Freitag, 16. Mai 2014

Standpunkt 925 - Nachrichten-Ticker, 03. - 05.05.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. 

Leider müssen wir mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele Themen unbeachtet. Eine Übersetzung der englischen Texte können wir nicht bereitstellen. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Hinweis: Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Leider können wir immer noch nicht unser neues Dossier zu diesem Thema vorstellen. Wir bedauern das sehr. Die persönlichen Beratungen haben jedoch oberste Priorität. Aus diesem Grund gilt nach wie vor unser letztes Update aus dem September 2012, das hier unseren  LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. 

Das neue Dossier ist so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig, außerdem leicht verständlich geschrieben (hoffen wir jedenfalls). Es ist mehr als nur ein Update. Und platzt aus allen Nähten: Wir haben ausgiebig recherchiert und reingepackt, was irgendwie reingeht. Gefühlt wird es ein "Jahrhundert-Werk". Wir erwarten mehr als 80 Seiten. Zu viel für diesen Blog. Deshalb gibt es eine Änderung: Das Thema bekommt eine eigene Website, die wir parallel zum Dossier vorbereiten. 

Vor der Europa-Wahl im Mai werden "unsere" Regierungspolitiker den Ball flach halten. Zu groß ist die Angst vor den europafeindlichen Gruppierungen. Es bleibt also ein bisschen Zeit, um sich gründlich mit dem Dossier zu beschäftigen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die sind dringend geboten, dass werden wir beweisen. 

Aus dem Inhalt: 
  • Wir besprechen die Krisenherde in Europa, den USA, China und Japan. 
  • Wir informieren über die Geschichte der Finanzkrise, die sich nicht nur in wenigen Jahren entwickelt hat. 
  • Wir beschreiben die weitere Entwicklung dieser Krisen. 
  • Wir stellen das europäische Land vor, in dem seit November 2012 eine Bankeninsolvenzordnung in Kraft ist, mit der es die Enteignung seiner Sparer und Steuerzahler regelt. 
  • Wir erläutern ausführlich, warum die Krise in Europa nicht gelöst wird - ebenso alle anderen Krisen in der Welt. 
  • Wir stellen sehr detailliert die einzelnen Vorschläge der Boston Consulting Group, des DIW in Berlin und des IWF für eine einmalige Vermögensabgabe vor. 
  • Wir erklären, warum keiner dieser Ratschläge ausreicht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 
  • Wir beleuchten das "Zypern-Modell" und seine Auswirkungen.
  • Wir berichten darüber, wie Sparer und Gläubiger bei der Not-Verstaatlichung einer Bank über Nacht enteignet wurden - im Herzen der Eurozone, nicht an der Peripherie. 
Natürlich kümmern wir uns intensiv um die zahlreichen staatlichen Werkzeuge der Enteignung, beschreiben ihre Geschichte und ihre modernen Nachfolger, klären auf über deren Wirkung, erklären ihre geradezu zwanghafte Notwendigkeit. Da ist für jeden etwas dabei. Das Warten lohnt sich! 


Tagesthemen: In eigener Sache – Eurozone in der Schuldenfalle Inflation vs. Deflation (3 Beiträge) Griechenland: Primärüberschuss, Kapitalmarkt – Währungsunion: Prinzip Hoffnung – Bank Austria in Osteuropa – Frankreich – Osteuropa-Krise (5 Beiträge) – China (4 Beiträge) – Paul Krugman: "Die große Rezession: Ihre Ursachen und Folgen" 


In eigener Sache 
Wer möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt geeignete Maßnahmen, um sich gegen die vielen Formen der Finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten.

Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail.


Eurozone in der Schuldenfalle
(isw-muenchen.de) So viele Schulden waren noch nie. Wie aus der jüngsten Veröffentlichung von Eurostat (23.4.14) hervorgeht beträgt die Summe der öffentliche Schulden im Euroraum (ER 18) inzwischen fast neun Billionen Euro: 8.890.375.000.000 €. Die Staatsschulden machen damit inzwischen 92,6% des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Eurozone aus; fast zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, mit 90,7% (die Staatsschulden der EU28 addieren sich auf 11,4 Billionen Euro = 87,1% des BIP). Euroland ist abgebrannt, die Pro-Kopf-Verschuldung seiner Bürger – ob Kind ob Greis – beträgt 27.000 Euro. Eine vier-köpfige Familie steht damit mit über 100.000 Euro in der Kreide.
Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2007 erhöhten sich die Schulden im Euroraum um fast drei Billionen oder knapp 50 Prozent (48,3%). Der größte Teil der Zunahme ist der Bankenrettung im Rahmen der Finanzkrise geschuldet und den anschließenden Programmen zur Rettung der Konjunktur. Alexander Hagelüken schrieb schon vor einem Jahr in der SZ (9.3.13): "Die Banken schlagen Wunden, die nicht verheilen wollen. Sie hinterlassen eine Blutspur, die Europa zeichnet. Bis 2012 steckten die Steuerzahler als Hilfen oder Garantien in die Banken: 1.600.000.000.000 Euro."; also 1,6 Billionen Euro. "Die Finanzkrise ist eine gigantische Umverteilung vom Steuerzahler zu jener Minderheit von Bonibankern und Bankaktionären, die in guten Zeiten von den gefährlichen Geschäften profitierten, für die sie im Nachhinein selten haften." Die Kosten der Bankenrettung betrugen z.B. in Irland 40% eines BIPs, in Griechenland 22%, in Spanien knapp 8% (nach IWF). Die Verschuldung der Peripherieländer stieg deshalb auch besonders stark an: Griechenland im Jahr 2013 175% des BIP (2007: 105%), Italien 133% (104), Portugal 129% (68), Irland 124% (25), Spanien 94% (36). 
Trotz EU-verordnetem Spardiktat konnten im vergangenen Jahr nur zwei der 18 Euro-Länder ihre Schuldenlast etwas verringern: der Mini-Eurostaat Lettland (0,2% des ER18-BIP) von 40,8% auf 38,1% des BIP und das größte Euroland Deutschland (22% des ER18-BIP) von 81,0 auf 78,4%. Bei allen anderen Euroländern nahm die Schuldenquote zu. Besonders stark bei den Peripherieländern: Griechenland + 17,9 Prozentpunkte des BIP; Italien + 5,6; Zypern + 24,9; Portugal + 4,9; Spanien + 7,9; und Irland + 6,3 Prozentpunkte. Die Entwicklung macht klar: zumindest die hochverschuldeten Peripherieländer können sich nicht mehr am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen. Mehr...

Kommentar: Eine ehrliche Bestandsaufnahme. Sie passt natürlich nicht zu der Propaganda aus Berlin, Brüssel und den heimischen Referenzmedien. Die überbieten sich in trauter Gemeinsamkeit mit Hurrameldungen über die Besserungen der europäischen Krise. Das ist alles Bullshit. 

Was in diesem Beitrag beschrieben wird, summiert sich alleine schon zu einer gigantischen Summe. Der Müll in den Bilanzen der europäischen Banken ist da noch gar nicht mitgerechnet. Davon hat DIE PRESSE in Österreich(!) bereits am 17.02.2009 berichtet: "18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken". Der Beitrag nimmt Bezug auf ein "Papier der EU-Kommission", das bis heute unter Verschluss gehalten wird: "44 Prozent der Vermögens-Werte der europäischen Banken sind 'faul' oder unverkäuflich - in Summe 18,2 Billionen Euro. Dieses systemische Risiko könnte weitere Banken-Hilfspakete notwendig machen." Mehr hier. Noch nicht dabei sind die Risiken der Schattenbanken und des Derivatehandels, über den wir zuletzt hier im Zusammenhang mit der Deutsche Bank berichtet haben. Am Ende geht es um zusätzliche Summen, die sich niemand auch nur halbwegs vorstellen kann. 

Der Autor zitiert aus dem Beitrag "Die Blutspur des Geldes", einem Essay von Alexander Hagelüken, erschienen am 10.03.2013 bei SUEDDEUTSCHE.DE. Eine lohnende Lektüre, die für interessierte LeserInnen hier zur Verfügung steht. Leider ist die haargenaue Feststellung am Schluss bis heute in der Öffentlichkeit ohne Resonanz geblieben, von der Politik ganz zu schweigen: "Die Banken haben in Europa eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Wenn die Steuerzahler nicht weiter die nützlichen Idioten sein wollen, müssen sie endlich aufwachen." Die Menschen werden erst wach werden, wenn es zu spät ist. Darauf können sich die Finanzindustrie und ihre willfährigen, korrupten Helfer aus der Politik verlassen. Es muss wohl gute Gründe geben, dass Deutschland und Österreich bis heute das "Strafrechtsübereinkommen über Korruption des Europarats" vom 17.12.1997, in Kraft seit 01.07.2002, nicht ratifiziert haben. Für Deutschland trifft das auch auf die "UN-Konvention gegen Korruption", in Kraft seit 16.09.2005, zu: bis heute nicht ratifiziert. Nachzulesen hier, bei WIKIPEDIA

Bis dahin erhält die Bundesregierung unter Angela Merkel, der "Kaltmamsell des Kapitals" (O-Ton Urban Priol), breite Zustimmung aus der Bevölkerung. Und hat freie Hand, in aller Ruhe die Rasur der dummen Schafe vorzubereiten...  


Die wahre Gefahr ist die Inflation
(welt.de) Das Gerede von gefährlicher Deflation ist absurd. Die geringe Preissteigerung ist die positive Folge des EU-Sparkurses. Inflation bleibt das Risiko Nr. 1 – und die Anzeichen dafür mehren sich. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Autor dieses Beitrags, Gottfried Heller, war über viele Jahre hinweg Partner von André Kostolany, dem 1999 verstorbenen bekannten Finanzexperten und Börsenspekulanten. Er gilt hierzulande längst selbst als Börsenlegende. Seine Meinung hat innerhalb des deutschen "BILDungsbürgertums" Gewicht. Heller ist aber auch Senior Partner der Fiduka Depotverwaltung, dem entsprechend fällt aus unserer Sicht sein Statement aus: "Börsenkurse mit solidem Boden" und "Value-Aktien sind jetzt angesagt"

Dem entgegen stellen wir ein Interview mit dem Ökonomen Yanis Varoufakis. Erschienen unter der Überschrift  "Europe’s Slide into Deflation, and What to do About It" bei NAKED CAPITALISM. In der Einleitung dazu heißt es: "Europe is in the clasp of the deflationary forces that resulted directly from its inane handling of the Eurozone crisis. In this interview, I discuss deflation and low-flation and suggest a particular form of quantitative easing that, unlike the Fed’s of  the Bank of  England’s QE, will not reinflate the bubbles of  the financial sector but, instead, will help recycle idle savings into productive investments in Europe’s real economy." Read here

HEISE-TELEOPOLIS hat sich in dem Beitrag "Setzt die EZB die Notenpresse ungebremst in Gang?" ebenfalls mit dem Thema auseinandergesetzt: "Debattiert wird zur Deflationsbekämpfung der unbegrenzte Anleihekauf und auch Portugal wird mit neuen EZB-Tricks die Rückkehr an die Kapitalmärkte geebnet". Gleichzeitig gibt es noch viel Wissenswertes über das Wunder von Portugal. Mehr hier. Unbedingt lesen. 


Frau Merkel, Herr Schäuble – stecken Sie mit den Griechen unter einer Decke? 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der griechische Ökonom Yanis Varoufakis deckt auf, dass der von Athen gemeldete und von Brüssel anerkannte Primär-Überschuss im griechischen Staatshaushalt eine plumpe Manipulation ist. Varoufakis geht davon aus, dass die Zahlen mit Wissen der EU und von Angela Merkel frisiert wurden, um vor den EU-Wahlen keine Diskussion über einen saftigen griechischen Schuldenschnitt aufkommen zu lassen. Mehr...

Kommentar: Noch einmal Yanis Varoufakis. Leider hat man bei DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN dieses sachdienliche Interview für eine populistische Überschrift missbraucht. Richtig hätte die Frage nämlich lauten müssen: "stecken Sie mit den Banken unter einer Decke?". Das Interview lässt jedenfalls nur diesen Schluss zu. 

Aus diesem Interview hervorzuheben ist eine Feststellung von Varoufakis, die Deutschlands Top-Ökonom Hans-Werner Sinn widerlegt. Der behauptet unisono, zuletzt in seinem Kommentar "Weiter in den Schuldensumpf" für die Schweizer FINANZ UND WIRTSCHAFT (hier), zwischen den US-Bundesstaaten fände kein Finanzausgleich statt. Varoufakis erklärt statt dessen in diesem Interview: "Der große Unterschied ist jedoch, dass die Vereinigten Staaten ein föderales System, eine echte Bankenunion und eine echte Zentralbank haben, während Europa all dies nicht hatte. In der Folge schulterten in den USA jene Staaten die Last der Anpassung, die wirtschaftlich dazu in der Lage waren." Der ECONOMIST hat sich schon früh in der europäischen Krise mit diesem Thema beschäftigt. Am 01.08.2011 erscheint der Beitrag "America's fiscal union: The red and the black". Wir haben daraus den folgenden Auszug und eine vielsagende Grafik übernommen: "Some American states receive more in federal spending than they pay in federal taxes; others receive less. Over twenty years these fiscal transfers can add up to a sizeable sum. From 1990 to 2009, the federal government spent $1.44 trillion in Virginia but collected less than $850 billion in taxes, a gap of over $590 billion. But relative to the size of its economy, Virginia derived a smaller benefit from America's fiscal union than states like New Mexico, Mississippi and West Virginia, where the 20-year transfer exceeded 200% of their annual GDP. Transfers to Puerto Rico, which is a US territory not a fully incorporated state, exceeded 290%. Where did these transfers come from? New York transferred over $950 billion to the rest of America's fiscal union from 1990 to 2009. But relative to the size of its economy, Delaware made the biggest contribution, equivalent to more than twice its 2009 GDP. These calculations are based on tax figures provided by the Internal Revenue Service (which used to bracket Washington, DC, with Maryland) and federal spending numbers provided by the Census Bureau, which ignores spending on international programmes and interest payments."


Den vollständigen Beitrag gibt es hier. Wir erkennen gerne an, dass sich US-Ökonomen schon seit Jahren einen Streit darüber liefern, ob es sich bei diesem System um eine Fiscal Transfer Union handelt. Für uns ist die Sache klar... JA.


Primärüberschuss: Rechenkünste für die Griechen
(spiegel.de) 1,5 Milliarden Euro soll Griechenland 2013 mehr eingenommen haben, als es für seine Kernaufgaben ausgegeben hat. Deswegen will die Regierung heute neue Hilfen der Euro-Partner einfordern. Zu Recht. Denn der Sparerfolg ist zwar schöngerechnet - aber weniger von den Griechen als von den Gläubigern selbst. Mehr...

Kommentar: Noch ein versprengter Beitrag zur angeblichen Erholung bei den griechischen Schulden. Er passt sehr gut zu dem anfänglichen Beitrag von der Schuldenfalle in der Eurozone. Er liefert Informationen, die ansonsten in den deutschsprachigen Medien, auch beim SPIEGEL, mit der Lupe gesucht werden müssen. 


Griechenland-Anleihe: Extra-Häppchen für Spekulanten
(isw-muenchen.de) Für ihn haben sie den Stellenwert eines Jüngsten Gerichts. Stolz präsentierte sich der erzkonservative griechische Ministerpräsident Antonis Samaras im Fernsehen: "Das Vertrauen in unser Land wurde durch den objektivsten Richter bestätigt: die Märkte", sagte er angesichts der mehrfachen Überzeichnung und Platzierung der Drei-Milliarden-Staatsanleihe. Und der Sozialdemokrat Evangelos Venizelos pflichtete ihm bei: "Das Ereignis des Tages ist die feierliche Rückkehr Griechenlands an die Märkte". Die Markt-Evangelisten feierten gewissermaßen, dass die "Märkte" in Form von Investoren, Hedge Fonds und anderen Spekulanten sich ein Extra-Häppchen auf Kosten der griechischen Bevölkerung schnappen konnten. Eine Anleihe zum Zinssatz von 4,75 %, das ist Spitze, vor allem in Vergleich zu anderen Staatsanleihen: 2,5 % für vergleichbare Anleihen aus Portugal, 1,8 % für italienische und spanische Papiere, gar nicht zu reden von den 0,6 % für deutsche Fünfjährige. Und das völlig risikofrei, wie der Leiter des deutschen Portfoliomanagements der Allianz-Tochter PIMCO, des weltweit größten Investoren in Staatsanleihen, Andrew Bosomworth, unterstreicht: "EZB-Chef Mario Draghi hat ja gesagt, er werde alles tun, um den Euro zu erhalten". Das erhöhe die "Bereitschaft, Risiken einzugehen" – die eigentlich gar keine sind. "Der Risikoappetit der Anleger ist momentan sehr hoch“. 
Das Extra-Häppchen für die Anleger war jedoch in erster Linie geplant als Extra-Happening für die Eurokraten, als PR-Show für die Troika-Politik im Hinblick auf die EU-Wahlen im Mai. Es sollte signalisieren, Griechenland ist auf dem richtigen Weg und bald über dem Berg – "Griechenland ist gerettet", so Bosomworth. Unmittelbar vor dem Merkel-Besuch sollte unterstrichen werden: Das Spardiktat hat funktioniert, die Wirtschaft gesundet wieder. Und gewissermaßen an die Adresse der Syriza-Anhänger formulierte der Task-Force-Chef der Troika, Horst Reichenbach: "Dieses Ergebnis wäre nicht möglich gewesen, wenn sich die Regierung nicht mit der Troika geeinigt hätte“. Und weiter: "Die Märkte sehen, dass es in Griechenland politische Unterstützung und Zustimmung für Reformen gibt". Mehr...


Kommentar: Der Beitrag liefert Basiswissen und Wahrheiten rund um Griechenlands gefeierten Wiedereintritt in den Kapitalmarkt. Der lässt sich nur so treffend beschreiben: Es ist ein großangelegter Schwindel, eine Aneinanderreihung von Tricks und Täuschungen.  


Die Hoffnung stirbt zuletzt
(blog.fuw.ch) Vor vier Jahren – Anfang Mai 2010 – begann die Eurokrise in Griechenland. Seither ist viel passiert, vor allem Unerfreuliches. Zwar brennt es nicht mehr an den Finanzmärkten, aber die Krise hat sich tief in die Realwirtschaft eingefressen. Die Währungsunion bleibt nach wie vor ein höchst riskantes Unternehmen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit hängt davon ab, dass die Krisenländer (inklusive Frankreich) trotz Massenarbeitslosigkeit politisch stabil bleiben. Mehr...

Kommentar: Die Skepsis der Nachbarn gegenüber den Bemühungen um die Erhaltung der Währungsunion. Sie sind berechtigt, soweit es die Ratlosigkeit der Politiker betrifft. Nur gibt es kein Zurück. Der wirtschaftliche Schaden wäre unermesslich und die politischen Folgen unkalkulierbar. Europa versinkt international auf Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte, politisch und wirtschaftlich in der Bedeutungslosigkeit, so viel ist sicher. Diese schmerzhafte Lektion werden demnächst auch die Gruppierungen lernen, die sich gerade anschicken bei der Europawahl mit kruden Forderungen genügend Stimmen für den Einzug in das EU-Parlament zu sammeln.  


"Anfangs gab es kein Limit"
(format.at) Bank-Austria-Ostvorstand Gianni Franco Papa über die Folgen der EU-Osterweiterung, die Krise in der Ukraine und warum sein Institut weiter im Osten investieren wird. Mehr...

Kommentar: Wetten, dass der Bank Austria in Osteuropa das Wasser schon bis zum Hals steht? Die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten hinterlassen unweigerlich ihre Spuren. Das ist "so sicher wie das Amen in der Kirche". Die Bank wird in Schieflage geraten. Gemeinsam mit der Erste Group und der RBI. Im Vergleich dazu hat der Fall der Hypo Alpe Adria die Größenordnung einer Portokasse. Es wird ein Blutbad für die österreichischen Sparer und Steuerzahler. Die wollen uns das nicht so recht glauben, wie persönliche Gespräche gezeigt haben. Gegen uns gewettet hat aber auch niemand...


Frankreich lernt das Sparen einfach nicht 
(welt.de) Überall in Europa bessert sich der Zustand der Staatsfinanzen – nur Frankreich bekommt sein Defizit auch nach zweimaligem Aufschub nicht in den Griff. Nun watscht die EU-Kommission das Land ab. Mehr...

Kommentar: Ein neues Austeritätsopfer. Leider hat sich die französische Regierung offensichtlich auf dieses Spiel eingelassen. Ein milliardenschweres Sparpaket ist in Vorbereitung. Für die Sozialisten unter Hollande wird es böse Folgen haben; aber auch für Europa, wenn der Front National (FN) weiter Zulauf bekommt. Wir hatten große Hoffnungen. Leider versagt Hollande auf der ganzen Linie, in Frankreich und Europa. Die französische Politik scheint in Berlin gemacht zu werden. Widerstände werden von den deutschen Leitmedien abfällig kommentiert. Den Franzosen wird das auf Dauer kaum gefallen. Hoffentlich. 


Unser "Osteuropa-Krise-Block" fällt heute ausführlicher aus. Wir haben tief gegraben und sind fündig geworden. Wir kommentieren sehr sparsam, wollen unsere LeserInnen lieber nur auf lesenswerte Beiträge hinweisen. 

"Ukraine: Deeskalieren müssen die Anderen" heißt es bei HEISE-TELEPOLIS: "Der Bürgerkrieg kommt, was EU/USA und Russland nicht weiter zu stören scheint. Der deutsche Außenminister Steinmeier hat es immerhin früh über sich gebracht, der russischen Regierung für die Mithilfe zur Befreiung der Militärbeobachtung zu danken, aber auch er trägt nur bedingt zur weiteren Deeskalierung bei, verteidigt den Einsatz der Militärinspektoren und spricht lediglich von der Bereitschaft aller Parteien. Die Hände scheinen gebunden zu sein, es herrscht eine Sprachregelung, Merkel verkündet auf ihrer Website: "Merkel und Obama einig über Ukraine". Nur wenige in Politik, wie der CSU-Politiker Gauweiler, und Medien trauen sich, aus der Glocke von Gut-und-Böse auszusteigen." Mehr hier. Ernüchternd. 

Die ZEIT ergänzt "In den Köpfen herrscht schon Krieg" und schreibt im Vorspann: "Die Propaganda der Medien gibt den Ton vor, durch die ukrainische Gesellschaft geht ein Riss. Während die Gewalt eskaliert, wird der Raum für politischen Dialog enger." Mehr hier

Über "Die Mitschuld des Westens" macht sich Andre Kühnlenz bei dem österreichischen WIRTSCHAFTSBLATT Gedanken: "Für viele Kommentatoren ist eins völlig klar: Das 'neoimperialistische' Russland strebt in der Ukraine äußerst aggressiv danach, die Sowjetunion wieder auferstehen zu lassen. Garniert werden die 'Annexion der Krim' und die Destabilisierung der Südostukraine mit 'völkischem Nationalismus',wie es so oft heißt. Putin müsse daher unbedingt gestoppt werden. Jedoch spricht einiges dafür, dass diese Sichtweise zu kurz greift. Wir dürfen nicht nur Propaganda und Lügen des Kremls benennen. Wir sollten auch nach Fehlern suchen, die der Westen begangen hat. Angesichts der blutigen Verschärfung mit vielen Todesopfern am Wochenende in Odessa müssen wir alle sehr schnell zur Besinnung kommen." Sein Fazit: "Eins ist in den vergangenen Wochen klar geworden: Eine Lösung der Krise lässt sich nicht mit Sanktionen finden, sondern nur im Dialog mit Politikern aus dem Südosten des Landes, die von Moskau Rückendeckung erhalten. Leider sieht es so aus, als würde die Kiewer Führung mit Unterstützung der USA nicht mit sich reden lassen. Es ist zu befürchten, dass noch sehr viel Blut fließen wird - sehr viel Blut." Mehr hier, bei WEITWINKELSUBJEKTIV (auf der WIRTSCHAFTSBLATT-Seite ist der Beitrag leider kostenpflichtig). 

GLOBAL RESEARCH liefert - passend zu Kühnlenz' Fazit vom Blutvergießen - einen der Gründe: "The IMF’s 'Rescue Package'. Coercing Ukraine into a Civil War". Die Einleitung: "The IMF’s Board of Directors has just approved a US$ 17billion loan package to ‘rescue’ Ukraine from dire economic consequences, like a 5% GDP contraction in 2014, predicted by the same gurus of the IMF. This loan is part of a two-year US$ 27 billion package which is supposed to include numerous loans from the EU. The money,  of course, comes with strings attached–raising taxes, freezing minimum wage, cutting pensions (by 50%) and energy subsidies  – the usual hardship conditions the world is cowardly and silently witnessing with a downtrodden Greece, Portugal, Ireland and Spain. For the next steps, tranches two and three, privatization of state enterprises, massive firing of state employees, international contracts for exploitation of natural resources – one of which is Ukraine’s huge agricultural potential – will most certainly follow. By then Ukraine, will be ripe to do the bidding for NATO. – So thinks the west. That’s their game plan. Fortunately people, societies and history are dynamic not linear. The western leaders with their bought propaganda media have been hoodwinking the populace into believing  that the world  functions like computer models – which do not include human consciousness that eventually may evolve according to values innate in mankind but have been oppressed by a system of exploitation for greed." Mehr hier. Der Autor des Beitrags, der Schweizer Peter Koenig, war bis 2004 für die Weltbank tätig. 

Noam Chomsky und seine Sicht auf die Krise bei ALTERNET bildet heute den Abschluss der Beiträge zur Osteuropa-Krise: "US Leaders' Panic Over Crimea Is About Fear of Losing Global Dominance". Weiter heißt es: "American red line are firmly placed at Russia's borders...and the annexation of Crimea crossed them." Mehr hier


A Stampede of Elephants in the China Shop 
(nakedcapitalism.com) I’m going to take a number of different sources to paint a portrait of China. I’ll take a great series of numbers from Ambrose Evans-Pritchard, whose analysis we can all do without, and leave the analysis up to David Stockman, who goes a long way but, in my proverbial humble view, seems to be stumbling a bit towards the end. That is to say, as I’ve written before, when I look at China these days, I see a bare and basic battle for raw power, economic as well as political power, between the Chinese government and the shadow banking system it has allowed, if not encouraged, to establish and flourish, and which now has grown into a threat to the central
state control that is the only model Beijing has ever either understood or been willing to apply. Read more...


Kommentar/Ergänzung: Ein Beitrag, der unsere Bedenken gegenüber der Krisenfestigkeit Chinas nur weiter bestärkt. Was Markus Gärtner in dem Beitrag "Auf Höllenfahrt mit Mao Daqing" schildert gibt ebenfalls zur Beruhigung wenig Anlass: "Chinas Immobilien-Exzesse haben viel größere Ausmaße als angenommen. Das wird aus der Übersetzung einer Rede des Vizechefs Mao Daqing bei Chinas größtem Developer, der Vanke-Gruppe, deutlich. Ambrose Evans-Pritchard bringt diese Übersetzung (vom Chinesischen ins Englische) im Telegraph. Auf deutsch hat der Mann folgendes gesagt: 1990 entsprach der Wert von Grund und Boden in Tokyo 63,3% des BIP der USA. Das war die Zeit, als der Kaiserpalast in Tokyo mehr wert war (auf dem Papier) als ganz Kalifornien. Was danach kam, wissen wir. 1997, vor Ausbruch der asiatischen Finanzkrise, erreichte Hong Kongs Immobilien-Vermögen satte 66,3% des Bruttoinlandsprodukts in den USA. Jetzt entsprechen die Pekinger Landpreise addiert 61,6% des US-BIP. Die Gefahrenzone ist damit ganz klar erreicht, wenn nicht überschritten." Zum Schluss gibt Gärtner noch eine deutliche Empfehlung: "Bitte anschnallen …." Mehr hier.  

ZERO HEDGE meldet Neuigkeiten aus der Wirtschaft: "China Manufacturing PMI Misses 6th Month In A Row As Home Sales Collapse 47% YoY". Inklusive zweier aussagekräftigen Charts: 

 
  
Mehr hier

Andererseits macht China unbeirrt - und vom Westen unbehelligt - mit der Kolonialisierung Afrikas weiter: "China will 400 Milliarden Dollar in Afrika investieren" meldet die ZEIT: "Peking will das Handelsvolumen mit Afrika verdoppeln. Es will noch mehr Kredite gewähren und einen Entwicklungsfonds aufstocken." Mehr hier. China sorgt vor: Rohstoffe, Ackerland, Absatzmärkte, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Und lässt sich das einiges kosten. Während der Westen in Afrika nur noch Krieg führt. 


The Great Recession: Links to Slides 
(nytimes.com) Wrapped up the class yesterday. Here, in one place, are links to the lecture slides (all pdfs). If you’re wondering about lecture 3, it was snowed out, and the material folded into other classes. See here...

Kommentar: Paul Krugman hat gerade den Kurs "Die große Rezession: Ihre Ursachen und Folgen" beendet. Dieser Beitrag enthält eine Sammlung der Grafiken zu den Vorlesungen. Eine wahre Fundgrube.