Donnerstag, 8. Mai 2014

Standpunkt 920 - Nachrichten-Ticker, 23. & 24.04.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns sehr darum, ausgewogen zu sein. 

Leider müssen wir mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele Themen unbeachtet. Eine Übersetzung der englischen Texte können wir nicht bewerkstelligen. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Hinweis: Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Leider können wir immer noch nicht unser neues Dossier zu diesem Thema vorstellen. Wir bedauern das sehr. Die persönlichen Beratungen haben jedoch oberste Priorität. Aus diesem Grund gilt nach wie vor unser letztes Update aus dem September 2012, das hier unseren  LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. 

Das neue Dossier ist so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig, außerdem leicht verständlich geschrieben (hoffen wir jedenfalls). Es ist mehr als nur ein Update. Und platzt aus allen Nähten: Wir haben ausgiebig recherchiert und reingepackt, was irgendwie reingeht. Gefühlt wird es ein "Jahrhundert-Werk". Wir erwarten mehr als 80 Seiten. Zu viel für diesen Blog. Deshalb gibt es eine Änderung: Das Thema bekommt eine eigene Website, die wir parallel zum Dossier vorbereiten. 

Vor der Europa-Wahl im Mai werden "unsere" Regierungspolitiker den Ball flach halten. Zu groß ist die Angst vor den europafeindlichen Gruppierungen. Es bleibt also ein bisschen Zeit, um sich gründlich mit dem Dossier zu beschäftigen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die sind dringend geboten, dass werden wir beweisen. 

Aus dem Inhalt: 
  • Wir besprechen die Krisenherde in Europa, den USA, China und Japan. 
  • Wir informieren über die Geschichte der Finanzkrise, die sich nicht nur in wenigen Jahren entwickelt hat. 
  • Wir beschreiben die weitere Entwicklung dieser Krisen. 
  • Wir stellen das europäische Land vor, in dem seit November 2012 eine Bankeninsolvenzordnung in Kraft ist, mit der es die Enteignung seiner Sparer und Steuerzahler regelt. 
  • Wir erläutern ausführlich, warum die Krise in Europa nicht gelöst wird - ebenso alle anderen Krisen in der Welt. 
  • Wir stellen sehr detailliert die einzelnen Vorschläge der Boston Consulting Group, des DIW in Berlin und des IWF für eine einmalige Vermögensabgabe vor. 
  • Wir erklären, warum keiner dieser Ratschläge ausreicht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 
  • Wir beleuchten das "Zypern-Modell" und seine Auswirkungen.
  • Wir berichten darüber, wie Sparer und Gläubiger bei der Not-Verstaatlichung einer Bank über Nacht enteignet wurden - im Herzen der Eurozone, nicht an der Peripherie. 
Natürlich kümmern wir uns intensiv um die zahlreichen staatlichen Werkzeuge der Enteignung, beschreiben ihre Geschichte und ihre modernen Nachfolger, klären auf über deren Wirkung, erklären ihre geradezu zwanghafte Notwendigkeit. Da ist für jeden etwas dabei. Das Warten lohnt sich! 


Tagesthemen: In eigener Sache – Auf ein Wort: Warnung! Deutschland: ökonomischer Analphabetismus in Politik und Medien – Mindestlohn Deflation – Paul Krugman – Griechenland – Spanien – Frankreich – Osteuropa-Krise (5 Beiträge) USA (4 Beiträge) China (4 Beiträge) USA vs. Asien = neues Wettrüsten  


In eigener Sache 
Wir haben uns verstärkt. Deshalb können wir wieder eine persönliche Beratung anbieten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten.

Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail.


Auf ein Wort: Warnung! Finger weg von russischen Banken
Aus aktuellem Anlass greifen wir noch einmal ein Problem auf, vor dem wir bereits zu Beginn der Krise in Osteuropa ausdrücklich gewarnt haben. Das deutsche MANAGER MAGAZIN schlagzeilt gestern, dem 06.05.2014: "Putin-Bank baggert deutsche Sparer an". In der Einleitung heißt es: "Mehrere Milliarden Euro haben deutsche Kunden der Moskauer VTB Bank anvertraut. Nun erhöht das zweitgrößte russische Staatsinstitut nochmals drastisch die Zinsen. Sollen die Sparer eine mögliche Kapitalflucht kompensieren?" Mehr hier. Das ist irre. Wir sind bisher von rund 120 Millionen Euro ausgegangen, die deutsche Sparer bei der russischen VTB Bank angelegt haben. In dem Beitrag wird vorgerechnet, dass es 2,5 Milliarden Euro, mehr als das 20fache, sein sollen. Wie wahnwitzig sind eigentlich deutsche Sparer, wenn sie nach den Erlebnissen rund um die isländischen "Großbanken"-Pleiten ihr Geld schon wieder "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" anvertraut haben und weiter anvertrauen? Offensichtlich ist die Lernfähigkeit gleich Null. Da ist es nur logisch, dass auch die Bundesregierung auf den zukünftigen Erfolg ihrer vielfältigen Enteignungsmaßnahmen baut. 

Unsere LeserInnen können wir unter diesen Umständen nur eindringlichst davor warnen, ihre Spargroschen der VTB Bank oder einer anderen russischen Bank anzuvertrauen. Es gibt keine funktionierende Einlagensicherung. Selbst die österreichische im Fall der VTB Bank ist nichts wert, wenn es zum Schwur kommt. Aus einem einfachen Grund: Der erforderliche Leistungsfall wird nicht eintreten. Die Sparguthaben sind nicht verloren, sondern werden eingefroren. Damit ist kein Zugriff auf das Geld möglich, aber es ist auch kein Fall für die Einlagensicherung. 


Deutschlandfunk, Kahrs (SPD) und Brinkhaus (CDU) belegen weiteres Mal grassierenden ökonomischen Analphabetismus in Politik und Medien
(wirtschaftundgesellschaft.de) Die ModeratorInnen des Deutschlandfunks benötigen dringend ein ökonomisches Alphabetisierungsprogramm. Zu Staatshaushalt und Steuereinnahmen fällt ihnen nichts außer Haushaltskonsolidierung, "Wahlgeschenke", kalte Progression ein. Auch das gern im Mund geführte Wort von der Generationengerechtigkeit haben sie nicht im Ansatz verstanden. Wenn das alles das Bild und die Situation der Menschen und die Richtung, die Deutschland nimmt, nicht so negativ beeinflussen würde, käme man aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Weil es so ausgesprochen dämlich ist. Dasselbe gilt für die Politik. Politik und Journalismus bilden gewissermaßen eine unwissende Einheit, einen ganz eigenen Kosmos. Ein Bannerträger dieser Dämlichkeit war heute früh der haushaltspolitische Sprecher (sic!) der SPD, Johannes Kahrs. Mehr...

Kommentar: Bitte lesen. Es lohnt sich. Der Volksmund kennt dafür die Redewendung "Dumm wie Bohnenstroh". Ein ergänzender Kommentar erübrigt sich. 


Mindestlohn: Weder armutsfest noch impulsgebend für die Lohnentwicklungen
(maskenfall.de) Selbst fortschrittliche Ökonomen wie Hickel und Hirschel feiern den Mindestlohn quasi als Ende des neoliberalen Zeitalters in Deutschland, dabei ist das Ergebnis in Hinblick auf über 15 Jahre Lohnzurückhaltung makroökonomisch betrachtet eine Bankrotterklärung. Eine eher willkürlich gewählte Mindestlohnhöhe von 8,50 Euro, die sich nicht aus Eigenschaften der aktuellen Einkommensverteilung (Anteil am mittleren/durchschnittlichen Lohn) herleitet oder zumindest automatisch um die jeweilige Inflationsrate anwächst. Die Gewerkschaften hätten die geschärfte öffentliche Aufmerksamkeit zum Thema nutzen können, um über Festlegungskonzepte für den Mindestlohn den Menschen die Notwendigkeit steigender Löhne zu verdeutlichen und Druck auf die Parteien auszuüben, den Mindestlohn regelmäßig automatisch anzupassen, anstatt sich für jede Steigerung in einen Verhandlungsmarathon innerhalb einer Kommission begeben zu müssen.
Das dauerhafte Festhalten an 8,50€ des DGB seit Mai 2010 wirkt inkonsequent und letztlich verblödend auf die Bevölkerung, da dieser zur Einführung (1.1.2015) nur noch 7,50€ Wert haben wird. Und bei der ersten Gelegenheit zu seiner Anpassung (1.1.2018) real nur noch bei 7,28€ liegen wird. Bei rapide abfallender Tarifbindung, die 2012 bei 58% – 1995 waren es noch 76% – angekommen ist, wären Impulse von unten auf die Lohnentwicklung ungemein wichtig.
Aber auch bei der Bekämpfung von Armutslöhnen hat man sich mit der Mindestlohnhöhe häufig nicht einmal an das Niveau eines Hartz-IV-Aufstockers heran gewagt, betrachtet man einen Single mit Kosten für Unterkunft und Heizung in Höhe von mind. 345€ (betrifft 41,1% aller Wohnungen in Deutschland) und maximalem Zuverdienst. Ganz davon abgesehen, dass Deutschland mit der gewählten geringen Mindestlohnhöhe immer noch gegen die Europäische Sozialcharta verstößt, wird also die staatliche Belohnung für die Anbieter eines Niedriglohnjobs nicht unterbunden. Mehr...

Kommentar: Ein beachtlicher Beitrag zum Dauerthema Mindestlohn. Sehenswert auch die beiden Grafiken im Beitrag. Deutschland macht schon wieder eine denkbar schlechte Figur. Das Fazit bringt es auf den Punkt: "Ein Mindestlohn von  8,50€ reicht weder zum Verlassen des erbärmlichen Lohnniveaus eines Hartz iV-Aufstockers, noch um im Rentenalter nicht auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Ein Mindestlohn von 12,82€ unabhängig vom Alter, wie es die europäische Sozialcharta fordert, wäre hingegen in der Lage die Arbeitgeber an der Kostenabwälzung auf den Staat zu hindern.  Das 'Mitwachsen' des Mindestlohns mit dem durchschnittlichen Lohn würde zudem makroökonomische Impulse setzen." 
 

Der Mindestlohn verdeckt die Deflation
(spiegel.de) Der deutsche Mindestlohn wird die Inflation im kommenden Jahr offiziell nach oben treiben. Doch die Zahlen trügen. Tatsächlich fallen die Preise - und es wird uns schlechter ergehen als den Japanern. Mehr...

Kommentar: Die Kolumne von Wolfgang Münchau bietet ein bisschen Diskussionshilfe zum Thema Deflation. Münchau hat sich entschieden und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: "Der deutsche Mindestlohn wird die veröffentlichen Inflationszahlen etwas frisieren. Er wird uns eine statistische Sicherheit vorgaukeln, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Es wird kommen wie in Japan - nur mit deutlich höherer Arbeitslosigkeit. Gut gehen kann das nicht."    

Paul Krugman: Die Piketty-Panik
(nachdenkseiten.de) "Capital in the Twenty-First Century", das neue Buch des französichen Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty, ist ein echtes Phänomen. Es gibt andere Bücher über wirtschaftliche Gegebenheiten, die Bestseller sind, aber Mr. Pikettys Beitrag ist eine wissenschaftliche Untersuchung, die die öffentliche Debatte so stark verändert wie sonst nur sehr wenige. Und die Konservativen geraten in Panik. So warnt James Pethokoukis vom American Enterprise Institute im National Review, Mr. Pikettys Arbeit müsse widerlegt werden, sonst "werde sie sich unter den Intellektuellen verbreiten und das wirtschaftspolitische Feld formen, auf dem alle künftigen politischen Kämpfe ausgetragen werden".
Nun, viel Glück dabei. Das wirklich Erstaunliche an der Debatte bis jetzt ist, dass es der Rechten offenbar nicht gelingt, stichhaltige Gegenargumente zu Mr. Pikettys Thesen zu finden. Stattdessen besteht ihre Reaktion in Beschimpfungen  - ganz speziell der Behauptung, M. Piketty sei ein Marxist, gerade so wie alle anderen, die Ungleichheit bei Einkommen und Besitz für ein wichtiges Thema halten.
Auf die Beschimpfungen komme ich gleich zurück. Sehen wir uns aber zunächst an, warum "Capital" so sehr Furore macht.
Mr. Piketty ist nun wirklich nicht der erste Ökonom, der deutlich macht, dass wir gerade einen starken Anstieg in Ungleichheit erleben, oder auch nur der erste, der auf den Unterschied zwischen dem geringen Einkommenswachstum für das Gros der Bevölkerung und dem rapide zunehmenden an der Spitze hinweist. Mr. Piketty und seine Kollegen haben allerdings unser Wissen mit viel historischer Tiefe angereichert und dargelegt, dass wir tatsächlich in einem neuen Gilded Age leben. Aber das wussten wir ja schon eine Weile.
Nein, das wirklich Neue an "Capital" ist, wie es den Lieblings-Mythos der Konservativen zerstört, das Festhalten an der Vorstellung, wir lebten tatsächlich in einer Meritokratie, in der großer Wohlstand verdientermaßen erworben wird. Mehr...

Kommentar: Lesen. Und mit uns hoffen, dass "Capital in the Twenty-First Century" tatsächlich im Frühjahr 2015 auf Deutsch erscheint. Um hierzulande den neoliberalen Quacksalbern damit das Maul zu stopfen. Den Originalbeitrag von Paul Krugman in der NEW YORK TIMES gibt es hier


Griechenland: Der Schuldenschnitt ist unausweichlich
(tagesanzeiger.ch) Griechenland weist erstmals seit Jahren einen Primärüberschuss in der Staatskasse aus – und trotzdem wird sich die Lage erneut zuspitzen. Mehr...

Kommentar: Europa schweigt sich aus - bis nach der Wahl. Gut zu wissen, was anschließend auf uns zukommt: "Es ist an der Zeit, dass sich die Euroländer dem Unvermeidlichen stellen, die Regierungen den Bürgern die unbequeme Wahrheit vermitteln und ein Konzept für einen Schuldenerlass für Griechenland auf die Beine stellen. Warum nicht bald nach den Wahlen für das Europaparlament Ende Mai?" 


Gewinne in Spanien
(project-syndicate.org) In letzter Zeit wird die spanische Wirtschaft für Investoren attraktiv – und nicht nur, weil die Vermögenspreise momentan niedrig sind (was für langfristige, wertorientierte Investoren eine gute Kaufgelegenheit sein könnte). Es gibt zwar riesige Probleme, die noch gelöst werden müssen, aber offensichtlich ist auch, dass die Wirtschaft etwa zu Beginn dieses Jahres einen Wendepunkt erlebt hat.
Man muss zwar den Skeptikern lassen, dass die zarten Triebe der Erholung ohne den Zugriff auf Kreditquellen, die wegen der Bilanzprobleme vieler Banken immer noch verstopft sind, nicht zur Blüte gelangen werden. Aber wenn der Weg zurück zu Vollbeschäftigung und nachhaltigem Wachstum auch nicht über Nacht gebaut werden kann, könnten Fortschritte doch schneller stattfinden als von den meisten Beobachtern angenommen. Mehr...

Kommentar: Wir finden es immer wieder erstaunlich, wie sogenannte Experten aus einem Nichts gute Nachrichten produzieren. Dieser Beitrag von Michael Spence ist dafür ein Beispiel. Phänomenal, was er aus Spanien so alles rausholt. Behält er recht, dann steht dem Land ein toller Aufschwung bevor. Banken-, Immobilien- und Wirtschaftskrise? So what! Not, Armut, Elend? Schnee von gestern. Die mögliche Separation des wirtschaftlich starken Katalaniens? Findet nicht statt. Ist Spence ein Spinner? Wir wissen es nicht. Sein Fazit lässt uns im Moment jedenfalls an seiner Weitsicht zweifeln: "Allgemein waren in der Vergangenheit diejenigen Volkswirtschaften erfolgreich, die Reformen und Maßnahmen zur Steigerung struktureller Anpassungsfähigkeit unternommen haben: Denken wir an die USA nach Ronald Reagan, Großbritannien nach Margaret Thatcher, Deutschland nach Gerhard Schröder und China nach Deng Xiaoping. Spanien scheint sich in der Frühphase der Wiederherstellung eines ausgeglichenen und nachhaltigen Wachstumsmusters zu befinden. Hoffentlich folgen bald andere dem Beispiel des Landes."   

 
Frankreich steht mit dem Rücken zur Wand
(handelsblatt.com) Frankreich hat viel versprochen: EU-Schuldengrenze einhalten, Wirtschaft ankurbeln, neue Jobs durch niedrigere Steuern. Das ist alles reichlich optimistisch – dabei hat Präsident François Hollande wenig Grund dazu. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Auch in diesem Beitrag gilt die deutsche Sparpolitik als das Maß aller Dinge. Das dürfte sich über kurz oder lang als Irrtum erweisen. Deshalb ist noch längst nicht ausgemacht, ob Frankreich tatsächlich bisher die schlechtere Politik betrieben hat. Unstreitig ist nur, dass Hollande ein schwacher Präsident ist und kaum damit rechnen kann, noch einmal gewählt zu werden. 

Lob für die neue französische Politik kommt auch aus den USA. "France Is Right to Cut Runaway Social Spending" analysiert das Peterson Institute for International Economics. Einleitend heißt es dort: "Prime Minister Manuel Valls of France recently announced details about where he intends to cut public spending to lower business costs and also reduce the government’s deficit. This is long overdue in a country where the government already spends around 56 percent of GDP, or more than 10 percentage points above the Organization for Economic Cooperation and Development (OECD) average. To the surprise of some, he also included nominal freezes of public pensions and welfare benefits for the next year, targeting two spending priorities that have long been politically sacrosanct. Now—in these near deflationary times in the euro area—is ironically an opportune time to freeze the benefit levels. France’s low inflation of 0.9 percent in the 12 months prior to March 2014 protects recipients against some of the real decline in the value of their government transfers. That a socialist prime minister is tackling this sensitive issue is good news politically, even if the projected savings remain to be seen. In the absence of a crisis forcing cutbacks in welfare programs, European welfare states are generally best overhauled by reformist center-left governments. When center-right governments propose such cuts in welfare payments, center-left parties tend to be able to block them. Because deficits remain a problem even after France raised taxes on the wealthy, trims in public spending on social issues are necessary. Informed choices depend on the clarity of information, however, and the complexity of advanced economies’ welfare states often masks the true levels of social spending and redistributive government actions. The measures often focus on direct government social expenditure, neglecting tax policy and private social spending. For example, France devotes more resources toward social needs than many measures suggest and cannot likely return to solid long-term economic fundamentals without curtailing this allocation." Mehr dazu hier. Die Grafiken aus dem Beitrag scheinen diese Ananlyse zu stützen. Da geraten sogar die skandinavischen Länder ins Hintertreffen. Wir zeigen die wichtigsten: 





Wir bleiben dabei, noch ist die Messe nicht gelesen. Scharfe Einschnitte bei den öffentlichen Ausgaben haben den europäischen Krisenländern auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht. 


Unser heutiger Osteuropa-Krise-Block bleibt unkommentiert. Wir stellen lediglich die lesenswerten Beiträge vor und überlassen unseren LeserInnen die Bewertung.

Der Weg nach Slawjansk 
(project-syndicate.org) Die Krise in der Ukraine zeigt, dass eine einzige Person den Weltfrieden gefährden kann. Allerdings handelt es sich dabei möglicherweise nicht um den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der in Wahrheit lediglich Staatsoberhaupt einer großen Regionalmacht ist, die aufgrund seiner autoritären Herrschaft und der schwierigen Wirtschaftslage langfristig mehr eine Bedrohung für sich selbst als für die Welt darstellt. Nein, der einsame Akteur, der die meiste Verantwortung für die Bedrohung des Weltfriedens trägt, könnte unbeabsichtigterweise US-Präsident Barack Obama mit seiner akademischen Trägheit und der scheinbaren Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal kleiner ferner Länder sein. Natürlich ist Obama nicht für die russische Invasion und Annexion der Krim verantwortlich oder für Putins russische Truppenkonzentration an der Ostgrenze der Ukraine, mit der man die Regierung in Kiew einschüchtern möchte. Ebenso wenig ist Obama automatisch allein für die Gestaltung der westlichen Beschwichtigungspolitik zuständig. Die deutsche Kanzlerin  Angela Merkel trägt ebenfalls beträchtliche Verantwortung: Hinter ihrer kämpferischen Rhetorik geht alles seinen gewohnten Gang, worin sich die Abhängigkeit des Landes von russischen Gaslieferungen widerspiegelt. Sehr wohl verantwortlich ist Obama jedoch für die offenkundige Gleichgültigkeit seiner Administration gegenüber dem Schicksal der von Amerika aufgebauten Ordnung, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs das Weltgeschehen beherrschte. Sollte er seine politische Gangart nicht verschärfen, könnten die Regeln und Normen, die den Frieden so lange Zeit garantierten, ihre Gültigkeit verlieren. Mehr...

Schwach durch eigene Kraft
(zeit.de)  Wladimir Putin feiert sich derzeit als Sieger eines ideologischen Konflikts. Doch bald ist der Rausch vorbei. Mehr...

Chodorkowski-Forum in Kiew: "Putin rächt sich" 
(spiegel.de) Michail Chodorkowski saß in Putins Russland ein Jahrzehnt im Gefängnis. Jetzt lud er in Kiew viele Kreml-Kritiker zu einem Friedensgipfel. Seinen Rivalen attackierte er scharf - der Grund für dessen Ukraine-Politik liege auf der Hand. Mehr...  

How The World Sees NATO (In One Cartoon)
(zerohedge.com) A picture paints a thousand words - though perhaps only one is necessary to describe NATO...(for now)... 

Source: here.

And Then There Is Everything Else: Summary Of All The Ignored Conflicts And Crises Around The World
(zerohedge.com) Since the centrally-planned market is so broken it no longer has the capacity to evaluate and respond to any geopolitical threats and shocks, here - lest anyone think that with the S&P a hair away from all time highs there is nothing to worry about - is a summary of all the simmering, and in some cases, searing and/or scorching geopolitical conflicts and other tensions around the world. Read more...


Die amerikanische Mittelklasse erodiert
(heise-telepolis) Nach einer Analyse der New York Times wird im Vergleich zu anderen Ländern die einst weltweit reichste Mittelschicht ärmer, während die Einkommensungleichheit in den USA anwächst. Mehr...

Kommentar: Einer der wenigen deutschsprachigen Beiträge, der sich mit diesem aufschlussreichen Artikel der NYT beschäftigt. Das verdient Aufmerksamkeit. Dem treffenden Fazit haben wir nichts hinzuzufügen: "Deutlich für die Stimmung im Land ist das Schweigen der Autoren über die Konsequenzen. Man konstatiert den Zerfall des amerikanischen Traums, nennt einige Gründe dafür, aber das war es dann auch. Wirkliche politische Alternativen scheint es nicht zu geben, da könnte ein Wiederaufleben des West-Ost-Konflikts gelegen kommen. Das schafft wie schon nach dem Dotcom-Crash und 9/11 transatlantische Einheit gegen einen Feind. Die feinen oder weniger feinen Unterschiede kann man dann ebenso außer Acht lassen wie die Sozial-, Steuer- und Arbeitspolitik, weil doch Verteidigung und Sicherung des überlegenen politischen und wirtschaftlichen Systems vorrangig sind, also alles beim Alten bleiben muss. Allerdings scheint an der Ehre zu kratzen, dass die USA nicht mehr überall führend sind, abgesehen eben von der digitalen Ökonomie, der Zahl der Reichsten, den Ausgaben für das Militär oder die Kapazitäten der Überwachung." Erstaunlich: Die Verantwortung dafür trägt ein Friedensnobelpreis-Träger. Das reicht sicherlich nur für einen der hintersten Plätze in der ewigen Rangliste der US-Präsidenten für Barack Obama.


We're NOT Number 1: Guess Which Country Now Has a More Affluent Middle Class Than America? 
(alternet.org) Fancy living up in Canada? Granted, it’s a bit chilly. But the middle class up there has just blown by the U.S. as the world’s most affluent. America’s wealthy are leaping ahead of the rest of much of the globe, but the middle class is falling behind. So are the poor. That’s the sobering news from the latest research put out by LIS, a group based in Luxembourg and the Graduate Center of the City University of New York.
After taxes, the Canadian middle class now has a higher income than its American counterpart. And many European countries are closing in on us. Median incomes in Western European countries are still a bit lower than those of the U.S., but the gap in several countries, including the Netherlands, Sweden and Britain, is significantly smaller than it was a decade ago. However, if you take into account the cost of things like education, retirement and healthcare in America, those European countries’ middle classes are in much better shape than ours because the U.S. government does not provide as much for its citizens in these areas. So the income you get has to be saved for these items.
The report found also found that the median U.S. income, which stands at $18,700, has remained about the same since 2000. And it found that the poor in much of Europe earn more than poor Americans. Read more...

Kommentar: Er ist futsch, der "American Dream". Vorläufig jedenfalls. Wir sind aber davon überzeugt, die Amerikaner werden wieder die Kurve kriegen. Nur nicht mehr unter diesem Präsidenten. Der hat sein Pulver verschossen, bzw. ist es schon in seiner Tasche nass geworden. Definitiv. Für uns ist der Mann eine einzige Enttäuschung. Aufgefallen ist er nur als Marionette der Wall Street, nicht als Präsident aller Amerikaner, was er zu Beginn beider Amtszeiten versprochen hatte.


Exactly Like 7 Years Ago? 2014 Is Turning Out To Be Eerily Similar To 2007 
(theeconomiccollapseblog.com) The similarities between 2007 and 2014 continue to pile up. As you are about to see, U.S. home sales fell dramatically throughout 2007 even as the mainstream media, our politicians and Federal Reserve Chairman Ben Bernanke promised us that everything was going to be just fine and that we definitely were not going to experience a recession. Of course we remember precisely what followed.  It was the worst economic crisis since the days of the Great Depression. And you know what they say - if we do not learn from history we are doomed to repeat it. Just like seven years ago, the stock market has soared to all-time high after all-time high. Just like seven years ago, the authorities are telling us that there is nothing to worry about. Unfortunately, just like seven years ago, a housing bubble is imploding and another great economic crisis is rapidly approaching. Read more...

Kommentar: Ein wenig Background und aussagekräftige Charts zum US-Häusermarkt. Es ist eine einzige Baustelle... 


Philip Pilkington: Unemployment and Wages in the US – A Tale of Institutional Change 
(nacedcapitalism.com) By Philip Pilkington, a writer and research assistant at Kingston University in London. 
Just a short post this morning to highlight an interesting chart that I put together. Below I have mapped out year-on-year changes in wages against the unemployment rate. 


As we can see, in the period 1965-1981 (green circle) when unemployment went up wage-growth continued climbing regardless. However, in the period 1981-2013 (orange circle) whenever unemployment went up wage-growth slowed substantially. Indeed, in the second period we see a sort of “mirror-image” relationship.
This is not to say that after 1981 wages in the US became flexible — they do not fall when unemployment rises as silly variants of mainstream theory claim — but there is a strong negative correlation between unemployment and wage growth.     
The reason, of course, is obvious. Union density has fallen substantially since the early 1980s as can be seen from the graph below. 


Everyone and their cat know this, of course. But I thought that the first chart was interesting indeed. It really shows the changes that have taken place in the US labour market since 1981 in a clear manner. Again, wages still grow as unemployment rises. But their acceleration does slow substantially.
Finally, let’s look at real wages — that is, wages adjusted for inflation — and how they relate to unemployment. We can see this in the graph I’ve put together below.



At first glance we see another “mirror-image” suggesting that there is a negative relationship between the two variables. This would seem to indicate that even in the period 1965-1981 wages fell when unemployment rose and vice versa. I would argue against this interpretation. Read the rest here...

Kommentar: Noch so eine Baustelle...

Michael Pettis: 11 Reasons China Can’t Escape from Its Debt Overhang
(nakedcapitalism.com) A certain amount of complacency has set in about China’s unsustainable economic model, simply because the Middle Kingdom has managed to stay a day of reckoning. I remember similar doubt fatigue setting in during the blowoff phase of the dot-com bubble. Even with more worrying sightings, such as distress in wealth management products (the riskiest part of China’s shadow banking system), many of the bearish sorts believe that China has enough control over its economy that it will engineer a soft landing. (...) Michael Pettis has pointed out more than once that China resolved its last bank crisis of 2002-2003 by having households bear the cost, which led China’s consumption share of GDP to fall. That moves it further away from adjusting from being an export-driven economy to one where internal demand plays a much bigger role. Even though China’s export share has indeed fallen, what has taken its place is not consumer demand but an unheard-of level of investment, much of it in unproductive residential real estate. Pettis works though some of the implications of China’s high (for an emerging economy) debt levels and how they might be resolved. Read more... 

Kommentar: Wir halten Michael Pettis für einen profunden Kenner der chinesischen Verhältnisse. Seine Meinung hat für uns Gewicht. Wer sich für die Entwicklung in China interessiert, der sollte sich mit diesem Beitrag unbedingt beschäftigen. 


How Vulnerable are Chinese Banks to a Real Estate Downturn?
(blogs.piie.com) China is currently undergoing a new round of bank stress testing, with a drop in real estate prices certain to be amongst the variables tested. Previous stress tests, both official and unofficial, have downplayed the risks to the banks from a housing price downturn. For example, a recent report from the Bank of Communications Financial Research Center estimated that a decline in housing prices by less than 30 percent would have little to no impact on the non-performing loan (NPL) ratio in the banking system. Even a larger price drop of 40 to 50 percent would only increase the NPL ratio by 3.8 to 5.6 percentage points.
The current NPL ratio for commercial banks is 1 percent. If we take the high-end estimate for the 50 percent drop in housing prices that would bring the NPL ratio to 6.6 percent. Let’s put that number into context. As recently as 2007 the NPL ratio was 6.6 percent. Three years before in 2004 it was more than twice that amount. The implication is that even with a 50 percent drop in housing prices, Chinese banks could continue to operate relatively normally as it did during the mid-2000s. Read more...

Kommentar: Eine Analyse des Peterson Institute of International Economics. Mit einem halbwegs kritischen Fazit: "None of this is meant to predict an imminent collapse in the Chinese housing market. There are many reasons to believe that the underlying demand for new homes will continue to be strong as the country urbanizes and grows wealthier, albeit maybe not as strong as what we’ve seen in recent years. What is clear, however, is that real estate price corrections have large consequences beyond simply an increase in real estate developer defaults and mortgage foreclosures. Real estate demand supports a wide variety of industries and real estate as an asset plays a critically important role as collateral for lending and as an investment for households. Large drops in real estate prices lead to contractions in investment and consumption which will damage the economy and ultimately feedback upon the financial system in the form of more defaults. China isn’t in danger of a US-style wave of foreclosures, but financial sector is certainly not insulated from a real estate-induced economic slowdown." Wir bleiben äußerst skeptisch.


Chinas Warnschuss an ausländische Autohersteller 
(manager-magazin.de) Chinas Automarkt wächst stark. Doch vom Boom profitieren vor allem globale Autoriesen, einheimische Hersteller verlieren Marktanteile. Nun mahnt ein Verband die großen Autokonzerne, stärker in China zu forschen und zu entwickeln. Anderenfalls droht Ungemach. Mehr...

Kommentar: Was in diesem Beitrag beschrieben wird, hat sich aus unserer Sicht schon lange abgezeichnet. Grund genug für uns, schon frühzeitig vor den Folgen für die deutsche Autoindustrie und ihre Beschäftigten zu warnen. Schwierige Zeiten voraus. 


60 Prozent von Chinas Grundwasser sind verschmutzt 
(zeit.de) Düngemittel, Müll und Industrieabfälle belasten das Grundwasser in China. Der Großteil enthält so viele Schadstoffe, dass es nicht getrunken werden kann. Mehr...

Kommentar: Bisher hat China weltweit großflächig Ackerland gekauft, um in Zukunft seine Bevölkerung ernähren zu können. Offensichtlich wird es Zeit, sich auch über eine ausreichende Trinkwasser-Versorgung Gedanken zu machen. Unabhängig davon halten wir Investments in "Tap Water" für eine zukunftsweisende, krisensichere Anlage. 


Alarmglocken in Asien
(project-syndicate.org)  Die sich verschlechternde Situation in der Ukraine und die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten drohen, US-Präsident Barack Obamas wackelige "Hinwendung" zu Asien – dem dynamischsten (aber möglicherweise auch am stärksten von auflodernden Konflikten bedrohten) Kontinent – zu beenden. Obamas bevorstehende Reise nach Japan, Südkorea, Malaysia und auf die Philippinen wird wenig dazu beitragen, diese Hinwendung zu retten oder seine Außenpolitik für die Region auf eine solide Grundlage zu stellen.
Tatsächlich ist Russlands Aggression in der Ukraine nur der jüngste Grund dafür, dass die Hinwendung Amerikas – die als "Rebalancing", also Wiederherstellung des Gleichgewichts, bezeichnet wurde – nie an Dynamik gewann. Etliche andere Faktoren – darunter das ständige Kreisen der amerikanischen Außenpolitik um die muslimische Welt, Obamas Widerstreben, einem immer selbstbewussteren China die Stirn zu bieten, abnehmende US-Verteidigungsausgaben und die verminderte US-Führung in der Welt – hatten diese Hinwendung bereits untergraben.
Tatsache ist, dass die immer stärkere Besorgnis der asiatischen Länder hinsichtlich Chinas zunehmend brachialer Außenpolitik den USA eine gute Gelegenheit bietet, ihre zentrale Rolle in der Region wieder einzunehmen, indem sie alte Bündnisse stärken und neue Partnerschaften aufbauen. Doch haben die USA ihre Chance zum größten Teil verspielt, indem sie zuließen, dass China seine territorialen Ansprüche ausdehnte.
So erhielten Amerikas asiatische Verbündete und Partner im Laufe der letzten zwei Jahre drei schrille Weckrufe, die alle dieselbe eindeutige Botschaft überbrachten: Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die USA Chinas Aufstieg effektiv bewältigen. Mehr...

Kommentar: Die Ergänzung des Beitrags "Der Weg nach Slawjansk" aus unserem heutigen "Osteuropa-Krise-Block". Barack Obama hinterlässt auch in der Außenpolitik Baustellen... Aber prima Aussichten für die heimische Rüstungsindustrie: Das Wettrüsten geht mal wieder weiter, demnächst in Asien. Und die US-Rüstungskonzerne liefern, neben deutschen, britischen und französischen, was gewünscht wird. Das ist krank.