Montag, 25. Mai 2015

Standpunkt 998: Nachrichten-Ticker, 15.05.


Regelmäßig stellen wir an dieser Stelle aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich. 

"In Demokratien erfüllen Medien grundlegende Funktionen: Sie sollen das Volk informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Partizipation ermöglichen. Oftmals werden Medien auch als 'vierte Gewalt' bezeichnet." So bringt es hier die Bundeszentrale für politische Bildung auf den Punkt. Weil die "vierte Gewalt" überall längst zu einer regierungsfreundlichen Propagandamaschinerie verkommen ist, versuchen wir mit unserem Blog diesen Mangel so weit wie möglich auszugleichen: Wir bleiben unabhängig, bewahren uns einen klaren Verstand und sind nur den Fakten verpflichtet die wir zusammentragen, um an dieser Stelle die maßlose Volksverdummung zu kommentieren und zu entlarven, die weltweit offensichtlich unaufhaltsam um sich greift. Kein Kontinent, kein Wirtschaftssystem, keine Kultur, bleibt davon verschont. Soweit diese Entwicklung Folgen für die Menschen in Europa hat, ist es unser Thema.  

Leider müssen wir dafür immer häufiger auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Unsere LeserInnen bitten wir um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns einfach die Zeit.

An dieser Stelle erneuern wir noch einmal unser Versprechen: Alle liegengebliebenen Beiträge aus den vergangenen Monaten werden von uns zusammengefasst und in den kommenden Wochen akribisch abgearbeitet. Außerdem behandeln wir demnächst die folgenden Schwerpunktthemen in separaten Beiträgen: Bauernopfer Griechenland; Austeritätspolitik und steigende Staatsschulden; Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt in den USA - die Statistik lügt; Blasen-Ökonomie - die unendliche Geschichte; das Missverständnis Keynes; die neuen Kriegsspiele des Westens; die Sanktionen gegen Russland vor dem Hintergrund von Flug MH17; die EZB in der Krise; die Dramedy "Jean-Claude Juncker for President"; die Separationsbestrebungen in Europa; die Zerstörungswut der "too big to fail"-Banken, den Trickbetrug Bankenunion und die Debatte um den Mindestlohn in Deutschland. Änderungen und Ergänzungen behalten wir uns vor.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Daran hat sich nichts geändert. Leider wissen wir noch nicht, wann die bereits seit ewigen Zeiten angekündigte Aktualisierung zur Veröffentlichung kommt. Auch Oktober 2014 war nicht haltbar. Selbstverständlich sind wir gerne bereit, Fragen zu diesem Thema zu beantworten. E-mail genügt! Nach wie vor behält unser letztes Update aus dem September 2012 Gültigkeit, das hier unseren LeserInnen zur Verfügung steht. Bereits damals waren wir höchst aktuell, wie die neuesten Ergebnisse des G20-Gipfels in Brisbane zeigen, mit denen sich die deutschsprachigen Führungsmedien erwartungsgemäß nicht beschäftigt haben.

Wir sind aber fündig geworden und können darüber berichten. Ellen Brown bringt es am 01.12.2014 so auf den Punkt: "New G20 Rules: Cyprus-style Bail-ins to Take Deposits AND Pensions". Wir zitieren aus der Einleitung: "On the weekend of November 16th, the G20 leaders whisked into Brisbane, posed for their photo ops, approved some proposals, made a show of roundly disapproving of Russian President Vladimir Putin, and whisked out again. It was all so fast, they may not have known what they were endorsing when they rubber-stamped the Financial Stability Board’s 'Adequacy of Loss-Absorbing Capacity of Global Systemically Important Banks in Resolution', which completely changes the rules of banking." Mehr hier. Unbedingt auch den Links folgen! Es lohnt sich. Wer seine sieben Sinne beisammen hat, dem müssen diese Beiträge langsam aber sicher den Schlaf rauben! 


Ticker-Themen: Polizeistaat Europa? - Königliche Zentralbanken - Heuschreckenplage und anderer Verdruss  - Welthandel in der Krise - Credit Suisse: Eigenlob stinkt -  Kapitalismus in der Krise - Großbritannien: Wirtschaft top oder flop? - Brexit und Roman Herzog - Rufmordmaschine: Brüssel vs. Varoufakis (2 Beiträge) - Griechenland quo vadis? (17 Beiträge) - Deutschlands Rekord-Handelsüberschuss ist Gift - USA: Wirtschaft und Präsidentschaft (5 Beiträge) - China - In eigener Sache: Persönliche Beratung 


Ende der Freiheit: Polizei-Staat in Europa nimmt gespenstische Form an
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die englische Königin wird in Kürze die Einführung drakonischer Gesetze verkünden. In Großbritannien sollen Bürger nicht mehr danach beurteilt werden, ob sie sich an die Gesetze halten, sondern ob sie einem bestimmten Wertekanon entsprechen. Presseerzeugnisse sollen demnach künftig nur nach Genehmigung durch die Polizei erlaubt werden. Mit den neuen Gesetzen setzt sich eine gefährliche Entwicklung in der EU fort. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Welt wird entdemokratisiert, um die Menschen besser ausrauben zu können. Damit alles reibungslos funktioniert, muss ein Polizei-Staat geschaffen werden. Vielleicht erleben wir demnächst mitten in Europa argentinische Zustände: Wer zuckt, wird verhaftet und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. 

Das kann uns dann Altkanzler Helmut Schmidt gewohnt eloquent erklären: Der hat damals keinen Finger gerührt, als in Argentinien Deutsche verhaftet und gefoltert wurden. Selbst auf Angebote der argentinischen Junta, die gefangenen Deutschen freizukaufen, ist er nicht eingegangen. Sie wurden stattdessen zu Hause kurzerhand und ohne jeden Beweis zu Terroristen erklärt. Tatsächlich wollte die Regierung Schmidt/Genscher nicht die hervorragenden wirtschaftlichen Beziehungen zu Argentinien stören. Wer sich mit den Hintergründen näher beschäftigen möchte, der wird in der Dokumentation "Was geschah mit Elisabeth K.?" (hier) über Elisabeth Käsemann fündig. Für uns jedenfalls war danach klar: Einige der heute noch als honorig geltenden PolitikerInnen, allen voran Helmut Schmidt, haben Blut an ihren Händen. 

Zurück zu dem Beitrag. Wegen der Entwicklung in Großbritannien sind auch die Amerikaner sofort hellhörig geworden. ZERO HEDGE titelt "UK PM David Cameron Proclaims: It’s Not Enough To Follow The Law, You Must Love Big Brother". Ein Auszug: "It’s not just those domestic extremists and crazy “conspiracy theory” kooks who took serious issue with UK Prime Minister David Cameron’s recent overtly fascist language when it comes to freedom of expression in Great Britain. For example, in a post published today, the UK Independent describes the quote below as 'the creepiest thing David Cameron has ever said.'


This statement, and others like it, are a huge deal. This isn’t how the leader of a major civilized Western so-called 'democracy' speaks to the citizenry. It is how a master talks to his slaves. How a ruler addresses his subjects." Read the rest here. Lesen Sie selbst, uns steht immer noch der Mund offen. 


"Zentralbanken agieren wie der Einäugige unter Blinden"
(fuw.ch) William White, vormals Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, erachtet die analytischen Grundlagen der Notenbanken als ungenügend, wie er im Interview mit FuW erklärt. 

Vor den unbeabsichtigten Folgen der ultralockeren Geldpolitik warnt Bill White schon lange. Der langjährige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kritisiert, die Analysen der Notenbanken seien inadäquat. 
Doch einen Goldstandard für den institutionellen Aufbau einer Zentralbank gebe es nicht. Ein Grundproblem ist gemäss White der Glaube der Währungshüter, die Wirtschaft sei eine Maschine. In Tat und Wahrheit gleiche sie eher einem Wald. Mehr...

Kommentar: Bestimmt ein kluger Mann, dieser Bill White. Daran hegen wir keine Zweifel. Deshalb entwickelt er auch wunderbare Theorien. Die mit der Praxis (= Wirklichkeit) zusammenzuführen - davon hält er aber leider wenig. "Dichter und Denker" gibt es in der augenblicklichen Krise weiß Gott schon genug. Die bringen uns nicht weiter. Ein Großteil dieser Leute sitzt nämlich bei den Notenbanken und die sind für den Schlamassel verantwortlich, den White mehr oder weniger offen kritisiert. 
Andererseits: Was ist von seiner Analyse zu halten, wenn er mit falschen Annahmen operiert und die wahren Gründe für diese Notenbank-Politik einfach unterschlägt? Beispiel US-Arbeitslosenquote (da benutzt er die offizielle Statistik) und die Rettung des maroden Finanzsystems als einzige aktuelle Aufgabe der Notenbanken. Doch eher wenig. Sie verdeckt auch wieder nur die wahren Absichten hinter der Politik von Fed, EZB, Bank of England, Bank of Japan und der chinesischen Zentralbank, um nur die wichtigsten zu nennen. Denen geht es einzig und allein um lebenserhaltende Maßnahmen für das weltweite Finanzsystem. Mehr nicht. Das Interview liefert sicherlich für unsere LeserInnen einige brauchbare Denkanstöße, trotzdem ist ihm mit großer Vorsicht zu begegnen.  


Die Gier muss ein Ende haben
(theeuropean.de) Die Heuschreckenmentalität ist nicht totzukriegen. Wir müssen diesen Leuten endlich ihre Grenzen aufzeigen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Beitrag von Thorsten Schäfer-Gümbel, u. a. stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, ist quasi eine Replik auf den Beitrag "Die notwendige Plage", zu dem wir hier Stellung bezogen haben. Wirklich qualifiziert ist der Mann dafür nicht. Das mag die Ursache dafür sein, dass er nur auflistet, was bereits an Forderungen zu diesem Thema hinlänglich bekannt ist. Neues bietet er nicht. Noch nicht einmal eine Anleitung dafür, wie diese winzigen Minimalforderungen im Wege einer Reform politisch umgesetzt werden könnten. Schließlich ist die SPD in der GroKo Regierungspartei. 

Wir haben nachgesehen: In ihrem Regierungsprogramm zur Bundestagswahl 2013 heißt es auf Seite 13: "Für uns gilt: Kein Finanzmarktakteur, kein Finanzprodukt, kein Markt darf in Zukunft unreguliert sein. Unser Grundsatz lautet dabei: Vorrang für realwirtschaftliche Investitionen gegenüber der Spekulation und Rückführung des Finanzsektors auf seine eigentliche Aufgabe: Dienstleister der Realwirtschaft zu sein." Mehr dazu hier. So ähnlich steht es auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung auf Seite 44: "Für uns gilt deshalb der Grundsatz: Kein Finanzmarktakteur, kein Finanzprodukt und kein Markt darf in Zukunft ohne angemessene Regulierung bleiben." Mehr dazu hier. Passiert ist bis heute nichts. Es ist uns keine einzige Gesetzesvorlage der Bundesregierung bekannt, die einer Regulierung zum Recht verhilft. 

Weil das auch international so ist, kann die Finanzindustrie immer noch so weitermachen wie in dem Beitrag "Five major banks to plead guilty to rigging currency markets" bei WSWS beschrieben wird und für die Verantwortlichen persönlich folgenlos bleibt: "Five major international banks are expected to plead guilty as soon as next week to criminal charges in the US related to their deliberate manipulation of global foreign exchange markets, which allowed them to rake in billions of dollars at the expense of retirees, university endowments and municipalities." Mehr hier


Global Trade Is "In The Doldrums", BofAML Says
(zerohedge.com) We’ve spent a considerable amount of time discussing trends in global trade lately, touching on slumping metals demand and collapsing exports in China, sharp decreases in dry bulk trade, a prolonged period of depressed freight rates, and the emergence of a worldwide deflationary supply glut. Read more...

Kommentar: Ein Stimmungsbild zum Welthandel, für den Export-Junkie Deutschland nicht ohne Folgen. Der könnte demnächst auch "Trübsinn blasen". Der Beitrag enthält einige sehenswerte Charts...


Frickes Welt – Britische Hausfrau
(neuewirtschaftswunder.de) Beim Image haben die Griechen noch Luft nach oben. Anders die Briten: mehr Wachstum, weniger Arbeitslose. Ganz ohne Euro. Skeptisch macht nur, dass das Land hoch verschuldet, mäßig produktiv und abhängig vom Finanzgedöns ist. Mehr...

Kommentar: Vor dem Hintergrund der bereits heftig geführten Diskussion um einen Brexit und die Folgen rückt dieser Beitrag von Thomas Fricke einige Mythen zurecht, die gerne von der britischen Regierung selbst und ihren willigen Helfern in den hiesigen Leitmedien in die Öffentlichkeit gestreut werden. Die Briten sehen sich wirtschaftlich (und politisch) gerne als Herkules, inmitten vieler kleiner Zwerge. Oh, what a delusion!

Die Insel steht wirtschaftlich und finanziell auf tönernen Füßen. Der Autor drückt das in seinem Fazit natürlich gefälliger aus: "Nach gut 15 Jahren ohne Euro leben die Briten stärker über ihre Verhältnisse als jedes Euro-Land. Keine überzeugende Demonstration dafür, dass es wichtig ist, die eigene Währung zu behalten. Wenn der Aufschwung kippt, werden die Staatsschulden rasch über 100 Prozent steigen. Vielleicht sind die Griechen bis dahin soweit, den Briten zu erklären, wie man aus so etwas wieder rauskommt."  

Erfreulich auch die kleinen Seitenhiebe, die er in dem Beitrag sonst noch austeilt. 


Roman Herzog sympathisiert mit britischer EU-Skepsis
(welt.de) Die Briten stehen wegen ihres euroskeptischen Kurses in der Kritik. Unterstützung erhalten sie nun von Altbundespräsident Herzog: Er sei für eine starke EU, aber nicht für einen europäischen Superstaat. Mehr...

Kommentar: Reicht es denn noch nicht, dass Altkanzler Helmut Schmidt den Deutschen regelmäßig seine Welt erklärt? Jetzt auch noch Roman Herzog? Wie angenehm waren da doch beispielsweise Walter Scheel und Richard von Weizsäcker - die haben nach ihrer politischen Laufbahn sich einfach rausgehalten. 
Neues steuert der ehemalige Bundespräsident nicht bei - alles ist bereits gesagt gewesen. 


Auch Irland könnte die EU verlassen
(faz.net) Der Chef des irischen Unternehmensverbands warnt vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU. Das Königreich könnte dadurch für Unternehmen attraktiver werden - und Irland seine Mitgliedschaft überdenken. Mehr...

Kommentar: Nur eine Drohkulisse an die Adresse Brüssel's. Oder doch eine neue Masche: Austreten aus der EU und mit Hilfe eines Freihandelsabkommens - die Briten haben es bereits eingefordert - durch die Hintertür weiter vom gemeinschaftlichen Markt profitieren. Das ist parasitär. 


Die Geheimnisse der Brüsseler Rufmordmaschine
(norberthaering.de)  Der griechische Journalist Nikos Sverkos lüftet ein paar ranzig stinkende Geheimnisse der Spin-Doktoren in Brüssel. Sie erklären, warum Yanis Varoufakis im übrigen Europa so eine schlechte Presse hat, und warum die Berichte aus Brüssel sich so gleichen, obwohl sie den Anschein erwecken, jeder Autor habe Hintergrundinformationen von überall her eingesammelt. Mehr...

Kommentar: Den Beitrag mit dem sich Norbert Häring ausführlich beschäftigt, "Secrets of the Brussels media machine", haben wir bereits hier vorgestellt. Jetzt die wesentlichen Passagen auf Deutsch und sachkundig kommentiert. Besser geht es nicht. Es wird klar, dass nichts so sein muss, wie es in den Referenzmedien geschrieben steht. Wir erinnern an dieser Stelle gerne an Ziffer 1, Satz 1, des Pressekodex' aus dem Hause Deutscher Presserat: "Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse." Nachzulesen hier. Insgesamt eine lohnende Lektüre. Es erstaunt uns immer wieder, wie viele Abonnenten diese Medien trotzdem noch haben. Offensichtlich lassen sich deren LeserInnen lieber ein X für ein U vormachen, statt sich wahrheitsgemäß informieren zu wollen. 

Wir haben auch gleich einen passenden Beitrag dazu gefunden:


Wieso Varoufakis das "wahre Hindernis" ist
 (sueddeutsche.de)
  • Die Minister der Euro-Gruppe scheinen derzeit kaum keine wirtschaftliche sondern eine ideologische Debatte zu führen. Ein Verteter eines Euro-Mitgliedslandes gibt dem Griechen Yanis Varoufakis die Schuld.
  • In Slowenien, der Slowakei, Österreich, Spanien und Portugal wächst der Widerstand gegen Zugeständnisse an Athen. Es kursiert die Idee einer Volksabstimmung unter den Griechen über den Verbleib im Euro.
  • Anders als noch 2013 im Falle Zyperns scheint heute kein EU-Spitzenvertreter bereit, sich als Moderator zu engagieren. 

Kommentar: Wir "genießen" - und schweigen. Es ist zu dieser Art Bericht heute schon alles gesagt worden.


Beginn des Endes der Illusionen für Griechenland
(griechenland-blog.gr) Während   Griechenlands   Regierung   immer   noch   mit   den   Gläubigern   verhandelt, scheinen die Würfel längst gefallen und das Schicksal des Landes besiegelt zu sein. Mehr...

Kommentar: Das Gift aus Berlin und Brüssel scheint bereits zu wirken...


Oxford-Ökonom: Grexit muss nicht in Katastrophe münden
(diepresse.com) Die Hardliner in Athen könnten nicht ganz Unrecht haben. Die Vergangenheit zeigt, dass ein Austritt Griechenlands aus dem Euroraum nicht zwangsläufig in eine Katastrophe münden muss, ergab eine Studie von Adam Slater, leitender Ökonom bei Oxford Economics Ltd. Mehr als 70 Länder und Gebiete haben seit 1945 Währungsunionen verlassen, doch nur eine kleine Minderheit von ihnen erlitt der Studie zufolge starke Einbußen bei der Wirtschaftsaktivität. Die meisten davon, wie im Falle des ehemaligen Jugoslawiens, lassen sich durch andere Schocks wie beispielsweise Bürgerkriege erklären.
Auch wenn Griechenlands Bruttoinlandsprodukt um etwa zehn Prozent einbrechen könnte, sollte der Rückgang begrenzt bleiben. Die Wirtschaft dürfte aus einem Euro-Austritt nämlich unerkannte Vorteile ziehen, die eine anständige Erholung ermöglichen. "Das wahrscheinlichste Resultat eines Austritts wäre, dass es zuerst zu einem beträchtlichen BIP-Rückgang kommt. Erfahrungen aus der Vergangenheit legen aber nahe, dass es eine starke Erholung geben könnte", sagt Slater. "Es hängt viel davon ab, wie der Übergang gehandhabt wird." Die frühere Tschechoslowakei beispielsweise löste ihre Währungsunion 1993 innerhalb von lediglich fünf Wochen auf. Die Wirtschaftsleistung der Slowakei ging in dem Jahr um weniger als vier Prozent zurück und war bis 1995 zehn Prozent höher als sie es noch 1992 gewesen war. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das nennen wir aber mal eine Steilvorlage: Den Befürwortern des Grexit wird eine passende Studie geliefert, aus der die Referenzmedien zitieren, die aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. 

Über den Autor, Adam Slater, ist nichts zu finden, außer das hier. Ihn als "Oxford-Ökonom" vorzustellen erscheint uns zu dick aufgetragen. Oxford Economics Ltd. bezeichnet sich selbst als "The leader in global forecasting and quantitative analysis" (hier). Ob das ausreicht, um Slater's Untersuchung Qualität zu bescheinigen, davon hätten wir uns gerne mit eigenen Augen überzeugt.

Halten wir uns also erst einmal an das, was bekannt gemacht worden ist. Die Grafik zeigt die Länder, die Slater untersucht haben soll: 

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken
  
Wir stellen uns die Frage, ob da wirklich ein Fall dabei ist, der mit den heutigen Verhältnissen innerhalb der Eurozone vergleichbar ist. Oder auch mit der Situation, in der Griechenland steht: immense Staatsschulden, schwache Wirtschaftsleistung, wenig Export. Die Tschechoslowakei von 1993 als erfolgreiches Beispiel heranzuziehen halten wir für äußert fragwürdig, eher wie der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. 

Es ist auch fatal, die Folgen des Grexit nur auf Griechenland zu reduzieren. Was ist mit der Eurozone und den möglichen Auswirkungen darüber hinaus? Da traut sich keiner dieser sogenannten Experten ran - aus gutem Grund. Das Ergebnis gibt wenig Anlass zu der Gelassenheit, die im Zusammenhang mit einem Grexit ständig verbreitet wird. Nach wie vor steht die Untersuchung von Prognos aus 2012 im Raum, mit der sich noch niemand der sogenannten Experten auseinandergesetzt hat. Wir haben schon mehrfach auf diese Studie (Kurzfassung hier, Langfassung hier) hingewiesen und das Ergebnis kommentiert. Heute beschränken wir uns darauf, auf zwei Beiträge zum Thema hinzuweisen. Das HANDELSBLATT titelte am 17.10.2012 unter Hinweis auf die Studie: "Grexit könnte 17,2 Billionen Euro vernichten" (hier). Am gleichen Tag erklärt das MANAGER MAGAZIN warum: "Nach 'Grexit' droht weltweiter Dominoeffekt". Im Vorspann heißt es dazu: "Der Austritt Griechenlands aus dem Euro-Verbund könnte weitere Staaten wie Portugal, Spanien und Italien in den Staatsbankrott treiben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Im schlimmsten Fall drohen weltweit bis 2020 Wachstumseinbußen von 17,2 Billionen Euro." Mehr hier

Damals hat sich auch das Münchener ifo-Institut, Heimat von Deutschlands angeblichem Top-Ökonomen Hans-Werner Sinn, in einer Studie mit einem möglichen Grexit beschäftigt: "Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion: historische Erfahrungen, makroökonomische Konsequenzen und organisatorische Umsetzung". Die Frage nach den Folgen wurde erst gar nicht gestellt und beantwortet. Bei einer so heiklen Sache ist das definitiv zu wenig. Wer sich trotzdem für die Einzelheiten interessiert, findet hier das Ergebnis. Bis heute haben sich weder Hans-Werner Sinn noch sein Institut mit diesem Problem beschäftigt. 

Wer sich mit dem Grexit beschäftigt, greift sich immer nur einen Teilbereich heraus, ohne Bezug zum "großen Ganzen" herzustellen. So auch Martin Seidel vom Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) in seinem Working Paper "Austritt aus der Währungsunion - eine freie Entscheidung Griechenlands". Seidel diagnostiziert vieles richtig, will aber Griechenland die falsche Medizin verabreichen, ohne Rücksicht auf die Nebenwirkungen. Schade. Mehr dazu hier.  

Die Hardliner in Sachen Grexit sitzen im Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die liefern Ende Januar eine Anleitung: "Wie soll die Europäische Währungsunion mit reformunwilligen Staaten umgehen?". Darin beschäftigen sich die beiden Autoren auch mit den wirtschaftlichen Folgen - für Griechenland (Seite 6 - 8). Ihr Ergebnis zeigt: Die Herrschaften haben das Brett an der dünnsten Stelle gebohrt. Das Ziel der Studie ist klar umrissen: Wer nicht nach der deutschen Pfeife tanzt, muss raus aus dem Euro. Fertig. Wen das interessiert, der darf es hier nachlesen.

Noch ein Thema, dass keiner der Grexit-Befürworter öffentlich diskutieren mag: "Der Austritt eines Landes aus der Währungsunion: Welche Schuldwährung gilt in Altverträgen?". Dirk Meyer von der Bundeswehr-Uni in Hamburg hat sich damit beschäftigt. Das Ergebnis hat er in dieser anschaulichen Übersicht zusammengefaßt: 



Jeder möge sich die Folgen für Griechenland vor Augen führen: Mehr als 300 Milliarden sind von den Griechen in Euro an die Gläubiger zurückzuzahlen. Wie soll das gehen mit einer Weichwährung? Das heißt doch, ohne einen Schuldenerlass, ein Schuldenschnitt reicht in dem Fall nicht, ist ein Grexit überhaupt nicht zu machen. 

Es geht auch ganz anders. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat bereits 2010, dem Jahr in dem es mit der Griechenland-Krise so richtig losging, eine lesenswerte Analyse über "Die Zukunft der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion". Darin stehen viele kluge Ideen und Vorschläge. Wir möchten an dieser Stelle zwei Feststellungen daraus zitieren: 

"Anders als in den Analysen der Van Rompuy-Task Force, der Europäischen Kommission und der Bundesregierung ist mangelnde Haushaltsdisziplin nicht die maßgebliche Ursache der aktuellen Krise im Euroraum. Entsprechend greifen Antworten zu kurz, die allein auf eine Verschärfung der Sanktionen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes setzen. 
Notwendig ist die Einrichtung einer Europäischen Wirtschaftsregierung, die aus der Kombination eines präventiven und eines reaktiven Arms besteht. Präventiv sollen die Mitgliedstaaten ihre dezentralen Wirtschaftspolitiken mit dem Ziel koordinieren, makroökonomische Ungleichgewichte zu verhindern. Nur wenn dies nicht gelingt, greifen reaktive Instrumente, die zentral gesteuert werden." 

Schlagend, weil bis zum heutigen Tag unwiderlegbar, auch das Fazit: "Die Entwicklung, die zur Entstehung der gegenwärtigen Staatsschuldenkrise geführt hat, unterstreicht die Notwendigkeit einer Reform des EWU. Die Lösung kann dabei nicht in weniger Europa durch eine Rückkehr zu nationalen Währungen liegen. Im Gegenteil: um das bestehende Problem der heterogenen makroökonomischen Entwicklungen zu entschärfen, um die Schieflage in den Leistungsbilanzen zu reduzieren und eine funktionsfähige Gemeinschaftswährung zu erhalten, müssen die Euro-Mitglieder ihre nationalen Volkswirtschaften auf kompatible Wirtschaftsstrukturen, Wohlstandsverhältnisse und wirtschaftspolitische Prioritäten ausrichten. Das ruft die schon früher verfochtene 'Krönungstheorie' in Erinnerung, wonach eine Währungsunion erst am Ende eines langen wirtschaftlichen Annäherungsprozesses und nach Inkrafttreten einer politischen Union möglich sein sollte. Heute ist klarer denn je, dass langfristig nur eine politische Union den politischen und ökonomischen Gleichlauf zwischen den Euro-Mitgliedern herstellen kann, der Ungleichgewichte innerhalb Europas vermeidet. Als ersten Schritt zur politischen Union sollte die hier vorgeschlagene Form der Wirtschaftsregierung angestrebt werden, die unter souveränitätsschonender Behandlung mitgliedstaatlicher Eigenverantwortung zunächst nur dann fiskalpolitische Befugnisse in die Entscheidungshoheit der EU übergibt, wenn die mitgliedstaatliche Koordinierung nicht ausreicht. Eine Minimierung makroökonomischer Ungleichgewichte im Währungsraum muss sich auf ein präventiv wirkendes Instrumentarium in Gestalt eines glaubwürdigen und erweiterten SWP, einer Koordinierung zentraler wirtschaftspolitischer Parameter und einer Regulierung der Finanzmärkte stützen. Als reaktiver Krisenbewältigungsmechanismus ist die Institutionalisierung eines EWF anzustreben, dessen Mittel sich unter anderem aus einer gemeinschaftsweit erhobenen Finanztransaktionssteuer und Gemeinschaftsanleihen ergeben."

Für die damalige Zeit schon sehr weitsichtig. Mehr dazu hier. Diskutiert hat diese Analyse natürlich niemand. Die europäischen Krisenmanager, angeleitet aus Berlin, hatten längst den einen Plan im Kopf: Griechenland zum europäischen Feldversuchslabor umzufunktionieren. 


Die Europäische Union kann am Grexit nicht zerbrechen 
(heise-telepolis) Wieder einmal geistert das Gespenst des Grexit durch Europa, und wieder einmal malen die Propheten des Untergangs das Menetekel eines Scheiterns der Europäischen Union und des Zusammenbruchs der europäischen Einigung an die Wand. Gezielt verwechseln diejenigen, die diese Schreckensvisionen heraufbeschwören, stets die Europäische Union und die Eurozone und mischen alles in einen verkleisterten Einheitsbrei.
So kommt es, dass auch in gut informierten Diskussionen über den Euro, die Eurozone und den Euro-Rettungsschirm behauptet wird, ein Scheitern der Währungsunion bedeute zugleich auch ein Scheitern der europäischen Integration und des Binnenmarkts. Doch das ist grottenfalsch. Selbst wenn die Euro-Währungsunion ganz aufgelöst würde, bliebe der Binnenmarkt doch völlig unberührt. Er funktionierte ja schon lange vor der Währungsunion und braucht den Euro nicht.
Es gibt schließlich eine Reihe von EU-Ländern, die den Euro erst gar nicht eingeführt haben, aber trotzdem am Binnenmarkt teilnehmen. Und übrigens funktioniert der Europäische Binnenmarkt mit der Eurozone nicht besser als mit denjenigen EU-Ländern, die weiter ihre eigene nationale Währung haben.
Selbst Griechenland gehört der EU immerhin ja schon seit 1981 an und würde mit ziemlicher Sicherheit auch nach einem Grexit in der EU bleiben. Bisher jedenfalls ist noch niemand auf die Idee verfallen, dass Griechenland auch noch aus der Europäischen Union austreten könnte.
Währungsunionen wie die Europäische Währungsunion – die Eurozone – hat es schon öfter gegeben. Sie zerfielen meist sang- und klanglos, wenn die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Teilnehmerländern für eine gemeinsame Währung zu stark wurden oder Teilnehmer die Spielregeln verletzten. Keine Tragödie. Schaden entstand dadurch noch niemandem. Mehr...


Kommentar: Die Propheten haben gerade Hochkonjunktur hierzulande - oder die Klugscheißer - oder es ist einer beides. Bei diesem Beitrag von Wolfgang J. Koschnick sind wir unentschieden. Es wäre auch gut möglich, er ist nur einer dieser Mietmäuler, die sich auftragsgemäß in die Bresche werfen. 

Jedenfalls ist der Beitrag gespickt mit Mutmaßungen, wenig fundierten Thesen und außerdem Vergleichen, die kräftig hinken. Wenn doch die Auflösung so einfach ist und keine Schäden verursacht, wenn die Gemeinschaftswährung ihren Teilnehmern keine Vorteile bringt, warum wird die Währungsunion dann nicht in schönster Einmütigkeit abschafft? An den Kosten soll es ja angeblich auch nicht liegen... 

Um das zu erklären macht sich Koschnik keine eigenen Gedanken sondern bemüht zum Schluss seines Beitrages den  französischen Historiker und Sozialwissenschaftler Emmanuel Todd: "Der Euro geht in die Geschichte ein als der Meister-Irrtum der herrschenden Eliten in Europa. Sie wussten nicht, was sie schufen – einen Zombie –, und können sich deshalb auch nicht davon lösen." Und jetzt kommt eine dreiste Lüge: "Tatsache ist, dass die Währungsunion Spannungen und Gegensätze in Europa auf das Äußerste verschärft hat. Der Euro bringt die Europäer gegeneinander auf. Die nationalen Währungen waren ein Instrument der Regulierung im gemeinsamen Markt, um Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit auszugleichen. Um das zu erkennen, braucht man keinen Nobelpreis für Ökonomie." Als engagierter Europäer kann man über eine solche Aussage nur kotzen. Was den Euro in Mißkredit gebracht hat, ist die vollkommen verfehlte Krisenpolitik seit der Lehman-Pleite im Oktober 2008. Die ist es, die die Europäer gegeneinander aufbringt. Natürlich sind die Maastricht-Kriterien Murks (ein Werk der Bundesbank!), natürlich war die EWWU zum Zeitpunkt ihrer Gründung noch nicht perfekt. Alles Dinge, die mit ein bisschen politischem Willen längst hätten korrigiert werden können. Auch noch jetzt, innerhalb dieser Krise. 

Nach unserer Auffassung ist es auch falsch, aber offensichtlich politisch gewollt, die Krise als Eurokrise zu bezeichnen. Ausgangspunkt war nicht eine Währungskrise, sondern eine veritable Bankenkrise, dass muss irgendwann selbst in die hohlsten Köpfe rein. Die viel gelobten Rettungspakete für die Banken seit 2008 haben daraus eine Staatsschuldenkrise gemacht, aber immer noch keine Eurokrise. Die wurde erst öffentlich deklariert, als Griechenland 2009 in Schwierigkeiten geriet (hier). Plötzlich war ein Schuldiger gefunden und die Eurokrise wurde geboren. Griechenland war als Sündenbock besonders gut geeignet. Bis heute hält sich hartnäckig das Märchen, Athen hätte sich die Aufnahme in die Eurozone arglistig erschlichen. Wir wissen, die wichtigsten Politiker Europas waren eingeweiht. Seitdem wird unter der Bezeichnung Eurokrise alles reingepackt, was nicht funktioniert in Europa. Dahinter müssen mächtige Interessen stehen, anders lässt sich diese Entwicklung nicht erklären. Für uns ist es ein Währungskrieg. Wir zitieren aus einem unserer frühen Standpunkte, Ausgabe 25/6, vom 4. August 2011:  

"Es ist nicht der Euro, der das Kartenhaus zum Einsturz bringen wird. Die Liberalisierung der Finanzmärkte, die Globalisierung der Weltwirtschaft und ihre Folgen, heißen nach wie vor die Verursacher. Der Euro ist dabei nur eines der vielen Mittel zum Zweck. Was wir dabei schon seit Monaten erleben ist ein Währungskrieg, angezettelt von den USA und Großbritannien, um der Welt die vermeintliche Stärke ihrer eigenen Währungen Dollar und Pfund noch länger vorgaukeln zu können. Europa kämpft dagegen noch auf verlorenem Posten, hat bisher jede Schlacht (siehe PIIGS-Staaten) verloren. Was nicht weiter verwundert, sitzen doch die Verräter in Brüssel, Luxemburg, usw., immer mit am Tisch. Hier eine kleine Auswahl: Lettland, Estland, Ungarn, Rumänien, Polen, bisher auch Italien, Amerikas kleiner Bruder Großbritannien sowieso. Die ersten fünf Länder werden durch großzügige Kredite des IWF und der USA am Leben gehalten, so etwas verpflichtet natürlich. Dieser Krieg ist erst zu Ende, wenn alles, wirklich alles, in Trümmern liegt, nur über die Reihenfolge läßt sich noch streiten." Müssen wir davon irgendetwas zurücknehmen? Nein. 


Yanis Varoufakis: A Blueprint for Greece’s Recovery within a Consolidating Europe 
(yanisvaroufakis.eu) Today all eyes are turned on two processes: the British election and the negotiations that are unfolding here in Brussels between our team and the technocratic staff from European institutions, plus the International Monetary Fund.
Interestingly, both processes, the electoral one in Britain and the continuing Greek drama, contain the seeds of potential fragmentation at the level of the European Union. It is crucial that we find ways of preventing such fragmentation, at both ends of the continent. If we fail, history will pass a deservedly harsh judgment upon us all.
Let me focus on only one of the two processes – the one I am qualified to discuss: the negotiations happening close by at the level of the Brussels Group over the Greek loan agreement and its conditionalities. Read more...


Kommentar/Ergänzung: Was für ein Wahnwitz: Das politische Europa, angeführt von Berlin, beschäftigt sich einzig und allein mit der Person Varoufakis, nicht einen Augenblick mit seinen Ideen und Vorschlägen. Davon liefert er reichlich - der deutsche Finanzminister bleibt im Vergleich dazu sprachlos. Varoufakis schreibt leicht verständlich, daran kann es also nicht liegen. Wenigstens unsere LeserInnen sollten die Gelegenheit nutzen, sich damit sachlich auseinander zu setzen. Es lohnt sich. 

Leider erinnert uns Athen schon jetzt an die Linken in Deutschland: Kompetent, aber nicht durchsetzungsfähig. 

Jüngstes Beispiel ist für uns der Beitrag "Schluss mit dem neoliberalen Sparkurs" (hier) von Axel Troost. Der linke Spitzenpolitiker erklärt leicht verständlich die Zusammenhänge, nennt jedoch keine einzige konkrete Forderung. Seine Aussage in der Überschrift ist einfach zu wenig. Wo bleiben die Gesetzesvorlagen und Anträge im Bundestag oder in den Ausschüssen? Die Linke sitzt im Bundestag und hat parlamentarische Arbeit zu leisten - im Parlament, nicht reihum in den diversen Talkshows. Ein Armutszeugnis. 


Greece back in recession but austerity works doesn’t it?  
(bilbo.economicoutlook.net) The Hellenic Statistical Authority (EL.STAT) released the latest – Quarterly National Accounts ( 1st Quarter 2015 ) – on May 13, 2015. After all the claims that austerity was working and the Greek economy was growing again, we now learn that Greece is back in recession, having recorded two successive quarters of negative real GDP growth. Whatever way one spins it, the policy framework employed by the Eurozone is a failure. The national accounts data released by Eurostat which coincided with the Greek release – GDP up by 0.4% in the euro area and the EU28 – also shows that the German economy slowed considerably in the first-quarter 2015 and Finland, one of the fiercest supporters of austerity entered official  recession. The Finnish response was they had to cut public spending harder because they would be in breach of the Stability and Growth Pact rules relating to size of the deficit and the volume outstanding public debt. These nations are so caught up in neo-liberal Groupthink that they cannot see how ridiculous their policies and supporting dialogue have become. Read more... 

Kommentar: Aus dem fernen Australien erklärt der Ökonom Bill Mitchell die Krise in Griechenland und die Folgen...  

"In Greece, there is little discussion about the alternatives. Almost no coherent discussion occurs about what might actually happen if they exit the Eurozone. That option has just been scaremongered away and basic instincts dominate. In that sort of ignorance, a transformative party like Syriza will fail. Perhaps it came to power to quickly. Perhaps it doesn’t actually want to govern within a currency monopoly. If it thinks it can be a better government within the fiscal rules imposed by the Eurozone, then it is deluded. Any government in that context is really just standing on the bridge of a sinking ship."  

Sehr anschaulich seine Grafik zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in den vergangenen zwanzig Jahren:





Euro, Greece and a referendum
(russeurope.hypothesis.org) There is a lot of talk now about a possible referendum on Greece staying in the Eurozone. Even the German Minister of finances, M. Schäuble, has come out in favor of such a consultation. This sudden passion for referendums, coming ten years after the French referendum on the project of a constitutional treaty, is really touching. The very same people who have done everything in order to throw to the dogs the decision of the French people (don’t forget there had been 55% of « NOs ») suddenly discover in themselves a heartfelt fervor for referendums. If the fate of Greece and of democratic principles, ceaselessly trampled upon by the European Union, were not at stake, one could split one’s guts laughing. And tell all these newly-baked partisans of referendums, all these politicians coming with a broad smile to vent their newly found beliefs: "not you, you don’t say!" This is not to say that referendum question is not an issue. It certainly is. But, we must clarify all its implications. Read more...

Kommentar: Hervorragender Beitrag des französischen Ökonomen Jacques Sapir. Eine Pflichtlektüre. Sehr hilfreich, um sich eine eigene Meinung zu bilden.  


Griechenlands Verschuldung ist illegal, toxisch und nicht tragfähig
(griechenland-blog.gr) Laut dem Historiker und Wirtschaftswissenschaftler Éric Toussaint ist der größte Teil der öffentlichen Verschuldung Griechenlands illegal, toxisch und nicht tragfähig. Mehr... 

Kommentar: Wir haben kürzlich einen Beitrag aus Griechenland vorgestellt, in dem über einen Ausschuss berichtet wurde, der die Ursachen  und Folgen der Staatsschuldenkrise des Landes untersuchen soll. Der Franzose Éric Toussaint leitet diesen "Wahrheitsausschuss", wie er in Griechenland genannt wird. Weiter heißt es in dem Beitrag: "'Die Art, auf welche die Handhabung der griechischen öffentlichen Verschuldung erfolgte, stellt eine Missachtung der grundsätzlichen Regeln des internationalen Rechts über Menschenrechte dar, angesichts der Tatsache, dass die ausgeübte  Politik eine humanitäre Krise verursachte', führte Herr Toussaint an und vertrat dabei, die Kreditvereinbarung und die Memoranden verletzten die  internationalen Menschenrechtsabkommen und  die  griechische Verfassung." 

Der deutsche Rechtswissenschaftler Andreas Fischer-Lescano sieht das sehr ähnlich. In einem Rechtsgutachten im Auftrag der Kammer für Arbeiter/innen und Angestellte für Wien, Titel "Austeritätspolitik und Menschenrechte", vom 22. Dezember 2013, vertritt er die Auffassung: "Diese neoliberale Politik ist unvereinbar mit den Menschenrechten". So die Überschrift eines Interviews "über die Kürzungspolitik in Europa und ihre rechtlichen Grundlagen" bei ANNOTAZIONI, vom 19.03.2014 (hier). Die finale Fassung des Gutachtens gibt es hier. Fischer-Lescano spricht von einer "außer Kontrolle geratenen Politik". Die hat der Journalist Harald Schumann in seiner Dokumentation "Macht ohne Kontrolle - die Troika" (hier, bei Youtube) hervorragend recherchiert. Im Vergleich dazu hat jüngst die Homestory von Yanis Varoufakis im französischen Magazin PARIS MATCH hierzulande für eine größere Aufmerksamkeit gesorgt. 


Deutschlands Rekord-Handelsüberschuss ist eine größere Bedrohung für den Euro als Griechenland 
(nachdenkseiten.de) Wenn die EU-Gesetze konsequent angewendet würden, müsste Deutschland mit Strafzahlungen rechnen wegen der Gefährdung der Stabilität der Eurozone und der Nichteinhaltung des gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichtsverfahrens im fünften Jahr in Folge. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag ist eine Übersetzung eines Kommentars der britischen "Edelfeder" Ambrose Evans-Pritchard aus dem britischen TELEGRAPH. Das Original haben wir bereits vor einigen Tagen an dieser Stelle vorgestellt (hier). Schön, dass wir heute eine deutsche Übersetzung nachlegen können. Unbedingt lesen. Die deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik ist Tinnef. 


US GDP Growth Moves Toward Zero
(247wallstreet.com) A new Wall Street Journal poll of prominent economists revised their collective GDP growth estimate for the year from 2.7% to 2.2%. To some extent the worry about a slowdown is based on the current price of the dollar. Another factor is a slowdown of economies overseas. Yet another is that consumer spending will be hog-tied by rising gasoline prices and mediocre job creation. As experts ratchet down expectations, more and more of them have stepped toward zero growth for U.S. gross domestic product this year.
The world of economists was shaken recently as the Atlanta Federal Reserve moved its forecast for this year to zero GDP growth. Some analysts believe that if the Fed raises rates, recent growth in business world, among consumers, in the stock market and in the housing market will deteriorate. At what point will consumers pull back if they see the value of their retirement funds drop, or they believe that the housing market may dip again, even if it does not match the catastrophe of 2006 through 2010? Read more...


US Industrial Production Weakens For 5th Month - Longest Streak Since Great Recession
(zerohedge.com) On the heels of the weakest print since May 2009 in March, April Industrial Production printed -0.3% (against expectations of a bounce to -0.03% from -0.64% - which was revised higher). This is the 5th monthly drop in a row - the longest streak since the Great Recession. This is the 2nd weakest YoY print, at a mere +1.93%, since Feb 2010. To add to the pain, Capacity Utlization missed expectations falling to its lowest since Jan 2014 (falling the most YoY since Dec 2009) and Manufacturing production was unchanged. Worst streak of monthly drops since 2009...


2nd weakest YoY print since Feb 2010...  


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Industrial Production Sinks As Capacity Signals Inventory End
(alhambrapartners.com) Continuing on with the inventory theme, industrial production (which does include activities outside the manufacturing sector) continues to falter suggesting that piling inventories are at least beginning their recessionary effects. By every measure, IP is decelerating and doing so at a rate usually observed of the initial stages of dislocation. In the adjusted series, IP has declined for five consecutive months, performing an unmistakable inflection upon the prior trajectory that had been unbroken even through the 2012 slowdown. Read more...

Kommentar: In den deutschsprachigen Qualitätsmedien kein Sterbenswörtchen über diese Entwicklung in den USA. Da halten wir es für geboten, wenigstens unsere LeserInnen auf dem Laufenden zu halten. 

Der letzte Beitrag enthält wieder viele leicht verständliche Charts, von denen wir zwei bereits an dieser Stelle zeigen wollen:



Da müssen Wunder her, oder die richtige Politik. Nur fehlt es am richtigen politischen Personal - leider nicht nur in den USA. 


The Poverty Machine: Student Debt, Class Society, and Securing Bonded Labor
(hamptoninstitute.org) At the dawn of the 20th century, very few American students attended high school, as the demands of the heavy-industrial and the agricultural economies of that period were ill-suited to an extended education beyond the family sphere. In the middle of the 20th century, most Americans who either aspired to or had to work entered the full-time workforce
immediately after high school, for such a postwar economy featured plenty of growth and comparably fair wage-compensation for the average worker. As the economy became more complex in its labor needs, its extending length of education complemented these requirements. The transformation of the agricultural economy into the technological economy after World War II, in turn, transformed the university, once the commune of the well-to-do, into a center for job training, an adjunct to industry, and one which continued to increase in enrollment as the technological necessities of an increasingly complex economy required further education. What was once the realm of the study of Christian religion, the Rennaissance humanists, and the Aufklärung became, for most students, the study of the technical labor necessary to produce and reproduce the new forms of capitalism and scientific production coming into existence. The growth of the American middle class became co-incident with the growth of the education industries which had hardly existed a century previous, when the middle class itself had hardly existed in any recognizable form. Where there was study, there was hope for economic success-the maxim "if a man falls in a field he is redeemed in a library" comes to mind-and the institution of the university became as integral to living well in the United States as the ownership of property and the propagation of the nuclear family. Read more...


Kommentar: Eine sozial-gesellschaftliche Analyse vom noch jungen Hampton Institute, A Working Class Think Tank (hier), die wir denen empfehlen möchten, die sich intensiver mit der Erosion der US-amerikanischen Gesellschaft beschäftigen wollen. Es lohnt sich. 


America's Pitiful "Choice"
(zerohedge.com) We realize we are jumping the gun a bit here, after all, it isn’t yet certain which candidates will win the primaries and become presidential candidates. However, we are taking an educated guess here, based on past elections and primaries. The Democratic Party usually has a relatively non-competitive field. One or two candidates are most likely to get the nomination from the outset. Left-of-field candidates like e.g. Bernie Sanders may take part, but have no chance anyway. Last time around, Hillary Clinton faced quite a formidable opponent in Barrack Obama, who undoubtedly was a far more appealing choice from the perspective of the Democratic base.

We present to you the likely winner of the next election …

This time around, it is hard to see who could possibly stop Hillary, except perhaps herself. She is as scandal-ridden as a stray dog in the slums of Lagos is flee-ridden. So she might trip over one of her scandals, but not if the US mainstream press has anything to say about it. This is actually a bit of a word
play in a sense, since she usually gets away with stuff precisely because the mainstream press isn’t saying much about it. We also know from occasionally watching the discourse on Democratic grassroots sites that they are all rooting for her this time (we admittedly can’t understand it, but there it is). (...) We know one interest group in the US that is already rubbing its hands at the prospect of these two butting heads, because it will win no matter which one of them becomes president: the war racketeers, a.k.a. the military-industrial complex.


These guys are eagerly looking forward to a Hillary vs. Jeb election
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Kommentar: Noch mehr Nachdenkfutter ... Und wieder einmal bestätigt sich: Bilder sagen mehr als viele Worte: 

Quelle: zerohedge.com


Gerald Celente: China Goes Ponzi
(lewrockwell.com) When the Panic of ’08 hit, the United States - the financial and military police of the world - led the charge to stop the spread of economic terror. Under the command of US Secretary of Treasury Hank Paulson, orders were given to save too-big-to-fail banks and over-leveraged financial institutions drowning in red ink. On Oct. 3, 2008, President George W. Bush signed into law the Troubled Asset Relief Program that allowed the government to purchase assets and equities institutions had accumulated from engaging in a spectrum of dirty deals - deals for which they would pay minimal fines before being allowed to grow even bigger. That was just the beginning of the massive money flows to come. 
Newly elected President Barack Obama launched his $831 billion American Recovery and Reinvestment Act of 2009. In short order, the Federal Reserve began its series of Quantitative Easing programs that ballooned its balance sheet from $500 billion to $3.5 trillion, while maintaining its Zero Percent Interest Rate Policy. The results of these cheap money flows are quantifiable: Gross Domestic Product on average has barely moved above 2 percent annually, the labor-force-participation rate has sunk to 38-year lows and real household income is at 1989 levels – all while equity markets have soared to new highs.
While America led the cheap-money charge, China, the world’s second-largest economy, quickly followed with its brand of monetary juice. Read more...


Kommentar: Gerald Celente ist sicherlich umstritten, ein Querkopf eben. Das ist für uns Grund genug, auf diesen Beitrag hinzuweisen. Erfrischend. 

Wer mit dem Begriff "Ponzi" nichts anfangen kann, wird hier fündig. 


China Momentum Indicator Plunges to "Hard Landing" Level
(wolfstreet.com) Hard-landing gurus have been predicting an imminent end of the China bubble for years. A "hard landing" would be the optimistic scenario. The other scenario would be a crash-and-burn. But to their greatest frustration, there was no hard landing, or a soft landing, or any landing for that matter. China just kept on flying.
Fueled by an enormous credit bubble and monetary propellants, it kept adding to entire ghost cities, industrial overcapacity, and the most breath-taking infrastructure build-out the world has ever seen. Global demand for its products faded as labor got more expensive, but the 1.35 billion increasingly moneyed Chinese consumers discovered splurging on smartphones, cars, luxury goods, and a million other things. The China bubble stayed aloft, despite all the cracks appearing here and there. But now it’s running out of air. Read more...


Kommentar: Noch eine Einschätzung über die chinesische Befindlichkeit. Lesen Sie selbst. 


Persönliche Beratung
Wer sich gegen die vielen Formen der finanziellen Repression und der staatlichen Enteignung absichern möchte, der kann sich von uns persönlich beraten lassen. Es gibt ein paar sehr nützliche Maßnahmen, um Ersparnisse/Zukunftssicherung/Vermögen krisenfest zu machen. Wir betonen aber an dieser Stelle ausdrücklich: Diese Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine vergleichsweise geringe, einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten. Eine E-mail genügt, wir informieren anschließend über die Einzelheiten der Beratung. Ausführliches Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir erfolgreich ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen.   

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." (Karl Farkas, österr. Schauspieler und Kabarettist)