Samstag, 9. Mai 2015

Standpunkt 991 - Nachrichten-Ticker, 02. & 03.05.


Wir sind zurück. Ohne Wenn und Aber. Für unsere LeserInnen stellen wir an dieser Stelle wieder regelmäßig aktuelle und interessante Beiträge zusammen, die von uns - mehr oder weniger - kommentiert und ergänzt werden. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen.  

Leider müssen wir immer häufiger auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Unsere LeserInnen bitten wir um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns einfach die Zeit. 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich. 

"In Demokratien erfüllen Medien grundlegende Funktionen: Sie sollen das Volk informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Partizipation ermöglichen. Oftmals werden Medien auch als 'vierte Gewalt' bezeichnet." So bringt es hier die Bundeszentrale für politische Bildung auf den Punkt. Weil die "vierte Gewalt" überall längst zu einer regierungsfreundlichen Propagandamaschinerie verkommen ist, versuchen wir mit unserem Blog diesen Mangel so weit wie möglich auszugleichen: Wir bleiben unabhängig, bewahren uns einen klaren Verstand und sind nur den Fakten verpflichtet die wir zusammentragen, um an dieser Stelle die maßlose Volksverdummung zu kommentieren und zu entlarven, die weltweit offensichtlich unaufhaltsam um sich greift. Kein Kontinent, kein Wirtschaftssystem, keine Kultur, bleibt davon verschont. Soweit diese Entwicklung Folgen für die Menschen in Europa hat, ist es unser Thema.  

An dieser Stelle erneuern wir noch einmal unser Versprechen: Alle liegengebliebenen Beiträge aus den vergangenen Monaten werden von uns zusammengefasst und in den kommenden Wochen akribisch abgearbeitet. Außerdem behandeln wir demnächst die folgenden Schwerpunktthemen in separaten Beiträgen: Bauernopfer Griechenland; Austeritätspolitik und steigende Staatsschulden; Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt in den USA - die Statistik lügt; Blasen-Ökonomie - die unendliche Geschichte; das Missverständnis Keynes; die neuen Kriegsspiele des Westens; die Sanktionen gegen Russland vor dem Hintergrund von Flug MH17; die EZB in der Krise; die Dramedy "Jean-Claude Juncker for President"; die Separationsbestrebungen in Europa; die Zerstörungswut der "too big to fail"-Banken, den Trickbetrug Bankenunion und die Debatte um den Mindestlohn in Deutschland. Änderungen und Ergänzungen behalten wir uns vor.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Daran hat sich nichts geändert. Leider wissen wir noch nicht, wann die bereits seit ewigen Zeiten angekündigte Aktualisierung zur Veröffentlichung kommt. Auch Oktober 2014 war nicht haltbar. Selbstverständlich sind wir gerne bereit, Fragen zu diesem Thema zu beantworten. E-mail genügt! Nach wie vor behält unser letztes Update aus dem September 2012 Gültigkeit, das hier unseren LeserInnen zur Verfügung steht. Bereits damals waren wir höchst aktuell, wie die neuesten Ergebnisse des G20-Gipfels in Brisbane zeigen, mit denen sich die deutschsprachigen Führungsmedien erwartungsgemäß nicht beschäftigt haben.

Wir sind aber fündig geworden und können darüber berichten. Ellen Brown bringt es am 01.12.2014 so auf den Punkt: "New G20 Rules: Cyprus-style Bail-ins to Take Deposits AND Pensions". Wir zitieren aus der Einleitung: "On the weekend of November 16th, the G20 leaders whisked into Brisbane, posed for their photo ops, approved some proposals, made a show of roundly disapproving of Russian President Vladimir Putin, and whisked out again. It was all so fast, they may not have known what they were endorsing when they rubber-stamped the Financial Stability Board’s 'Adequacy of Loss-Absorbing Capacity of Global Systemically Important Banks in Resolution', which completely changes the rules of banking." Mehr hier. Unbedingt auch den Links folgen! Es lohnt sich. Wer seine sieben Sinne beisammen hat, dem müssen diese Beiträge langsam aber sicher den Schlaf rauben! 


Ticker-Themen: Notenbanken und Bargeldverbot - Korruption: China vs. SIEMENS - Euro vor dem Ende? - Griechenland-Krise: Wie geht es weiter? (5 Beiträge) - Lebloser USA-Konsum - China und der Westen - Massenvernichtungswaffe Schattenbanken - In eigener Sache: Persönliche Beratung 


Zentralbanken diskutieren Bargeld-Verbot, um globale Bank-Flucht zu stoppen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Zentralbanken wollen bei einer Tagung über die effektivste Strafe für das Halten von Bargeld beraten. Die Neue Zürcher Zeitung untersucht die Möglichkeiten, wie „im Notfall“ das Bargeld eingeschränkt werden kann. Man kann das hektische Treiben durchaus als Crash-Vorbereitungen sehen. Offenbar wissen die Zentralbanken mehr über den tatsächlichen Zustand des Finanzsystems als sie öffentlich einräumen. Mehr...

Kommentar: Die Zeit des Bargelds geht definitiv zu Ende. Spekulieren kann man höchstens noch über das Wie und Wann. Wer über hohe Bargeldbestände verfügt, egal in welcher Währung, für den besteht Handlungsbedarf. Wir wollen auch gleich noch mit der Hoffnung aufräumen, die Schweiz oder ein anderer "safe haven" wird bei dieser Sauerei nicht mitmachen. Diese Annahme ist falsch! Alle sind dabei - freiwillig oder unfreiwillig. Sonst funktioniert die Sache nicht wie geplant. Außerdem befürchten wir, dieses Verbot kommt schneller als erwartet. 

Unsinnig ist auch der Tausch in Gold; in absehbarer Zeit kommt auch ein Goldverbot. Die Verkäufer behaupten gerne das Gegenteil. Beispiel PRO AURUM: "Keine Angst vor einem Goldverbot!". Die Begründung ist fadenscheinig: "Trotz Verbot wurden 1933 in den USA nur 30 Prozent des Goldes an staatliche Stellen abgegeben." Mehr hier. Das ist aus heutiger Sicht sogar sträflich leichtsinnig. Damals gab es reichlich Länder, die dieses Goldverbot der USA unterlaufen haben. Heute wird das nicht mehr funktionieren. Es wird eine zwischen den Regierungen abgestimmte Aktion geben, der sich kein Land entziehen kann. Wer nicht freiwillig mitmacht, der wird dazu gepresst. Innerhalb der weltweiten Finanzindustrie ist reichlich Erpressungspotential vorhanden, mit dem auf die zaudernden Regierungen solange Druck ausgeübt werden kann, bis sie umfallen. 

Die Auseinandersetzung zwischen den USA und der Schweiz um das Bankgeheimnis der Eidgenossen zeigt, wie ein solches Pressing abläuft. Das Ergebnis meldet beispielsweise N-TV am 03.09.2013 so: "Verschwiegenheit war gestern: Schweizer Bankgeheimnis wird gelüftet" (hier). Nur wenige Monate später zieht der Nachbar nach. Der österreichische STANDARD meldet am 29.04.2014 "Österreich lüftet Bankgeheimnis für USA". Ein Auszug: "Konkret verständigt haben sich Österreich und die USA auf ein Fatca-Abkommen: Mit dem Regelwerk will sich die US-Steuerbehörde IRS Einblick in Daten von US-Bürgern mit Veranlagungen im Ausland verschaffen. Österreichische Banken, Versicherungen und andere Finanzinstitute werden verpflichtet, dem IRS Bankguthaben, Versicherungen und andere Investmentprodukte zu melden. Von der Meldepflicht betroffen sind auch Unternehmen. Die USA haben mit vielen Ländern Fatca-Vereinbarungen geschlossen. Dem System entkommt niemand. Banken, die keine Daten offenlegen, drohen Strafen." Mehr hier.

Nicht vergessen: Bargeld- und Goldverbot werden unterstützt von einer flächendeckenden, weltweiten Kapitalverkehrskontrolle

Wer diese Dinge in Abrede stellt, der handelt grob fahrlässig oder in böser Absicht. 


Kampf gegen Korruption: Siemens gerät ins Visier chinesischer Aufseher
(manager-magazin.de) Siemens ist Insidern zufolge im vergangenen Jahr wegen Bestechungsvorwürfen ins Visier der chinesischen Behörden geraten. Dabei sei es um das Medizintechnik-Geschäft gegangen, sagten drei mit der Sache vertraute Personen. Die Handelsaufsicht SAIC habe Siemens und seinen Händlern vorgeworfen, Krankenhäusern Geräte geschenkt und im Gegenzug dafür Exklusiv-Verträge für teure Verbrauchsmaterialien zum Betrieb der Maschinen abgeschlossen zu haben. Mehr...

Kommentar: Deutsche Unternehmen gelten auch als Weltmarktführer in Sachen Korruption. Offensichtlich verfügt nicht nur die heimische Finanzindustrie über ein hohes Maß an krimineller Energie.


US-Finanzprophet Armstrong sagt Ende des Euro voraus
(welt.de) Martin Armstrong hat viele Crashs prophezeit. Seine Weltformel machte ihn reich und brachte ihn ins Gefängnis. Der schillerndste Hellseher der
Wall Street erwartet den nächsten Absturz am 1. Oktober.

Der Kampf um den Euro ist bereits entschieden – und verloren. Dieses Urteil fällt US-Finanzanalyst Martin Armstrong. "Ich würde sagen, dass das Risiko für den Zerfall bei 90 Prozent liegt", sagte er der "Welt". Mehr...

Kommentar: Wenig überzeugend die Begründung, der "Euro leidet unter gravierendem Geburtsfehler". Vor dem Hintergrund der absehbaren Einführung einer Weltwährung hätte Armstrong im gleichen Atemzug auch den US-Dollar nennen können, oder den Yen, das englische Pfund, usw. Warten wir also einfach ab, ob er Recht behält. Oder ob es nur Teil der Werbung für seinen Film ist.


Griechenland kann nicht mit schneller Geldspritze rechnen
(wiwo.de) Egal, wie die Verhandlungen mit den Geldgebern verlaufen, Griechenland wird noch Wochen auf die nächste Tranche aus dem Hilfsprogramm warten müssen. Das Verfahren lässt nichts anderes zu. Der Druck auf die EZB steigt. Mehr...  

"Completely Absurd" To Think Greece Won't Default In May: Official
(zerohedge.com) Facing a pensioner rebellion and a looming €780 million payment due to the IMF on May 12, Greece’s back is now truly against the wall. Last Tuesday, Athens appears to have run out of cash, triggering an 8 hour delay in pension payments which left some pensioners walking away from ATMs empty-handed. This didn’t sit well with the country’s retirees who reportedly disrupted a state pension fund board meeting and demanded that cash reserves not be transferred to the central government as mandated by a decree that came down last month.
Now, with a reshuffled negotiating team (characterized by less Varoufakis and more negotiating), PM Tsipras is racing to strike a deal on reforms that would allow the country’s creditors to disburse the bailout money Athens needs to pay… well, to pay its creditors (we’ll ignore the circular reasoning there for now). Read more...  


Kommentar: Athen ist finanziell am Ende. Die Verhandlungen mit der EU treten auf der Stelle. Berlin und Brüssel machen keine Zugeständnisse. Tspiras und Varoufakis fehlt Handlungsspielraum. Das Schicksal der griechischen Regierung scheint fürs Erste besiegelt. Andererseits gilt die Volksweisheit: "Totgesagte leben länger". Warten wir also ab und geben Athen noch eine Chance.


Secrets of the Brussels media machine
(thepressproject.net) In politics, whoever can better influence the international media to push forward their views has the upper hand, say political communications insiders. And this isn’t just the case during election campaigns: in the European Union, decision-making power depends not only on the size of a given player’s economy, but also on how it deals with international media.
It’s no secret that in Brussels lies a well-oiled media machine, which can distribute information to all major media outlets across the continent in a matter of hours. The machine, which has risen in influence since the financial crisis broke in 2008, operates on the basis of maintaining the anonymity of journalists’ sources that feed it; one of the sacred principles of journalistic ethics.
However, here this principle of anonymity is also used to protect the Brussels media machine itself and ensuring it remains hidden from public view. No journalist in the Belgian capital is prepared to risk their job to expose how the system works, thus preserving a ‘code of silence’ around it. Read more...


Kommentar: Ein lohnender Beitrag, dieser Blick hinter die Kulissen. Es geht um zwei Kontrahenten, wie sie unterschiedlicher in ihrer Haltung zur Krise in Griechenland/Europa nicht sein können...

Quelle: thepressproject.net

Griechenland und Euro kleben zusammen
(griechenland-blog.gr) Griechenland klebt am Euro und der Euro klebt an Griechenland, wobei jedoch Griechenland die Sicherheit der EU mehr braucht als die EU Griechenland braucht. Mehr...

Kommentar: Gegen die Aussagen des Beitrags lässt sich wenig einwenden. Für die Griechen erschwert es enorm die Verhandlungsposition.


Die griechische Tragödie: Warum sich niemand zu handeln traut
(wirtschaftlichefreiheit.de) Die Konditionalität von Hilfsprogrammen war immer eine umstrittene Sache. Unter Konditionalität versteht man, dass Kreditzusagen und Schuldenerlasse gegen verbindliche Reformzusagen getauscht wurden. Hauptspieler ist neben dem jeweils betroffenen Land in der Regel der Internationale Währungsfonds, welcher unter definierten Bedingungen Kreditzusagen gibt und auch immer eine zentrale Rolle bei der Verhandlung von Schuldenerlassen spielt. Wo sie funktionierte, half die Konditionalität den Regierungen, sich auf der Zeitachse glaubwürdig an ein Reformprogramm zu binden, und das war ihre Idee. Auch wenn es zwischendurch zu einem Regierungswechsel kommt, kann ein Reformprogramm gegen Widerstände mit dem Argument durchgehalten werden, dass die Kreditzusagen und in Aussicht gestellten Schuldenerlasse gefährdet sind, sobald man vom Reformprogramm abweicht. Gegeben, dass das Reformprogramm makroökonomisch tauglich ist, können sich Länder durch die Konditionalität an einen Reformweg binden, der die Bewohner dieser Länder am Ende besserstellt.
Allerdings muss die Konditionalität selbst glaubwürdig sein, damit sie funktioniert, und das bedeutet, dass alle Beteiligten ernsthaft erwarten müssen, dass die Hilfszusagen gestrichen oder zumindest gekürzt werden, sollte man vom Reformpfad abweichen. Erfolg und Misserfolg von IWF-Programmen hängen damit stets an der Frage, ob die Drohung des IWF, bei Abweichungen vom Reformprogramm die Hilfszusagen ganz oder teilweise zu streichen, glaubwürdig ist. Glaubwürdigkeit einer Drohung bedeutet hier etwas genau Definiertes: dass nämlich der Drohende in genau der Situation, in der er seine Drohung wahr machen muss, dazu auch einen Anreiz hat. Man stelle sich ein junges Elternpaar vor, das seinem Kind versprochen hat, am Samstagabend bei Oma schlafen zu dürfen, wenn es bis dahin lieb war. Zugleich hat das Paar vor den Augen des Kindes seine Vorfreude auf einen Kinobesuch am Samstagabend zum Ausdruck gebracht, den es freilich nur realisieren kann, wenn das Kind bei Oma schläft und damit versorgt ist. Weiß das Kind nun, dass den Eltern der Kinobesuch mehr bedeutet als das erzieherische Prinzip, dem Kind im Falle schlechten Benehmens den Oma-Besuch zu streichen, dann ist die Drohung der Eltern zur Streichung des Oma-Besuches strukturell unglaubwürdig, und es kann sich gefahrlos schlecht benehmen.
Ganz analog dazu kann der IWF seine Konditionalität wirkungsvoll nur einsetzen, wenn alle Beteiligten wissen, dass es im Falle eines Bruchs der Reformversprechen in dem betreffenden Land für die Entscheider im IWF selbst das Beste sein wird, für die Streichung oder Kürzung der Hilfen zu optieren. Ob und unter welchen Bedingungen die Dinge in der realen Welt so strukturiert waren, soll nicht unser Thema sein. Unser Thema ist Griechenland, und die Hilfszusagen kommen von den Institutionen, die früher einmal Troika hießen. Die wichtigsten unter diesen Institutionen sind solche der EU. Deshalb wollen wir uns hier auf die EU-Institutionen konzentrieren. Sie sind der Hauptakteur, wenn es um die Streichung von Hilfen und damit um den Verlust der Zahlungsfähigkeit Griechenlands geht. Mehr...


Kommentar/Ergänzung: Die griechische Tragödie, erklärt aus der Sicht eines deutschen Experten. Für den Wirtschaftswissenschaftler Thomas Apolte ist die Tragödie nicht Not, Elend und Tod als Folge einer menschenverachtenden Reformpolitik, sondern die angebliche Schwäche der EU und des IWF, die nicht konsequent genug durchgreifen, um die Spardiktate gegen die Widerstände in Athen durchzusetzen. Apolte hebt die Menschenverachtung der europäischen Krisenpolitik in Griechenland auf eine neue Stufe. Wir fühlen uns durch seine Haltung auf fatale Weise an diejenigen WissenschaftlerInnen erinnert, die während der dunkelsten Zeit Deutschlands den Machthabern bei ihrem unmenschlichen Treiben willig zur Hand gegangen sind. Vielleicht ist diese Einschätzung etwas übertrieben. Wir halten es aber eher mit dem römischen Dichter Ovid: "Wehret den Anfängen!" Oder ist es dafür längst zu spät? 

Es ist eine Tatsache, auch wenn die von den meisten deutschen Experten hingebungsvoll geleugnet wird, dass die Austeritätspolitik in Europa krachend gescheitert ist. Die wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Ländern spricht Bände. Um so schwerer wiegt das Blut, mit dem sich die Krisenmanager - und ihre zahllosen HelfershelferInnen - in Berlin, Brüssel, Frankfurt und Washington, bei deren Durchsetzung besudelt haben. Der Anstieg der Selbstmordrate und die Toten, wegen fehlender ärztlicher Betreuung oder Medikamente in den Krisenländern, allen voran Griechenland, als Folge dieser Politik, gehen auf ihre Kappe. Es sind in Europa mit einer Politik Menschen getötet worden, die nur ein Ziel vor Augen hatte: Das marode Finanzsystem so lange wie möglich am Leben zu halten. Dafür wurde die Bankenkrise von 2008 in den folgenden Monaten von der Politik, auf Geheiß der Finanzindustrie, trickreich in eine Staatsschuldenkrise umgemünzt. Bisher äußerst erfolgreich. Die tbtf-Banken leben alle noch. Obwohl sie auf gigantischen Bilanzmüllbergen hocken.

Wie eine solche Umdeutung funktioniert und wer dahintersteckt möchten wir am Beispiel Irland dokumentieren. Wir haben Irland deshalb ausgewählt, weil dieses Mitglied der Eurozone schon seit mehr als einem Jahr in den deutschsprachigen Führungsmedien als Erfolgsgeschichte einer gelungenen Krisenbewältigung gehandelt wird (Beispiele: hier, hier, hier und hier). Die US-Amerikanerin Ellen Brown macht mit ihrem Beitrag "Ireland Has Been Attacked and Dominated by Outside Powers for Centuries -- Now It's the Banks", erschienen am 05.11.2013 bei ALTERNET, den Anfang. Im Vorspann schreibt sie: "The oppressors have demanded austerity and more austerity from Ireland, forcing the public to pick up the tab for bills incurred by profligate private bankers." Mehr hier. Unbedingt lesen, dieser Beitrag dominiert die Kritik. Auf drei deutschsprachige Beiträge möchten wir in diesem Zusammenhang aber auch hinweisen. Der erste, "Die große Irland-Erfolgsshow" von Ralf Streck, ist am 28.10.2013 bei HEISE-TELEPOLIS erschienen. Er schreibt einleitend: "Die Troika hat sich vorgenommen, Irland mit allen Mitteln als geglückten Rettungsfall zu verkaufen. Doch am 'Erfolg' darf massiv gezweifelt werden. Denn auch die über die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) gesenkten Zinsen sind zu hoch für das Land. Die EZB hat in dem Land sogar illegale Staatsfinanzierung betrieben, um bisher eine Nothilfe 2.0 wie in Griechenland zu vermeiden. Trotz allem verstößt Irland weiter massiv gegen die Anforderung, das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, das bisweilen aufgehübscht wird. Die Verschuldung des Staates ist mit der Bankenrettung in den drei Jahren unter dem Rettungsschirm auf 126% explodiert, weshalb ein immer erheblicherer Teil der Einnahmen auch bei scheinbar bezahlbaren Zinsen in den Schuldendienst fließen. Die Schulden werden angesichts der lahmenden Konjunktur schnell weiter in Richtung unbeherrschbare griechischer Höhen steigen." Mehr hier. Jens Berger von den NACHDENKSEITEN betitelt seine  am 23.12.2013 erschienene Kritik "Das irische Erfolgsmärchen". Er schreibt im Vorspann: "Die Eurokrise hat ihre erste Erfolgsmeldung: Irland verlässt in diesem Monat den Rettungsschirm der Troika. Die Süddeutsche Zeitung bemerkte dazu in dieser Woche knapp „Sparen lohnt sich“ und ist mit dieser Interpretation nicht alleine. Hat die Schwäbische Hausfrau doch Recht und müssen nun die Lehrbücher der Volkswirtschaftslehre neu geschrieben werden? Nein. Schaut man einmal hinter die Kulissen, entdeckt man jedoch sehr schnell, dass Irland alles andere als ein Erfolgsmodell ist und schon gar nicht als Beweis dafür taugt, dass man sich aus einer schweren Wirtschaftskrise heraussparen kann. Irland verlässt nicht wegen, sondern trotz des 'Sparens' den Rettungsschirm." Mehr hier

Wer die Zusammenhänge vertiefen möchte, der ist bei Harald Schumann und seinem Beitrag "Staatsgeheimnis Bankenrettung", veröffentlicht am 24.02.2013 im TAGESSPIEGEL, an der richtigen Stelle. Schumann hat sehr viel tiefer recherchiert: "Rettet Deutschland wirklich Spanien, Irland und die anderen Krisenländer? Eine Recherchereise durch Europa offenbart: Die vielen Milliarden an Steuergeldern schützen vor allem wohlhabende Anleger vor Verlusten – meist sind es Deutsche. Die Regierungen und Zentralbanker wollen das am liebsten verschleiern." Mehr hier. Über diese Recherche und ihre Ergebnisse hat Schumann unter dem gleichnamigen Titel eine Doku gedreht, die wir sehr nachdrücklich empfehlen: hier.     

Zum Abschluss: In der Griechenland-Krise gibt es aber eine einmalige Besonderheit: Das Land fungiert als europäisches Feldversuchslabor zur Erprobung der Krisenmaßnahmen. Bei Thomas Apolte spielt das natürlich keine Rolle. Auch nicht, dass die EU die Verhandlungen mit Griechenland (natürlich) diktiert. Er tut stattdessen so, als verhandeln die Kontrahenten auf Augenhöhe - eine geradezu lächerliche Vorstellung. Wir haben die rauhe Wirklichkeit in den vergangenen Tagen schon hinreichend beschrieben und kommentiert. 



Quelle: zerohedge.com


Major U.S. Retailers Are Closing More Than 6,000 Stores
(zerohedge.com) If the U.S. economy really is improving, then why are big U.S. retailers permanently shutting down thousands of stores?  The "retail apocalypse" that I have written about so frequently appears to be accelerating.  As you will see below, major U.S. retailers have announced that they are closing more than 6,000 locations, but economic conditions in this country are still fairly stable.  So if this is happening already, what are things going to look like once the next recession strikes?  For a long time, I have been pointing to 2015 as a major "turning point" for the U.S. economy, and I still feel that way.  And since I started The Economic Collapse Blog at the end of 2009, I have never seen as many indications that we are headed into another major economic downturn as I do right now.  If retailers are closing this many stores already, what are our malls and shopping centers going to look like a few years from now? Read more...

Kommentar: Ein nüchterner Blick hinter die Kulissen des heruntergekommenen "Konsumtempel USA". Der Beitrag enthält eine beeindruckende Liste namhafter Firmen, die ihre Verkaufsflächen erheblich reduziert haben, beziehungsweise noch reduzieren. Der private Konsum ist die Stütze des US-BIP (2013 = 68%). Fällt der Handel weitgehend aus, muss Ersatz her. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn der Konsum durch die Rechenkünstler statistisch auf einem hohen Niveau gehalten wird. Es lohnt sich deshalb, die Entwicklung an Hand des Vergleichs bei John Williams' Shadow Government Statistics (hier) zu kontrollieren:



(Quelle: hier)


China: Schluss mit Lametta
(zeit.de) China kehrt dem Westen den Rücken zu. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag lässt uns staunend zurück. Dieses Staunen möchten wir gerne mit unseren LeserInnen teilen, oder?

Der Autor, Mark Leonard, stellt eine Behauptung auf, die er lediglich mit chinesischen Zukunftsvisionen begründet. Das ist reichlich wenig, ein paar Fakten hätten wir uns schon gewünscht. So hätte uns in diesem Zusammenhang brennend interessiert, wie China ohne eine enge wirtschaftspolitische Zusammenarbeit mit dem Westen wichtige Teile seiner Blasenökonomie am Leben halten will.


The Shadow Banking System is a Great Big Ticking Time Bomb
(alternet.org) One thing to be said for the women now heading the Federal Reserve and the IMF: compared to some of their predecessors, they are refreshingly honest. The Wall Street Journal reported on July 2nd:
 

Two of the world’s most powerful women of finance sat down for a lengthy discussion Wednesday on the future of monetary policy in a post-crisis world: U.S. Federal Reserve Chairwoman Janet Yellen and International Monetary Fund Managing Director Christine Lagarde. Before a veritable who’s-who in international economics packing the IMF’s largest conference hall, the two covered all the hottest topics in debate among the world’s central bankers, financiers and economists.
 

Among those hot topics was the runaway shadow banking system, defined by Investopedia as "The financial intermediaries involved in facilitating the creation of credit across the global financial system, but whose members are not subject to regulatory oversight. The shadow banking system also refers to unregulated activities by regulated institutions." Examples given include hedge funds, derivatives and credit default swaps.
Conventional banks also engage in "shadow banking." One way is by using their cash cushion as collateral in the repo market, where they can borrow to invest in the stock market and other speculative ventures. As explained by Bill Frezza in a January 2013 Huffington Post article titled "Too-Big-To-Fail Banks Gamble With Bernanke Bucks":

If you think [the cash cushion from excess deposits] makes the banks less vulnerable to shock, think again. Much of this balance sheet cash has been hypothecated in the repo market, laundered through the off-the-books shadow banking system. This allows the proprietary trading desks at these "banks" to use that cash as collateral to take out loans to gamble with. In a process called hyper-hypothecation this pledged collateral gets pyramided, creating a ticking time bomb ready to go kablooey when the next panic comes around.


Addressing the ticking time bomb of the shadow banking system, here is what two of the world’s most powerful women had to say: 


MS. LAGARDE: . . . You’ve beautifully demonstrated the efforts that have been
undertaken . . . in terms of the universe that you have under your jurisdiction. But this universe . . . has generated the creation of parallel universes. And . . . with
the toolbox with all the attributes that you have — what can you do about the shadow banking at large? . . .


MS. YELLEN: So I think you’re pointing to something that is an enormous challenge. And we simply have to expect that when we draw regulatory boundaries and supervise intensely within them, that there is the prospect that activities will move outside those boundaries and we won’t be able to detect them. And if we can, we won’t be — we won’t have adequate regulatory tools. And that is going to be a huge challenge to which I don’t have a great answer.


Limited to her tools, there probably is no great answer. All the king’s horses and all the king’s men could not rein in the growth of the shadow banking system, despite the 828-page Dodd-Frank Act. Instead, the derivatives pyramid has continued to explode under its watch, to a notional value now estimated to be as high as $2 quadrillion. Read more...


Kommentar: Regelmäßig weisen wir im Zusammenhang mit den billionenschweren Risiken aus dem Derivatehandel auf die unkalkulierbaren billionenschweren Verluste im Bereich der Schattenbanken hin, ohne die näher qualifizieren zu können. Da kommt es uns gelegen, dass wir während einer Recherche auf diesen Beitrag von Ellen Brown gestossen sind. Genau der richtige Lesestoff  für ein Wochenende. 

Der Artikel hat erst wenige Monate auf dem Buckel, ist also noch richtig aktuell. Wir empfehlen ihn als bestes Nachdenkfutter für dieses Thema. 


Persönliche Beratung
Wer sich gegen die vielen Formen der finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung absichern möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt ein paar sehr nützliche Maßnahmen, um Ersparnisse/Zukunftssicherung/Vermögen krisenfest zu machen. Wir betonen aber an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten. Eine E-mail genügt, wir informieren anschließend über die Einzelheiten der Beratung. Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir erfolgreich ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen.   

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." (Karl Farkas, österr. Schauspieler und Kabarettist)