Freitag, 13. März 2015

Standpunkt 957 - Nachrichten-Ticker, 12.03.


Wir sind zurück. Ohne Wenn und Aber. Für unsere LeserInnen stellen wir an dieser Stelle wieder regelmäßig aktuelle und interessante Beiträge zusammen, die von uns - mehr oder weniger - kommentiert und ergänzt werden. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen.  

Leider müssen wir immer häufiger auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Unsere LeserInnen bitten wir um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns einfach die Zeit. 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich. 

"In Demokratien erfüllen Medien grundlegende Funktionen: Sie sollen das Volk informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Partizipation ermöglichen. Oftmals werden Medien auch als 'vierte Gewalt' bezeichnet." So bringt es hier die Bundeszentrale für politische Bildung auf den Punkt. Weil die "vierte Gewalt" überall längst zu einer regierungsfreundlichen Propagandamaschinerie verkommen ist, versuchen wir mit unserem Blog diesen Mangel so weit wie möglich auszugleichen: Wir bleiben unabhängig, bewahren uns einen klaren Verstand und sind nur den Fakten verpflichtet die wir zusammentragen, um an dieser Stelle die maßlose Volksverdummung zu kommentieren und zu entlarven, die weltweit offensichtlich unaufhaltsam um sich greift. Kein Kontinent, kein Wirtschaftssystem, keine Kultur, bleibt davon verschont. Soweit diese Entwicklung Folgen für die Menschen in Europa hat, ist es unser Thema.  

An dieser Stelle erneuert wir noch einmal unser Versprechen: Alle liegengebliebenen Beiträge aus den vergangenen Monaten werden von uns zusammengefasst und in den kommenden Wochen akribisch abgearbeitet. Außerdem behandeln wir demnächst die folgenden Schwerpunktthemen in separaten Beiträgen: Bauernopfer Griechenland; Austeritätspolitik und steigende Staatsschulden; Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt in den USA - die Statistik lügt; Blasen-Ökonomie - die unendliche Geschichte; das Missverständnis Keynes; die neuen Kriegsspiele des Westens; die Sanktionen gegen Russland vor dem Hintergrund von Flug MH17; die EZB in der Krise; die Dramedy "Jean-Claude Juncker for President"; die Separationsbestrebungen in Europa; die Zerstörungswut der "too big to fail"-Banken, den Trickbetrug Bankenunion und die Debatte um den Mindestlohn in Deutschland. Änderungen und Ergänzungen behalten wir uns vor.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Daran hat sich nichts geändert. Leider wissen wir noch nicht, wann die bereits seit ewigen Zeiten angekündigte Aktualisierung zur Veröffentlichung kommt. Auch Oktober 2014 war nicht haltbar. Selbstverständlich sind wir gerne bereit, Fragen zu diesem Thema zu beantworten. E-mail genügt! Nach wie vor behält unser letztes Update aus dem September 2012 Gültigkeit, das hier unseren LeserInnen zur Verfügung steht. Bereits damals waren wir höchst aktuell, wie die neuesten Ergebnisse des G20-Gipfels in Brisbane zeigen, mit denen sich die deutschsprachigen Führungsmedien erwartungsgemäß nicht beschäftigt haben.

Wir sind aber fündig geworden und können darüber berichten. Ellen Brown bringt es am 01.12.2014 so auf den Punkt: "New G20 Rules: Cyprus-style Bail-ins to Take Deposits AND Pensions". Wir zitieren aus der Einleitung: "On the weekend of November 16th, the G20 leaders whisked into Brisbane, posed for their photo ops, approved some proposals, made a show of roundly disapproving of Russian President Vladimir Putin, and whisked out again. It was all so fast, they may not have known what they were endorsing when they rubber-stamped the Financial Stability Board’s 'Adequacy of Loss-Absorbing Capacity of Global Systemically Important Banks in Resolution', which completely changes the rules of banking." Mehr hier. Unbedingt auch den Links folgen! Es lohnt sich. Wer seine sieben Sinne beisammen hat, dem müssen diese Beiträge langsam aber sicher den Schlaf rauben! 


Ticker-Themen: Deutschland mitten in der europäischen Krise: Ein Armutszeugnis (4 Beiträge) – Griechenland: Kriegsschulden (5 Beiträge); Krise (3 Beiträge) - EZB-Anleihenkäufe - Bankenkrise in Österreich trifft deutsche Bank – USA-Wirtschaft (4 Beiträge) - China vor dem Zusammenbruch? - In eigener Sache: Persönliche Beratung 


Deutsche Verbohrtheit
(gegenblende.de) "Der Geisterfahrer", titelte der Spiegel unmittelbar nach der Wahl von Alexis Tsipras. In den Tagesthemen der öffentlich-rechtlichen ARD wird EU-Parlamentspräsident Martin Schulz von einer Moderatorin salopp gefragt, ob er dem Griechen-Premier auch schon ordentlich "auf die Finger geklopft" habe. Die BILD-Zeitung bittet ihre Leser Poster gegen die "gierigen Griechen" im Internet hochzuladen und auch die normalerweise seriöse Süddeutsche Zeitung fährt seit Wochen eine Kampagne mit einem Stakkato an antigriechischen Kommentaren, die oft nicht einmal mehr tangential etwas mit der Realität zu tun haben. Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen, doch das Bild ist klar: Deutschlands Medien haben sich, von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen, seit der Wahl der neuen griechischen Regierung in einen Kampfmodus hineingeschrieben, der seinesgleichen sucht. Da wird mit nicht einmal mehr verhohlener Diffamierungsabsicht von der "links-rechten Populistenregierung" geschrieben (SZ), mit erfundenen und aufgebauschten Vorwürfen gearbeitet. Es darf angenommen werden, dass dieses Bashing den beteiligten Journalisten nicht einmal mehr selbst auffällt. Man schreibt sich im Herdentrieb in einen Mainstream hinein und glaubt selbst noch, man würde die Realität objektiv abbilden. Mehr...

Kommentar: Ein wunderbarer Beitrag von Robert Misik. Jedes Wort ist richtig, nichts ist hinzuzufügen. Danke dafür. 


Herfried Münkler will Deutschland zum "Zuchtmeister" Europas machen
(wsws.org) "'Zahlmeister' kann auf Dauer nur sein, wer auch bereit ist, die schwierige Rolle eines 'Zuchtmeisters' zu spielen", schreibt Herfried Münkler in seinem neuen Buch "Macht in der Mitte". Der Berliner Politwissenschaftler plädiert darin unverhüllt für eine deutsche Vormachtstellung in Europa.
Deutschland sei "zur Zentralmacht Europas geworden" und müsse "die ihm zugefallene Rolle auch spielen", lautet die zentrale These seines Buches. Münkler begründet den deutschen Machtanspruch damit, dass "der europäische Integrationsprozess zum Stillstand gekommen" sei und mit seiner Wiederaufnahme "vorerst nicht gerechnet werden" könne. "Die Idee, aus dem Europaprojekt könne einmal eine europäische Nation hervorgehen", sei gescheitert. Aus der "Achse Berlin-Paris" sei aufgrund der lange währenden wirtschaftlichen Krise Frankreichs "in den letzten Jahren eine deutsche Mitte geworden". Unter diesen Umständen obliege Deutschland als "Macht in der Mitte" die Aufgabe, "Europa zusammenzuhalten" und "die Europäer auf eine gemeinsame Linie zu bringen".
"Deutschland muss in Europa führen", fordert Münkler. Dies müsse zwar in einer umsichtigen Weise geschehen, was "jedoch nicht mit Zögerlichkeit und Entschlusslosigkeit zu verwechseln" sei. Die Rolle einer Macht in der Mitte lasse "sich heute nicht mehr auf die eines finanziellen Ausgleichers beschränken", sondern schließe "die einer entschlossenen politischen und wirtschaftlichen Führung mit ein".
Münkler ist sich im Klaren, dass der von ihm propagierte deutsche Machtanspruch sowohl in der Bevölkerung Deutschlands als auch in anderen europäischen Ländern auf Widerstand stößt. Er muss zugeben, dass "der Blick in die Geschichte der letzten eineinhalb Jahrhunderte ein einziges großes Warnschild bezogen auf die geopolitische Konstellation einer starken Mitte" sei.
Die "wahrscheinlich schwerwiegendste Verwundbarkeit" der von ihm propagierten Politik sei "die durch die deutsche Geschichte, der jederzeit mögliche Verweis auf den Aufstieg des Nationalsozialismus mitsamt seiner Rassenideologie, die von Hitler seit 1938 betriebene Politik der Erpressung und Annexionen, die Angriffskriege seit September 1939, die Verbrechen der Wehrmacht vor allem im Krieg gegen die Sowjetunion und schließlich die Ermordung der europäischen Juden."
Die Tatsache, dass die deutschen Eliten bei ihrem letzten Versuch, sich zum Herrscher Europas aufzuschwingen, unsägliche Verbrechen begingen, kann Münkler allerdings nicht davon abhalten, dasselbe Ziel ein weiteres Mal zu propagieren. Ein großer Teil von "Macht in der Mitte" widmet sich der Aufgabe, entsprechende Einwände zu entkräften und die deutsche Außenpolitik dagegen zu wappnen.
Als erstes schlägt Münkler vor, demokratische Mitsprache weitgehend zu unterdrücken. "Die europäische Integration war und ist ein viel zu komplexer Prozess, als dass man diesen der begleitenden Kontrolle und Einspruchnahme der Bevölkerung aussetzen könnte", schreibt er und bezeichnet das "Wahlverhalten der Bürger" als "Achillesferse der Europapolitik".
"Wir werden uns abgewöhnen müssen, von allen und jedem geliebt werden zu wollen", bemerkt er an anderer Stelle, "denn das ist für eine Macht in der Mitte nicht möglich, wenn sie ihren Aufgaben gerecht werden will". "Antideutsche Demonstrationen an den Rändern des EU-Raumes" und "antideutsche Invektiven" dürften "uns nicht überraschen und nicht irritieren".
Dafür, so Münkler, seien rücksichtslose Politiker erforderlich. Als "sicherheitspolitische
Führungsmacht" brauche Deutschland ein anderes "Profil der politischen Eliten". Es benötige Personal, das nicht nur Wohlstand administriere, sondern imstande sei, "riskante Entscheidungen zu treffen".
Man könnte Münklers Buch als überhebliches Werk eines großspurigen Professors abtun, wenn es nur seine eigene Meinung widergäbe. Doch der Lehrstuhlinhaber an der Berliner Humboldt Universität steht in enger Verbindung zu den Führungsspitzen des Landes und betätigt sich als Berater von Parteien, Regierung und Bundeswehr. Viele Thesen seines Buches finden sich in den Diskussionen und Planspielen wieder, die das Außen- und das Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr veranstaltet haben. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Vor dem Irrsinn, der in diesem Beitrag beschrieben wird, mögen uns die europäischen Nachbarn bewahren. Da treibt einer die deutsche Großmannssucht vollkommen verbohrt auf die Spitze. 

Schlimm nur, dass sehr wahrscheinlich die Handschrift von Herfried Münkler bereits in die deutsche Politik Einzug gehalten hat. Pünktlich zu Beginn der Krise in Griechenland preist er die Vorzüge autoritärer Herrschaftsformen, nachzulesen in dem Beitrag "Mehr Diktatur wagen", erschienen am 10. Juli 2010 bei WSWS. Ein Auszug: "Angesichts der Weltwirtschaftskrise kehren die Gespenster von Weimar zurück. Die Erinnerung sitzt tief. Der Zusammenhang von Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Parlamentsauflösung, Notverordnungen und Diktatur ist allseits bekannt. Kommentare in den Medien werfen die Frage auf, 'Wie viel Ungleichheit verträgt die Demokratie?', und warnen vor den politischen Konsequenzen der sozialen Spaltung der Gesellschaft. Doch nun meldet sich ein Professor der Berliner Humboldt-Universität mit dem Vorschlag zu Wort, die Ängste der Vergangenheit zu überwinden und unvoreingenommen über das 'Bedürfnis nach bonapartistischen Lösung' zu sprechen. Unter der Überschrift 'Lahme Dame Demokratie' fordert Professor Herfried Münkler dazu auf, einen frischen, unverkrampften Blick auf das Verhältnis von Demokratie und Diktatur zu werfen. Münkler lehrt politische Theorie am Institut für Sozialwissenschaften der Berliner Humboldt-Universität und wird in einem Spiegel-Bericht als 'einer der gefragtesten Politikberater Deutschlands' bezeichnet, der 'interessante Denkanstöße' gebe." Mehr hier.

Eine weitere Kostprobe seiner kruder Ideen bietet der Beitrag "Die Wiederkehr deutscher Großmachtpolitik und die Attacken auf den Historiker Fritz Fischer". Aus der Einleitung: "Der hundertste Jahrestag des Ersten Weltkriegs hat in Deutschland eine Flut von Artikeln, Kommentaren, Buchveröffentlichungen, Sondersendungen und Veranstaltungen aller Art ausgelöst. Sie beschränken sich nicht darauf, die 'Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts' nachzuerzählen; vielmehr gibt es gezielte Bemühungen, das bisherige Verständnis der Ursachen des Kriegs und der Verantwortung Deutschlands zu revidieren und in Übereinstimmung mit den neuen außenpolitischen Zielen der deutschen Regierung zu bringen. Eine zentrale Rolle spielen dabei heftige Attacken auf den Hamburger Historiker Fritz Fischer (1908–1999), der seit den 1960er Jahren das Verständnis der deutschen Kriegspolitik maßgeblich geprägt hat. An der Spitze dieser Attacken steht Herfried Münkler, der an der Berliner Humboldt-Universität politische Theorie lehrt. Münkler führt einen regelrechten Feldzug gegen Fischer. Er veröffentlicht seine Angriffe auf den renommierten Historiker in einem breiten Spektrum von Publikationen, das von den in der Tradition der Frankfurter Schule stehenden Blättern für deutsche und internationale Politik über den Spiegel und die Süddeutsche Zeitung bis hin zum elitären Rotary Magazin reicht. Er tritt regelmäßig in öffentlichen Diskussionen auf, spricht auf offiziellen Veranstaltungen des Bundespräsidenten und berät politische Parteien, die Bundesregierung sowie die Bundeswehr. Münklers Attacken auf Fischer zeichnen sich durch ihren gehässigen Ton und ihren Mangel an inhaltlicher Substanz aus. Er hat dem international anerkannten Historiker öffentlich vorgeworfen, seine Erkenntnisse seien 'hanebüchen', 'unhaltbar' und seine 'Methodik würde heute in keinem Proseminar mehr akzeptiert'. Dabei greift er zu Verdrehung und Lügen und unterstellt Fischer Auffassungen, die dieser nie vertreten und wiederholt zurückgewiesen hat. Münkler beruft sich gern auf 'wissenschaftliche Fragestellungen' und den 'neuesten Stand der Forschung'. Tatsächlich findet sich in Münklers Tiraden gegen Fischer keine Spur von Wissenschaftlichkeit. Er stellt reihenweise Behauptungen in den Raum, ohne sie durch Quellen zu belegen. Umso offensichtlicher verfolgt Münkler eine politische Agenda: Er verteidigt vehement die Rückkehr zu einer aggressiven imperialistischen deutschen Außenpolitik." Mehr hier.

An wieviel Katastrophen will Deutschland noch die Schuld tragen? Reichen noch nicht die Ereignisse im vergangenen Jahrhundert, die Millionen Menschen das Leben gekostet haben? Es genügt doch vollkommen, dass sich die Deutschen gerade wieder im Zusammenhang mit der Krise in Europa viel Schuld aufladen.

Uns machen Leute wie Herfried Münkler Angst. Weil sie sich nicht scheuen, die dunkelste Zeit deutscher Geschichte wieder aufleben zu lassen.


Griechenland: Deutschland drückt sich um Rückzahlung der Kriegsschulden
(rbb-online.de) Bis zur Wiederherstellung der deutschen Einheit hatte Griechenland, wie die anderen ehemaligen Kriegsgegner, den Deutschen Schulden aus dem II. Weltkrieg gestundet. Doch nach der Wiedervereinigung weigerten sich alle Bundesregierungen mit Griechenland über Reparationen und Schulden aus der Besatzungszeit auch nur zu verhandeln: Nachdem der Krieg Jahrzehnte zurückliege, seien die Forderungen nicht mehr relevant.
Es geht hoch her im Streit um die griechischen Schulden. Der Ton zwischen Deutschland und Griechenland wird rauer. Jetzt geht der griechische Ministerpräsident Tsipras in die Offensive. Er fordert von Deutschland unter anderem die Rückzahlung einer Zwangsanleihe aus dem Zweiten Weltkrieg. Das macht viele in Deutschland angesichts der Schuldendiskussion fassungslos. Doch die Rückzahlungsforderung der Griechen ist nicht neu. Sie belastet weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit seit Jahrzehnten die Beziehungen beider Länder. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir können dieses Thema nicht ignorieren. Zu konträr sind die Meinungen, die dazu in der Öffentlichkeit vertreten werden. Außerdem verweigert sich der deutsche Mainstream vehement dagegen, dieser Forderung sachlich zu begegnen und verweigert den Unterstützern das Gehör. Hauptsächlich werden die Griechen übelst beschimpft, obwohl die Sachlage nicht so klar ist, wie von der Bundesrepublik, nicht ohne eine gehörige Portion Larmoyanz, behauptet wird. 

Dieser Beitrag setzt sich objektiv mit dem Thema auseinander und verdient Beachtung. Für die eiligen LeserInnen empfehlen wir die Pressemitteilung "Völkerrechtler: 'Griechische Forderungen nach Begleichung der Kriegsschulden nach deutschem Recht zulässig' / Bundesgerichtshof zur Frage der Kriegsschulden" (hier).

Anfang Februar hat sich die SÜDDEUTSCHE mit dem Thema eines teilweisen Anspruchs in dem Beitrag "Ist die deutsche Schuld beglichen?" auseinandergesetzt. Mehr schlecht als recht werden Griechenland allenfalls 11 Milliarden Euro zugestanden. Nicht ohne auf besondere Leistungen Deutschlands hinzuweisen. Mehr hier.  

In diesem Zusammenhang sehr erhellend ist ein Beitrag von Norbert Häring auf seinem Blog: "'Wenn wir der Stimmungsmache folgen und den dicken Emil geben, werden irgendwann die alten Rechnungen präsentiert', warnte Albrecht Ritschl schon 2011". Häring schreibt in seiner Einleitung:  "Vor knapp vier Jahren gab es ein  Interview auf Spiegel Online (SPON), das es in sich hatte.  Albrecht Ritschl (London School of Economics), einer von Deutschlands renommiertesten Wirtschaftshistorikern, sagte damals schon, Deutschland habe erstens gar keinen Grund, sich wie der Oberlehrer und Zuchtmeister aufzuführen, und wenn es das zweitens dennoch tue, werde es damit nur provozieren, dass es mit unbezahlten Rechnungen aus dem 2. Weltkrieg konfrontiert wird. Insbesondere warnte er vor der Gläubiger-Stimmungsmache gegen die Schuldner durch die Medien. Nun kommen die Rechnungen angeflattert. Noch verhält sich Finanzminister Schäuble wie die spießigen Dursleys in Harry Potter, die versuchen, den Einladungen an Potter zum Besuch der Zaubererschule dadurch zu entgehen, dass sie erst Abwesenheit vorschützen und dann den Briefschlitz vernageln. Aber das wird auf Dauer so wenig helfen, wie es den Dursleys half." Mehr hier. Für uns ein Mann mit Weitblick, dieser Albrecht Ritschl, ohne Frage. Und offensichtlich mit viel Sachverstand. Es lohnt sich auch, den Links zu folgen.

Ebenfalls sehr aufschlussreich: "Womit die Griechen recht haben", ein Beitrag aus dem MANAGER MAGAZIN. Es ist ein löblicher Versuch, sich ernsthaft und sachlich mit der griechischen Forderung auseinanderzusetzen, wie die Einleitung zeigt: "Die griechische Regierung hat Anfang der Woche eine neue Runde in dem fast schon epischen Streit um das Bestehen oder Nichtbestehen deutscher Reparationsverpflichtungen eröffnet. Vieles an den Forderungen mag uns befremdlich vorkommen: der Ton, der Zeitpunkt und die gewählten Mittel. Auch gibt es gute Gründe dafür, dass die Bundesrepublik die Forderungen kategorisch zurückweist. So ist es anderen EU-Staaten kaum vermittelbar, dass sie die Last und die (politischen) Kosten eines sehr schmerzhaften Anpassungsprozesses tragen mussten, während die griechische Regierung eine zumindest gefühlte Sonderbehandlung erhält. Diese Aspekte lenken allerdings von einem wesentlichen Punkt ab, und ich frage mich, warum der uns nicht mindestens genauso befremdlich vorkommt. Gemeint ist die deutsche Regierungsposition, wonach die Reparationenfrage endgültig geklärt sei. Das Gegenteil ist der Fall." Dazu passt auch das Fazit am Ende: "Griechenland kann sich mit guten Argumenten darauf berufen, dass die Reparationenfrage noch nicht geklärt ist. Und selbst wenn die deutsche Gegenposition nicht besonders stichhaltig ist, bleibt ja immer noch die Stundung im LSA (gemeint ist das Londoner Schuldenabkommen von 1953, eig. Anm). Mit anderen Worten: die Forderung Griechenlands ist bis zur endgültigen Klärung zurückgestellt. Es bedarf also einer Verhandlungslösung. Diese ließe sich mit einem griechischen Schuldenschnitt koppeln. Die Komplexität der Situation - eine Vielzahl von Gläubigern, die zum Teil ebenfalls schmerzhafte Anpassungsprozesse durchmachen mussten - lässt diese Option geradezu illusorisch erscheinen. Deshalb müssen sowohl Schuldenkrise als auch Reparationsforderungen unabhängig voneinander gelöst werden. Das derzeitige Geschrei auf beiden Seiten ist hierfür nur wenig hilfreich." Mehr hier.


Griechenland: Solange die EZB zahlt
(faz.net) Der Ton aus Griechenland in Richtung seiner Gläubiger wird immer schriller – und immer persönlicher. Der neue Haudrauf ist die Europäische Zentralbank. Doch die holt weiter die Kastanien aus dem Feuer. Egal, zu welchem Preis. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Noch einer dieser unsäglichen Beiträge von Holger Steltzner, Mit-Herausgeber und Haudrauf der F.A.Z. Er gebärdet sich, als muss er für die Rettung Griechenlands zahlen. Tatsächlich kostet ihn diese Krise keinen Cent. Bluten muss er erst, wenn es am Ende darum geht, den deutschen Staat und "seine" Banken zu retten. Wir freuen uns schon auf die langen Gesichter, wenn die Ideen der Boston Consulting Group (BCG) und/oder des DIW in Berlin auf dem Tisch liegen und - "leicht" nach oben korrigiert - von der Bundesregierung umgesetzt werden. Was dann passiert, ist hier nachzulesen. Ob er sich dann bei seinen LeserInnen entschuldigt und als Mit-Herausgeber der F.A.Z. das Weite sucht? Wohl kaum. Wir sind fest davon überzeugt, dass dann immer noch die Griechen an der Misere in Europa Schuld sind - höchstens noch ergänzt um alle anderen Euro-Staaten. Ausgenommen - Sie erraten es bereits - Deutschland. Dieses Land hat auch dann noch alles richtig gemacht. Die anderen waren die Doofen. Selbstkritik? Fehlanzeige!

Unterdessen zitiert die TAGESSCHAU den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis: "EZB nimmt uns die Luft zum Atmen". In der Einleitung dazu heißt es: "Griechenlands Finanzminister Varoufakis hat der Europäischen Zentralbank erneut vorgeworfen, zuviel Druck auf sein Land auszuüben. In einem Interview im griechischen Fernsehen ging er auch auf sein schwieriges Verhältnis zu Bundesfinanzminister Schäuble ein." Mehr hier. Niemand kann ernsthaft bestreiten, was Varoufakis erklärt. Doch, der deutsche Mainstream.


Briefe in die griechische Vergangenheit - Giannis Varoufakis: Abgezockt oder unfähig? 
(wirtschaftlichefreiheit.de) Die griechische Links-Rechts-Regierung mischt die europäische Politik auf. Einerseits betreibt sie eine verbale Kanonenbootpolitik. Vor allem Deutschland ist das erklärte Ziel. Es trifft aber auch schon mal mit Spanien und Portugal die beiden anderen südlichen Programmländer. Wüste Drohungen und üble Beschimpfungen sind an der Tagesordnung. Daran beteiligen sich die meisten Kabinettsmitglieder, Alexis Tsipras vorneweg. In Athen regieren Politganoven (FAZ). Sie lassen alle Regeln des (niedrigen) politischen Anstandes vermissen. Andererseits versucht der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis die europäischen Politiker „literarisch“ einzuseifen. Briefe an Jereon Dijsselbloem (hier; hier), den Vorsitzenden der Euro-Gruppe, sind seine Spezialität. Konkret sind sie selten, meist enthalten sie vage Absichten, oft langatmige Erklärungen, kaum Zahlen und Fakten mit Substanz. Sie lesen sich wie Briefe in die griechische Vergangenheit. Mehr...

Kommentar: Heimtückisch, dieser Beitrag. Der Autor, Norbert Berthold, nutzt die Gunst der (Märchen-)Stunde, um gegen den griechischen Finanzminister, ganz im Stile eines besserwisserischen Oberlehrers, rüde auszuteilen. Er will die Auseinandersetzung mit Griechenland verschärfen, bleibt aber für seine Behauptungen alle Beweise schuldig. Geschrieben für das BILDungsbürgertum und deren Meinungsführer. 


Jakob Augstein: Euro-Milliarden von der EZB - Hurra! Geld für Reiche!
(spiegel.de) Jetzt explodiert die Billionen-Bombe: Europas Zentralbank flutet den Kontinent mit Geld. Wer profitiert davon? Nur die Banken und Investoren. Nicht die Bürger. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Besser verständlich geht es kaum, um dieses Programm zu erklären.

Ergänzend dazu noch einen aktuellen Beitrag des US-Ökonomen Michael Hudson: "Quantitative Easing for Whom?", erschienen bei NAKED CAPITALISM (hier). Empfehlenswert.

 
Fitch sieht gefährliche Schieflage bei Düsseldorfer Hypothekenbank
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Rating-Agentur Fitch hat die Düsseldorfer Hypothekenbank herabgestuft. Ein Scheitern der Bank ist nahezu unvermeidlich. Deshalb müssen entweder der Staat oder die Einlagensicherung einspringen, um die Bank zu retten. Eine "externe Unterstützung" sei "dringend notwendig", so Fitch. Mehr...

Kommentar: Das erste Opfer der österreichischen Bankenkrise in Deutschland. Ein Anfang. Es ist nicht auszuschließen, dass weitere folgen. Wir sind uns sicher, diese Krise wird in ganz Europa ihre Spuren hinterlassen.


USA: Q1 GDP Expectations Are Crashing
(zerohedge.com) Despite the continuing commentary that all is well in America, economic growth expectations for Q1 just collapsed to a new cycle low. From just 4 months ago, growth expectations have been cut 20% to 2.4%... but that is still four times The Atlanta Fed's dismal 0,6% forcast...


Kommentar: Die Beobachtung der Entwicklung in den USA bleibt für uns vorrangig. Leider bildet die Berichterstattung in den deutschsprachigen Leitmedien nicht die erbärmliche Wirklichkeit im Land ab. Wohl aus Angst, die Menschen hierzulande entdecken die Vorboten direkt vor der eigenen Haustür.


Can We Finally Admit There Is A Serious Problem? 
(alhambrapartners.com) We know that credit and funding markets took a nasty turn in December, but it wasn’t until economic data released just recently that we gained a better appreciation about why that might have been. In the relative blindness of "realtime" such market-driven bearishness could be self-contained within purely financial factors alone, and thus opens the possibility of ambiguity about why the banking system turned atrocious. Undoubtedly, that was the immediate concern of these markets anyhow, but nothing happens in a vacuum and if financial factors were a serious problem you would expect at least some passing relation to a more fundamental outlook. Read more...

Kommentar: Eine nüchterne Analyse mit aussagefähigen Charts, von denen wir einen an dieser Stelle zeigen:



The Great Immoderation: How The Fed Is Sowing The Next Recession 
(wolfstreet.com) In February 2004 Ben Bernanke famously declared the business cycle had been tamed and took a bow in behalf of enlightened monetary management, claiming it was the principal source of this beneficent development. Exactly 55 months later, of course, he terrorized the Congressional leadership and a clueless President with the frightening proposition that a Great Depression 2.0 was just around the corner. Read more...

Kommentar: Ein nützliches Statement als Gegenstück zu den unerträglichen Lobpreisungen der US-Notenbank hierzulande. Angereichert mit nützlichen Grafiken. 


The Richest Have Never Been Richer: US Household Assets Rise To Record $97 Trillion (As The Poor Get Poorer)
(zerohedge.com) In the quarter ended September 30, 2014, household net worth did something it hasn't done since 2011: it declined, as a result of the dip in the stock market which pushed financial assets lower by $200 billion. Well, since then ECB announced and then launched Q€, not to mention the expanded BOJ QE in November, and predictably financial assets rose.
Which means that in the fourth quarter, US household net worth jumped by $1.5 trillion to $82.9 trillion, driven by a rise in total assets to $97.1 trillion, even as the long awaited increase in "good debt", that of mortgage debt, remains elusive and Mortgage debt hasn't budged from $9.4 trillion in 8 quarters! This, even as the total US housing market is said to have kept rising, which can only mean one thing (a thing we have explained many times in the past): the bulk of home purchases in the US take place "all cash" with zero incremental leverage (whether because the potential buyers don't want to incur the debt, or don't quality).
Ironically, even as household liabilities remained flat for the second year in a row, real estate assets rose from $23.2 trillion to $23.5 trillion as America's ultra-luxury segment (which is now the New Paranormal's "secret Swiss account") continues to drive housing higher while every other segment is contracting.
But the biggest jump in Q4 assets was once again in financial assets, driven by a $492 billion increase in Corporate Equities as well as $323 billion added from Pension Funds. And as usual, financial assets remained at precisely 70% of total assets (a curious ceiling which we will discuss shortly).
In short: almost $100 trillion in household assets, with the vast bulk of these belonging to America's "1%". Read more...

Kommentar: Was der Beitrag beschreibt ist keine US-amerikanische Eigenheit. Diese "amerikanischen Verhältnisse" gibt es auch in Europa. Nur sind die Information darüber sehr viel spärlicher. Es liegt in der Natur der Krise - und der geldpolitischen Maßnahme Quantitative Lockerung (engl. quantitative easing). Logisch, dass auf der anderen Seite auch die Armut zunimmt, wie dieser Chart aus dem Beitrag zeigt: 


China vor dem Zusammenbruch?
(manager-magazin.de) David Shambaugh ist einer besten China-Kenner Amerikas. Und einer der besonnensten. Mehrfach habe ich ihn auf Podien erlebt, wo er stets vorsichtig abwägend argumentierte. Und auch bei meinem Besuch in seiner kleinen, typisch amerikanischen Professoren-Bude an der George Washington University in Washington sprach er leise, bedächtig, relativierend. Shambaugh, der gute Kontakte zu Chinas politischer Elite hat, gilt in der globalen Community der China-Watcher nicht als Hardliner, nicht als
undifferenzierter Haudrauf.
Und nun das: Am vergangenen Wochenende veröffentlichte der 61jährige ein Essay mit dem schockierenden Titel "The Coming Chinese Crackup". China vor dem Zusammenbruch? Solche Apokalypsen verbreiteten bislang nur notorische China-Basher wie der Buch-Autor Gordon Chang ("The Coming Collapse of China") , aber nun auch Shambaugh.
Was ist in ihn gefahren? Er sagt, seit 1989 habe es immer wieder Stimmen von Sinologen gegeben, die einen Kollaps des von der KP Chinas beherrschten Systems prophezeiten. Er sei aber stets skeptisch gegenüber diesen gewesen. "Doch nun haben sich die Zeiten in China geändert, und deshalb änderte ich auch meine Analyse."
Quintessenz seines Essays: "Die Endphase der kommunistischen Herrschaft hat begonnen." Sie sei viel weiter fortgeschritten als viele denken. Und das Ende werde nicht friedlich verlaufen. "Ich möchte nicht ausschließen, dass (KP-Chef und Staatspräsident) Xi in einem Machtkampf oder Staatsstreich gekippt wird." Mehr...

Kommentar: Wir erinnern daran: Politik und Wirtschaft in Deutschland sehen China als Zukunftsmarkt. Möglicherweise doch auf das falsche Pferd gesetzt? Unsere Bedenken sehen wir in jedem Fall bestätigt. In dem Beitrag heißt es: "Viele im Westen - darunter auch die Geschäftsleute - hätten diesen Schwenk zurück noch nicht mitbekommen, würden stattdessen immer noch auf die Kontinuität der Öffnungspolitik im Sinne Deng Xiaopings setzen."  

Eine "Restauration" erwartet Sebastian Heilmann, Direktor des Mercator-Instituts für China-Studien (Merics) und einer der führenden deutschen China-Experten in seinem Artikel "Schubumkehr in China" (hier), auf den dieser Beitrag verweist. Selbst bei dieser abgeschwächten Entwicklung kann es für ausländische Unternehmen richtig unangenehm werden. 


Auch in 2015: Persönliche Beratung
Wer sich gegen die vielen Formen der finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung absichern möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt ein paar sehr nützliche Maßnahmen, um Ersparnisse/Zukunftssicherung/Vermögen krisenfest zu machen. Wir betonen aber an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten. Eine E-mail genügt, wir informieren anschließend über die Einzelheiten der Beratung. Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir erfolgreich ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen.

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." (Karl Farkas, österr. Schauspieler und Kabarettist)