Dienstag, 8. Juli 2014

Standpunkt 945 - Nachrichten-Ticker, 16. bis 20.06.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. 

Leider müssen wir mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Unsere LeserInnen bitten wir um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Hinweis: Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


In eigener Sache I 
Wir sind momentan mit unserem Ticker nicht tagesaktuell. Das wird sich wieder ändern. Bis dahin fassen wir mehrere Tage zu einem Nachrichten-Ticker zusammen. Wir werden sehr akribisch die liegengebliebenen Beiträge abarbeiten. Versprochen. Außerdem behandeln wir demnächst die folgenden Schwerpunktthemen in separaten Beiträgen: Austeritätspolitik in der Krise, Blasen-Ökonomie - die unendliche Geschichte, das Missverständnis Keynes, die neuen Kriegsspiele, die EZB in der Krise, die Dramedy "Jean-Claude Juncker for President", die Zerstörungswut der "too big to fail"-Banken und die Debatte um den Mindestlohn in Deutschland. Erweiterung nicht ausgeschlossen.   


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Wir bedauern es sehr, dass unser bereits seit langer Zeit angekündigte Aktualisierung weiter auf sich warten lässt. Die persönlichen Beratungen gehen vor. Nach wie vor gilt deshalb unser letztes Update aus dem September 2012, das hier unseren LeserInnen zur Verfügung steht. Bereits damals waren wir extrem aktuell, wie die neueste Entwicklung zeigt, mit der sich die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN in dem Beitrag "Blitz-Enteignung: Regierung kürzt Lebens-Versicherungen" (hier) eingehend beschäftigen. Während die Referenzmedien lieber die Klappe halten. Oder, wie das HANDELSBLATT, mit pseudo-nützlichen Ratschlägen nerven (hier). Die sind vollkommen wertlos, solange immer noch der Hinweis auf § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) fehlt. Diese Vorschrift regelt Zahlungsverbot und Herabsetzung von Leistungen bei Lebensversicherungen. Geregelt ist auch die fortlaufende Zahlung der Beiträge: "Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt." Das ist eine kompromisslose Enteignung. Die Folgen daraus, sowie weitere Methoden der Enteignung, haben wir ausführlich schon im September 2012 beschrieben. 

Trotzdem gilt: "Das Bessere ist der Feind des Guten" (Voltaire, 1694 - 1778). Das neue Dossier wird so aktuell wie möglich und so vollständig wie nötig, außerdem ist es wieder leicht verständlich geschrieben (hoffen wir jedenfalls). Deshalb ist es mehr als nur eine Aktualisierung. Und platzt aus allen Nähten: Wir haben ausgiebig recherchiert und reingepackt, was irgendwie reingeht. Gefühlt wird es ein "Jahrhundert-Werk". Wir erwarten mehr als 80 Seiten. Zu viel für diesen Blog. Deshalb gibt es eine Änderung: Das Thema bekommt eine eigene Website, die wir parallel zum Dossier vorbereiten. 

Wir werden eindeutig beweisen, dass an einer wirkungsvollen Enteignung kein Weg vorbeiführt und, dass es dringend geboten ist, sich davor zu schützen. 

Aus dem Inhalt: 
  • Wir besprechen die Krisenherde in Europa, den USA, China und Japan. 
  • Wir informieren über die Geschichte der Finanzkrise, die sich nicht nur in wenigen Jahren entwickelt hat. 
  • Wir beschreiben die weitere Entwicklung dieser Krisen. 
  • Wir stellen das europäische Land vor, in dem seit November 2012 eine Bankeninsolvenzordnung in Kraft ist, mit der es die Enteignung seiner Sparer und Steuerzahler regelt. 
  • Wir erläutern ausführlich, warum die Krise in Europa nicht gelöst wird - ebenso alle anderen Krisen in der Welt. 
  • Wir stellen sehr detailliert die einzelnen Vorschläge der Boston Consulting Group, des DIW in Berlin und des IWF für eine einmalige Vermögensabgabe vor. 
  • Wir erklären, warum keiner dieser Ratschläge ausreicht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. 
  • Wir beleuchten das "Zypern-Modell" und seine Auswirkungen.
  • Wir berichten darüber, wie Sparer und Gläubiger bei der Not-Verstaatlichung einer Bank über Nacht enteignet wurden - im Herzen der Eurozone, nicht an der Peripherie. 
Natürlich kümmern wir uns intensiv um die zahlreichen staatlichen Werkzeuge der Enteignung, beschreiben ihre Geschichte und ihre modernen Nachfolger; erklären deren Wirkung und ihre geradezu zwanghafte Notwendigkeit. Das wird vielen LeserInnen schlaflose Nächte bereiten, da sind wir uns sicher.


Tagesthemen:  Enteignung: Phantasievolle Staaten (2 Beiträge) – Militarisierung Schattenbanken Crash als Entertainment – Finanzmarktregulierung – Austerität und ihre katastrophalen Folgen (8 Beiträge) China goes Griechenland Aufschwung Europa – Weltwirtschaft (4 Beiträge) – USA (2 Beiträge) – Krise in China (3 Beiträge) – Dow Jones In eigener Sache


Australia Seizes 360M From Dormant Bank Accounts And All 50 U.S. States Are Doing This Too
(theeconomiccollapseblog.com) Do you have a bank account that you don't actively use or a safe deposit box that you have not checked on for a while? If so, you might want to see if the government has grabbed your money. This sounds absolutely crazy, but it is true. All over the world, governments are shortening the time periods required before they can seize "dormant bank accounts" and "unclaimed property". For example, as you will read about below, just last year the government of Australia seized a whopping 360 million dollars from dormant bank accounts. And this kind of thing is going on all over America as well. In fact, all 50 states actually pay private contractors to locate bank accounts and unclaimed property that can be seized. In some states, no effort will be made to contact you when your property is confiscated. And in most states, the seized property permanently become the property of the state government after a certain waiting period has elapsed. So please don't put money or property into a bank somewhere and just let it sit there. If you do, the government may come along and grab it right out from under your nose. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Uns geht es nicht um die Entrüstung darüber, was in diesem Beitrag beschreiben wird. Nichts davon ist nämlich wirklich neu (vgl. den Link zu abc-NEWS). Historisch betrachtet hat es schon viele solcher Ereignisse gegeben, wir erinnern in diesem Zusammenhang nur an die Plünderung jüdischer Konten bei Schweizer Banken. Wir möchten statt dessen bei dieser Gelegenheit einmal mehr daran erinnern, wie zielstrebig und kompromisslos die Staaten bereits damit begonnen haben, sich am Geld der Sparer zu vergreifen. Gerne wird dabei auf bereits erprobte und bewährte Maßnahmen zurückgegriffen. Ursprünglich einmalige Aktionen werden bei Erfolg einfach auf Dauer fortgesetzt. Dazu ein Auszug aus unserem Beitrag "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" (hier): "Viele unserer LeserInnen unterhalten immer noch Bankschließfächer, in denen sie ihr Bargeld, ihr physisches Gold und/oder Silber und andere wichtigen Dokumente sicher wähnen und jederzeit erreichbar. Ein absolut trügerisches Gefühl, wie Ereignisse in Großbritannien zeigen. Dort wurden bereits 2008 rund 7.000 Schließfächer gewaltsam wegen des Verdachts auf Geldwäsche, Schwarzgeld und Steuerhinterziehung, geöffnet. In der englischen Presse und von Scotland Yard wurde die Aktion als Triumpf gefeiert (hier) und deshalb bis heute fortgesetzt. In Deutschland 'blüht' den Schließfächern das gleiche Schicksal. Handhabe bietet das deutsche Antiterrorgesetz (hier). Es genügt ein einfacher Erlass des Bundesfinanzministeriums. Inoffizielle Schätzungen glauben an zweistellige Milliardenwerte in deutschen Schließfächern. Der Vorwurf von Geldwäsche, Terrorismus und Steuerhinterziehung,  ist  auch  gegenüber unbescholtenen Bürgern schnell erhoben: Der Zweck heiligt die Mittel." 

Jüngstes Beispiel eines erfolgreichen staatlichen Zugriffs dokumentiert der Beitrag "Griechenland sackt sich 37 Mio Euro aus inaktiven Bankguthaben ein", erschienen am 18. Juni 2014 bei GRIECHENLANDBLOG: "Laut dem Finanzministerium in Griechenland  flossen 36,8 Mio Euro aus inaktiven Bankguthaben in die Kassen des Fiskus." Mehr hier. Noch fallen die Summen nicht ins Gewicht, aber das wird sich ändern. Genauso wie die Methoden.

Deshalb wiederholen wir immer wieder unseren Aufruf: Lange bevor diese Entwicklung das eigene Portemonnaie erreicht, gilt es vorzusorgen. 


Vorkehrungen gegen den kommenden Aufstand - Militarisierung für den Wohlstand 
(deutschlandfunk.de) Das Grundgesetz verbietet den Bundeswehreinsatz im Inneren, allerdings heißt es schon in der Notstandsverfassung von 1968: "Zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes kann die Bundesregierung, wenn die Voraussetzungen des Artikels 91 Abs. 2 (hier) vorliegen und die Polizeikräfte sowie der Bundesgrenzschutz nicht ausreichen, Streitkräfte beim Schutze von zivilen Objekten und bei der Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer einsetzen." 
Mit Verweis auf solche Ausnahmeregelungen wurde die Bundeswehr schon im Juni 2007 zum Schutz des G8-Gipfels in Heiligendamm (hier) eingesetzt. Das ist teilweise mit der Abwehr von sogenannten terroristischen Angriffen begründet worden. Dafür wurde die Luftabwehr installiert, also Luftabwehrraketen, Aufklärung natürlich. 
Aber die Bundeswehr wurde auch gegen Demonstranten eingesetzt. Beispielsweise verfügt die Bundeswehr über Aufklärungseinheiten, die in so kleinen Panzern untergebracht sind, mit entsprechender Technik, mit Nachtsicht- und Weitsichtgeräten etc.: Die wurden eingesetzt, um ankommende Demonstrierende aufzuspüren, damit die Polizei rechtzeitig reagieren kann. Ein anderer Punkt war, dass die Bundeswehr schon Wochen zuvor begonnen hat, mit Kampfflugzeugen, die umgerüstet sind zu Aufklärungszwecken, die Gegend zu überfliegen. Es sind die sogenannten Tornado-Aufklärungs-Flugzeuge, die in Schleswig-Holstein stationiert sind. Und diese Überflüge hat es sogar auch während des Gipfels gegeben. 
Die Zukunft der Kriegsführung liegt in den Straßen, Abwasserkanälen, Hochhäusern und dem Häusermeer, aus denen die zerstörten Städte der Welt bestehen. Unsere jüngste Militärgeschichte ist gespickt mit Städtenamen wie Tuzla, Mogadishu, Los Angeles, Beirut, Panama City, Hue, Saigon, Santo Domingo – aber diese Zusammenstöße sind nur der Prolog des eigentlichen Dramas gewesen, das uns bevorsteht. Eine Armee, die auf Operationen in urbanem Raum nicht umfassend vorbereitet ist, ist unvorbereitet auf die Zukunft. (Aus: Parameters, Zeitschrift des US Army War College, 1996)
Wo Armut, Slums und unzureichendes Einkommen das Ergebnis inadäquater urbaner Infrastruktur sind, können Spannungen entstehen. Wir denken, dass dieser Trend von immer größerer Bedeutung sein wird, und dass er in Zukunft zu inneren Unruhen, Aufständen und Gefahren für die Sicherheit führen wird, auf die die lokalen Behörden werden reagieren müssen. (Aus: Urban operations in the year 2020, Studie der Research and Technology Organisation der NATO, 2003, hier)
Es ist festzustellen, dass tiefsitzende Ungleichheiten in der Verteilung ökonomischer, politischer und sozialer Ressourcen, welche mit Armut zusammenhängen und von der Globalisierung und neoliberalen makro-ökonomischen und politischen Prozessen untermauert werden, die am meisten verbreiteten Ursachen urbaner Gewalt sind. (Aus: Urban violence and humanitarian challenges, herausgegeben vom European Union institute for security studies, 2012, hier)
Es zeichnet sich eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Bürger und der Unfähigkeit der Regierungen ab, diese Erwartungen eines besseren Lebens zu erfüllen. Diese Diskrepanz kann zu Revolten und Verzweiflung führen. (Aus: Global trends 2030 – Citizens in an interconnected and polycentric world, herausgegeben vom European Union Institute for Security Studies, 2012, hier)
Die großen politischen Verwerfungen, die zu erheblichen gewaltsamen Auseinandersetzungen führen, verlagern sich; an die Stelle des früheren horizontalen Wettbewerbs unter ebenbürtigen Elitestaaten treten vertikale Spannungen zwischen den verschiedenen globalen sozioökonomischen Schichten. Durch die Technologie schrumpft die Welt zu einem globalen Dorf, das sich allerdings am Rande einer Revolution befindet. Während wir es mit einer immer stärker integrierten Oberschicht zu tun haben, sind wir gleichzeitig mit wachsenden explosiven Spannungen in den ärmsten Unterschichten konfrontiert.
In der postmodernen Gemeinschaft müssen wir zum einen darauf achten, dass unser dominierendes globales System nicht zusammenbricht (man denke an die derzeitige Wirtschaftskrise), und zum anderen müssen wir uns zusammenschließen und gemeinsam eine Strategie zur Bewältigung unserer gemeinsamen weltweiten Herausforderungen entwickeln.  (…) Auf das Militär werden verschiedene Aufgaben zukommen, hauptsächlich Polizeiarbeit. (…) (Aus: Perspektiven für die europäischen Verteidigung 2020, herausgegeben vom European Union Institute for security studies, 2011, hier) Mehr...

Kommentar: Hervorragend. Unbedingt lesen. Ein absoluter Augenöffner. 25 Seiten Gedankenfutter und schlaflose Nächte. Jeder möge für sich selbst entscheiden, wie weit weg wir in Europa noch von militärischen Einsätzen im Inneren sind.  


Schattenbanken: Das 71-Billionen-Dollar-Problem
(sueddeutsche.de) Die Bösewichte der Finanzkrise sind zurück - nur größer und mächtiger. Finanzaufseher auf der ganzen Welt warnen vor dem unheimlichen Aufstieg der Schattenbanken. Mehr...

Kommentar: Sie waren nie weg, die Bösewichte der Finanzkrise. Sie wirken lieber im Verborgenen. Verhindern erfolgreich die versprochene Finanzreform und bauen weiter am weltweiten Finanzcasino. So ganz nebenbei verdienen sie sich mit fetten Boni eine goldene Nase. Die Entwicklung in China verstärkt exorbitant die Risiken. Dieser Beitrag vermittelt den Eindruck, als hätten die traditionellen Banken mit den Schattenbanken mittlerweile nichts oder nur noch wenig zu tun. Das ist absoluter Quatsch. Die TBTF-Banken sind so vollkommen integriert, dass ihnen jede noch so kleine Erschütterung in diesem Bereich mächtig Sorgen bereitet. Das System stützt sich auf die unbegrenzten Staatsgarantien. Die sind jedoch in Wahrheit völlig wertlos: Nicht eine dieser Banken könnte im Pleitefall von den Sparern/Steuerzahlern zu Hause gerettet werden. Das gilt auch und gerade für die Deutsche Bank. Deren Pleite könnte dieses höchst fragile Konstrukt sogar über Nacht zum Einsturz bringen. Klingt unglaublich? Warten wir es einfach ab...

Die Sparer/Steuerzahler müssen trotzdem "dran glauben": Sie werden dann gezwungen die Staaten am Leben zu halten, nicht mehr die Banken. 


Crash-Mahner versus Entertainment-Flut: Realitätswahrnehmung in der Abseitsfalle
(querschuesse.de) Wir lieben Crash-Prophetien, Untergangsszenarien. Ganz besonders tun wir das, nachdem es im September 2008 zum größten Crash seit 1929 gekommen ist. Aber wir haben inzwischen zunehmend wieder das Interesse daran verloren, weil nichts dergleichen tatsächlich geschehen ist.
Das ist menschlich. Skandale und Chaos sind aufregender als Routine. Gute Nachrichten von den Märkten und der Wirtschaft sind nicht wirklich „sexy“. Die meisten interessieren sich nicht dafür und die, die sich dafür interessieren, finden gute Nachrichten nicht aufregend, sie geben uns keinen Kick – im Gegensatz etwa zur Fußball-WM.
Was uns alle aufregt, ist, wenn wir uns einem roten Bereich nähern, der große Gefahren signalisiert, wenn deswegen erst medial die Alarmglocken zu schrillen beginnen und dann infolgedessen allgemeine Aufregung herrscht. Wir
verfolgen dann gebannt, ob und inwieweit Untergangsprognosen in der Realität Bestätigung finden und diskutieren intensiv, ob und unter welchen Umständen sie sich bestätigen könnten. Mehr...


Kommentar: Hält Stefan L. Eichner (SLE) auch unseren LeserInnen den Spiegel vor die Nase? Das darf jeder für sich entscheiden. Der Beitrag ist eine gute Gelegenheit, die eigene Haltung zu hinterfragen. Alleine gemessen an der Zahl unserer LeserInnen verharren 99,9% der Betroffenen im "Schlaf der Gerechten". SLE nennt es treffend "Verdrängen, bis es nicht mehr geht und dann Überraschung und Ahnungslosigkeit heucheln". Auf den Punkt kommt er auch mit der Antwort auf die Frage, wann sich etwas an diesen Zuständen ändert: "Wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, die bestehende Form des Finanzmarkt- und Wirtschaftssystems zumindest so weit am Leben und funktionstüchtig zu erhalten, dass man damit noch Geld verdienen und politisch erfolgreich sein kann. Niemand, der Profiteur dieses Systems ist, interessiert sich dafür wie sehr dadurch der Schaden vergrößert wird, der am – möglicherweise abrupten – Ende, wenn die Musik zu spielen aufhört, eintritt. Denn mit dem Aufräumen werden sie dann sowieso nichts mehr zu tun haben. Das müssen andere machen." Danke für diesen weitsichtigen Beitrag... 


Finanzmarktregulierung nach der Krise 
(gegenblende.de) Die seit 2008 andauernde Krise ist vielschichtig – eine Bankenkrise im engeren Sinne, eine Krise der Vermögensverteilung sowie die einer Fehlallokation von Kapital zwischen längerfristigen Realinvestitionen und virtuellen Finanzinvestitionen, letztere ohne erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen. Überdies ist sie aber eine tiefe Vertrauenskrise, die eine klare Analyse und Antwort der Regierungen Europas erfordert. Der folgende Beitrag will keinesfalls den Eindruck erwecken, dass eine Kombination aus Staats- und
Marktversagen die alleinige Ursache der Krise darstellt. Um ein nachhaltiges Wachstumsmodell mit geteiltem Wohlstand zu errichten, ist die Re-regulierung des Finanzsektors keine hinreichende, wohl aber eine notwendige Bedingung (Palley und Horn 2013). Mehr...


Kommentar: Der Beitrag sucht Antwort auf die Frage "Bestehen weiterhin Gefahren für Europa?". Patzt aber bereits in der Überschrift: Es gibt noch kein "nach der Krise", nur ein "in der Krise". Auch sonst hinterlässt diese Analyse nur oberflächlich betrachtet einen zufriedenstellenden Eindruck. Zwar werden die wichtigsten Probleme angesprochen, sogar die Derivaterisiken sind dabei, aber bei deren Beschreibung bleibt der Autor seltsam ungenau, streicht wie "die Katze um den heißen Brei". Kräftig zupacken geht anders. Davon betroffen ist auch das Fazit: Die dort gemachten Vorschläge packen die Probleme irgendwo, aber nicht an der Wurzel. 


Der Mythos vom Spardiktat
(spiegel.de) Europa spart sich kaputt: Mit diesem Argument fordern Vizekanzler Gabriel und seine Verbündeten in Italien und Frankreich eine Lockerung des Stabilitätspakts. Doch die EU nimmt schon heute Rücksicht auf Reformen und Investitionen. Mehr...

Kommentar: Es ist kein Geheimnis mehr: Die neoliberalen Dumpfbacken haben auch vom SPIEGEL längst Besitz ergriffen. Das ist dumm-dreistes, geistloses Geschwafel, mit dem David Böcking die bittere Wahrheit zu verdecken versucht. Wahrscheinlich sogar mit großem Erfolg beim heimischen "BILD"-ungsbürgertum. Alle zusammen halten sich für die Größten und Besten, für unschlagbar und die Gewinner. Kurz: Für "ohne Fehl und Tadel". Die Dummen sind nur die anderen. Wir finden es äußerst befriedigend, dass auch diese Schnarchnasen zwangsläufig irgendwann in der Krise ankommen. Dann ist endlich Schluss mit der ganzen oberlehrerhaften Besserwisserei, dem Hohn und Spott gegenüber den Krisenstaaten. Deutschland ist dann selbst einer. Für diese Leute wird das zum Albtraum. Richtig so. Am Ende bestätigt sich nur wieder die alte Volksweisheit: "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen". Die Journaille könnte da schon mit gutem Beispiel voran gehen. 

Einen Blick auf die Wirklichkeit liefert zur gleichen Zeit ausgerechnet die F.A.Z., auch nicht gerade beseelt von einer objektiven Berichterstattung zur europäischen Krise, in dem Beitrag "Krise hat 10.000 Selbstmorde verursacht". Im Vorspann heißt es: "Die Wirtschaftskrise in Europa und Nordamerika hat einer britischen Studie zufolge zu 10.000 zusätzlichen Selbstmorden geführt. Die Forscher geben der Politik eine Mitschuld." Mehr hier. Die Zeitung nimmt bezug auf eine Meldung der britischen BBC: "Recession 'led to 10,000 suicides'" (hier). Und zitiert einen, für die Studie Verantwortlichen, so:  "Die Studie bestätigt, was wir seit geraumer Zeit befürchten: dass Arbeitslosigkeit, Unsicherheit im Beruf und viele weitere Faktoren, die mit einer Rezession einhergehen, mit psychischer Verfassung und Selbstmord zusammenhängen." Für uns wird einmal mehr bestätigt, was wir schon früher an dieser Stelle geschrieben haben: Die Verantwortlichen für diese menschenverachtende Krisenpolitik in Berlin, Frankfurt, Brüssel, Washington, New York und in den Redaktionen der Referenzmedien, haben durch diese Mitschuld Blut an ihren Händen. 

Die ZEIT hat es im Dezember 2012 auf den Punkt gebracht: "Die an der Krise verrecken". Damals ging es um Griechenland: "In Athen steigt die HIV-Infektionsrate um rund 1.600 Prozent pro Jahr, vor allem weil mehr Menschen Heroin spritzen." Mehr hier. Der SPIEGEL titelte zuletzt im Februar "Folgen der Sparpolitik: Säuglingssterblichkeit in Griechenland steigt um 43 Prozent". Die Einleitung: "Mehr Totgeburten, HIV-Neuinfektionen, Tuberkulose- und Depressionsfälle sowie Suizide: Der drastische Sparkurs in Griechenland hat einer Studie zufolge verheerende Auswirkungen. Eine Hilfsorganisation spricht von einer vollständigen Verletzung der Menschenwürde." Mehr hier

Patrick Schreiner hat gerade bei ANNOTAZIONI noch einmal den Zusammenhang hergestellt: "Europäische Krisenpolitik, HIV-Neuinfektionen und Suizide in Griechenland". Er schreibt als Einleitung: "Die Krisenpolitik der 'Troika' aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank, von quasi allen europäischen Regierungen unterstützt, wird derzeit von Politik und Medien als Erfolg gefeiert. Das ist wirtschaftspolitisch unsinnig, vor allem aber blendet diese beschönigende Sichtweise die verheerenden sozialen Folgen der Austeritäts- und Kürzungspolitik aus. Eine besonders bedrückende Entwicklung in diesem Zusammenhang ist die Zunahme von HIV-Neuinfektionen und Suiziden in Griechenland." Mehr hier. Der Autor nimmt noch Bezug auf eine Studie, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) im September 2012 veröffentlicht worden ist: "The social situation of Greece under the crisis" (hier). Außerdem stellt er sehenswerte Grafiken bereit. 

"Griffig" schlagzeilt dazu die SUEDDEUTSCHE: "Job weg, Ansehen weg, Hoffnung weg". Der Vorspann: "Angst um Arbeitsstelle und Wohnung, wachsende Schuldenberge - die Finanzkrise bedroht die Existenz vieler Menschen. Psychiater schlagen nun Alarm: Die Krise sorge dafür, dass die Rate der Selbsttötungen ansteige." Mehr hier.  
 
Das sind alles humanitäre Katastrophen. Es ist der inakzeptable Preis für die Rettung der Banken und die Durchsetzung einer "marktkonformen Demokratie", der nächsten Stufe des neoliberalen Finanzkapitalismus'. Und verstärkt die Schuld der Verantwortlichen ins Unerträgliche. 


"Mutig, dass China in Griechenland investiert"
(tagesanzeiger.ch) Warum chinesische Firmen ausgerechnet im Krisenland Milliarden-Investitionen tätigen wollen und was das für die EU bedeutet, erklären zwei Experten und gebürtige Griechen. Mehr...

Kommentar: China hat nur ein Interesse: Griechenland bietet den barrierefreien Zugang zum europäischen Markt. Dabei gibt es keine Milliarden-Geschenke, nur eine knallharte Kosten-Nutzen-Rechnung. Alles andere ist Propaganda - von allen Seiten.

Der Beitrag kommt am Ende auf den wunden Punkt: "Und was bedeutet es für die Europäische Union, wenn sich China so grosszügig um das Sorgenkind Griechenland kümmert? 'Die wirtschaftliche Stärkung des Landes ist sicherlich eine gewisse Entlastung für die EU', glaubt Frangulidis. Aber diese müsse sich auch fragen, ob sie gerne zusehe, wie China die Infrastruktur in Griechenland kontrolliere." 


Debunking the Hype about the European "Recovery"
(nakedcapitalism.com) Just because periphery county bond yields are down thanks to the tender ministrations of the ECB does not mean that Europe is on path to a recovery. And in a even clearer-cut case than the US, a technical recovery (as in hitting a bottom and showing some improvement from that) is a terribly pale shadow of the real think. Read more...

Kommentar: Ein bisschen Realismus kann nicht schaden...


Frachtraten fallen auf Jahrestief
(heise-telepolis) Wer sich für 2014 eine leichte Erholung der Weltwirtschaft erhofft hätte, dürfte enttäuscht werden. Darauf deuten jedenfalls die Frachtraten im sogenannten "Trockenschüttgutverkehr", die von der Baltic Exchange in London tagesaktuell erhoben werden. Denn während keine besonderen Vorkommnisse auszumachen sind, die diesen Einbruch erklären könnten, fallen die Preise seit Wochen und haben am Freitag mit 906 Zählern ein neues Jahres-Tief erreicht. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Da wird er sichtbar, der Unterschied zwischen offiziellem Traum und rauher Wirklichkeit von einer angeblichen Erholung der Weltwirtschaft. Der Baltic Dry Index (BDI) gilt als untrügerisches Zeichen. Der Weltwirtschaft geht es besser, aber der BDI schmiert ab: "The Baltic Dry Index Is Having Its Worst Year Ever" titelt dazu ZERO HEDGE und liefert zwei anschauliche Charts gleich mit: 




Source: here.

Mit der "Weltindustrieproduktion März 2014" hat sich Steffen Bogs bei QUERSCHUESSE beschäftigt. Wie immer grafisch aufbereitet. Sein Fazit zu dem folgenden Chart: "Die Entwicklung der Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) als Index 1995=100 der Eurozone (blau), der USA (rot), der Welt (grün) und der asiatischen Schwellenländer inklusive China (lila) im Chart. Dies bleibt dann auch, in dieser Deutlichkeit der Daten, nicht zu übertreffen! Ohne Asien, insbesondere China, wäre die Weltwirtschaft in übler Agonie, denn wirkliches Wachstum findet nur dort statt. Die Frage bleibt wie lange diese Dynamik noch anhalten kann und wann sie kippt. Wenn sie kippt, wird sich das Weltwirtschaftswachstum zügig in Luft auflösen."



Mehr hier. Für die im BDI erfasste weltweite Containerschifffahrt bleibt dabei offensichtlich wenig zu tun. 

Gleich auch noch der Blick auf einen anderen Gradmesser der Weltwirtschaft, die Zahlen des weltgrößten Baumaschinenherstellers, dem US-Konzern Caterpillar (CAT). ZERO HEDGE titelt aktuell "Caterpillar Asia Sales Crater By 30% - Company Reports Weakest Stretch Of Global Demand Since Lehman Collapse". Weiter heißt es: "The chart below, showing CAT latest monthly retail sales for the month of May and broken down by region as well as consolidated for the entire world, paints a vastly different picture than that presented by the company's stock price. The highlights: US retail sales, up 14% in May, were a modest increase from the 12% increase in April. However, the bounce is from a base of a -16% tumble reported a year ago. Still, the US was the only bright spot on a very dreary landscape as the rest of the world continues to slide. In fact, while both the EAME and Latin America region posted their third consecutive month of 20%+ declines (-22% for EAME, -23% for Latin America), it was Asia (read China) where CAT sales have createred, and the -30% plunge in annual retail sales means Chinese demand for industrial equipment is the weakest it has been since the Lehman collapse. Consolidated, CAT retail sales for the entire world declined by 12%, virutally unchanged from last month's 13% drop, which was the biggest also since Lehman, and represents 18 continuous months of declining annual sales."

Source: here.


U.S.: After 6 Years of Unprecedented Central Planning, the Economy Is More Fragile Than Ever
(washingtonsblog.com) We will all discover that the economy is much more fragile than advertised by the Central Planners and their media toadies. Read more...

Kommentar: Gedankenfutter. Randvoll mit Charts. Empfehlenswerte Lektüre. 


Wages vs. Real Wages Over Time: How the Fed Helped Destroy the Middle Class in Pictures
(globaleconomicanalysis) Wages have seemingly been on a tear since 1965 having risen from $2.5 per hour in February of 1964 to $20.5 per hour in May of 2014. A couple charts will show what I mean. See and read more...

Kommentar: Unbedingt ansehen. Vier der Charts zeigen wir gleich hier:








In China platzt die Blase: Immobilien-Preise beginnen zu fallen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Auf dem chinesischen Immobilien-Markt steigt die Sorge vor einem Crash: Zum ersten Mal seit zwei Jahren fallen die Preise für Wohneigentum. Beobachter fürchten globale Schockwellen, wenn die Blase platzt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Anzeichen mehren sich für eine harte Landung in China. Die Folgen sind (noch) nicht abzuschätzen, werden aber sehr wahrscheinlich gewaltig sein. Noch wird alles versucht, die Risiken klein zu schreiben. Selbst in kritischen Beiträgen. Beispiel: "Chinas Fehler auf dem Immobiliensektor", erschienen bei PROJECT SYNDICATE. Aus der Einleitung: "Chinas Immobiliensektor liefert seit Jahren Grund zu ernster Besorgnis, und die steil steigenden Immobilienpreise haben Befürchtungen über eine Überhitzung des Häusermarktes aufkommen lassen. Angesichts des sich verlangsamenden Preisanstiegs jedoch sieht es aus, als würde die Kampagne der Regierung, die Risiken im Immobilienbereich zu begrenzen, endlich greifen. Die Gefahr ist jetzt, dass der Eigenheimmarkt zusammenbricht – und Chinas Konjunktur mit nach unten zieht." Mehr hier. Eine bemerkenswerte Einschätzung gibt es zum Ende des Beitrages: "Viele Betrachter sind nach wie vor überzeugt, dass die chinesische Regierung – die die größten Devisenreserven der Welt hält und nahezu uneingeschränkte Befugnisse hat –, in der Lage wäre, eine größere Finanzkrise zu verhindern. Doch die durch faule Kredite ausgelöste Finanzkrise in der schnell wachsenden Großstadt Wenzhou legt das Gegenteil nahe – nicht zuletzt, weil sich die Konjunktur noch immer nicht völlig erholt hat."  Wir bleiben dabei: China ist für uns einer der Kandidaten für eine neue Gefahrenstufe in der weltweiten Finanzkrise. 

An dieser Einschätzung ändert auch der Beitrag des US-Ökonomen Michael Spence nichts. Er erwartet, ebenfalls bei PROJECT SYNDICATE "Chinas Neubeginn". Spence spart nicht mit kritischen Untertönen, sieht aber China im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg. Für uns klingt das eher nach Beschwichtigung. Mehr hier.


It's Never Different This Time - 1987 or 2014?
(zerohedge.com) While the price analogs of the last few year's exuberance in US equity markets are enough to worry all but the most systemically bullish "believer"; we suspect the following article from the LA Times In the Spring of 1987 will raise a few hairs on the back of the neck of perpetually optimistic extrapolator... 


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Kommentar: ... und hier"Despite Caution Signs, Market Stirs High Hopes". Ein bisschen Nachdenkliches für die Aktionäre unter unseren LeserInnen.

In eigener Sache  II
Wer sich gegen die vielen Formen der Finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung absichern möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt ein paar sehr nützliche Maßnahmen, um Ersparnisse/Zukunftssicherung/Vermögen krisenfest zu machen. Wir betonen aber an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten. Eine E-mail genügt, wir informieren anschließend über die Einzelheiten der Beratung. 

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." (Karl Farkas, österr. Schauspieler und Kabarettist)

Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir erfolgreich ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen.