen reden wie seine Vorgänger? Ach was. Der Bundespräsident war so zahm, dass er in Sachen Kritik von den Bankern selbst überholt wurde. Mehr...

Kommentar: Es ist tragisch. Seit Horst Köhler hat Deutschland wirklich Pech mit seinen Präsidenten. Entweder ist Joachim Gauck völlig ahnungslos, oder er zieht eine richtig große Show ab. Für Angela Merkel? So oder so ist es peinlich, wie Gauck mit solchen Auftritten das Volk hinters Licht führt. Sogar sein Vorgänger hat sich da mehr getraut.  


EZB wirbt für verpönte Kreditpapiere
(diepresse.com) Das Geschäft mit Kreditverbriefungen gilt als Mitauslöser der letzten großen Finanzkrise. Nun plant die EZB solche Papiere aufzukaufen. Mehr...

Kommentar: Das hat was, die EZB als Bad Bank.


Die fünf Geburtsfehler des Mindestlohns
(welt.de) Die Bundesregierung hat den Mindestlohn in Windeseile durchgepeitscht. Auf ökonomischen Sachverstand hat sie dabei verzichtet – in einigen Bereichen wird die Reform katastrophale Folgen. Mehr...

Kommentar: Wir versuchen ausgewogen zu sein. Deshalb auch noch dieser kritische Beitrag zum Mindestlohn. Dieses Thema wurde von uns in jüngster Zeit mit vielen Beiträgen und Untersuchungen, die wir ausführlich vorgestellt haben, intensiv bearbeitet. Alleine hier mit zehn Beiträgen. Zuletzt ging es hier um die Jugend und den Mindestlohn. Stichhaltiger erscheinen uns die Argumente der Befürworter der ursprünglichen Pläne der GroKo. Die werden sowieso nicht Wirklichkeit...


Deutschland: Außenhandelsdaten Februar 
(querschuesse.de) Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) heute Morgen mitteilte, stiegen die deutschen Exporte von Waren und Gütern (unbereinigte Originaldaten) im Februar 2014 um +4,6% zum Vorjahresmonat, auf 92,402 Mrd. Euro, nach 90,747 Mrd. Euro im Vormonat und nach 88,302 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Die Importe stiegen um +6,5% zum Vorjahresmonat auf 76,138 Mrd. Euro. Der Handelsbilanzüberschuss sank um -3,2% zum Vorjahresmonat, auf +16,264 Mrd. Euro. Mehr...

Kommentar: Der Export-Riese steht auf tönernen Füßen. Auf Dauer ist diese Entwicklung nicht durchzuhalten, selbst nicht mit tatkräftiger chinesischer Hilfe, dem neuen Lieblingshandelspartner der deutschen Unternehmen. Es lohnt ein Blick auf die Grafiken von Steffen Bogs. Eine haben wir hierher übernommen: 


Bogs schreibt dazu: "Die Entwicklung der akkumulierten Handelsbilanzüberschüsse seit Januar 1971 im Chart. Am äußeren Rand dokumentieren sich kumulierte +3,102707 Mrd. Euro an Überschuss bei Waren und Gütern. Wahnsinn!"  

Unmissverständlich ist sein Fazit: "Völlig verrückt ist diese deutsche Volkswirtschaft, denn niemals wird die Welt eine adäquate realwirtschaftliche Gegenleistung erbringen und erbringen können! Es zeichnet sich ein Exzess, eine aberwitzige makroökonomische Agenda, welche die exzessiven Ungleichgewichte und daraus entstehenden Risiken ausblendet und selbstgefällig und zufrieden auf die Überschüsse blickt und dies obwohl zugleich an diesen Überschüssen ein Großteil der Bevölkerung gar nicht partizipiert! Siehe als Beispiel die durchschnittlichen Reallöhne, welche 2013 um -0,1% zum Vorjahr sanken und damit Reallöhne, welche immer noch unter dem Level von 1992 dümpeln und das zuletzt 2012 54,9% aller ausgezahlten gesetzlichen Renten in Deutschland unter 900 Euro im Monat lagen und 32,4% aller Renten sogar unter 600 Euro." 


Athen zieht Schlussstrich unter Euro-Rettung
(welt.de) In Rekordzeit kehrt der vormalige Pleitestaat Griechenland zurück an
den Finanzmarkt. Das Land beauftragt ein Bankenkonsortium mit der Ausgabe einer Staatsanleihe. Die Euro-Retter haben ausgedient.  



Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Ereignisse um die Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt gleichen einer propagandistischen Meisterleistung. Bestens orchestriert und wenigstens teilweise von den Medien wohlwollend begleitet, steigt in diesen Tagen Griechenland wie Phönix aus der Asche. Statt eines eigenen weitschweifenden Kommentars von uns, lohnt sich der Blick auf die Beiträge, die sich in den einschlägig bekannten Medien mit dieser Entwicklung beschäftigen. Wir bieten unseren LeserInnen eine Auswahl an von der wir hoffen, dass sie die Bandbreite der öffentlichen Meinung abdeckt. 

Die ZEIT schlagzeilt schon gleich "Griechenland ist wieder kreditwürdig" und im Vorspann heißt es: "Die griechische Regierung will sich erstmals seit Jahren Geld am Kapitalmarkt leihen. Die Investoren reißen sich um die neuen Staatsanleihen. Wie kann das sein?" Mehr hier. Wir hätten uns eine schlüssige Antwort auf diese Frage gewünscht, leider ist sie der Autor schuldig geblieben. Er hat lieber, ganz im Stile einer Seifenoper, den griechischen Reformeifer und die neoliberalen Rezepte gelobt, mit denen die Griechen Tag für Tag drangsaliert werden. Ohne den gewünschten Erfolg. 

Der GRIECHENLAND BLOG meldet zur wirtschaftlichen Situation des Landes wenig Erfreuliches: "Griechenland: Exporte sinken, Importe steigen!" Aus der Einleitung: "Die Exporte Griechenlands gingen auch im Februar 2014 weiter zurück, während bei den Importen zum ersten Mal seit 5 Monaten ein Anstieg verzeichnet wurde. Die Dynamik der griechischen Exporte schwächt sich weiter ab, da auch im Februar 2014 – sprich im fünften aufeinanderfolgenden Monat – ein Rückgang der Exporte verzeichnet wurde." Mehr hier

Ein klein wenig Kritik kommt vom WALL STREET JOURNAL in der Analyse von "Griechenlands zweifelhafter Anleihe-Erfolg". Das Blatt schreibt einleitend: "Nach vier Jahren, zwei Hilfspaketen und dem größten staatlichen Schuldenschnitt der Geschichte, wird Griechenland voraussichtlich an diesem Donnerstag an die Märkte zurückkehren. Kenner rechnen mit der Emission einer fünfjährigen Anleihe im Volumen von rund 2 Milliarden Euro. Anleger dürften eine Rendite von etwas mehr als 5 Prozent bekommen, wenn sie dem Land Geld leihen. Für Griechenland und die Eurozone ist das eine gute Nachricht, aber auch eine Mahnung, wie sehr die lockere Geldpolitik die Anleiherenditen nach unten gedrückt hat. Dass es Griechenland nach der Umschuldung im Jahr 2012 überhaupt so schnell zurück an den Markt schafft – und das bei einem Schuldenberg von 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – mag viele überraschen. Aber die Märkte haben immer wieder bewiesen, dass sie ein kurzes Gedächtnis haben, wenn es um Zahlungsausfälle von Staaten geht. Zudem ist Griechenlands Schuldenlast nicht ganz so heftig, wie sie auf den ersten Blick scheint: Rund 80 Prozent der Schulden fallen bei der öffentlichen Hand an, die durchschnittliche Laufzeit der Kredite beträgt 16 Jahre und die durchschnittlichen Kosten liegen bei 2,6 Prozent – ein Rekordtief, wie Analysten der Citigroup schreiben. Weitere Zugeständnisse der anderen Euroländer werden die griechische Schuldenquote zwar nicht senken, Athen den Schuldendienst jedoch erleichtern. Das verringert die Risiken für private Gläubiger. Trotzdem sollten sich die Anleger fragen, ob Griechenlands neue Anleihe angesichts der Restrisiken genügend Rendite bietet." Und zum Schluss: "Angesichts des Renditehungers der Anleger wird Griechenland kaum Probleme haben, seine neue Anleihe an den Mann zu bringen. Für diejenigen, die fürchten, dass die Geldpolitik die Anleihemärkte verzerrt, ist der wahrscheinliche Erfolg Athens jedoch ein weiterer Grund zur Sorge." Mehr hier. 

"Griechenlands dubiose Wunderheilung" titelt der SPIEGEL. Und schreibt im Vorspann: "Seit knapp vier Jahren hängt Griechenland am Tropf internationaler Hilfspakete. Nun plant die Regierung die Rückkehr an den Kapitalmarkt. Die Anleger stehen bereit - obwohl die Ausgangssituation des Landes teilweise schlechter ist als 2010." Mehr hier. 

Die deutsche WIRTSCHAFTSWOCHE hat den Täter schon ausgemacht: "Griechenland betreibt Augenwischerei" heißt es dort. Und weiter: "Das Euro-Krisenland wagt den Schritt an die Kapitalmärkte und gibt fünfjährige Bonds heraus. Athen will damit ein positives Zeichen setzen - und über den tatsächlichen Zustand des Landes hinwegtäuschen." Mehr hier. Neues steht da nicht drin. 

Für das HANDELSBLATT schreibt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, "über die wahren Verkaufsargumente der Anleihen". Für ihn ist es "Eine Wette auf die europäische Politik". Weiter schreibt er: "Investoren reißen sich um Griechenlandbonds – allerdings nicht, weil es der Wirtschaft des Landes plötzlich so gut ginge." Mehr hier. So sieht es auch der SPIEGEL in dem Beitrag "Die große Wette auf die nächste Griechen-Rettung": "Die Anleger reißen sich um die frischen griechischen Staatsanleihen. Für Athen ist das eine gute Nachricht. Für deutsche Steuerzahler nicht. Denn die Finanzmärkte spekulieren offenbar bereits auf den nächsten Bailout." Mehr hier. n-tv titelt "EZB-Versprechen im Rücken: Anleger reißen sich um Hellas-Bonds". Der Vorspann: "Historischer Tag in Athen: Griechenland wird bei seiner Rückkehr an die Märkte mit Milliarden überschüttet. Vor allem institutionelle Anleger greifen zu. Doch nicht alle sehen darin einen Triumph des Landes - sie verlassen sich auf die EZB." Mehr hier. Der Nachrichtensender spricht von einer "Aktion mit symbolischem Wert": "Angesichts des Volumens von drei Milliarden Euro ist die Platzierung insgesamt aber eher nur von symbolischer Natur. Denn das griechische Schatzamt emittiert jeden Monat kurzlaufende Schatzwechsel im Gesamtumfang von über einer Milliarde Euro. Der Löwenanteil der griechischen Finanzierung erfolgt ohnehin bis auf Weiteres über Hilfsgelder der internationalen Gläubiger."                                                            .
Die SÜDDEUTSCHE erklärt "Was Athens Comeback am Kapitalmarkt bedeutet" und versucht sich an Antworten auf einige grundsätzliche Fragen: "Wie gut steht Griechenlands Wirtschaft wirklich da? Ist ein weiteres Hilfspaket jetzt überflüssig? Was hat die Deutschen die Unterstützung bislang gekostet? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum griechischen Anleihe-Programm." Mehr hier. Der Beitrag enthält auch keine Neuigkeiten. 

Krude meldet sich natürlich der FOCUS zu Wort: "Danke Deutschland! Spekulanten sahnen in Athen ab" lautete ursprünglich die Überschrift zu einem Beitrag über den angeblich griechischen Plan, sich Geld am Finanzmarkt zu beschaffen. Im Beitrag selbst, der uns vorliegt, wird kein direkter Bezug zu Deutschland hergestellt, da ist nur ganz allgemein von den europäischen Steuerzahlern die Rede. Mittlerweile wurde die Überschrift "entschärft". Jetzt heißt es "Griechischer Milliarden-Coup auf Kosten der Eurostaaten". Der Vorspann dazu: "Griechenland kehrt an den Kapitalmarkt zurück - und die Investoren überschütten das Land mit Geld. Ihnen ist egal, dass die Probleme nach wie vor groß sind: Denn im Notfall stehen ja Europas Steuerzahler bereit." Mehr hier. Alles in allem ein Beitrag, der bestens die Vorurteile des heimischen "BILD"-ungsbürgertums bedient. Belastbare Fakten gibt es nicht. 

Deren Klischees bedient auch DIE WELT mit dem Beitrag "Samaras hat seinen Willen, die Probleme sind ungelöst". Natürlich muss auch eine passende Einleitung her: "Dass Athen sich nun wieder am Markt billiges Geld holt, ist kein Zeichen von Gesundung. Im Gegenteil: Der Patient ist krank. Aber wenige Wochen vor der Europa-Wahl verliert man alle Hemmungen." Mehr hier. Was in Wahrheit eine konzertierte Aktion ist, wird auch in diesem Artikel der griechischen Regierung angelastet. Die Ausgangslage ist eine andere: Europas Krisenmanager müssen dringend Erfolge vorweisen, wollen nicht sie und ihre Parteien bei der anstehenden Europa-Wahl kräftig Federn lassen. Dafür ist jedes Mittel recht, inklusive einer Garantie für sagenhaft 4,75% Zinsen und die Übernahme der Rückzahlung durch die EZB, falls Griechenland dazu nicht in der Lage wäre. In diesem Zusammenhang beschäftigt uns die Frage, wer eigentlich die Spekulanten sind, die sich dieses top besicherte Schnäppchen unter den Nagel gerissen haben... Darüber schweigen sich alle aus. Sicherlich gibt es gute Gründe dafür, die Öffentlichkeit im Unklaren zu lassen. 

HEISE-TELEPOLIS betitelt einen Analyse so: "Mit der Griechenland-Anleihe ist das Casino wieder richtig geöffnet". Wir zitieren aus der Einleitung: "Nach vier Jahren unter dem Rettungsschirm hat Griechenland heute erstmals wieder eine längerfristige Anleihe versteigert. Das griechische Finanzministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass eine über fünf Jahre laufende Staatsanleihe ausgegeben werde. Tatsächlich haben sich die Investoren regelrecht um die Papiere gerissen, denn die Anleihe war sechsmal überzeichnet. Statt drei Milliarden Euro hätte sich Griechenland also etwa 20 Milliarden besorgen können. Um den durchschnittliche Zinssatz bei scheinbar bezahlbaren 5% zu halten, nahm man nur eine halbe Milliarde mehr als geplant ein, um deutlich unter den etwa 7% zu bleiben, die als Absturzgrenze gelten. Die Emission aus Griechenland sei ein Indiz dafür, wie sehr die Zuversicht der Anleger zurückgekehrt ist, werden verschiedene Experten zitiert. 'Händler halten sich bei Investments dieser Kategorie nicht länger zurück', sagte Christian Lenk von der DZ Bank in Frankfurt. Und das könnte zu reichlich Erstaunen führen. Denn die Lage in dem Land ist fataler als je zuvor. Die Arbeitslosigkeit liegt auf Rekordniveau bei 27% und die Verschuldungsquote ist inzwischen auf knapp 180% der Wirtschaftsleistung (BIP) hochgeschossen. Dass für 2013 ein Haushaltsdefizit von mehr als 13% erwartet wird, ist sicher kein Grund, dem Land neues Geld zu leihen. Das sind sogar vier Punkte mehr als 2012. Dass das Land 2020 seine Schulden auf 120% des BIP drücken kann, womit man ohnehin nur am Ausgangspunkt der 'Rettung' angelangt wäre, glaubt wohl niemand mehr ernsthaft. Dabei gab es diverse Schuldenschnitte und einen Schuldenrückkauf, um die Verschuldung zu reduzieren. Die Versteigerung heute trägt sogar noch dazu bei, dass die Kapitalkosten und die Schulden noch schneller steigen werden. Denn die 5%-Rendite, die geboten werden musste, liegt deutlich über dem Zinssatz, für den Griechenland Geld aus dem Rettungsschirm erhält." Mehr hier. Der bis jetzt beste Beitrag zum Thema, der die Hintergründe beleuchtet und die Maskerade entlarvt, die dieses Schurkenstück verschleiert. Es lohnt sich auf jeden Fall, auch den Links in dieser Analyse zu folgen. 

Die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN betreiben mit dem Beitrag "Die große Manipulation: "Wie Goldman Griechenland in den Euro holte" ein wenig Geschichtsunterricht: "Die Muppets sind zurück: Goldman Sachs bringt Griechenland zurück an den Bond-Markt. Goldman hatte Griechenland beim Euro-Beitritt geraten, die EU mit einem Buchhaltungstrick hinters Licht zu führen. Der heutige EZB-Chef Mario Draghi war früher Europa-Chef von Goldman Sachs." Mehr hier. Die Qualität des Beitrags leidet aber u. a. darunter, dass alleine "mehrere korrupte Regime in Athen" und die "kriminelle Energie der griechischen Regierung" als Auslöser der Aktionen von Goldman Sachs benannt werden. Nicht ein Wort davon, dass damals wie heute die Beteiligung der Goldmänner auf Betreiben Brüssels (EU), Frankfurts (EZB) und Berlins (Bundesregierung) zustande gekommen war/ist. Die griechische Regierung war zu keiner Zeit an diesen Entscheidungen ernsthaft beteiligt. Diese Tatsachen möchte natürlich im Land des europäischen Zahlmeisters niemand hören/lesen. 

Im Land selbst gibt es erste Reaktionen: "Griechen misstrauen Finanzplänen ihrer Regierung" betitelt der SPIEGEL einen Betrag und stellt im Vorspann dazu fest: "Erstmals seit vier Jahren will sich Griechenland wieder selbst Geld an den Finanzmärkten besorgen, die Regierung beschwört die Gesundung des Landes. Doch von der spüren viele Griechen nichts. Sie sehen die geplante Auktion als teuren Wahlkampf." Mehr hier. Nützliche Informationen liefert auch der schon im März bei GRIECHENLAND BLOG erschienene Beitrag "Griechenland: Der Fluch der Pleitiers" (hier): "Laut Yanis Varoufakis stellen für Griechenland der angebliche primäre Überschuss, der beabsichtigte Marktgang und die Wahlkampgeschenke einen Grund zur Trauer dar." 

Noch eine Analyse aus Griechenland: "Does return to markets signal end of Greek crisis? The perils of ignoring macro-economic fundamentals", erschienen bei MACROPOLIS. Ein Auszug: "Politics today is the art of shaping a narrative, with the overriding preference being for one that is in harmony with markets and investors. This narrative is currently being formulated in real time in Greece. It is centred on the much anticipated return of the Greek sovereign to international bond markets. Even the best public relations agency could not have done a better job of creating the 'market return' narrative that the coalition government of Prime Minister Antonis Samaras has done over the past weeks. Wherever Greek bankers have appeared on international road shows in the US and UK for corporate bond placements or advertising capital increases during March, they took the city by storm. News of unprecedented investors’ interest in these issuances and heavy oversubscription were greeted with enthusiasm back home in Athens. Moreover, the success stories of Piraeus Bank and Alpha Bank prepared the field for the Greek sovereign to jump on the rolling bandwagon and proclaim that the crisis is over because the country and some corporates are again being admitted into the international investment community. However, financial investors’ interest in such assets is less prominent from continental Europe. Equally, this stampede stands in sharp contrast to private investors’ willingness to commit resources to the Greek real economy, e.g. in terms of their participation in high profile privatisation projects. The single largest foreign investor in Greece since 2011 is a public institution, namely the European Investment Bank, the financing arm of the European Commission. For those of us who have lived through the crisis years since 2009, it is quite amazing to observe how quickly investor sentiment towards Greece has changed. Since the start of the year Greece has moved from pariah to the toast of global financial investors. Furthermore, it is rather revealing to observe that many members of the international investment community appear to have suspended their critical faculties, preferring to ignore numerous macro-economic fundamentals of the country and various challenges that Greece continues to face. Instead, much of their interest is reminiscent of a herd instinct, driven by investors rotating out of emerging markets and starting to pile into higher yielding periphery assets in Europe." Mehr hier. Dieser Beitrag stammt von dem deutschen Ökonomen Jens Bastian, einem ausgewiesenen Kenner der griechischen Zustände. Zwischen 2011 und 2013 war er Mitglied der "Task Force for Greece" der EU-Kommission in Athen. Wahrscheinlich deshalb ist Bastian ein eher verhaltener Kritiker der bisherigen europäischen Lösungsversuche, der sich offensichtlich von den neoliberalen Denkmustern nicht so richtig frei machen kann. Nach diesem Muster ist auch diese Analyse gestrickt.

Österreichs WIRTSCHAFTSBLATT kümmert sich gleich um das große Ganze und klärt auf: "So geht es den Euro-Sorgenkindern..."  Forsch wagt die Zeitung in der Einleitung einen Blick in die Zukunft: "Griechenland hat am Donnerstag zum ersten Mal seit 2010 wieder mittelfristige Staatsanleihen ausgegeben und viele Investoren wollten die Anleihen haben. Dies gilt als ein sicheres Zeichen für zurückkehrendes Vertrauen und als Schritt zum Ausstieg aus den internationalen Hilfsprogrammen. Auch in anderen EU-Krisenstaaten zeichnet sich eine Rückkehr zur Normalität ab." Mehr hier. Was da zu den Krisenländern geschrieben steht, ist lupenreine Propaganda. 

Unser Fazit: Die teilweise ein klein wenig kritisch gehaltenen Beiträge dürfen keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass bei der Rückkehr Griechenlands an den Finanzmarkt der wahre Zustand des Landes überhaupt keine Rolle spielt. Vielmehr ist sie dem unbedingten Zwang geschuldet, dass vor der Europa-Wahl im nächsten Monat, nach Irland und Spanien, noch schnell ein weiterer Erfolg europäischer Krisenpolitik präsentiert werden muss. Da kommt das von den vermeintlichen Rettern zerstörte Griechenland gerade recht. Zumal die griechische Regierung durch die Troika jeder Entscheidungsbefugnis beraubt ist und, einem Hampelmann gleich, von Brüssel, Berlin und Frankfurt fremdbestimmt wird. Das Land ist wehrlos diesen Ränkespielen ausgeliefert.

Quelle: paolo-calleri.de


Top economists warn Germany that EMU crisis as dangerous as ever
(telegraph.co.uk) Council on Foreign Relations compares Germany's hardline stance with US policy towards Britain at the end of the Second World War. Read more...

Kommentar: Jenseits der "die Krise geht zu Ende Propaganda" brennt es nach wie vor lichterloh im europäischen Haus. Über die Ursachen und die Folgen gibt es unterschiedliche Ansichten. Nur nicht darüber, dass Deutschland dafür einen großen Teil der Verantwortung trägt: "Professor Michael Burda, from Berlin's Humbolt University, said the eurozone's core problem is Germany's current account surplus - more than 6pc of GDP - and flat wages for a decade. '"Germany has to become less competitive or the eurozone is not going to survive. You can't just save forever. It's mercantilism and we don't do that kind of thing anymore. All Germany has to do is to make its people happier by raising their wages,' he said." Dass Deutschland gegensteuern muss, ist hinlänglich bekannt und mehrheitlich unbestritten. Der Deutsche Michel hört das nicht gerne, der hat es sich mit dem selbstzufriedenen Gefühl bequem gemacht, auf einer Insel der Glückseligkeit zu leben. Während er die Probleme mittels seiner Leistungsbilanzüberschüsse weiter exportiert. 


EU-Beitritt der Türkei kein Thema mehr? 
(heise-telepolis) Ablehnung, Resignation und Desinteresse bei Bevölkerung und Politik.
Gerade erst wurde die nächste Runde der Beitrittsverhandlungen zwischen Türkei und EU von April auf Juni verschoben. Dabei haben offenbar sowohl die EU als auch die türkische Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan längst jedes Interesse verloren - und auch in der türkischen Bevölkerung ist ein EU-Beitritt alles andere als populär. Dass das Thema gerade in Deutschland noch immer die Gemüter erhitzt, entbehrt jeder Grundlage, denn tatsächlich ist es weitestgehend vom Tisch, die weiterlaufenden Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt bloße Scheinveranstaltungen. Mehr...

Kommentar: Eine lesenswerte Analyse, sehr sachlich abgefasst. An deren Ende wir aber unsere Haltung bestärkt sehen, dass die Türkei auf keinen Fall in absehbarer Zeit ein glaubwürdiger Kandidat für eine Vollmitgliedschaft in der EU ist. Beide sind problembeladen. Ein Zusammenschluss potenziert die Schwierigkeiten nur noch. Es ist an der Zeit, die Erleichterungen in den Handelsbeziehungen mit der Türkei als Beitrittskandidat zu beenden und mit der türkischen Regierung über die Rückzahlung der mehr als 3 Milliarden Euro Beitrittshilfe zu reden. Aber wahrscheinlich sind das verlorene Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Schade, sie hätten anderswo in den europäischen Krisengebieten besser eingesetzt werden können. 


Diplomat findet Rezept für erfolgreichen EU-Austritt
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Ein junger Diplomat hat eine Vorlage für einen wirtschaftlich erfolgreichen EU-Austritt Großbritanniens erarbeitet. Das Land solle die EU verlassen und dafür mehr Handel mit den Schwellenländern treiben. Für seinen Vorschlag gewann er einen mit 100.000 Euro dotierten Preis. Mehr...

Kommentar: Bitte, macht endlich... statt immer nur davon zu reden, oder damit zu drohen. 


Realitätsfremd, überflüssig und verfassungsrechtlich fragwürdig – die neuerlichen Pläne der Großen Koalition zur vereinfachten Abschussbefugnis im Luftsicherheitsgesetz
(humanistische-union.de) Die jetzt bekannt gewordene Absicht der Großen Koalition, das Grundgesetz (GG) zu ändern, um die Bekämpfung von terroristischen Luftangriffen im Inneren durch die Bundeswehr möglich zu machen, ist nach Auffassung des Vorsitzenden der Humanistischen Union Werner Koep-Kerstin "ein weiterer Tabubruch, mit dem die verfassungsrechtliche Trennung von Polizei und Militär, von innerer und äußerer Sicherheit immer unschärfer wird". Mehr...

Kommentar: Es geht los, die GroKo vergreift sich am Grundgesetz. Und erleichtert den Einsatz der Bundeswehr im Innern. Wir sind fest davon überzeugt, dass in dieser Regierungsperiode mehrmals Hand an das Grundgesetz gelegt wird. Nach unserer Ansicht, aus Sicht der "Eisernen Lady Kanzlerin" Angela Merkel, der wichtigste Vorteil dieses Regierungsbündnisses mit der ungeliebten SPD. 


Ukraine-Krise trifft RBI an mehreren Fronten
(format.at) Investoren blicken mit tiefen Sorgenfalten auf die hohe Abhängigkeit der RBI vom russischen Markt.
Noch vor Kurzem wurde das hochprofitable Russland-Geschäft der Raiffeisen Bank International als Ertragsperle des österreichischen Instituts gefeiert. Doch mit der Ukraine-Krise und den wachsenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen hat sich das Bild geändert. Mehr...


Kommentar/Ergänzung: Noch wird abgewiegelt. Bald reicht das nicht mehr, dann brennt die Hütte, nicht nur die der RBI. Österreichs Banken haben ihre Engagements im gesamten osteuropäischen Raum übertrieben. Das muss sich rächen. Durch die aktuelle Krise wird sich die negative Entwicklung beschleunigen. Gelegenheit einzugreifen haben die betroffenen Banken kaum. 

Die Einschätzungen der Verantwortlichen waren wohl zu optimistisch, Warnungen wurden in den Wind geschlagen. Die werden heute aufgearbeitet. 

"Der Kalte Krieg war nie ganz vorbei" titelt beispielsweise DIE WOCHENZEITUNG in der Schweiz: "Seit 1989 bedrängt die Nato Russland. Angesichts dieser Chronologie der Nadelstiche ist es nachvollziehbar, dass Wladimir Putins Annexion der Krim bei der russischen Bevölkerung grosse Zustimmung findet." Mehr hier. Der FREITAG beschreibt "Die Folgen westlichen Wortbruchs" (hier). 

Dessen ungeachtet bleibt die westliche Diplomatie in den Kinderschuhen stecken, statt dessen wird mit dem Säbel gerasselt: "EU und USA planen Wirtschafts-Krieg gegen Russland" melden die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN: "Die USA wollen neue Sanktionen gegen Russland, die vor allem dessen Wirtschaft hart treffen sollen. US-Außenminister Kerry wirft Moskau vor, die Unruhen in der Ost-Ukraine angestiftet zu haben. So solle ein
Truppeneinmarsch gerechtfertigt werden."
Mehr hier. Wie das funktioniert macht die folgende Karikatur deutlich: 


Quelle: cicero.de

Anderswo hofft man darauf, dass sich wenigstens in Zukunft die Sache für Putin rächen wird. Ein Beispiel dafür ist der Beitrag "Putins Kalkül" von Joseph S. Nye für PROJECT SYNDICATE. Er schreibt eingangs: "Der Mehrzahl der Berichte nach zu urteilen ist der russische Präsident Wladimir Putin der Gewinner der Ukraine-Krise, zumindest bis jetzt. Seine Annektierung der Krim, die Nikita Chruschtschow 1954 freiwillig an die Ukraine übertrug, erhielt in Russland großen Beifall, und die Reaktionen westlicher Regierungen hat er größtenteils gelassen hingenommen. Doch längerfristig betrachtet ist Putins Sieg nicht ganz so gewiss." Mehr hier. Was Nye dazu schreibt überzeugt uns nicht. 

Es gibt aber auch handfeste Kritik aus Deutschland an der Haltung der Bundesregierung. Nachzulesen in dem Beitrag "Regierungsamtliche Vokative" bei GERMAN-FOREIGN-POLICY"Ein prominenter deutscher Jurist übt scharfe Kritik an gegen Russland gerichteten Äußerungen der Bundesregierung zur Krim-Krise. Wie Reinhard Merkel, Jura-Professor an der Universität Hamburg, erklärt, müsse die Behauptung, Russland habe die Krim "annektiert" oder dort einen "Landraub" begangen, klar zurückgewiesen werden: Sie sei nicht nur völkerrechtlich falsch, sondern auch hochgefährlich, weil Annexionen gewöhnlich mit Krieg beantwortet würden. Merkel rät, in der Krim-Krise dringend "den regierungsamtlichen Vokativen von Berlin bis Washington zu misstrauen". Währenddessen spitzt sich die Situation in der Ukraine weiter zu. Die illegal ins Amt gelangte Regierung beginnt eine "Lustration" ("Reinigung"), deren Ziel es ist, Anhänger der Partei des gestürzten Präsidenten Janukowitsch von öffentlichen Posten zu entfernen; die Rede ist von "Tausenden". Zugleich erhalten ukrainische Oligarchen, gegen deren Herrschaftspraktiken sich die frühen Maidan-Proteste richteten, neue Ämter; die von Deutschland aufgebaute Partei UDAR des Ex-Boxers Witali Klitschko hat anstelle ihrer chancenlosen Führungsfigur einen Milliardär zu ihrem Kandidaten für die Präsidentenwahl ernannt. Gegen die Proteste der zunehmend marginalisierten prorussischen Bevölkerungsteile rücken inzwischen faschistische Kräfte vor, deren Gewaltpotenzial sich die von Berlin unterstützte Maidan-Opposition schon bei Janukowitschs Sturz zunutze machte." Mehr hier

Zum Schluss noch eine überraschende Meldung: "Ukraine: ZDF gibt einseitige, PR-geleitete Berichterstattung zu". Nachzulesen hier


Billiges Geld, brachiale Politik und böse Vermutungen 
(blog.markusgaertner.com) Leben wir in einer virtuellen Welt, in einer manipulierten, einer dauerhaft beschleunigten, oder gar in einer schlicht “verkehrten.” – Beim Abendspaziergang durch Blogs, Plattformen und Mainstream-Medien tendiere ich eher zu dem letzten Punkt. Es läuft vieles genau anders herum als wir es kennen. Mehr...

Kommentar: Bestens geeignet zur Einstimmung auf den US-Teil unseres heutigen Nachrichten-Tickers. Einfach wirken lassen... Die folgenden Beiträge haben es in sich: 


Mirable Dictu! US Regulators Impose Tougher Rules on Bank Capital
(nakedcapitalism.com) It’s easy to be cynical about the state of bank regulations, since the regulators themselves have for the most part been badly captured by the industry. So it’s important to give them credit when they take a meaningful step in the right direction. Read more...

Kommentar: Jede Wette, das Leben geht weiter... 


The "Rule of Money" and Corruption in America. Predatory Capitalism Feeds on Public Dollars, Forced Debt
(globalresearch.ca) While some still believe the United States is the greatest democracy on Earth, the US is actually a plutocracy, a government ruled by the wealthiest. The recent Supreme Court decision in McCutcheon will subject us to an even stronger plutocracy that no one will be able to deny. The ‘rule of money’ will become more deeply entrenched at a time of economic and environmental crisis.
In  the US today, a small group of people rule over hundreds of millions of us through a government corrupted by money; and controls the economy through mega-businesses that receive special treatment from that government, prevent entrepreneurial competition and control tens of millions of people through low wages and high debt. The plutocrats fund the only two parties allowed to run for office and the people are manipulated by fear to vote against their interests in a mirage democracy of rigged elections.
The legitimacy of the US government is now in question. By illegitimate we mean it is rule by the 1%, not a democracy ‘of, by and for the people.’ The US has become a carefully designed plutocracy that creates laws to favor the few. As Stephen Breyer wrote in his dissenting opinion, American law is now "incapable of dealing with the grave problems of democratic legitimacy." Or, as former president, Jimmy Carter said on July 16, 2013 "America does not at the moment have a functioning democracy."
Even members of Congress admit there is a problem. Long before the McCutcheon decision, Senator Dick Durbin (D-IL) described the impact of the big banks on the government saying: "They own the place." We have  moved into an era of a predatory form of capitalism rooted in big finance where profits are more important than people’s needs or protection of the planet.
It is up to us to use McCutcheon to energize the movement against money-corruption of the government and economy. Throughout history, bad court decisions have helped energize movements; people power can make that happen again. Already there is a growing movement against the American plutocracy. Read more...


Kommentar/Ergänzung: Eine lohnende Lektüre. Verbessert das Verständnis über den Zustand Amerikas. In diesem Zusammenhang ebenfalls lesenswert: "SEC Prosecutor Says SEC Top Brass Are Corrupt", ein Beitrag von ALTERNET. Ein Auszug: "Bloomberg News reported, on April 8, that a Securities and Exchange Commission prosecuting attorney, James Kidney, said at his recent retirement party on March 27, that his prosecutions of Goldman Sachs and other mega-banks had been squelched by top people at the agency, because they 'were more focused on getting high-paying jobs after their government service than on bringing difficult cases.' He suggested that SEC officials knew that Wall Street would likely hire them after the SEC at much bigger pay than their government remuneration was, so long as the SEC wouldn't prosecute those megabank executives on any criminal charges for helping to cause the mortgage-backed securities scams and resulting 2008 economic crash. His 'remarks drew applause from the crowd of about 70 people,' according to the Bloomberg report. This would indicate that other SEC prosecutors feel similarly squelched by their bosses. Kidney's speech said that his superiors did not 'believe in afflicting the comfortable and powerful.' Referring to the agency's public-relations tactic of defending its prosecution-record by use of what he considered to be misleading statistics, Kidney said, 'It's a cancer' at the SEC. Two recent studies have provided additional depth to Kidney's assertions, by showing that Obama and his Administration had lied when they promised to prosecute Wall Street executives who had cheated outside investors, and deceived homebuyers, when creating and selling mortgage-backed securities for sale to investors throughout the world." Mehr hier. Zur Erklärung: Bei der SEC handelt es sich um die US-Börsenaufsicht.


The Rot of Wall Street Stinks All the Way to the Bank 
(alternet.org) Not too many years ago, any news story about bonus money would've been about some 20-year-old baseball player — an up-and-coming superstar getting $100,000 or so on top of his salary as an extra incentive to join the Yankees, Giants, Red Sox or whatever team. Sportswriters dubbed them: "Bonus Babies."
How quaint. These days, stories about bonus money don't elicit cheers, for they feature some of society's least admirable people: Wall Street bankers. Far from superstars, they can be subpar performers or even what amounts to crime syndicate bosses overseeing everything from simple fraud to laundering money for drug cartels. Yet, in the first part of each year, we witness this cluster of greedmeisters quaffing champagne, laughing uproariously and shouting, "It's bonus time, baby!"
This year, even though the Wall Street bosses have presided over a 30 percent drop in their banks' profits, they've extracted a 15 percent raise in overall bonus money, totaling a ridiculous $27 billion. That averages out to $165,000 in extra pay to each Wall Street banker. But averages deceive, for thousands of lower-level bankers are given a dab, while those up in the executive suites make off with the bulk of the bonus heist.
Michael Corbat, CEO of Citigroup, for example, didn't just grab a 15 percent increase in bonus pay, but nearly three times that. His total haul was $16 million. Then there's Jamie Dimon, boss of JPMorgan Chase. He had a really terrible year in 2013, forcing his shareholders to shell out some $22 billion in penalties for tallying up a long list of illegalities. But that didn't stop Jamie from taking a 74 percent hike in bonus money this year — he pulled in a cool $18.5 million.
In a time when the 90 percent majority of Americans see their income falling, you'd think Wall Street might show a bit of modesty.
But, instead, they choose to show us just how much Wall Street crime really does pay.
Let's review the rap sheet of Wall Street banks: Defrauding investors, cheating homeowners, forgery, rigging markets, tax evasion, credit card ripoffs ... and so sickeningly much more. Read more...


Kommentar: Nach diesem Beitrag sollte jedem klar sein, warum die Banken mit höchst riskanten, kriminellen Geschäften Quartal für Quartal Milliarden-Gewinne bilanzieren. Das meiste davon ist heiße Luft. Die Führungsmedien hierzulande kommunizieren diese Zustände unverdrossen als Erfolgsstory. 


The Coming Nightmare of Wall Street-Controlled Rental Markets
(alternet.org) In a 2011 report, Morgan Stanley analysts proclaimed that America was experiencing a transition from an ownership society to a "rentership society". "The combination of falling home prices, limited mortgage credit, continued liquidations and better rental options is fundamentally changing the way Americans live," says the report, concluding, "We believe this change is only beginning." For Wall Street firms, the Morgan Stanley report appears to have become a self-fulfilling prophecy: Seeing a profitable opening in the wake of the foreclosure crisis, investment groups have worked diligently to bring a "rentership society" into being. During the past two years, investors have bought approximately 200,000 single-family homes, mostly foreclosures, in urban areas nationwide, with plans to convert them into rental properties. In Atlanta, one such investment group purchased 1,400 homes on a single day in April of last year.
This investor-led feeding frenzy has sent home sales and prices rising again, leading some commentators to hail a "robust housing recovery." But it’s one that’s happening largely without homeowners. In the final months of 2013, the rate of homeownership dipped to an 18-year low of 65.2 percent, down from a 69.4 percent peak prior to the 2007 financial crisis, according to U.S. Census data.
Some commentators have chalked this trend up to itinerant millennials who choose renting over buying as a matter of preference. But growing numbers of older Americans are also finding themselves renting due to wrecked credit, continued unemployment or the inability to outbid deep-pocketed investors. And while the "American Dream" of homeownership has always been an exclusionary one, out of reach for millions of people of color and working-class whites, a rental market controlled by Wall Street could easily turn out to be a nightmare for all.
In the new rentership society, the largest landlord of them all is the Blackstone Group — which, with $266 billion in assets, is also the world’s largest private equity firm. Through a survey of Blackstone-owned rental homes in Chicago, as well as interviews with housing advocates and policy researchers, In These Times discovered a slew of concerns related to this new investor-owned housing stock. Tenants report poor conditions and attempts to evade responsibility for maintenance that appear to violate city ordinances. Moreover, housing advocates worry that investors’ long-term presence in recovering neighborhoods will speed gentrification and shift the balance of power away from communities, to faraway Wall Street landlords. Read more...


Kommentar/Ergänzung: ALTERNET liefert gleich noch ein Beispiel für die kriminellen, menschenverachtenden Geschäftsmodelle der "Presidents' Bankers" dazu. 

Erfreulicherweise wird dieses Modell auch in der aktuellen deutschen Ausgabe des LE MONDE DIPLOMATIQUE beschrieben: "Schon wieder - Neues Geschäftsmodell mit US-Immobilien". Wer sich nicht durch den englischen Text des ALTERNET-Beitrags kämpfen möchte, der ist damit bestens bedient. Ein Auszug: "Die Preise für Eigenheime steigen! Die Baukonjunktur springt wieder an! Die Krise ist überwunden! Seit einiger Zeit bejubeln die Medien in den USA die wundersame Wiederauferstehung der Immobilienmärkte. Was sich hinter dem ganzen Tamtam verbirgt, erfährt man nicht. In der Branche breitet sich seit knapp zwei Jahren eine komplett neue Strategie des schnellen Reichtums aus.
Heimlich, still und leise haben Hedgefonds und Private-Equity-Unternehmen inzwischen ein wahres Imperium von Mietimmobilien angehäuft. In Atlanta schnappen sie sich viktorianische Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, in Chicago verklinkerte Bungalows und in Phoenix, Arizona, Villen im spanischen Kolonialstil. Insgesamt haben diese zahlungskräftigen Investoren mehr als 200 000 kostengünstige, vorwiegend zwangsversteigerte Häuser aufgekauft.
Die an der Wall Street ausgelöste Immobilienkrise hat seit Herbst 2007 mehr als 10 Millionen Menschen um ihr Wohneigentum gebracht. Dadurch ist ein paradoxes Problem entstanden: Während Millionen leerstehender Häuser, die in Bankbesitz übergegangen sind, die Vorstädte verwaisen lassen und die Kriminalitätsrate in die Höhe treiben, sind Millionen obdachlos gewordener US-Bürger auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft.
Zum Glück hat man an der Wall Street jetzt eine Lösung gefunden: Die neuen Investoren bieten den ehemaligen Eigentümern die Chance, in ihre zwangsverkauften Häuser zurückzuziehen - als Mieter. Als Vehikel dient dabei ein neuer Typ verbriefter Wertpapiere, der allerdings das ganze Konzept in die Luft sprengen könnte. Wie schon einmal."
Mehr hier


Wie menschenverachtend und mit welchen rüden Methoden bei diesem Geschäftsmodell agiert wird, dokumentiert ein weiterer Beitrag von ALTERNET, auf den wir an dieser Stelle noch besonders hinweisen möchten. Lesen Sie "How Financial Giant Blackstone Got the Cops to Kick Us Out of Our Home", hier

Es gibt sie aber auch noch, die Guten. Die ihren Kunden nicht für einen schnellen Dollar das Fell über die Ohren ziehen, sondern auf eine faire und dauerhafte Geschäftsbeziehung setzen. Jedenfalls kennen wir einen - definitiv. Weit weg von der Wall Street.


Die Fed fürchtet die kraftlose Inflation
(wsj.com) Unter den Geldpolitikern der amerikanischen Notenbank Federal Reserve wächst die Angst vor einer anhaltend niedrigen Inflationsrate in den USA. Es ist ein weiteres Signal dafür, dass sich Zentralbanken weltweit vor einer globalen Wirtschaftsschwäche fürchten. Mehr...

Kommentar: Statt vieler Worte, nur eine Karikatur:

Quelle: bsw.com