Dienstag, 21. April 2015

Standpunkt 979 - Nachrichten-Ticker, 11. & 12.04.


Wir sind zurück. Ohne Wenn und Aber. Für unsere LeserInnen stellen wir an dieser Stelle wieder regelmäßig aktuelle und interessante Beiträge zusammen, die von uns - mehr oder weniger - kommentiert und ergänzt werden. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen.  

Leider müssen wir immer häufiger auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Unsere LeserInnen bitten wir um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns einfach die Zeit. 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich. 

"In Demokratien erfüllen Medien grundlegende Funktionen: Sie sollen das Volk informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Partizipation ermöglichen. Oftmals werden Medien auch als 'vierte Gewalt' bezeichnet." So bringt es hier die Bundeszentrale für politische Bildung auf den Punkt. Weil die "vierte Gewalt" überall längst zu einer regierungsfreundlichen Propagandamaschinerie verkommen ist, versuchen wir mit unserem Blog diesen Mangel so weit wie möglich auszugleichen: Wir bleiben unabhängig, bewahren uns einen klaren Verstand und sind nur den Fakten verpflichtet die wir zusammentragen, um an dieser Stelle die maßlose Volksverdummung zu kommentieren und zu entlarven, die weltweit offensichtlich unaufhaltsam um sich greift. Kein Kontinent, kein Wirtschaftssystem, keine Kultur, bleibt davon verschont. Soweit diese Entwicklung Folgen für die Menschen in Europa hat, ist es unser Thema.  

An dieser Stelle erneuern wir noch einmal unser Versprechen: Alle liegengebliebenen Beiträge aus den vergangenen Monaten werden von uns zusammengefasst und in den kommenden Wochen akribisch abgearbeitet. Außerdem behandeln wir demnächst die folgenden Schwerpunktthemen in separaten Beiträgen: Bauernopfer Griechenland; Austeritätspolitik und steigende Staatsschulden; Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt in den USA - die Statistik lügt; Blasen-Ökonomie - die unendliche Geschichte; das Missverständnis Keynes; die neuen Kriegsspiele des Westens; die Sanktionen gegen Russland vor dem Hintergrund von Flug MH17; die EZB in der Krise; die Dramedy "Jean-Claude Juncker for President"; die Separationsbestrebungen in Europa; die Zerstörungswut der "too big to fail"-Banken, den Trickbetrug Bankenunion und die Debatte um den Mindestlohn in Deutschland. Änderungen und Ergänzungen behalten wir uns vor.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Daran hat sich nichts geändert. Leider wissen wir noch nicht, wann die bereits seit ewigen Zeiten angekündigte Aktualisierung zur Veröffentlichung kommt. Auch Oktober 2014 war nicht haltbar. Selbstverständlich sind wir gerne bereit, Fragen zu diesem Thema zu beantworten. E-mail genügt! Nach wie vor behält unser letztes Update aus dem September 2012 Gültigkeit, das hier unseren LeserInnen zur Verfügung steht. Bereits damals waren wir höchst aktuell, wie die neuesten Ergebnisse des G20-Gipfels in Brisbane zeigen, mit denen sich die deutschsprachigen Führungsmedien erwartungsgemäß nicht beschäftigt haben.

Wir sind aber fündig geworden und können darüber berichten. Ellen Brown bringt es am 01.12.2014 so auf den Punkt: "New G20 Rules: Cyprus-style Bail-ins to Take Deposits AND Pensions". Wir zitieren aus der Einleitung: "On the weekend of November 16th, the G20 leaders whisked into Brisbane, posed for their photo ops, approved some proposals, made a show of roundly disapproving of Russian President Vladimir Putin, and whisked out again. It was all so fast, they may not have known what they were endorsing when they rubber-stamped the Financial Stability Board’s 'Adequacy of Loss-Absorbing Capacity of Global Systemically Important Banks in Resolution', which completely changes the rules of banking." Mehr hier. Unbedingt auch den Links folgen! Es lohnt sich. Wer seine sieben Sinne beisammen hat, dem müssen diese Beiträge langsam aber sicher den Schlaf rauben! 


Ticker-Themen: EU-Mitglied Schweiz? - Supermacht Amerika am Ende? - EU und Griechenland (4 Beiträge) - Österreichs Bankenkrise - Piketty ist nicht widerlegbar! - In eigener Sache: Persönliche Beratung 


Warum die Schweiz der EU beitreten sollte
(wiso.de) 14 Monate ist es her, dass die Schweizer über Zuwanderungsbeschränkungen abstimmten. Nun bezeichnet ein EU-Diplomat ein neues Votum als "unvermeidlich". Das könnte die Schweiz in die EU zwingen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine verrückte Idee. Die in der Schweiz massiven Zulauf erhält, wenn dort die Folgen der Finanzkrise bei den Menschen ankommen. Dafür werden die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse sorgen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis deren Exposure im weltweiten Derivatehandel durchschlägt. Das wird für die Schweizer unbezahlbar, von 4,5 Mio. CHF pro Kopf war schon 2011 die Rede, wenn nur ein kleiner Teil davon danebengeht. Das und andere Unannehmlichkeiten sind nachzulesen in dem Beitrag "Die schweizerische Schuldenbombe" bei HEISE-TELEPOLIS (hier). Anschließend benötigen die Schweizer ganz dringend finanzielle Hilfe. Nichts liegt dann näher als die EU. 


Die eigenen Werte verraten: Das Ende Amerikas als Weltmacht
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die USA verlieren den Nimbus einer Weltmacht. In kurzer Folge konnte die US-Regierung ihre geopolitischen Interessen an mehreren Schauplätzen nicht mehr durchsetzen und musste – mehr oder weniger ungeordnet – den Rückzug antreten. Die nächste Schlappe droht im Jemen. In den USA selbst wächst die Kritik an einer einfallslos-monolithischen Politik-Doktrin. Mehr...

Kommentar: Thema bereits in unserem vorangegangenen Standpunkt 978 (hier). Die Behauptung, Amerika habe die eigenen Werte verraten, der Beitrag nennt es "Preisgabe der eigenen moralischen Standards", ist schlicht Nonsens. "Toleranz, Offenheit und die Möglichkeit, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen, waren für die meisten Länder der Welt der Marken-Kern eines Amerika, das man als Verbündeten allen anderen Knechtschafts-Verhältnissen vorgezogen hat." heißt es weiter. Was da beschrieben wird ist ein Mythos in der Welt und eine Lebenslüge in Amerika. 

Es mag Zeichen für Veränderungen geben, besonders im Land selbst, aber daraus gleich ein "Ende Amerikas als Weltmacht" abzuleiten, halten wir für äußerst naiv. Dagegen spricht der mit riesigem Abstand größte Militäretat der Welt.


Why Europe Needs to Save Greece 
(project-syndicate.org) The fundamental problem underlying Greece’s economic crisis is a Greek problem: the country’s deep-rooted unwillingness to modernize. Greece was subject to a long period of domination by the Ottoman Empire. Its entrenched political and economic networks are deeply corrupt. A meritocratic bureaucracy has not emerged. Even as trust in government institutions has eroded, a culture of dependency has taken hold.
The Greeks, it can be argued, have not earned the right to be saved. And yet a Greek exit from the euro is not the best option for either Greece or for the European Union. Whether or not the Greeks are deserving of assistance, it is in Europe’s interest to help them. Mehr...

Kommentar: Insgesamt ein eher schwacher Beitrag. Alles in allem sehr despektierlich, die Gründe für die Rettung dann wenig überzeugend. Da hätten wir uns von Anders Borg, dem früheren schwedischen Finanzminister, schon einiges mehr erwartet. Schade. 

 
Griechenland: Kompromiss ja, Kompromittierung nein
(griechenland-blog.gr) Griechenlands Finanzminister erklärte, die Regierung sei bereit, Kompromisse einzugehen und die politischen Kosten zu tragen, werde sich jedoch nicht kompromittieren lassen.
Im Gespräch mit Bloomberg brachte Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis seine Überzeugung zum Ausdruck, dass es bis zum 24. April 2014 eine Einigung mit den Partnern geben werde, merkte jedoch an, es gebe auch Grenzen.
"Wir wollen einen Kompromiss", merkte Vanis Varoufakis an, stellte jedoch auch klar, dass es Grenzen bei den Zugeständnissen gibt, welche die Regierung machen kann ("we want a compromise but we won’t be compromised"), und fügte an: "Wir wären nicht für den Job geeignet, wenn wir nicht bereit wären, die politischen Kosten auf uns zu nehmen, die erforderlich sind um Griechenland zu stabilisieren und zum Wachstum zu führen." Mehr...

Kommentar: Falls die griechische Regierung konsequent bleibt, läuft alles auf Neuwahlen hinaus. Berlin, Brüssel und Frankfurt werden Athen so lange massiv unter Druck setzen, bis Tsipras sein Heil in Neuwahlen sucht. 


Griechenlands geopolitische Waffe
(griechenland-blog.gr) Mythen   und   Wahrheiten   über   Griechenland   als   geopolitischer   Zankapfel   der Großmächte. Mehr...

Kommentar: Wir haben den Beitrag aufgenommen, weil er einiges an "hintergründigem" Wissen liefert. Etwas, das in den Medien hierzulande reichlich zu kurz kommt. 

Die Versuchung des Alexis Tsipras (Quelle: cicero.de)


Das Geld ist längst weg
(taz.de) Wer Geld für die Vergangenheit verlangt, ruiniert die Wirtschaftsleistung der Zukunft. Deshalb zahlte Deutschland keine Reparationen. Und darum kann auch Griechenland die Schulden nie begleichen. Mehr...

Kommentar: Die Kernaussage, die Ulrike Herrmann in ihrem Beitrag feststellt, ist in Berlin hinlänglich bekannt. Sehr wahrscheinlich auch ihre geschichtliche Aufarbeitung. Alles sehr fundiert, bis hin zu ihrem Fazit. Da macht Herrmann wirklich eine gute Figur. Unseren LeserInnen können wir den Artikel deshalb nur wärmstens empfehlen.


Bundesbank Warns German Banks To Expect At Least 50% Losses On Austrian "Black Swan"
(zerohedge.com) Just over a month ago, on March 1, the Austrian financial world was shaken by news that the first bank bail-in following Cyprus would not take place in Greece as many had expected, but in Vienna: judged by the rating agencies to be one of the safest places in the world, where the bad bank that was created to help with the wind-down of the defunct Austrian lender Hypo Alpe Aldria, would itself be unwound, with creditors suffering the bulk of the pain in the form of the first official "core Eurozone" bail in. Truly a "black swan" event. (...)
Since then we have witnessed several disturbing downstream events, the first of which was the insolvency of Austria's province of Carinthia, which it was revealed was a direct guarantor of Heta bonds. Since the liability of Carinthia was equivalent to €10.2 billion, or nearly five times the state's 2014 operating revenue, it promptly became insolvent overnight (absent more sovereign bail outs).
A few days later we also found out who the first foreign casualty of Heta would be: a sleepy German bank, Duesseldorfer Hypothekenbank, which was just as quietly taken over by Germany's banking association and FDIC equivalent, the Bankenverband. As we reported previously, the catalyst for the bank collapse was DuesselHyp exposure to Hypo debt, which according to a 2013 disclosure was 348 million euros. This was Duesselhyp's second bailout since the financial crisis.
The punchline? According to its latest interim financial report Duesselhyp had €10.9 billion in assets, or in other words, a 1.5% asset impairment led to the terminal collapse of a bank in what all consider to be Europe's safest country. (...) 

Why is all of this relevant? Because we may not have to wait too long until the next Heta/Hypo casualty is revealed.
In a critical disclosure this past Friday which quietly flew under everyone's radar, the Bundesbank director responsible for bank supervision, Andreas Dombret, who is also a member of the board of the European Central Bank’s Single Supervisory Mechanism told Bloomberg in an interview in Johannesburg that "German banks should expect to lose at least half of their investments in bonds of Austrian bad bank Heta Asset Resolution AG and make the appropriate provisions."
Dombret's somber warning continued: "I think this situation has to be taken seriously by the German banks. It’s advisable and recommendable to take provisions on this, and if I were to put a number on this I would say it should be a minimum of a 50 percent provision for potential losses." Read more...


Kommentar/Ergänzung: Neues von der österreichischen Bankenkrise und den Folgen. Leider nur auf Englisch. Die deutschsprachigen Medien halten sich bei diesem Thema lieber noch zurück. Wir bleiben an der Sache dran. Das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. 

Wir erwarten für Österreich und seine Banken das Schlimmste. Wer von unseren LeserInnen besser verstehen möchte warum, denen legen wir den Beitrag "Begrenzung des systemischen Risikos heimischer Banken: Bitte warten!" dringend ans Herz! Sein Fazit: "Angesichts der bestehenden Risiken im österreichischen Bankensystems, die aus seiner Größe, seiner hohen Verflechtung innerhalb des Sektors, seiner einseitigen Risikoexponiertheit in einer Region sowie einer zu optimistischen Bewertung der Forderungen resultieren, wäre es dringend notwendig, das systemische Risiko des heimischen Bankensystems zu begrenzen." Mehr hier. Dafür ist es bereits zu spät. 

Zum besseren Verständnis zeigen wir die folgende Grafik aus dem Beitrag: 

Das nennt man Klumpenrisiko... oder?  


Piketty ist nicht widerlegbar
(wiwo.de) Sie geben sich alle Mühe, den "linken Ökonomen" vom Sockel zu stürzen - und scheitern grandios. Warum die "neoliberalen" Zweifel am Zuwachs der Ungleichheit nur noch peinlich sind. Mehr...

Kommentar: Klasse Beitrag von Dieter Schnaas. Erstaunlich für die WIRTSCHAFTSWOCHE. Da sieht man sich genötigt, nach versteckten Fallen zu suchen. Wir haben keine gefunden. 


Auch in 2015: Persönliche Beratung
Wer sich gegen die vielen Formen der finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung absichern möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt ein paar sehr nützliche Maßnahmen, um Ersparnisse/Zukunftssicherung/Vermögen krisenfest zu machen. Wir betonen aber an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten. Eine E-mail genügt, wir informieren anschließend über die Einzelheiten der Beratung. Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir erfolgreich ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen.  

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." (Karl Farkas, österr. Schauspieler und Kabarettist)