Mittwoch, 25. Juni 2014

Standpunkt 943 - Nachrichten-Ticker, 06. - 10.06.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. 

Leider müssen wir mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Eine Übersetzung der englischen Texte können wir nicht bereitstellen. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Hinweis: Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Leider haben wir mit den persönlichen Beratungen immer noch alle Hände voll zu tun. Wir bedauern es sehr, dass aus diesem Grund unser bereits seit langer Zeit angekündigtes Update weiter auf sich warten lässt. Nach wie vor gilt unser letztes Update aus dem September 2012, das hier unseren LeserInnen zur Verfügung steht. Bereits damals waren wir extrem aktuell, wie die neueste Entwicklung zeigt, mit der sich die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN in dem Beitrag "Blitz-Enteignung: Regierung kürzt Lebens-Versicherungen" (hier) eingehend beschäftigen. Während die Referenzmedien lieber die Klappe halten. Oder, wie das HANDELSBLATT, mit pseudo-nützlichen Ratschlägen nerven (hier). Die sind vollkommen wertlos, solange immer noch der Hinweis auf § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) fehlt. Diese Vorschrift regelt Zahlungsverbot und Herabsetzung von Leistungen bei Lebensversicherungen. Geregelt ist auch die fortlaufende Zahlung der Beiträge: "Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt." Das ist eine kompromisslose Enteignung. Die Folgen daraus, sowie weitere Methoden der Enteignung, haben wir ausführlich schon im September 2012 beschrieben. 

Trotzdem gilt: "Das Bessere ist der Feind des Guten" (Voltaire, 1694 - 1778). Das neue Dossier wird so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig, außerdem ist es leicht verständlich geschrieben (hoffen wir jedenfalls). Deshalb ist es mehr als nur ein Update. Und platzt aus allen Nähten: Wir haben ausgiebig recherchiert und reingepackt, was irgendwie reingeht. Gefühlt wird es ein "Jahrhundert-Werk". Wir erwarten mehr als 80 Seiten. Zu viel für diesen Blog. Deshalb gibt es eine Änderung: Das Thema bekommt eine eigene Website, die wir parallel zum Dossier vorbereiten. 

Wir werden eindeutig beweisen, dass an einer wirkungsvollen Enteignung kein Weg vorbeiführt und, dass es dringend geboten ist, sich davor zu schützen. 

Aus dem Inhalt: 
  • Wir besprechen die Krisenherde in Europa, den USA, China und Japan. 
  • Wir informieren über die Geschichte der Finanzkrise, die sich nicht nur in wenigen Jahren entwickelt hat. 
  • Wir beschreiben die weitere Entwicklung dieser Krisen. 
  • Wir stellen das europäische Land vor, in dem seit November 2012 eine Bankeninsolvenzordnung in Kraft ist, mit der es die Enteignung seiner Sparer und Steuerzahler regelt. 
  • Wir erläutern ausführlich, warum die Krise in Europa nicht gelöst wird - ebenso alle anderen Krisen in der Welt. 
  • Wir stellen sehr detailliert die einzelnen Vorschläge der Boston Consulting Group, des DIW in Berlin und des IWF für eine einmalige Vermögensabgabe vor. 
  • Wir erklären, warum keiner dieser Ratschläge ausreicht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 
  • Wir beleuchten das "Zypern-Modell" und seine Auswirkungen.
  • Wir berichten darüber, wie Sparer und Gläubiger bei der Not-Verstaatlichung einer Bank über Nacht enteignet wurden - im Herzen der Eurozone, nicht an der Peripherie. 
Natürlich kümmern wir uns intensiv um die zahlreichen staatlichen Werkzeuge der Enteignung, beschreiben ihre Geschichte und ihre modernen Nachfolger; erklären deren Wirkung und ihre geradezu zwanghafte Notwendigkeit. Das wird vielen LeserInnen schlaflose Nächte bereiten, da sind wir uns sicher.


Tagesthemen:  Barack Obama vs. europäische Souveränität – Eliten und Gesellschaft Nachtrag zur Europa-Wahl: Yanis Varoufakis Alexis Tsipras: Sonderwirtschaftszone Südeuropa Europas Banken-Zombies – Industrialisierung Südeuropas – Deutscher Außenhandel im Vergleich Paul Krugman zur Ungleichheit – US-Arbeitsmarkt – America after the Great Recession – China In eigener Sache


Obama: Unabhängigkeit Schottlands widerspricht US-Interessen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) US-Präsident Obama will nicht, dass Schottland seine Unabhängigkeit erklärt. Er fordert außerdem, dass die Briten in der EU bleiben. Nur so könnten die amerikanischen Interessen in Europa wirkungsvoll vertreten werden. Mehr...

Kommentar: Ein Beitrag zur europäischen Souveränität. Außerdem der eindeutige Beweis für unsere schon seit Jahren geäußerte Auffassung, bei Großbritannien handelt es sich um den wichtigsten Brückenkopf US-amerikanischer Interessen in Europa. Da ist es nur selbstverständlich, dass sich Barack Obama zur Separation Schottlands und einem möglichen EU-Austritt der Briten zu Wort meldet: "Barack Obama suggests Scotland should stay in UK" (THE GUARDIAN, 05.06.2014, hier). Wir hoffen darauf, dass die Schotten bei ihrem Referendum im September die richtige Antwort geben. 


Vom menschlichen Verhalten zur abgehobenen Elite und ihren Einflüssen auf die Gesellschaft 
(maskenfall.de) Um einen Eindruck davon zu vermitteln, welches tendenzielle Streben Menschen an den höchsten Schaltstellen der Macht (vor allem Wirtschaftseliten) zu Grunde liegen könnte, werde ich an einem meinerseits entwickelten Modell zu erklären versuchen, was Menschen im Allgemeinen antreibt und welche Einflüsse und Entwicklungen ihr Verhalten prägen. Von Jochen Schölermann. Mehr...

Kommentar: Uns hat der Beitrag gefallen und wir hoffen, auch unsere LeserInnen dafür interessieren zu können. Verdient hat er es. 


Yanis Varoufakis: Europe’s Crisis –The Rise of the Ultra-Right is the Left’s Fault 
(nakedcapitalism.com) Europe’s appalling handling of a euro crisis that was always going to happen, given its faulty architectural design, has triggered an electoral result in the recent European Parliament elections that is a clarion warning that Europe is decomposing. And it is decomposing precisely because of the Left’s spectacular failure to intervene both during the construction phase of Europe’s economic and monetary union and, more poignantly, after the latter’s crisis had begun.
The international press has summed up the 2014 European Parliament election outcome as a sign that the economic crisis plaguing Europe has caused voters to be lured by the two ‘extremes’, meaning the ultra right and the extreme left. This is a verdict that the European elites, whose shenanigans are responsible for Europe’s deconstruction, are comfortable with. They see it as evidence that, despite ‘some errors’, they are on the middle road, with some wayward voters straying off the ‘right’ path both to the left and to the right. And they hope that, once growth picks up again, the ‘strays’ will return to the fold.
This is a misrepresentation of current economic and political reality. Europeans were not lured by the two extremes. They drifted to one extreme: that of the racist, xenophobic, anti-European right. Extreme, anti-European, leftwing parties saw no surge in their support anywhere in Europe. For four years now, European institutions are the field on which incompetence and malice compete with one another in a bid to win the prize for the most inconspicuous obfuscation of the truth: (a) that the Eurozone’s construction was faulty; and (b) that, once the never-ending crisis had began, the elites were solely interested in shifting banking losses from the banks’ asset books onto the shoulders of the weaker citizens. Read more...

Kommentar: Noch ein Nachtrag zu unserem "Auf ein Wort: Zur Europa-Wahl 2014" (hier). Der griechische Ökonom Yanis Varoufakis lehrt an der University of Texas in Austin. Seine differenzierten Beiträge unterscheiden sich wohltuend vom gleichgeschalteten Einerlei unserer heimischen Experten. Varoufakis liefert interessierten LeserInnen reichlich Gedankenfutter und Argumente im täglichen Kampf um die Deutungshoheit in den Diskussionen rund um die Krise in Europa - am Arbeitsplatz, im Verein, am Stammtisch und zu Hause. Sein Schlusswort: "European social democracy cannot survive its pre-2008 historic analytical error and its post-2008 complicity in organised misanthropy. Europe, at the same time, cannot be saved without a revival of a Left capable of subjecting the Eurozone’s construction to critical reason. Unless a reinvigorated Left, along the lines of Greece’s SYRIZA, can inspire Europeans to challenge the toxic policies at the heart of Europe’s deconstruction, the only winners will be racism, nationalism and the emerging
regime that I refer to as Bankruptocracy."


Tsipras: Deutschland will Südeuropa als Kolonie
(griechenland-blog.gr) Alexis Tsipras, Vorsitzender der SYRIZA-Partei in Griechenland, attackierte in einem Interview an die Le Monde hart die deutsche Regierung, die "Südeuropa als eine Sonderwirtschaftszone haben will" und bezog sich auch auf den Gerüchten zufolge forcierten Wechsel des derzeitigen griechischen Finanzministers Giannis Stournaras vom Finanzministerium in die Position des Präsidenten der Griechischen Bank. Hinsichtlich der Wirtschaftspolitik der Eurozone meinte Alexis Tsipras: "Frau Merkel und Herr Schäuble haben einen strategischen Plan, der Germanisierung Europas und Kolonialisierung Südeuropas genannt wird. Sie wollen in der Peripherie Europas eine Sonderwirtschaftszone mit niedrigen Löhnen schaffen, eine Zone, die in Kombination mit der strukturellen Arbeitslosigkeit von den Einschränkungen der Arbeitsgesetzgebung befreit ist. Sie meinen, dass auf diese Weise die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähig sein wird." Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Übersetzung des ursprünglich griechischen Textes ist nicht immer gelungen. Zum besseren Verständnis haben wir die Links eingefügt. Tsipras' Vermutung ist nachvollziehbar. Weil Sonderwirtschaftszonen in der EU nicht erlaubt sind und eine entsprechende gesetzliche Änderung keine Mehrheit finden dürfte, werden die Anpassungen einfach im Rahmen sogenannter Reformen - natürlich überwacht von der Troika - innerhalb der - als Gegenleistung zu den Hilfspaketen zur Rettung der Forderungen ausländischer Banken - verlangten Spardiktate vorgenommen. Ausgeführt werden sie von einer korrupten griechischen Regierung, die alle Wünsche aus Berlin, Frankfurt, Brüssel und Washington (IWF) gegenüber der eigenen Bevölkerung rücksichtslos durchsetzt. Ein Beispiel dafür: "Steuerwahn vernichtet Kleinunternehmer in Griechenland". Aus dem Vorspann: "Hunderttausende mittelständische  Gewerbetreibende und Selbständige in Griechenland, die während des Jahres 2013 aus der Ausübung ihrer Aktivitäten nur spärliche Einkommen erzielten oder sogar anstatt Gewinne Verluste hatten, sind mit einem unglaublichen neuen Steuer-Albtraum konfrontiert. Das neue System der Besteuerung für Personenunternehmen bringt Steuern auf inexistente Einkommen, da eine Steuer von 26% 'ab dem ersten Euro' plus eine Vorauszahlung von 55% für das nächste Jahr erhoben wird – und zwar sogar auch auf nicht existierende Einkommen, die auf Basis sogenannter Einkommens- und Lebensführungsindizien festgesetzt werden." (Quelle: GRIECHENLAND-BLOG, 09.06.2014, hier) Irgendwann wird dieses Fass überlaufen und in bürgerkriegsähnlichen Zuständen enden. Die können dann, ausgestattet mit bester deutscher Wehrtechnik, von Militär und Polizei (erfolgreich?) niedergeschlagen werden. 


Europas Banken müssen auf Diät gesetzt werden
(handelsblatt.com) Europas Bankensektor ist zu fett, meint ein Expertengremium von EU-Finanzwissenschaftlern. In einer Studie vergleicht es die europäischen Institute mit einem Übergewichtigen – und empfiehlt eine Diät. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ene nette Vorstellung, die Sache mit der Diät. Macht Eindruck, löst jedoch kein einziges Problem der maroden Finanzindustrie. Näher an der Wirklichkeit liegen einmal mehr die Krisenerklärer der Schweizer Wirtschaftszeitung FINANZ UND WIRTSCHAFT mit der Feststellung "Europas fettleibige Zombies". Im Vergleich zu dieser Analyse ist der HANDELSBLATT-Beitrag lustlos heruntergeschrieben. Der Autor, Mark Dittli, schreibt in seiner Einleitung: "Sprechen wir mal wieder über Europa. Rund um die Eurokrise ist es in den vergangenen Monaten angenehm ruhig geworden. Fast schon könnte man meinen, alles sei wieder gut. Regelmässige Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen, dass wir das nicht so sehen. Wir sind überzeugt, dass die grundlegenden Probleme der Europäischen Währungsunion alles andere als gelöst sind. Eines dieser Probleme ist der europäische Bankensektor, und über diesen wollen wir heute sprechen. Machen Sie sich bitte gefasst: Dies wird ein langer Beitrag. Der Bericht hat es in sich. Noch nie habe ich von einer offiziellen EU-Instanz eine derart scharfsinnige, klarsichtige und schonungslose Analyse der europäischen Bankenlandschaft gelesen. Jeder Politiker und Banker in Europa – auch in der Schweiz – sollte den Bericht lesen. Die Autoren gehen darin, wie der Titel bereits suggeriert, einer grossen Frage nach: Leidet Europa unter einem zu grossen Bankensektor? Minutiös zeigen sie, wie die Banken in Europa – ganz besonders die 20 grössten Institute – in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv überproportional zur Wirtschaftsleistung gewachsen sind. Die Autoren legen dar, weshalb diese Aufblähung des Finanzsektors überhaupt stattgefunden hat, wie das die Krisenanfälligkeit des Finanzsystems erhöht hat und weshalb ein überproportionierter Bankensektor für die Realwirtschaft eine Belastung darstellt. Der Bericht schliesst mit dem Fazit, dass Europa eine grosse Zahl von Zombie-Banken unterhält, die mittels fehlgeleiteter Anreize am Leben erhalten werden und die mit ein Grund für die lethargische Wirtschaftsentwicklung sind." Mehr hier. Außerdem bietet der Beitrag anschauliche Grafiken. An der Grundaussage ist nichts auszusetzen. Anders verhält es sich mit den erhobenen Daten und den angestellten Vergleichen. Leider vergleicht der zugrundeliegende Bericht "Is Europe Overbanked?" (hier) nach unserer Auffassung über weite Strecken "Äpfel mit Birnen", oder die zwischen der EU und den USA angestellten Vergleiche sind erst gar nicht zulässig. 

Nehmen wir als erstes Beispiel das folgende, von Mark Dittli in seinem Betrag verwendete Schaubild: 


Dittli schreibt dazu: "Die Kuchengrafik zeigt die Zusammensetzung der aggregierten Bilanzanlagen aller Banken in der EU. Insgesamt handelt es sich dabei um Anlagen in der Höhe von 42'000 Milliarden Euro. Das grösste Kuchenstück (dunkelblau, 30 Prozent) entfällt auf Darlehen, die die Banken anderen Banken gewährt haben. Weitere 13 Prozent (hellblau, remaining assets) entfallen auf Derivate. 9 Prozent (gelb) sind Staatsanleihen, die die Banken in ihrer Bilanz halten. Kredite an die europäische Realwirtschaft im eigentlichen Sinn stellen nur die beiden roten Kuchenstücke dar: 18 Prozent der Anlagen entfallen auf Kredite an private Haushalte (HH total loans), und 15 Prozent (hellrot, NFC loans) sind Kredite an private Unternehmen. Das heisst: Nur gerade 33 Prozent der aggregierten Bilanzsumme aller europäischen Banken dienen Krediten für private Haushalte und Unternehmen. Der Rest dient Spielereien innerhalb des Bankensektors sowie der Finanzierung von Staaten. Die französische Grossbank Crédit Agricole beispielsweise hält nur gerade 18 Prozent ihrer Bilanzsumme in Form von Krediten an private Haushalte und Unternehmen. Bei der Deutschen Bank sind es 20 Prozent, bei Société Générale 29 Prozent." Was sind diese Grafik und die damit verbundenen Aussagen überhaupt wert, wenn weder der Bereich der Schattenbanken berücksichtigt wird, noch das tatsächliche Exposure der Banken im Derivatehandel eingerechnet ist, oder die 18'200 Milliarden Euro wertloses Vermögen in den Bilanzen der europäischen Banken unberücksichtigt bleiben, die von der EU-Kommission 2009 festgestellt, aber nicht öffentlich gemacht worden sind (hier)? Nichts, oder? 

Wir ergänzen: Nicht mehr ganz taufrisch, aber in der Kernaussage immer noch aktuell: "The shadow banking system is booming" (Quelle: davecoker.info, 19.11.2012, hier). Auszug: "Shadow banking in the US is sized at $23T, in the Eurozone $22T, and in the UK $9T(rillion)". Der Beitrag stützt sich auf den "Global Shadow Banking Monitoring Report 2012" (hier) des Financial Stability Board (FSB). D. h. an dieser Stelle fehlen in dem Bericht/Dittli 22'000 Milliarden Euro Volumen, plus die damit verbundenen Assets. Die Wucht dieses Sektors der Finanzindustrie macht die folgende Grafik deutlich: 

Quelle: davecoker.info
Es ist geradezu sträflich leichtsinnig, die Risiken der Schattenbanken zu vernachlässigen. Deren zerstörerische Wirkung im Zusammenhang mit der Finanzkrise seit 2007 ist in den USA, u. a. von der Notenbank, bereits hinlänglich untersucht worden. Eine deutschsprachige Analyse hat im Dezember 2013 das Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der Universität Linz unter dem Titel "Die Finanzkrise 2007 - 2009 als Krise von Schattenbanken" veröffentlicht (hier).      

Die 13% Derivateanteil, entspricht 5'460 Milliarden Euro, sind nur ein Bruchteil des tatsächlichen Volumens, von dem alleine die Deutsche Bank, als weltweite Nr. 1, mehr als das 10fache auf sich vereinigt. Die Einzelheiten dazu bitte hier nachlesen. 
Nächstes Beispiel. Zuerst die Übersicht aus dem Beitrag von Mark Dittli: 


Seine Erklärung dazu: "Die grauen Balken zeigen die Anzahl Banken, die im jeweiligen Jahr von der US-Einlagenversicherungsbehörde (FDIC, Federal Deposit Insurance Corporation) zwangsgeschlossen und abgewickelt wurden. Die schwarzen Balken zeigen die Anzahl Zwangsschliessungen und Abwicklungen in der EU. Während in den USA mehrere Hundert marode Finanzhäuser aus dem Verkehr gezogen wurden, sind es in Europa nur wenige Dutzend." Netter Versuch, aber ohne jede Aussagekraft. Zur Bestätigung genügt ein Blick in die Liste der von der FDIC abgewickelten Banken (hier). Zugegeben, wir sind nicht jede Position einzeln durchgegangen. Trotzdem behaupten wir: Es handelt sich durchweg um Banken, deren Bedeutung regional begrenzt ist und die zu keiner Zeit ein Risiko für die Steuerzahler dargestellt haben. Ausnahmslos alle Banken, mit nahezu unbegrenzten Risiken für die Steuerzahler, wurden zwangsweise mit anderen Einheiten fusioniert. Auf diese Weise haben sich die Risiken multipliziert, nicht reduziert. Wer so "rechnet" wie die Verfasser des Berichts/Dittli, der muss zwingend darauf hinweisen, dass noch mehr als 2.000 (Regional-)Banken in den USA auf der Kippe stehen. Sie werden so lange wie möglich am Leben erhalten, weil der FDIC schlicht die Mittel für eine Abwicklung fehlen. Auch in Europa sind es nicht die regionalen Banken, wir denken besonders an die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die eine Gefahr für das System darstellen. So gesehen dürfte das "wenige Dutzend" den Vergleich mit den USA nicht scheuen müssen. 

Zuletzt werfen wir noch einen Blick auf die folgende Grafik aus dem Beitrag der FINANZ UND WIRTSCHAFT:


Mark Dittli erklärt dazu: "Die hellgrauen Balken zeigen das Verhältnis von Bankkrediten zum BIP im Jahr 1995, die schwarzen Balken im Jahr 2011. In Staaten wie Deutschland, Frankreich oder Österreich war das Wachstum moderat. Die grösste Ausweitung der Kreditschöpfung fand in Ländern wie Zypern statt (CY), in Irland (IE), Spanien (ES), Portugal (PT), den Niederlanden (NL) und Griechenland (GR). Dort hat sich das Verhältnis von Bankkrediten zum BIP meist mehr als vervierfacht, auf ein Niveau von 200 Prozent oder mehr. Es ist kein Zufall, dass das – mit Ausnahme der Niederlande – die Staaten sind, an denen sich die Eurokrise kristallisiert hat." Ein sehr eindimensionaler, die Wirklichkeit stark verzerrender Erklärungsansatz, wie wir finden. Bei dem absolut "Äpfel mit Birnen" verglichen werden. 1995 mit 2011 zu vergleichen ist, vorsichtig formuliert, in die Irre führend. Zulässig wäre gewesen, mit 2008, vielleicht auch noch 2009, zu vergleichen. Den Jahren, in denen die Finanzkrise in Europa schlagend geworden ist. Leider haben wir keine verlässlichen Daten aus diesen beiden Jahren greifbar. Aus diesem Grund weichen wir auf eine andere Bezugsgröße aus, die Pro-Kopf-Verschuldung, die wir mit Hilfe der folgenden Übersicht darstellen: 

Quelle: zerohedge.com
Es ergibt sich ein anderes Bild, auch wenn zu einem direkten Vergleich nicht alle Länder verfügbar sind. 

Mark Dittli hat mit seiner Überschrift auf den Punkt getroffen. Seine Begründung ist ungenau und lückenhaft. Schade. 


Die Herkulesaufgabe der Euro-Peripherie: Ohne wettbewerbsfähige Industrie auch in Südeuropa ist Konvergenz eine Illusion
(ipg-journal.de) Die Krise in Europa hat die industrielle Wettbewerbsfähigkeit wieder stärker ins politische Bewusstsein gerückt. Doch von der vielbeschworenen industriellen Renaissance ist bisher herzlich wenig zu sehen. Die EU-Kommission hat 2012 das vollkommen unrealistische Ziel formuliert, den Anteil des Verarbeitenden Gewerbes in Europa bis 2020 wieder von 16 auf 20 Prozent zu steigern. Tatsächlich ist er seither weiter gesunken. Für Länder mit einer breiten und kompetitiven industriellen Basis wie Deutschland, Österreich oder Tschechien spielt es im Prinzip keine große Rolle, wie hoch der Anteil der Industrie genau ist. Wenn andere Sektoren, etwa die Gesundheitswirtschaft oder IT-Dienstleistungen, ein höheres Wachstumspotenzial haben, ist es nur positiv, wenn dort neue Jobs entstehen. Zugleich ist die Industrie in diesen Ländern gut in globale Wertschöpfungsketten eingebunden und ihre Produkte sind auf den Weltmärkten gefragt, so dass die industrielle Basis nicht gefährdet ist. 
Anders sieht es aber in den Euro-Krisenländern aus, wo die zurückgehende Bedeutung der Industrie zunehmend zu einer Bürde für den in den nächsten Jahren dringend nötigen Aufholprozess wird. Ein langfristig erfolgreiches Wachstumsmodell ohne einen starken industriellen Kern ist für große Volkswirtschaften schlicht illusorisch.
Der Begriff "Industrie" hat einen eindrucksvollen Bedeutungswandel durchlebt. Früher assoziierte man damit eher schmutzige Schlote und einen hohen Bedarf an geringqualifizierten Fabrikarbeitern. Inzwischen sind einige industrielle Sub-Sektoren ein Synonym für technologisch hochwertige Produkte, deren Produktionsprozess durch einen hohen Automatisierungsgrad sowie einen überdurchschnittlichen Beschäftigungsanteil von Akademikern gekennzeichnet ist. Ein Schrumpfen der industriellen Basis in der Euro-Peripherie gefährdet daher nicht nur Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich, sondern auch gut bezahlte Jobs in der Industrie und in industrienahen Dienstleistungen. Damit steht letztlich auch die wirtschaftliche Konvergenz in der EU auf dem Spiel, denn allein mit einer Kombination aus Tourismus, Bauwirtschaft und europäischen Strukturgeldern wird sie sich nie erreichen lassen. Mehr...

Kommentar: Ein lesenswerter, "traumhafter" Beitrag. Auf Grundlage der bisherigen, aus Berlin gelenkten, europäischen Krisenpolitik aber nicht realisierbar. Lieber wird mit Mitteln der EU ein Land wie die Türkei industrialisiert, um es fit für einen EU-Beitritt zu machen, den beide Seiten eigentlich gar nicht (mehr) anstreben. Dafür sind bereits mehr als 3 Milliarden Euro nach Ankara überwiesen worden, um den südeuropäischen EU-Staaten Konkurrenz zu machen. 


Deutschland: Außenhandel gegenüber GIPSF 
(querschuesse.de) Bereits am 23. Mai schrieb Diether Wermuth im Herdentrieb-Blog bei Zeit.de einen äußert optimistischen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland im ersten Quartal 2014: Erstes Quartal – endlich mal Wachstum! Dabei wird unter anderem am Ende behauptet, Deutschland hätte sein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht gegenüber der Währungsunion deutlich reduziert, was von den betroffenen Ländern Druck nehmen würde. Es stimmt tatsächlich, dass der deutsche Überschuss im Handel von Waren und Dienstleistungen gegenüber der Währungsunion deutlich gesunken ist, allerdings geht dies kaum auf eine Anpassung von Seiten Deutschlands zurück. Gerade die Betrachtung der Handels- und Dienstleistungsbilanz gegenüber einzelnen Ländern zeigt dies z.T. sehr deutlich.
Betrachtet man den deutsche Außenbeitrag gegenüber Euroland insgesamt, stellt man in der Tat fest, dass die Importe seit 2010 gestiegen sind, während die Exporte dorthin stagnieren. Allerdings ist der Anstieg der Einfuhren keineswegs schneller als vor der Finanzcrash von 2008/2009, sondern im Gegenteil eher langsamer. Das lässt die These, Deutschland hätte seit 2010 besondere Anstrengungen zur Anpassung unternommen, schon zweifelhaft erscheinen:



Kommentar: Steffen Bogs liefert außerdem noch die grafischen Vergleiche mit Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Seinem Fazit ist nichts hinzuzufügen: "Angesichts dieser Faktenlage ist es wohl nicht zu tolldreist zu sagen, dass Deutschland weiterhin einen feuchten Kehricht tut um den Währungspartnern eine Änderung ihrer unhaltbaren außenwirtschaftlichen Situation zu erleichtern."


On Inequality Denial - Über das Leugnen der Ungleichheit
(nachdenkseiten.de) Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel mit dem Titel "Die Reichen, die Rechten und die Fakten" veröffentlicht, in dem ich die politisch motivierten Bemühungen beschrieb, etwas zu leugnen, das ganz offensichtlich ist  -  nämlich den starken Anstieg der Ungleichheit in Amerika, speziell, was die oberste Spitze der Einkommensskala betrifft. Es wird Sie wahrscheinlich nicht wundern, dass ich auf ziemlich viel Missbrauch statistischen Materials durch Leute in wichtigen Positionen gestoßen bin. Auch wird es Sie nicht überraschen, wenn ich Ihnen sage, dass sich inzwischen nicht viel geändert hat. Nicht nur bestreiten die üblichen Verdächtigen weiterhin das Offensichtliche, sie kommen auch immer noch mit den gleichen längst diskreditierten Argumenten: Die Ungleichheit steigt nicht wirklich; Also schön, sie steigt, aber das macht nichts, weil wir eine so starke soziale Mobilität haben; Überhaupt ist das gut, und wer sagt, es sei problematisch, ist ein Marxist. Aber das Jahr, in dem ich den Artikel veröffentlicht habe, mag Sie überraschen: 1992. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine unendliche Geschichte, dieser Streit. Und er wird nie aussterben. Wenigstens nicht so lange, wie der neoliberale Kapitalismus das vorherrschende "Erfolgsmodell" der Industrienationen, angeführt von den USA, ist. Die Verfechter dieses Modells werden Piketty's Thesen mit allen Mitteln bekämpfen, akademischen und weniger akademischen. Ganz egal. Hauptsache, das Thema verschwindet so schnell wie möglich wieder in der Versenkung. Den Beitrag "The Rich, the Right, and the Facts: Deconstructing the Income Distribution Debate" von Krugman gibt es hier.  Daraus die folgende Grafik:




Noch eine Leseempfehlung: "Neoliberalismus - Die Perversion des Systems" von Rudolf Hickel für den TAGESSPIEGEL, 27.10.2011, hier


Mehr Jobs als vor der Finanzkrise: US-Wirtschaft macht Jobverlust aus Krisenjahren wett 
(manager-magazin.de) Fünf Jahre nach dem Ende der durch die Finanzkrise ausgelösten Rezession hat die Wirtschaft in den USA die Jobverluste wieder wettgemacht. Die Beschäftigung überstieg im Mai erstmals das Vorkrisenniveau. Die US-Börsen feiern dies mit Rekordständen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Seit Monaten das gleiche Bild: Die deutschsprachigen Referenzmedien verklären den US-amerikanischen Arbeitsmarkt auf geradezu unerträgliche Art und Weise. Das ist Propaganda pur. Die 4. Gewalt hat hierzulande total abgehalftert.  Eine traurige Gewissheit. Schauen wir uns die Wirklichkeit an:

Zuerst die Übersicht aus dem Beitrag "The Good And The Not- So-Good News About US Jobs In One Chart" von ZERO HEDGE: "Is the US worker's cup half full, or half empty?"


Source: here

Weiter geht's bei ZERO HEDGE: "What Quality Jobs? Over Half Of May Payroll Growth Is In Education, Leisure And Temp Help Jobs". Aus der Einleitung: "If there was some hope that in April the trend of the US adding low-quality (as in low-paying) jobs may finally be coming to an end, this came to a quick end in May, when more than half of the 217K jobs added were in the lowest paying sectors." Read more here. Die Grafik stammt aus dem Beitrag:


Es ist noch nicht zu Ende: "US Finally Recovers All Jobs Lost Since 2007 While People Not In Labor Force Increase By 12.8 Million". Den Chart dazu: 

Mehr hier.

Ein Bild sagt mehr als 1'000 Worte, Die beiden folgenden Charts stammen aus dem Beitrag "US Workers In The Prime 25-54 Age Group Are Still 2.6 Million Short Of Recovering Post-Crisis Job Losses" bei ZERO HEDGE:




Source: here. Außerdem gibt es viel Hintergrundwissen. 

Zum Abschluss der Bildreihe noch die aktuelle Übersicht von John Williams' Shadow Government Statistics


Source: here


Pulitzer-Prize Winning Reporter: Americans Bounced Back Faster After the Great DEPRESSION than the Great RECESSION
(washingtonsblog.com) Underneath the Propaganda, Americans Are In BAD SHAPE …
Pulitzer prize-winning reporter David Cay Johnston has researched economics, wages, taxes and related issues for many years. He’s written numerous books on those subjects. Writing for the San Jose Mercury News, then serving as a columnist for Reuters, Johnston won his Pulitzer writing on economics and tax issues for the New York Times. President of Investigative Reporters and Editors, Johnson now holds titles such as Distinguished Visiting Lecturer at Syracuse University College of Law and Whitman School of Management. In other words, Johnston is a highly-credible reporter on economic issues.
Last week, Johnston headlined at Al Jazeera – the mainstream American press apparently wouldn’t touch the story – "Americans fared better after Great Depression than today" (...). Read more here...


Kommentar: Hervorragend! Must read... An dieser Stelle eine Leseprobe aus dem Beitrag für Al Jazeera: "The economy is improving — or so headlines tell us almost every day. But is that true? The answer to that question depends on the time frame used for comparison, whether inflation is taken into account and how you measure improvement. News reports tend to focus on the short term — on yesterday, on last year compared with the year before. But look back farther in time and an overwhelming case can be made that the vast majority of Americans are worse off. Indeed, coming out of the Great Depression eight decades ago, the vast majority fared vastly better than most people have coming out of the Great Recession, which officially ended on June 30 six years ago. It may be jarring to hear that the vast majority of Americans, the 90 percent, enjoyed bigger income gains in the 1930s than in recent years, but that is what the data show. The data also indicate tandem increases in both want and wealth, with the vast majority worse off in 2013 than in 2009, while those at the apex of the economy are enjoying a much larger — and growing — share of national income." 


Western Banks Scramble As China's "Rehypothecation Evaporation" Goes Global
(zerohedge.com) While we have warned about the problem with near-infinitely rehypothecated physical/funding commodities/metals, be they gold or copper, many times in the past, and most recently here, it was only this week that China finally admitted it has a major problem involving not just the commodities participating in funding deals - in this case copper and aluminum - but specifically their infinite rehypothecation, which usually results in the actual underlying metal mysteriously "disappearing", as in it never was there to begin with. It would appear our fears of global contagion (through various transmission channels) are now coming true as WSJ reports that as many as a half-dozen banks are trying to determine whether the collateral for loans they made to commodities traders was used fraudulently by a third party to obtain other loans. As we detailed previously, it appears the day when the Commodity Funding Deals finally end is fast approaching... and as we note below, why that will certainly be a watershed event. Read more...

Kommentar: Good luck, financial system...


In eigener Sache 
Wer sich gegen die vielen Formen der Finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung absichern möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt ein paar sehr nützliche Maßnahmen, um Ersparnisse/Zukunftssicherung/Vermögen krisenfest zu machen. Wir betonen aber an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten. Eine E-mail genügt, wir informieren anschließend über die Einzelheiten der Beratung. 

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." (Karl Farkas, österr. Schauspieler und Kabarettist)

Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir erfolgreich ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen.