Dienstag, 27. Mai 2014

Standpunkt 931 - Nachrichten-Ticker, 15. & 16.05.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. 

Leider müssen wir mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele Themen unbeachtet. Eine Übersetzung der englischen Texte können wir nicht bereitstellen. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Hinweis: Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Leider können wir immer noch nicht unser neues Dossier zu diesem Thema vorstellen. Wir bedauern das sehr. Die persönlichen Beratungen haben jedoch oberste Priorität. Aus diesem Grund gilt nach wie vor unser letztes Update aus dem September 2012, das hier unseren  LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. 

Das neue Dossier ist so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig, außerdem leicht verständlich geschrieben (hoffen wir jedenfalls). Es ist mehr als nur ein Update. Und platzt aus allen Nähten: Wir haben ausgiebig recherchiert und reingepackt, was irgendwie reingeht. Gefühlt wird es ein "Jahrhundert-Werk". Wir erwarten mehr als 80 Seiten. Zu viel für diesen Blog. Deshalb gibt es eine Änderung: Das Thema bekommt eine eigene Website, die wir parallel zum Dossier vorbereiten. 

Vor der Europa-Wahl im Mai werden "unsere" Regierungspolitiker den Ball flach halten. Zu groß ist die Angst vor den europafeindlichen Gruppierungen. Es bleibt also ein bisschen Zeit, um sich gründlich mit dem Dossier zu beschäftigen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die sind dringend geboten, dass werden wir beweisen. 

Aus dem Inhalt: 
  • Wir besprechen die Krisenherde in Europa, den USA, China und Japan. 
  • Wir informieren über die Geschichte der Finanzkrise, die sich nicht nur in wenigen Jahren entwickelt hat. 
  • Wir beschreiben die weitere Entwicklung dieser Krisen. 
  • Wir stellen das europäische Land vor, in dem seit November 2012 eine Bankeninsolvenzordnung in Kraft ist, mit der es die Enteignung seiner Sparer und Steuerzahler regelt. 
  • Wir erläutern ausführlich, warum die Krise in Europa nicht gelöst wird - ebenso alle anderen Krisen in der Welt. 
  • Wir stellen sehr detailliert die einzelnen Vorschläge der Boston Consulting Group, des DIW in Berlin und des IWF für eine einmalige Vermögensabgabe vor. 
  • Wir erklären, warum keiner dieser Ratschläge ausreicht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 
  • Wir beleuchten das "Zypern-Modell" und seine Auswirkungen.
  • Wir berichten darüber, wie Sparer und Gläubiger bei der Not-Verstaatlichung einer Bank über Nacht enteignet wurden - im Herzen der Eurozone, nicht an der Peripherie. 
Natürlich kümmern wir uns intensiv um die zahlreichen staatlichen Werkzeuge der Enteignung, beschreiben ihre Geschichte und ihre modernen Nachfolger, klären auf über deren Wirkung, erklären ihre geradezu zwanghafte Notwendigkeit. Da ist für jeden etwas dabei. Das Warten lohnt sich! 


Tagesthemen: In eigener Sache – Europa am Ende? (4 Beiträge) Krise in Europa vorbei? – Sebastian Dullien vs. Angela Merkel – Niedriglöhne und der deutsche Binnenmarkt Konjunktur in Europa Osteuropa-Krise (6 Beiträge) USA China


In eigener Sache 
Wer möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt geeignete Maßnahmen, um sich gegen die vielen Formen der Finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung abzusichern. Kurz - die Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten.

Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail.


Europa am Ende? Matthias Horx: "Ein dummes Klischee von Schwarzmalern"
(wirtschaftsblatt.at)  Europa als verlorener Kontinent? "Auf keinen Fall", sagt Zukunftsforscher Matthias Horx, "denn Wirtschaft blüht dort, wo es viele volle Cafés mit Intellektuellen, viele Galerien, Theater und selbstbewusste Schwule gibt. Sie sind die Basis von Innovation." Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein klares Plädoyer für ein vereintes Europa. Darüber hinaus liefert dieses Interview einiges an Gedankenfutter zum Problem von Wohlstand ohne Wirtschaftswachstum. Ganz im Sinne von Kenneth Boulding (US-Ökonom, 1910 - 1993). Der erklärte schon in der Blüte des Kapitalismus': "Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum könne endlos weiter gehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom." 

Natürlich melden sich vor der anstehenden Europa-Wahl viele Kritiker zu Wort. Harald Greib überschreibt seinen Gastbeitrag für Österreichs FORMAT mit: "Die EU hat ihre Daseinsberechtigung verloren". Er behauptet: "Wenn Europa eine Zukunft haben will, dann bleibt die EU eine Wirtschafts- und Freihandelszone. Aber die Euro-Staaten treiben die politische Integration voran." Mehr hier. Richtig so, nur dadurch lassen sich viele Probleme dauerhaft lösen. Seine Argumente erscheinen schlüssig, in Wahrheit bedient er aber auch nur das heimische BILDungsbürgertum und seine Ängste vor dem Moloch Europäische Union. Vieles was er anprangert, ist nicht die Folge Brüsseler Politik, sondern den Entscheidungen einiger Weniger geschuldet. Allen voran der großmännischen deutschen Bundeskanzlerin. Natürlich gibt es eine Menge zu kritisieren am Zustand der EU. Die Fehler häufen sich in jüngster Zeit sogar. Dazu genügt ein Blick auf die Krisenpolitik. Trotzdem gibt es keinen Grund, das politische Rad bis in die Mitte der 1990er Jahre zurückzudrehen. Dadurch, so steht zu befürchten, würde auch der "harte Kern" der EU zerfallen. Abgesehen davon wäre eine solche Zerstörung auch nicht finanzierbar. 

Einen anderen, sehr viel besseren Weg schlagen diejenigen Briten vor, die Europa immer noch wohlgesonnen sind. Der GUARDIAN titelt "Eurozone voters have been blackmailed and betrayed. No wonder they're angry" und fordert ein freieres, faireres Europa, in dem es nicht nur um die Interessen der großen Länder geht: "The financial crisis led to a eurozone shaped by Germany's narrow interests as a creditor. We need a freer, fairer Europe". Mehr hier. Der äußerst konstruktive Beitrag könnte allen hierzulande die Augen öffnen, die lediglich selbstverliebt Nabelschau halten. Sein Fazit: "Instead of a eurozone shaped by Germany's narrow interests as a creditor, we need one that works for all its citizens. Zombie banks need to be restructured; excessive debts written down. More investment is needed, along with reforms to boost productivity (and thus wages). Elected governments need much greater discretion over their budgets, constrained by markets' willingness to lend and, ultimately, by the possibility of default. A fairer, freer and richer eurozone is in Germany's enlightened self-interest too. The EU as a whole also needs to be more open, accountable and democratic. Europeans need a much greater say over the very political decisions that the EU takes – and the right to change course. To save the EU, we need to fix it." That's right! 

In diesem Zusammenhang möchten wir auf den Beitrag "Der Ärger mit Europa" von Ian Buruma bei PROJECT SYNDICATE hinweisen, der sich mit zunehmendem Rechtspopulismus in Europa beschäftigt. Ein Auszug (die Links stammen von uns, Anm. des Verfassers): "Laut aktuellen Meinungsumfragen werden die großen Gewinner bei den Wahlen zum Europäischen Parlament in diesem Monat populistische Rechtsparteien sein, denen eine Abneigung gegen die Europäische Union gemein ist – insbesondere die Nationale Front in Frankreich, die Freiheitspartei in den Niederlanden und die United Kingdom Independence Party (UKIP) in Großbritannien. Auch wenn die euroskeptische Rechte vielleicht nicht die Mehrheit der Sitze erringen dürfte, ist ihre kollektive Stärke ein Schlag für die Sache der europäischen Einheit. Warum stößt ein Projekt, das im Gefolge des Zweiten Weltkriegs mit solch großen Hoffnungen begann, auf so viel Widerstand? Der Erfolg des Rechtspopulismus in Europa rührt nicht nur aus dem Unbehagen gegenüber der EU her, sondern auch aus einer Welle der Ablehnung gegenüber den liberalen/linken Eliten, denen für viele Angstmotive die Schuld gegeben wird: für die Immigration, unter Druck stehende Volkswirtschaften, den islamischen Extremismus und natürlich die angebliche Dominanz der 'Eurokratie' in Brüssel. Wie die Tea-Party-Wähler in den USA behaupten auch manche Europäer, dass man ihnen ihre Länder weggenommen habe. Die Menschen fühlen sich politisch hilflos in einer Welt, die zunehmend von Großkonzernen und gesichtslosen internationalen Bürokratien beherrscht zu werden scheint. Die Attraktivität des Populismus beruht auf dessen Behauptung, dass die Dinge mit Sicherheit besser würden, wenn wir nur endlich wieder Herr im eigenen Haus sein könnten." Am Ende seines Beitrags wünscht sich Buruma für Europa "eine Art Gesellschaftsvertrag. Man sollte die europäischen Bürger nicht dazu anhalten, ein Maß an nationaler Souveränität aus religiösen, kulturellen oder ethnischen Gründen aufzugeben. Auch sollte man sie nicht auffordern, aus Liebe und Ehrfurcht für den europäischen Flaggen oder Hymnen einen Teil ihrer Steuern dafür zu verwenden, anderen Ländern zu helfen. Man sollte sie überzeugen, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, diese Dinge zu tun. Den Menschen müsste von ihren nationalen Führungen vermittelt werden, dass sich bestimmte Probleme nur mittels supranationaler Institutionen lösen lassen. Werden sie sich überzeugen lassen? Diese Frage geht zurück zu den alten Debatten der Aufklärung: John Lockes Gesellschaftsvertrag, der auf aufgeklärtem Eigeninteresse beruht, und dagegenstehend David Humes Sicht, dass der wesentliche Klebstoff, der eine Gesellschaft zusammenhält, Tradition und kulturelle Vorurteile sind. Meine Sympathien liegen auf Seiten Lockes. Doch die Geschichte zeigt, dass Humes Sicht möglichweise mehr Zugkraft hat. Allerdings hat die Geschichte auch gezeigt, dass Traditionen häufig erfunden werden, um den Interessen der herrschenden Klassen zu dienen. Dies war auch das Problem bei der europäischen Einigung: Sie war immer ein Unterfangen, das von Mitgliedern der politischen und administrativen Elite vorangetrieben wurde. Die Normalbürger wurden nur selten gefragt. Und jetzt profitieren davon die Populisten." Mehr dazu hier

Uns gefällt, was Winston Churchill, nicht gerade ein Freund eines vereinigten Europas, dazu beigesteuert hat: "Wenn Europa einmal einträchtig sein gemeinsames Erbe verwalten würde, dann könnten seine drei- oder vierhundert Millionen Einwohner ein Glück, einen Wohlstand und einen Ruhm ohne Grenzen genießen." Offensichtlich aber ein sehr weiter und sehr beschwerlicher Weg. 


Ist die Eurokrise vorüber?
(fuw.ch) Wir stehen sozusagen am Scheideweg: Möglicherweise wendet sich endlich alles zum Guten – oder es bricht von einem Tag auf den anderen der Sturm los. 
Zum ersten Mal seit 2010 sind Griechenland und Portugal – wie vorher schon Irland – imstande, am Finanzmarkt Geld aufzunehmen. Die Politiker in Europa schliessen daraus, die Krise sei vorüber, und klopfen sich auf die Schulter in Anerkennung ihres geschickten Krisenmanagements. Sollte dem tatsächlich so sein, wäre die Erleichterung, nicht nur in Europa, immens. Leider dürfte es verfrüht  sein, den Triumph zu verkünden. Schlimmer noch: Das Gefühl, die Krise überwunden zu haben, kann zu genau der Art von Selbstzufriedenheit führen, die die Krise erst ausgelöst und dann verschlimmert hatte. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein Kommentar von Charles Wyplosz. Was er beschreibt, hat herzlich wenig mit dem Hurrageschrei zu tun, was von den Verantwortlichen aus Berlin, Frankfurt und Brüssel zu hören ist. Die Regierungen in den betroffenen Ländern sind nur Platzhalter, gerne auch Erfüllungsgehilfen, der deutschen Pläne zur endgültigen neoliberalen Befriedung Europas, aus der natürlich Deutschland als Spitzenreiter hervorgehen soll - mit weitem Abstand zu den Plätzen, versteht sich. Solidarität ist ein Unwort, knallharte Sparpolitik das Gebot der Stunde. Die Folgen werden verheerend sein, auch für Deutschland. Noch will diese Logik niemand begreifen. Wir qualifizieren es als Krieg mit anderen Mitteln. Den wird Deutschland erneut verlieren. Zum Glück, wie die beiden anderen auch. Eine harte Erfahrung. Wer sich dieser Wirklichkeit verweigert, der wird dafür bitter bezahlen, im wahrsten Sinne des Wortes. Leider kommt bei vielen die Einsicht zu spät. Für sie gilt der Satz eines unbekannten Zitatgebers: "Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen." 

Zum Thema passt auch dieser Beitrag der FINANZ UND WIRTSCHAFT: "Aus der Krise wurden nicht alle Lehren gezogen". Die Einleitung: "Hugo Bänziger, Partner von Lombard Odier, ehemaliger Chief Risk Officer der Deutschen Bank und Mitglied der Liikanen-Gruppe, spricht im Interview mit der FuW über die Aufarbeitung der Finanzkrise." Leider aber mit viel zuviel Schönfärberei: "Für Hugo Bänziger, den ehemaligen Chief Risk Officer der Deutschen Bank und heutigen Partner der Privatbank Lombard Odier, ist nach der Finanzkrise eines klar: 'Das Regelwerk darf man nicht den handelnden Akteuren überlassen.' Es sei eine Verantwortung der Gesellschaft und damit der Politik. Der Schweiz stellt das ehemalige Mitglied der hochkarätigen internationalen Gruppe Liikanen, die sich für das Trennbankensystem ausgesprochen hat, ein gutes Zeugnis aus:  'Mit den Holdingstrukturen und den beachtlichen Eigenmittelvorschriften für grosse Banken hat die Schweiz den Sinn und Geist dieser Empfehlungen weitgehend umgesetzt.' Das sei 'beruhigend und erfreulich'." Mehr von dieser Augenwischerei gibt es hier. Schweizer Banken stehen bei den kriminellen Machenschaften der Finanzindustrie ganz weit vorne mit dabei. Denen ist mit Holdingstrukturen und ein bisschen mehr Eigenkapital nicht beizukommen.  Wetten? 


Angela Merkel was right in the end, wasn't she?
(ecfr.eu) When travelling across Europe these days, I have noticed how once again the economic policy debate in Germany has completely decoupled from that in the rest of Europe. While the euro periphery is still licking its wounds from the euro crisis, in Germany a new narrative of the crisis management of the past years is taking hold: self-congratulation for a supposedly great policy
response to the crisis.




In short, the new German view runs as follows: The euro crisis is over. The euro is saved. All this shows how successful the German-dominated crisis management has been - with its strong focus on austerity, balanced budgets, and strict “nein” to Eurobonds. And who has to be thanked for that, if not Angela Merkel? Wasn’t it her who pushed tirelessly for this policy stance across Europe and helped teach the EU partners the virtues of fiscal and macroeconomic thriftiness? Read more...

Kommentar: Der ist entbehrlich. Ein hervorragender Beitrag von Sebastian Dullien, auf den bereits die NACHDENKSEITEN hingewiesen haben. Dort hat man sich auch die Mühe gemacht, den englischen Text zusammenzufassen (hier). Bitte unbedingt lesen. Es lohnt sich. Ein Augenöffner.


Niedrige Löhne vernichten Arbeit; Katastrophaler deutscher Binnenmarkt - ein Vergleich mit Frankreich 
(maskenfall.de) Bereits in den Hintergrundartkeln über Lohnzurückhaltung und die Hartz-Reformen wurde darauf hingewiesen, dass einerseits die Binnenkonjunktur infolge der mageren Lohnentwicklung schwach geblieben ist, andererseits auch in der Summe, also trotz des stark gestiegenen Exports, die Zahl der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden (auch "Arbeitsvolumen" genannt), im langfristigen Trend nicht nennenswert zugenommen hat. Nach den Reformen gab es zwar eine kleine Aufschwungphase  zwischen 2006 und 2008, die die Arbeitslosigkeit (neben den bereits angeprangerten Umverteilungstricks) reduzierte, aber ähnliche und zumeist stärkere Zuwächse gab es auch im vergleichbaren nicht oder weniger "reformierten" Ausland wie Österreich, Niederlande, Belgien, Schweden, Dänemark und Frankreich, so dass man also nicht von einem besonderen Erfolg der deutschen Agenda 2010 sprechen kann. Die verhältnismäßig gute deutsche Genesung ab 2010 ist hingegen überwiegend den international wiedergenesenen Absatzmärkten zu verdanken, die den deutschen Export- bzw. Wirtschaftseinbruch im Jahr 2009 verursacht hatten, jedoch auch einem anderen günstigen Umstand geschuldet, der in diesem Artkel besonders hervorgehoben werden soll. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ausgerechnet ein Vergleich mit Frankreich. Als Beispiel von mehr Tugendhaftigkeit. Das muss allen hierzulande die Zornesröte ins Gesicht treiben, die den Nachbarn als größten Krisenherd in Europa dingfest gemacht haben. Davon gibt es mittlerweile eine Menge. Wer aber offen ist für die Fakten, der kommt in diesem Beitrag auf seine Kosten. Vorbildlich die angebotenen Grafiken, wovon wir zwei an dieser Stelle zeigen: 





Wir haben dazu noch eine Ergänzung von Jakob Augstein: "Die Deutschen lassen sich zu viel gefallen" überschreibt er seine Kolumne bei SPON. Die Einleitung: "Unten mehr Armut, in der Mitte mehr Lasten - und oben mehr Geld. So steht es um Deutschland. Ungleichheit und Ungerechtigkeit nehmen zu. Von Gewerkschaften kommt kein Widerstand, von Medien kein Widerspruch." Mehr hier.


Die  deutsche  und  europäische  Konjunktur  im  Frühjahr 2014:  Gemischte  Zeichen,  aber  keine  Besserung  in Euroland 
(flassbeck-economics.de) Gestern meldete das Statistische Bundesamt, dass nach seiner ersten Schätzung die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um 0,8 Prozent gewachsen ist (vgl. Abbildung 1). 


Das sieht erfreulich aus. Das Bundesamt relativiert diese Zahl jedoch: "Bei diesem kräftigen Wachstum zum Jahresbeginn spielte allerdings auch die extrem milde Witterung eine Rolle“, ist im vierten Satz der Pressemitteilung zu lesen. Das Wetter dürfte also die Bauinvestitionen gestützt haben. Die Inlandsnachfrage war zum ersten Mal seit langer Zeit spürbar erhöht, was zu den Umsätzen des realen Einzelhandels in den ersten drei Monaten passt (vgl. Abbildung 2) – wir waren darauf bereits vor einem Monat kurz eingegangen. 


Gestern gab es von Eurostat auch eine erste Schätzung für die saisonbereinigte Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone (vgl. Abbildung 3).


Sollte sich die veröffentlichte Wachstumsrate von 0,2 Prozent für die Europäische Währungsunion (EWU) im ersten Quartal 2014 bestätigen – für einige kleinere Länder liegen offenbar noch keine Daten vor –, gleicht diese Meldung einer Katastrophe für die anderen Länder der Eurozone. Denn bei einer Wachstumsrate von 0,8 Prozent für Deutschland,  das  ja  innerhalb  der Eurozone  für  mehr  als  ein  Viertel  des Bruttoinlandsprodukts steht, bedeutet das rein rechnerisch, dass die übrigen Länder zusammen genommen gerade mal eine Null beim Wachstum zustande gebracht haben, also nicht über die Stagnation hinausgekommen sind – und das bei fast 17 Millionen Arbeitslosen bzw. einer Arbeitslosenquote von über 12 Prozent dort. Ausweislich der Schätzung von Eurostat war jedenfalls Stagnation angesagt in Frankreich, das die geringe Belebung im vierten Quartal 2013 (+0,2 Prozent) nicht fortsetzen oder gar steigern konnte. Und Italien hat mit -0,1 Prozent das ohnehin dürftige Plus vom Vorquartal (+0,1 Prozent) schon wieder verloren. Von  einer wirklichen Besserung der Lage in der Eurozone ausschließlich Deutschlands kann keine Rede sein. Und selbst aus der Zahl für Deutschland kann man nicht sicher auf eine durchgreifende Belebung hierzulande schließen. Denn die Einkommensverhältnisse der Mehrheit der Menschen haben sich nicht in einer Weise verbessert bzw. werden das in naher Zukunft angesichts der getroffenen Lohnvereinbarungen auch nicht so tun, dass man blind auf einen anhaltenden Schwung beim privaten Verbrauch zählen könnte (jedenfalls nicht ohne eine Senkung der Sparquote der privaten Haushalte). Darüber hinaus lässt die Schuldenbremse den öffentlichen Konsum wie die öffentlichen Investitionen nicht aus ihrem starren Korsett. Mehr...

Kommentar: Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker bleiben nichts schuldig, weder die Fakten, noch die Belege. Das setzt sich fort bis zum Schluss. Sehr informativ und leicht verständlich.


An dieser Stelle unser heutiger Block zur Osteuropa-Krise. Wir haben wieder einige lesenswerte Beiträge zusammengetragen. 

"Wirtschaftssanktionen und der Westen: Die Furcht vor Russlands Klauen" betitelt das HANDELSBLATT eine umfangreiche Analyse. Im Vorspann dazu heißt es: "In der Ukraine-Krise ist keine Lösung in Sicht. Immer lauter wird deshalb Russland mit Wirtschaftssanktionen gedroht. Den Kreml lässt das kalt. Denn härtere Strafen würden auch den Westen empfindlich treffen." Mehr hier. Der Beitrag gibt einen ausführlichen Überblick zu den Folgen. Bestens geeignet für alle, die sich bisher nicht sonderlich interessiert mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. 

CICERO schlagzeilt "Sanktionen gegen Russland - Die Waffen der EU". Aus der Einleitung: "Die Deutschen wissen, was auf dem Spiel steht: fast ein Prozent des BIP. So viel könnten Wirtschaftssanktionen gegen Russland laut einer Studie der EU-Kommission kosten. Je näher die Präsidentenwahl in Kiew rückt und je mehr sich die Gewalt im Osten ausweitet, desto realer wird dieses Szenario. Auch einige Industrievertreter unterstützen Sanktionen – trotz aller Risiken, die das für ihr eigenes Geschäft birgt. Ist die Wirtschaft darauf überhaupt vorbereitet? Und wie würden die Sanktionen funktionieren?" Mehr hier. Noch eine Analyse. Sie nimmt u. a. Bezug auf eine Studie des Peterson Institute, ohne aber mit ihr zu verlinken. Wer sich für die Einzelheiten daraus interessiert, der wird hier fündig.

Aus den USA haben wir ebenfalls eine Meinung. ACTING MAN schreibt "Ukraine and Russia – The Absurdity of Western Sanctions". Untertitel: "EU Slaps More Sanctions on Russia, US Threatens More". Ein anstrengender Beitrag, wie immer randvoll mit weiterführenden Links. Mehr hier. Wer sich die Mühe macht, wird belohnt. 

HEISE-TELEPOLIS  schreibt über "Die nützliche Erfindung der 'Pro-Russen'". Ein Auszug: "Seit Beginn des Ukraine-Konflikts zeigen die deutschen Medien mit dem Finger auf Moskau. Innerukrainische Erklärungen für den Konflikt spielen hingegen kaum eine Rolle. Als nützlichste Medien-Erfindung erweisen sich dabei die 'Pro-Russen'. Die Konfliktparteien in der Ukraine als 'pro-russisch' und 'pro-westlich' zu bezeichnen, hatte sich seit Beginn der Auseinandersetzung medial eingebürgert. Jedoch beschreiben solche Begriffe die beiden Lager mit all ihren Ausprägungen und inneren Widersprüche nur ungenügend und zum Teil auch falsch. So war Janukowitschs Politik lange positiv auf die EU ausgerichtet und Brüssel galt er als legitimer Verhandlungspartner. Wohingegen die Partei Swoboda und andere rechtsradikale Gruppen lieber eine national-souveräne als eine europäisch-integrierte Ukraine wollen. Schon im Dezember 2013 konnten diese Dinge jedem Journalisten mit ein wenig Recherche klar sein. Statt 'pro-russisch' und 'pro-westlich' haben sich in der Ukraine denn auch ganz andere Bezeichnungen für die Konfliktparteien etabliert: Euro-Maidan und Anti-Maidan. Diese Begriffe nutzen hiesigen Medien jedoch kaum, hätten sie doch zur Folge, sich genauer mit den Gruppen beschäftigen zu müssen. Als Viktor Janukowitsch aus der Ukraine flüchtete, begann ein neues Kapitel in dem Konflikt. Für jeden ersichtlich, hatten die Euro-Maidan- und die Anti-Maidan-Bewegung nun die Rollen getauscht. Die einen sitzen seitdem an den Schalthebeln der Macht, die anderen haben sich in ihren Regionen bewaffnet, öffentliche Gebäude besetzt und Barrikaden gebaut – geradezu ein Spiegelbild der Situation von Dezember bis Februar. Auch die internationalen Unterstützer beider Seiten drehten ihre Argumentation jeweils um 180 Grad." Mehr hier

"Altkanzler Schmidt warnt EU vor Weltkriegsszenario" zitiert der FOCUS aus einem Interview der BILD. Weiter heißt es in der Zusammenfassung: "Altkanzler Helmut Schmidt vergleicht die Zuspitzung in der Ukraine mit dem Sommer 1914 und warnt die Akteure, 'einen dritten Weltkrieg herbeizureden'. Die Außenpolitik der EU-Kommission kritisiert er als größenwahnsinnig. In dieser Situation gebe es nur eine Lösung." Mehr hier. Wenig verwunderlich, es regt sich Widerstand. N-TV kontert mit "Helmut Schmidt sagt nicht die Wahrheit". Der Tenor ist einfach gehalten: "Europa ist nicht Schuld an der Ukraine-Krise und es wiederholt auch nicht die Fehler, die zum Ersten Weltkrieg führten." Mehr hier. Dazu ist uns eine Redensart eingefallen: "Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr wetzt?" 
 

USA: Industrial Production Plunges By Most In 5 Years (Biggest Miss In 3 Years)
(zerohedge.com) Uh-oh. While soft-survey-driven data shows sentiment rebounding after Americans hibernation, it appears the hard data on what they are actually producing - now that weather is behind us - is dismal. Industrial Production slumped by 0.6% - its biggest miss since April 2011 - after its March rebound. This drop is the lowest since June 2009... and this is after the post-weather rebound... Still wondering why bond yields are collapsing? Don't trust the signals of the bond market - stick with believing in the analysts - 80 out of 81 economists thought industrial production would have done something better in April. What a mess - the bounce in March has been completely destroyed...

Kommentar: Neues vom US-Wirtschaftsaufschwung...

The Lightbulb Goes Off In China: "If You Don't Pay Me And I Pay Others, I Am The Sucker"
(zerohedge.com) Just last month we highlighted how the collapse in China's shadow-banking system, it's concomittant credit crunch, and vicious circle of commodity-financed credit creation could spread contagiously to the rest of the world - through refusal to pay. It seems we were prophetic as Reuters confirms that money owed to Chinese firms by their customers has reached a record high. As China's economy continues to cool, companies are waiting longer and finding it harder to get paid for goods and services they've already sold, leading to record amounts of receivables - and potential write-offs - on corporate balance sheets. As one Chinese business owner exclaimed: "If you don't pay me and I pay others, aren't I just a sucker? I'm not that stupid." Receivables on average (across 2300 firms) reached $160.49 million at the end of last year, more than double the $65.9 million average at the end of 2009 and median collection time for billings crawled up from 71.4 days to 90.42 days (the first time above 90 days). "It's a pretty loud warning bell," warns a Peking professor. Read more...

Kommentar: ... und Neues aus dem Wirtschaftswunderland China. Einen Chart gibt es außerdem. Er offenbart eine erstaunliche Lücke: