Freitag, 3. Juni 2016

Standpunkt 1017: Bargeld - der Anfang vom Ende; das jüngste Gerücht

Quelle: toonpool.com

Heute ein kleiner Nachtrag zu unseren beiden Standpunkten (Teil 1, hier; Teil 2, hier) zum absehbaren Bargeldverbot. 

In der vergangenen Woche hat der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen beunruhigten und verzweifelten Landsleuten einen Strohhalm zugeworfen, an den die sich seitdem in tiefer Dankbarkeit und mit aller Kraft klammern. 

Schäuble behauptet "Niemand will Bargeld abschaffen". Die Nachricht schwappt über das ganze Land: Bestens orchestriert sorgen die Medien (ZEIT (hier), SPIEGEL (hier), FOCUS (hier), WELT (hier), F.A.Z. (hier), RUHR NACHRICHTEN (hier), MÜNCHNER MERKUR (hier), THÜRINGER ALLGEMEINE (hier), TRAUNSTEINER TAGBLATT (hier), T-ONLINE (hier), FINANZEN100 (hier), usw., usw. (die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit), innerhalb von 24 Stunden für die flächendeckende Verbreitung bis in die letzte Ecke der Republik. Wir zitieren aus der WIRTSCHAFTSWOCHE: Im Vorspann heißt es dort: "Das Bargeld soll nicht abgeschafft werden, sagt Wolfgang Schäuble. Er kenne aber sehr viele, die der Meinung seien, dass Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Terrorfinanzierung erfolgreicher bekämpft werden müssten." Und weiter: "Entsprechende Interpretationen seien 'alles ziemlicher Unsinn', sagte Schäuble am Donnerstag in Berlin vor dem Verein der Auslandspresse. 'Ich finde, wir sollten uns in diese Aufregungsspirale nicht hineinbegeben.'" Mehr hier

Wir wissen alle, Politik ist ein schmutziges Geschäft. Und die Lüge ist dabei eines der wichtigsten Handwerkszeuge. Nicht erst seit der Zerstörung Griechenlands (dazu beispielsweise unser Standpunkt 177, vom 23.02.2012, "Europa zertrümmert Griechenland", hier) ist Schäuble einer der mächtigsten Politiker Europas - und einer ihrer unaufrichtigsten. Doppelzüngig und rücksichtslos vertritt er politische Ansichten - Hauptsache es dient seinen Zielen. 

Wolfgang Schäuble und Jean-Claude Juncker sind politsche Brüder im Geiste. Juncker war es, der 2011 in einem Interview die Praktiken heutiger Strippenzieher in der Politik offen und ehrlich beschrieben hat: "Wenn es ernst wird, muss man als Politiker lügen"

Schäuble ist Politiker durch und durch. Tricksen und Täuschen sind ihm längst in Fleisch und Blut übergegangen. Wir halten ihn für einen der Besten dieses Fachs. Wer seine Qualitäten als Trickser und Täuscher einigermaßen ernsthaft bewerten will, der muss bis in die 1990er Jahre zurückgehen und sich mit seiner Rolle in der CDU-Spendenaffäre  beschäftigen: "Schäuble war Mittäter" (SPIEGEL, hier), "Kiep bestreitet Schäubles Version" (SPIEGEL, hier), "Das war's, Wolfgang Schäuble" (SPIEGEL, hier). Lesenswert auch "Schäubles Interview im Wortlaut" zur Aufdeckung seiner Beteiligung (SPIEGEL, hier). Heute wissen wir: Trotz erdrückender Beweise und medialer Schelte hat ihm seine Beteiligung an dieser Affäre nicht ernsthaft geschadet. Ganz im Gegenteil: Es war eine wichtige Voraussetzung für das mächtige Amt des Bundesfinanzministers. Die andere: Sein fehlender Sachverstand. Wir halten Schäuble für völlig inkompetent. Er dient lediglich den internationalen Großkonzernen und Banken als Marionette. Rücksichtslos betreibt er für deren Interessen Politik und nimmt dafür leichtfertig den vielfachen Tod unschuldiger Menschen in den von seinem Spardiktat betroffenen Euro-Staaten in Kauf. Dabei lebt Schäuble tagtäglich vor, was der französische Staatsmann Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754 - 1838) einmal so beschrieben hat: "Unwandelbarkeit in der Politik ist nur ein anderer Ausdruck für Mangel an Verstand".

Zurück zum drohenden Bargeldverbot. Listig geht Schäuble bei seinen jüngsten Äußerungen zu Werke. Die Beiträge der Führungsmedien liefern den Beweis. Dort wird er nämlich mit dem Satz zitiert: "In Kontinentaleuropa kenne ich niemanden, der die Absicht hat, Bargeld abzuschaffen" (hier, hier, hier, hier). Was ist mit Schweden ("Schweden schafft das Bargeld ab", hier), Norwegen ("Norwegen braucht kein Bargeld: Größte Norwegische Bank schafft Bargeld ab", hier) und Dänemark ("Dänemark schafft das Bargeld ab", hier)? Alles Länder, die eine Abschaffung des Bargeldes mit Hochdruck vorantreiben. Dazu auch die Niederlande, schon seit 2009 praktisch bargeldlos ("Niederländische Banken ohne Bargeld", hier). Unstreitig gehören diese Länder geografisch zu Kontinentaleuropa

Quelle Karte: Wikipedia (Ergänzungen von uns)


Den deutschen Bundesfinanzminister stört das (natürlich) wenig, der hat seine eigene Ansicht. Die muss zweckdienlich sein und zu seiner Behauptung passen. Schäuble ist da nicht pingelig. Wenig überraschend auch, dass die deutschen Qualitätsmedien das nicht infrage stellen

Unser Fazit zu diesem jüngsten Gerücht ist eine Tatsache: Schäuble lügt.

In diesem Zusammenhang ein denkwürdiges Zitat von Jean-Claude Juncker, wie Wolfgang Schäuble Mitglied einer christlichen Volkspartei, aus der Hoch-Zeit der Krise 2009: "In der christlichen Soziallehre heißt es, Eigentum verpflichtet. Also verpflichten wir das Eigentum."  

Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Abschaffung des Bargelds zwingend notwendig

An dieser Einschätzung ändert sich auch nichts, wenn es gerade wieder bei den DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN heißt: "EZB beruhigt Sparer: Abschaffung des Bargelds ist nicht geplant" (hier). Ein Schwindel. 

Bleiben Sie bei uns am Ball. In der kommenden Woche veröffentlichen wir an dieser Stelle einen ausführlichen Standpunkt zum Thema "Goldverbot".