Mittwoch, 14. Mai 2014

Standpunkt 924 - Nachrichten-Ticker, 01. & 02.05.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. 

Leider müssen wir mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele Themen unbeachtet. Eine Übersetzung der englischen Texte können wir nicht bereitstellen. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Hinweis: Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Leider können wir immer noch nicht unser neues Dossier zu diesem Thema vorstellen. Wir bedauern das sehr. Die persönlichen Beratungen haben jedoch oberste Priorität. Aus diesem Grund gilt nach wie vor unser letztes Update aus dem September 2012, das hier unseren  LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. 

Das neue Dossier ist so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig, außerdem leicht verständlich geschrieben (hoffen wir jedenfalls). Es ist mehr als nur ein Update. Und platzt aus allen Nähten: Wir haben ausgiebig recherchiert und reingepackt, was irgendwie reingeht. Gefühlt wird es ein "Jahrhundert-Werk". Wir erwarten mehr als 80 Seiten. Zu viel für diesen Blog. Deshalb gibt es eine Änderung: Das Thema bekommt eine eigene Website, die wir parallel zum Dossier vorbereiten. 

Vor der Europa-Wahl im Mai werden "unsere" Regierungspolitiker den Ball flach halten. Zu groß ist die Angst vor den europafeindlichen Gruppierungen. Es bleibt also ein bisschen Zeit, um sich gründlich mit dem Dossier zu beschäftigen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die sind dringend geboten, dass werden wir beweisen. 

Aus dem Inhalt: 
  • Wir besprechen die Krisenherde in Europa, den USA, China und Japan. 
  • Wir informieren über die Geschichte der Finanzkrise, die sich nicht nur in wenigen Jahren entwickelt hat. 
  • Wir beschreiben die weitere Entwicklung dieser Krisen. 
  • Wir stellen das europäische Land vor, in dem seit November 2012 eine Bankeninsolvenzordnung in Kraft ist, mit der es die Enteignung seiner Sparer und Steuerzahler regelt. 
  • Wir erläutern ausführlich, warum die Krise in Europa nicht gelöst wird - ebenso alle anderen Krisen in der Welt. 
  • Wir stellen sehr detailliert die einzelnen Vorschläge der Boston Consulting Group, des DIW in Berlin und des IWF für eine einmalige Vermögensabgabe vor. 
  • Wir erklären, warum keiner dieser Ratschläge ausreicht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 
  • Wir beleuchten das "Zypern-Modell" und seine Auswirkungen.
  • Wir berichten darüber, wie Sparer und Gläubiger bei der Not-Verstaatlichung einer Bank über Nacht enteignet wurden - im Herzen der Eurozone, nicht an der Peripherie. 
Natürlich kümmern wir uns intensiv um die zahlreichen staatlichen Werkzeuge der Enteignung, beschreiben ihre Geschichte und ihre modernen Nachfolger, klären auf über deren Wirkung, erklären ihre geradezu zwanghafte Notwendigkeit. Da ist für jeden etwas dabei. Das Warten lohnt sich! 


Tagesthemen: In eigener Sache – Währungsunion: Erpresser Mitterrand? Thorsten Polleit vs. EZB – Deutschland – Griechenland – Aufschwung Europa – Gärtner's Welt – Nachtrag EU-Osterweiterung: Frust in Rumänien: – Osteuropa-Krise (4 Beiträge) – Antiamerikanismus – General Motors 


In eigener Sache 
Wer möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt geeignete Maßnahmen, um sich gegen die vielen Formen der Finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten.

Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail


Währungsunion: Hat Mitterrand Kohl erpresst?
(fuw.ch) "Paris sah das Geld als Instrument der Politik, um den Weg zu Europas Einigung zu öffnen."
Die Legende, wonach Frankreich Deutschland die Währungsunion aufgenötigt haben soll, als Preis für die Wiedervereinigung, ist eine Legende: Der Euro war auch Helmut Kohls Herzensanliegen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein denkwürdiger Beitrag, der den Versuch unternimmt, einen in den Köpfen der Deutschen fest einbetonierten Mythos zu beenden: Dass es die Zustimmung Frankreichs zur deutschen Wiedervereinigung nur gegen die Einführung einer Währungsunion gegeben habe. Bedauerlicherweise wird das deutsche "BILD"-ungsbürgertum noch lange krampfhaft an dieser Mär festhalten, die auch immer wieder gerne von den heimischen Führungsmedien bedient wird. Besonders vor dem Hintergrund der europäischen Krise, für die ursächlich der Euro verantwortlich gemacht wird: "Mitterrand forderte Euro als Gegenleistung für die Einheit" meldete der SPIEGEL am 25.09.2010 (hier). Allen Fakten zum Trotz.

Dabei genügt ein Blick in die Chronologie der Ereignisse, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. In einem kürzlich erschienenen Beitrag verortet die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG den Beginn der Gemeinschaftswährung so: "Am Anfang war vor 25 Jahren der Delors-Bericht". In der Einleitung heißt es: "Am 17. April 1989 legte der von Jacques Delors präsidierte 'Ausschuss zur Prüfung der Wirtschafts- und Währungsunion' seinen Bericht vor. Das Projekt wurde verwirklicht, ist aber anders herausgekommen als von den Gründungsvätern ersonnen." Im Beitrag selbst stützt die NZZ aber auch die deutsche Sicht: "Besonders der französische Staatspräsident Mitterrand benutzte den Prozess der deutschen Wiedervereinigung als Hebel, um Bundeskanzler Kohl über den Tisch zu ziehen." Mehr hier. Diese Darstellung ist ausgesprochen unseriös. Seit dem vergangenen Jahr widerlegt die Studie "Are euro and transfer union the price of German reunification?" von Charles B. Blankart und David Ehmke, den Autoren des eingangs vorgestellten Beitrages, diese Darstellung (hier). Immerhin verweist die NZZ auf ein früheres wichtiges Ereignis, den Werner-Plan zur Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion von 1970. Dieser Vorschlag einer Expertenkommission unter Leitung des damaligen luxemburgischen Premierministers Pierre Werner gilt als eigentlicher Ursprung der heutigen Gemeinschaftswährung. Dazu verweisen wir auf den Aufsatz "Welche Rolle spielte der Wernerplan für die Entwicklung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) aus deutscher Sicht?" von Florian Dyballa (hier). 


EZB: Schafft das Staatsgeld ab!
(zeit.de) Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, Wertpapiere im großen Stil zu kaufen, gefährdet Marktwirtschaft und Freiheit. Mehr...

Kommentar: Es ist hauptsächlich Tinnef, den Thorsten Polleit in diesem Beitrag publikumswirksam verpackt, auf die Menschheit loslässt. Das Schlimme daran ist: er weiß es besser, kennt die Fakten und die Hintergründe, aber kein Wort davon findet sich in seiner Kritik. Auf einige seiner Thesen wollen wir eingehen:

Natürlich wird "Quantitative Easing" (QE) nicht helfen, die Finanz- und Wirtschaftskrise zu überwinden, so weit sind wir mit Polleit einig. Das funktionierte nicht in den USA, nicht in Großbritannien und in Japan. Darum geht es bei diesen Programmen auch überhaupt nicht. Alle diese Maßnahmen dienen nur dem einen Zweck: die marode Finanzindustrie weltweit so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Das ist kein "verzweifelter Versuch", sondern bestens orchestriert. Selbst die Folgen sind weitgehend geplant: Das weltweite Vermögen in der Hand weniger "Reicher und Mächtiger" und die völlige Verarmung des Rests. Erste Erfolge lassen sich bereits bei der Zerstörung der US-amerikanischen Mittelklasse und der Verelendung/Verarmung unzähliger Menschen in den europäischen Krisenländern beobachten.

Die Wirtschaft anzuschieben und für Jobs zu sorgen, bei diesem gesetzlichen Auftrag hat schon die US-Notenbank versagt. Nachzulesen beispielsweise bei WASHINGTONSBLOG: "Confirmed: Federal Reserve Policy is Killing Lending, Employment and the Economy" (vom 16.07.2011, hier) und "3 Academic Studies Show that Quantitative Easing Doesn’t Help the Economy" (vom 19.10.2013, hier). Beide Beiträge sind randvoll mit weiterführenden Links. Die Sorge um Wirtschaftsaufschwung und Arbeitsplätze ist eine Täuschung und dient lediglich zur Beruhigung der Öffentlichkeit. 

Ähnlich ungenau formuliert Polleit die "Kernursache der jüngsten Wirtschaftskrise". Da war ganz gewiß nicht "zu viel billiges Geld" der Grund. Dazu muss man sich nur die Zinsen ansehen, oder die Finanzierungsmodelle aus der Subprime-Krise in den USA. Bei diesen Modellen wurden die Zinszahlungen und vielfach auch Teile der Tilgung für die Hypothekendarlehen von Anfang an ausgesetzt, weil die Kreditnehmer schon bei Abschluss des Vertrages nicht in der Lage gewesen sind, diese Belastungen zu tragen. Polleit unterschlägt, dass diese Hypothekendarlehen ausschließlich dem Zweck dienten, anschließend zu neuen faulen Wertpapierenpaketen geschnürt und mit Triple-A-Rating versehen an europäische Banken, bevorzugt deutsche, verkauft zu werden. Auf diese Weise wurde mit sehr viel krimineller Energie ein Milliardenspiel nach dem Vorbild von Charles Ponzi aufgezogen. Ausführlich und verständlich beschrieben in dem Beitrag "Die Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten" der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), hier. Der Zusammenbruch der Immobilienmärkte in Irland, Großbritannien und Spanien hatte andere Ursachen, auf die wir an dieser Stelle aber nicht näher eingehen wollen. 

Als Präsident des Ludwig Mises Institut Deutschland gefällt sich Polleit natürlich ganz besonders in der Rolle, das geltende Geldsystem grundsätzlich an den Pranger zu stellen. Wer sich erst einmal darüber informieren möchte, den überlassen wir - zu treuen Händen versteht sich - der Bundesbank und ihrem Buch "Geld und Geldpolitik" (hier). Natürlich lässt sich darüber trefflich streiten. Was uns an Polleits Argumenten stört ist so eine Behauptung wie: "das ungedeckte Staatspapiergeldsystem manövriert die Volkswirtschaften zwangsläufig in eine Überschuldung, die im Bankrott endet." Und als Beispiel dafür die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers anführt. Dieses Geldsystem gibt es seit 1973, dem Ende des Bretton-Woods-Systems. Trotz vieler Krisen war es bis heute, mehr als 40 Jahre danach, nicht für einen Bankrott verantwortlich. In diese Gefahr gerieten die Staaten erst durch die seit 2008 bestehende Bankenkrise und die damit verbundenen billionenschweren Rettungsmaßnahmen. 

Polleit unterschlägt geflissentlich, dass für von der EZB ausgeliehenes Geld niemand haften muss, wenn es von den Schuldnern, aus welchen Gründen auch immer, nicht zurückgezahlt wird. Nachzulesen in dem Beitrag  "Die Milliardenlüge" bei den NACHDENKSEITEN (hier). Der Autor, Jens Berger, hat u. a. einen Blick in die EZB-Satzung und das Bundesbankgesetz geworfen. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Ein insgesamt sehr lesenswerter Artikel! Übrigens, die US-Bürger haben es sehr viel schlechter getroffen: Die müssen für die Verluste der US-Notenbank, die sich im Eigentum einer Reihe von internationalen Banken befindet, einstehen. Betroffen davon wären aber auch die Inhaber der US-Staatsanleihen in China, Japan und Europa, außerdem die Hedgefonds in den Offshore-Zentren. 

Schlicht falsch ist (auch) die Behauptung Polleits, "durch die Zentralbankeingriffe wird der freie Preisbildungsprozess schwer gestört". Da helfen auch die anschließenden akademischen Erklärungen nicht wirklich weiter. Es gibt schon seit der Börsenkrise 1987, dem damaligen US-Notenbank-Chef Alan Greenspan "sei Dank", keine Marktwirtschaft und Freiheit mehr, die heute zerstört werden könnten. Seit dieser Zeit werden Marktwirtschaft und Freiheit nur noch zelebriert, der Öffentlichkeit als Show täuschend echt vorgeführt. Dem hat sich Polleit offensichtlich angeschlossen.

Vor diesem Hintergrund von einem "Feldzug gegen die Marktwirtschaft" zu schreiben ist arg populistisch. "Wohlstand und friedvolle Kooperation" haben andere Ursachen, wie gerade - auf schmerzhafte Weise für die Betroffenen - in der Ukraine zu beobachten ist. 

Natürlich kann man über den von Polleit vorgeschlagenen Währungswettbewerb privater Anbieter diskutieren. Nur sind auch dafür Regeln notwendig, die natürlich wieder nur von denen gemacht werden, die ihren Nutzen daraus ziehen. Und: Wer überwacht deren Einhaltung? Eine staatliche Institution oder private Unternehmen, ähnlich den Ratingagenturen? Das Ludwig Mises Institut? Polleit weiß, was er fordert ist völlig illusorisch. Gerade deshalb fällt es ihm leicht, er wird die Funktion eines privaten Währungswettbewerbs nie unter Beweis stellen müssen. 

In diesem Zusammenhang möchten wir ergänzend auf eine Analyse hinweisen, die im November 2011 von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) unter dem Titel "Keine Angst vor EZB-Aufkäufen von Staatsanleihen" vorgestellt worden ist. Sie stammt von Sebastian Dullien und Heike Joebges, beide Professoren an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, die dieses Modell stützen. Interessierte LeserInnen finden diesen Beitrag hier.


Deutschland im Stillstand
(heise-telepolis) Politisch bewegt sich in Deutschland nichts. Eine Alternative zur großen Koalition gibt es nicht. 50 Prozent sind mit der Arbeit der Regierung zufrieden. Mehr...

Kommentar: Die Ruhe vor dem Sturm. Wir warten gespannt darauf was passiert, wenn die 50% ihren Irrtum erkennen... Fügen sie sich ihrem Schicksal oder werden sie sich zur Wehr setzen?


Griechenland als Exempel - Wie die EU-Sparpolitik ein Gesundheitssystem ruiniert 
(blaetter.de) Im April 2012 wurde in Griechenland ein Gesetz verabschiedet, das es dem Gesundheitsministerium ermöglicht, Bürger auf Geschlechtskrankheiten zu testen – auch ohne deren Einwilligung. Das neue Gesetz war eine Reaktion auf Berichte von Krankenhäusern und Arztpraxen in ganz Griechenland, wonach die Zahl der HIV-Neuinfektionen allein zwischen Januar und Mai 2011 um 52 Prozent emporgeschnellt war. Einen derart drastischen Anstieg hatte es seit mehr als zehn Jahren in keinem westeuropäischen Land gegeben. Die Nachricht von der HIV-Epidemie in Griechenland machte international Schlagzeilen. Da die hart umkämpften griechischen Parlamentswahlen unmittelbar bevorstanden, sah sich der griechische Gesundheitsminister Andreas Loverdos gezwungen zu reagieren. Das Ergebnis war eine Strategie, die historisch betrachtet in fast allen Ländern funktioniert hat, die mit der Epidemie einer sexuell übertragbaren Krankheit konfrontiert waren: Man schiebt die Schuld den Schwächsten in die Schuhe.     Loverdos bezeichnete Prostituierte als "Bedrohung für die Gesellschaft" und "Virenschleudern" und erklärte feierlich, sie hinter Gitter zu bringen. Das Gesundheitsministerium spielte den griechischen Medien Fotos von HIV-positiven Prostituierten zu und brandmarkte die Frauen als "Todesfalle für
Hunderte von Menschen".
Während in den heruntergekommeneren Vierteln Athens die Prostituiertenhatz bereits in vollem Gang war, umstellte die Polizei das vornehme Fünfsternehotel "Grande Bretagne" am Syntagma-Platz, unweit des Parlamentsgebäudes. Die Polizisten schirmten die Hotelgäste nicht nur vor der Razzia ab, sondern auch vor der wachsenden Zahl der Wohnungslosen – Bettler, Junkies und Straßenkinder, die sich rings um den Platz in den Nischen vor aufgegebenen Geschäften oder auf U-Bahn-Gittern häuslich niedergelassen
hatten. Weil die Menschen aufgrund des rasanten Anstiegs der Zwangsräumungen und der Zerschlagung der sozialen Sicherungssysteme nicht mehr wussten, wohin, war die Zahl der Wohnungslosen zwischen 2009 und 2011 um 25 Prozent nach oben geklettert. Gleichzeitig hatte sich die Mordrate in Griechenland zwischen 2010 und 2011 verdoppelt; besonders rasant fiel der Anstieg im Zentrum von Athen aus – rund um das Hotel "Grande Bretagne". Zugleich nahmen die Polizisten die Hotelgäste vor den wütenden Demonstranten in Schutz, die vor dem Hotel ihr Lager aufgeschlagen hatten. Denn: Das "Grande Bretagne" war eine inoffizielle Residenz der "Troika" aus Europäischer Zentralbank, Europäischer Kommission und Internationalem Währungsfonds. Während sich die Verhandlungen über ein potentielles Rettungspaket hinzogen, kam es auf dem Syntagma-Platz zu Zusammenstößen mit der Athener Polizei. Deren Antwort auf die Forderungen nach mehr Demokratie bestand aus Tränengas, Polizeihunden und Wasserwerfern.

Die Handlung dieser griechischen Tragödie ist ziemlich genau die Umkehrung der Ereignisse in Island. Dort hatten sich im März 2010 bei einer landesweiten Volksabstimmung – der ersten, seitdem sich das Land 1944 für die Unabhängigkeit von Dänemark ausgesprochen hatte – 93 Prozent der Isländer geweigert, für die Spielschulden der Banker geradezustehen.
Anders in Griechenland: Hier wurde auf Geheiß der Troika die Demokratie ausgesetzt. Die Ärmsten und Wehrlosesten mussten nun für die Fehler der Regierung und des Bankensektors haften. Ihr Leben wurde durch eine schonungslose Dosis von Sparmaßnahmen bedroht, die alles in den Schatten stellte, was Europa seit den Lebensmittelrationierungen im Zweiten Weltkrieg erlebt hatte. So diente Griechenland unwissentlich als Versuchslabor für die Frage, wie Sparprogramme sich auf die Gesundheit auswirken. Mehr...


Kommentar: Was dieser Beitrag beschreibt, möchte man nicht glauben. Leider ist es wahr und durch Fakten hinreichend belegt. Insofern gibt es inhaltlich nichts zu meckern. Mit einer Ausnahme - Island betreffend. Dazu haben wir eine völlig andere Meinung, die wir an dieser Stelle schon häufig kundgetan haben (beispielsweise hier, hier, hier, hier und hier). Das schmälert aber in keiner Weise den positiven Gesamteindruck!


Europe's "Recovery" Leaves 25% Of Spanish, Greek Workforce Unemployed 
(zerohedge.com) How can this be possible? Bond yields are at record lows and stock prices near record highs across Europe and even the ever-increasing debt-to-GDP characteristics of the perennially weak periphery are able to issue bonds willy-nilly as if nothing had ever happened. So how come 18.9 million people across Europe were unemployed in the euro area in March? Spain - actually trading at its cheapest cost of funding of all time (below 3%) - accounts for 6 million of those. As Bloomberg's Niraj Shah notes, Greece and Spain have the highest jobless rates in Europe at 26.7% and 25.3%, respectively. That contrasts with 4.9% in Austria. The overall unemployment rate was unchanged at 11.8% in March from February after the previous month’s read as youth unemployment continues to rise. 


       
Welcome to the totally manipulated "markets" where indicators have no signal quality anymore except to perpetuate an entirely false hope that the status quo is attainable once again and sustainable going forward.
For a brief month or two, Spain's unemployment data fell - rekindling belief in the miracle (thanks to participation rate shenanigans) but now as yields push below 3% for the first time, it is re-accelerating....


Source: here. 

Kommentar/Ergänzung: "Politische Macht vermag das ökonomische Gesetz niemals außer Kraft zu setzen" (Eugen Böhm Ritter von Bawerk, österreichischer Ökonom, 1851 - 1914). Die Wirklichkeit unterscheidet sich radikal von den politischen Wünschen der europäischen Krisenmanager. Die WIRTSCHAFTSWOCHE schlagzeilt deshalb treffend "Spanien - Mit Vollgas in die Pleite". Leider ist die Einleitung sehr einseitig ausgerichtet: "Spanien erlebt eine beispiellose Schuldenorgie. Regierung und Notenbank verheimlichen den wahren Zustand des Bankensystems. Wachstum auf Pump, am Ende bleiben nur Schulden." Das passt dann wieder zu der deutschtümlerischen Haltung dieser Zeitung und entwertet den Beitrag. Mehr hier. Spanien hängt auf Gedeih und Verderb am Gängelband der deutschen Krisenphilosophie, da ist kein Platz für eigenständiges Handeln. Die Politik der spanischen Regierung und Notenbank wird in Berlin, Frankfurt und Brüssel bestimmt, schon lange nicht mehr in Madrid. Das mag man gut finden, wenn die von Deutschland gesteuerte Krisenpolitik von Erfolgen gekrönt wird. Leider ist dem nicht so. Die Krise wird bestenfalls verschlimmbessert.


Potemkin als Notenbanker: Unser Boom mit dem dreifach nicht existierenden Geld 
(blog.markusgaertner.com) Wie herrlich: In Europa ereifern sich die Finanz-Connoiseure über den möglichen Ausgang des EZB-Stresstests für die Banken. Diesmal wird richtig hart durchgerechnet, wird uns im Mainstream berichtet. So recht glauben mag es freilich niemand. Dennoch wird befürchtet, dass die Commerzbank durchfallen könnte und die Deutsche endlich eine Kapitalerhöhung braucht.
Was scheren uns ein paar Milliarden mehr, ist man geneigt zu sagen, es gibt genügend willige Käufer, selbst für Schrottanleihen von Peripherie-Staaten. – Regt Euch ab, Leute die eigentlich beunruhigenden Stresstests laufen hinter dem Atlantik. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Launig wie immer gibt Markus Gärtner aus dem fernen Vancouver eine Kostprobe aus der Alchemistenküche der Weltfinanzindustrie, in der die Politiker die Tellerwäscher machen. In seinem Fazit erwartet er "die letzten großen Deals mit dem Geld das keiner mehr hat, das noch nicht verdient wurde, oder das einfach nur gedruckt worden ist. Für eine Wirtschaft, in der außer Löhnen, der Stimmung der Konsumenten und dem Grundwasser-Spiegel so ziemlich alles andauernd steigt. Das ist Potemkin im 3D-Format und mit einer Skyline, die nach dem Platzen der nächsten Blase so aussehen könnte, wie die Twin Towers in New York nach 9/11."  Eine gelungene Beschreibung des absehbaren, weltweiten Finanz-Kollaps. 

Die Schweizer FINANZ UND WIRTSCHAFT liefert in ihrem Beitrag "Welche Notenbank pumpt am meisten?" gerade eine leicht verständliche Grafik dazu:


Zur Erklärung heißt es: "In den vergangenen sechs Jahren haben die namhaften Notenbanken ihre Bilanzen deutlich ausgeweitet. Zunächst diente die ultraexpansive Geldpolitik der Bekämpfung der Finanzkrise, danach sollte die Wirtschaft angekurbelt werden, und heute gilt die Geldpolitik da und dort explizit noch der Bekämpfung der Deflation (z.B. in Japan). Wie der oben abgebildete Chart von Pictet zeigt, waren die US-Notenbank (Fed, graue Kurve), die Bank of England (dunkelblau) und die Schweizerische Nationalbank (hellblau) in etwa gleich eifrig im Aufblähen ihrer Bilanz. Die Kurven sind indexiert (2007 = 100); Fed, BoE und SNB haben ihre Bilanzsumme in diesem Zeitraum mehr als verviereinhalbfacht. Eindrücklich ist im Chart zu sehen, wie die SNB zur Bekämpfung der Frankenstärke mehrmals stossweise ihre Bilanz vergrösserte, indem sie Devisenreserven anhäufte. Die Bank of Japan (rote Kurve) ist erst im Jahr 2013 so richtig auf den Zug aufgesprungen. Abweichlerin im Bild ist die Europäische Zentralbank (EZB, grüne Kurve), die ihre Bilanz seit 2012 laufend schrumpfen liess. Nun mehren sich am Markt die Stimmen, die ein beherzteres Vorgehen der EZB fordern, um einen Rückfall in die Deflation in Europa zu verhindern." Nachzulesen hier. So ganz nebenbei stopft dieser Beitrag auch den Experten in Deutschland das Maul, die andauernd von der zügellosen Geldpolitik der EZB schwadronieren. 


Europafrust im Armenhaus der EU
(zeit.de) Die Rumänen fühlen sich bis heute in der EU nicht angenommen. Und die Politiker kümmern sich statt um die Massenauswanderung und die Wirtschaftsprobleme um Machtspiele. Mehr...

Kommentar: Nach der jüngsten Feierstunde in den deutschen Leitmedien zur EU-Osterweiterung (hier) bietet dieser Beitrag endlich einen faden Beigeschmack zu den weltfremden Verheissungen aus den heimischen Redaktionen. Europas Führung hat auch in diesem Fall kein Interesse an den Menschen gezeigt. Statt die Missstände zu bekämpfen, geht es ihr nur um den wirtschaftlichen Nutzen für die westeuropäischen Unternehmen. Der ist offenbar nicht zu unterschätzen; selbst in einem Land, in dem der monatliche Lohn für einen Großteil der Bevölkerung zwischen 160 - 170 Euro liegt.    

Für unseren heutigen "Osteuropa-Krise-Block" haben wir wieder ein paar lesenswerte Beiträge zusammengetragen:

"Wir schlittern in einen Krieg", überschreibt die TAZ ein Interview mit dem US-amerikanischen Russlandforscher Stephen Cohen. Der vertritt darin die Auffassung, "nicht Putin habe die Ukrainekrise ausgelöst, sondern der Wunsch der USA, die Ukraine in die Nato zu holen". Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Beitrag bestärkt unsere Befürchtung vor einer weiteren Eskalation, die in einem Krieg endet. Offensichtlich wird auch andernorts eine Kriegstreiberei erkannt. Das US-Portal ALTERNET titelt in diesen Tagen "Cold War Against Russia — Without Debate". Ein Auszug:
"Future historians will note that in April 2014, nearly a quarter-century after the end of the Soviet Union, the White House declared a new Cold War on Russia — and that, in a grave failure of representative democracy, there was scarcely a public word of debate, much less opposition, from the American political or media establishment.
The Obama administration announced its Cold War indirectly, in a front-page New York Times story by Peter Baker on April 20. According to the report, President Obama has resolved, because of the Ukraine crisis, that he can 'never have a constructive relationship' with Russian President Vladimir Putin and will instead 'ignore the master of the Kremlin' and focus on 'isolating…Russia by cutting off its economic and political ties to the outside world…effectively making it a pariah state.' In short, Baker reports, the White House has adopted 'an updated version of the Cold War strategy of containment.' He might have added, a very extreme version. The report has been neither denied nor qualified by the White House.
No modern precedent exists for the shameful complicity of the American political-media elite at this fateful turning point. Considerable congressional and mainstream media debate, even protest, were voiced, for example, during the run-up to the U.S. wars in Vietnam and Iraq and, more recently, proposed wars against Iran and Syria. This Cold War — its epicenter on Russia’s borders; undertaken amid inflammatory American, Russian and Ukrainian media misinformation; and unfolding without the stabilizing practices that prevented disasters during the preceding Cold War — may be even more perilous. It will almost certainly result in a new nuclear arms race, a prospect made worse by Obama’s provocative public assertion that 'our conventional forces are significantly superior to the Russians’,' and possibly an actual war with Russia triggered by Ukraine’s looming civil war. (NATO and Russian forces are already mobilizing on the country’s western and eastern borders, while the U.S.-backed Kiev government is warning of a 'third world war.')
And yet, all this has come with the virtually unanimous, bipartisan support, or indifference, of the U.S. political establishment, from left to right, Democrats and Republicans, progressives (whose domestic programs will be gravely endangered) and conservatives. It has also been supported by mainstream media that shape and reflect policy-making opinion, from the Times and The Washington Post to The Wall Street Journal, from The New Republic to The Weekly Standard, from MSNBC to Fox News, from NPR to commercial radio news. (There are notable exceptions, including this magazine, but none close enough to the mainstream to be “authoritative” inside the Beltway.)."
Read more here

Währenddessen nehmen die Appelle in Europa für eine friedliche Lösung zu. Wolfgang Tucek überschreibt seinen Kommentar im österreichischen WIRTSCHAFTSBLATT mit der Aufforderung "Die Vernunft muss siegen". In seiner Einleitung schiebt er die Verantwortung dafür aber leider nur dem russischen Präsidenten in die Schuhe: "Am Ende will Putin Retter und nicht Totengräber Russlands sein." Mehr hier

Österreichs FORMAT holt sich mittels Gastkommentar Rat bei einem heimischen Osteuropa-Versteher: "Herbert Stepic: 'Der gordische Knoten'". Dort heißt es in der Einleitung: "Ähnlich wie in einem Schachspiel ist in der Konstellation Russland-Ukraine und EU derzeit eine Pattsituation erreicht. Der frühere RBI-CEO Herbert Stepic erklärt in seinem Gastkommentar: 'Der Transformationsprozess der Ukraine wurde schon durch die lange Kutschma-Ära um zehn Jahre zurückgeworfen. Bereits in der Phase der orangen Revolution hätte die EU unterstützend agieren müssen.'" Mehr hier. Stepic schreibt in diesem Beitrag vernünftige Dinge, nur ist Vernunft die erste Tugend, die sich in dieser Krise längst verabschiedet hat. Außerdem geht es um Machtpolitik, da stört Vernunft sowieso nur.       

Abschließend möchten wir zur wahrscheinlichen Kriegsgefahr in der Ukraine ausdrücklich auf unseren Standpunkt 922 hinweisen, für den wir reichlich Material zu diesem Thema recherchiert haben. 


Antiamerikanismus: Die USA sind der einzige Garant für Freiheit
(cicero.de) Anlässlich Merkels Obama-Besuch wird in Deutschland wieder der Antiamerikanismus wach. Dabei sind die USA die einzige Schutzmacht für jeden Freiheitsliebenden dieser Welt. Mehr...

Kommentar: "Schuster bleib bei deinen Leisten" möchte man meinen: Der Autor, Alexander Grau, beschäftigt sich nach eigener Aussage (hier) bei CICERO "alle zwei Wochen mit Stilfragen, mit dem Schönen, Wahren, Guten - und Hässlichen". Für diesen Beitrag hat er seine "Stellenbeschreibung" aber sehr weitläufig ausgelegt. Entsprechend eindimensional ist das Ergebnis. Eine politische Bewertung lässt sich eben nicht von einem "Stilisten" sachdienlich bewerkstelligen. Das kann bestenfalls als sehr persönliche Meinung durchgehen. Die endgültige Bewertung überlassen wir unseren LeserInnen. Sehr aufschlussreich sind auch die Kommentare zu dieser "Denk"-Schrift. 


GM Bailout Cost Taxpayers Far More Than Just $11 Billion
(thenewamerican.com) The Detroit Free Press’ announcement on Wednesday that taxpayers lost more on the General Motors bailout in 2009 than originally thought was brief, to the point, and missed most of the real story behind the GM bailout. Taxpayers lost $11.2 billion following the government’s sale of the last of the stock it held in GM following the company’s government-assisted bankruptcy and restructuring, according to the announcement. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Während die meisten der deutschsprachigen Führungsmedien die US-Bailouts gerne als echte Erfolgsgeschichte feiern, an der sich Europa endlich ein Beispiel nehmen soll, herrscht in den USA Ernüchterung vor. Offensichtlich zu Recht, wie dieses Beispiel zeigt. Für General Motors bleibt das Tagesgeschäft schwierig. Trotz guter Absatzzahlen des US-Automarktes schafft GM nur eine neue Negativ-Schlagzeile: "Another Month, Another GM Channel Stuffing Record" meldet gerade wieder ZERO HEDGE (hier). Und liefert dazu eine anschauliche Übersicht: