Sonntag, 18. September 2016

Standpunkt 1023: Thema der Woche 37 - Monsanto


Europa's Zukunft...
 
Quelle: thelibertybeacon.com

Trotz des EU-Gipfels in Bratislava (hier), der Diskussion über den Gesundheitszustand Hillary Clinton's (hier), oder der drohenden Monsterstrafe gegen die Deutsche Bank in den USA (hier), war für uns etwas anderes "Thema der Woche": "Bayer kauft Monsanto für 66 Milliarden Dollar" meldet am 14.09.2016 u. a. die F.A.Z. Im Vorspann heißt es: "Lange hat die Übernahmeschlacht gedauert, nun ist sie entschieden: Das Traditionsunternehmen aus Leverkusen übernimmt den amerikanischen Saatgutkonzern. Es ist die größte Übernahme, die ein deutsches Unternehmen je getätigt hat." Mehr hier. Noch am gleichen Tag gibt diese Zeitung, früher im In- und Ausland als eines der wichtigsten deutschen Leitmedien hochangesehen, eine Kostprobe ihres journalistischen Verfalls. 

Hierzulande ist der Ruf von Monsanto grottenschlecht (wie wir finden zu Recht). Da gilt es, unverzüglich die vorläufige Einigung zwischen den beiden Konzernen in der öffentlichen Wahrnehmung wohlwollend vorzubereiten. Deshalb rührt der Wirtschaftsredakteur und Volkswirtschaftler Jan Grossath, nach eigenem Bekunden bei der F.A.Z. zuständig für Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft - also ein ausgewiesener Experte, für diesen Zusammenschluss rücksichtslos die Propaganda-Trommel: "Aktivisten und Agrarindustrie: Die Mär von der Vergiftung der Welt". Er schreibt in seiner Einleitung: "Umweltaktivisten werfen Agrarkonzernen wie Monsanto einen „Ökozid“ vor. Doch statt Lösungen bieten sie nur irrationale, platte Schuldzuweisungen an. Über eine sprachliche Eskalation." Mehr hier. Sprachlich geschickt, aber hemmungslos ignorant und auf allertiefstem BILD-ungsniveau, diskreditiert der Autor in seinem Beitrag die jahrelange akribische Arbeit echter Experten. Für uns ein guter Grund, sich ausführlich mit dem größten industriellen Massenmörder in der Menschheitsgeschichte näher zu beschäftigen. Für Grossath wäre diese Aussage eine "sprachliche Eskalation", mindestens aber eine Verschwörungstheorie. Wir beweisen an Hand von Fakten: es ist schlicht eine Tatsache.  

An dieser Stelle wollen wir nicht unterschlagen, dass zur gleichen Zeit andernorts von den Führungsmedien wenigstens der Versuch unternommen worden ist, sich mit Monsanto kritisch auseinanderzusetzen. Stellvertretend dafür nennen wir die folgenden Beiträge: 

Den Anfang machen wir mit einer "Analyse" des deutschen Magazins CAPITAL, Titel "Ist Monsanto böse?". Der Vorspann: "Bayer übernimmt Monsanto für 66 Mrd. Dollar. Dabei hat kaum ein Konzern so einen schlechten Ruf wie Monsanto. Warum eigentlich?". Mehr hier. Für uns nicht unerwartet weichen die Autoren einer eindeutigen Antwort aus. In diesem Beitrag findet sich aber ein aufschlussreicher Vergleich beider Konzerne, den wir an dieser Stelle unseren Leserinnen nicht vorenthalten möchten:



Die SUEDDEUTSCHE schlagzeilt "Darum ist der Ruf von Monsanto so schlecht". Die Einleitung klingt vielversprechend: "Bayer kauft den US-Konzern für einen Rekordpreis. Doch das Image von Monsanto ist mies. Das liegt an den vielen Skandalen der Firma." Mehr hier. Am Ende sind es nur die bekannten "dicken Dinger", die in dem Beitrag zur Sprache kommen. Noch schwächer ist der Beitrag "Was hat sich Bayer da nur ins Haus geholt?" bei ZEIT ONLINE. Dort heißt es vorneweg: "Der Monsanto-Deal ist für Bayer weder ein Schnäppchen noch eine Garantie für gute Geschäfte. Der Konzern übernimmt mit dem ehemaligen Konkurrenten auch dessen Probleme." Mehr hier. Einzelheiten suchen die interessierten LeserInnen vergebens.  Auffällig ist, dass alle Beiträge die Probleme rund um Monsanto nur mit Samthandschuhen anfassen.

Es geht aber auch anders, wie die folgenden Beiträge beweisen. Die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN schlagzeilen unmissverständlich: "Monsanto: Die brutalen Herren über das Saatgut dieser Welt". Der Vorspann: "Nach der Übernahme durch Bayer widmet sich die als eher besonnen bekannte Nachrichtenagentur Reuters dem Wesen von Monsanto - und kommt zu einem mehr oder weniger vernichtenden Fazit im Hinblick auf ethische Minimalerfordernisse." Mehr hier. Der britische GUARDIAN lässt über diesen Deal ebenfalls keine Zweifel aufkommen: "Bayer's $66bn takeover bid of Monsanto called a 'marriage made in hell'". Mehr hier. Ähnlich ein Beitrag bei DEFEND DEMOCRACY PRESS: "Trying to become owners of Life - Bayer/Monsanto's marriage in hell". Mehr hier.

Quelle: toonpool.com

Zutiefst bewegt - besser: erschreckt - haben uns am Ende der Recherche zwei Beiträge. Den ersten haben wir bei GLOBAL RESEARCH gefunden: "The Complete History of Monsanto, 'The World’s Most Evil Corporation'", erschienen bereits 2014, in dieser Woche wiederveröffentlicht. Aus der Einleitung: "Of all the mega-corps running amok, Monsanto has consistently outperformed its rivals, earning the crown as 'most evil corporation on Earth!' Not content to simply rest upon its throne of destruction, it remains focused on newer, more scientifically innovative ways to harm the planet and its people." Mehr hier. UNBEDINGT lesen. Dieser Beitrag öffnet Horizonte - und liefert Nachdenkfutter satt. Aber Achtung, nichts für schwache Nerven! 

Wer sich nur mit einem kleinen Ausschnitt "Menschenverachtung" begnügen möchte, der wird bei SOURCE WATCH fündig. Unsere Vorschläge: "Monsanto" (hier), "Monsanto and the Campaign to Undermine Organics" (hier), "Monsanto, Genetic Pollution and Monopolism" (hier), "Goliath and David: Monsanto's Legal Battles against Farmers" (hier) und zuletzt "Monsanto in India" (hier). 

Natürlich betreibt auch GREENPEACE Aufklärung. Beispielsweise mit dem Beitrag "Monsantos Machtstrategien: Ein Gentechnik-Gigant kontrolliert die Landwirtschaft" aus 2005. Der Vorspann: "Der Monsanto-Konzern blickt auf eine lange Skandalchronik zurück, von Agent Orange über PCB bis zum Dioxin. Derzeit stammen 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen-Pflanzen von Monsanto. Das global agierende Unternehmen verfolgt ein atemberaubendes Ziel: Es will die globale Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen. Dabei greifen Monsantos Strategien wie Zahnräder ineinander: Einflussnahme auf Politik und Wissenschaft, Aufkauf konkurrierender Unternehmen, aggressiver Erwerb von Patenten, Kontrolle von Landwirten und Inkaufnahme der Kontamination großer Gebiete mit Gen-Pflanzen. Mit diesen Taktiken drängt Monsanto auch auf den deutschen Markt." Mehr hier. Ergänzend dazu verweisen wir noch auf einen Artikel bei RESET (For a better World), erschienen 2013: "Saatgut-Privatisierung: Monsanto und Co. auf dem Vormarsch". Die Einleitung: "Längst gewinnen Bauern nicht mehr Jahr für Jahr das Saatgut aus den eigenen Pflanzen, sondern beziehen es von Züchtern. Da einige wenige Agrarkonzerne, allen voran Monsanto, Syngenta und DuPont, den Saatgutmarkt dominieren, ist die Sortenvielfalt der Nutzpflanzen und die Unabhängigket der Bauern schon jetzt stark eingeschränkt. Die Folgen für Menschen und Umwelt sind fatal." Mehr hier. Die beiden folgenden, anschaulichen Grafiken stammen aus diesem Beitrag: 



An dieser Stelle enden unsere Vorschläge für weniger nervenstarke LeserInnen. Halt, einen haben wir noch: Brandaktuell legt Global Research nach: "Pesticides Trigger Death of the Bees. Corporate Corruption in Pesticide Research" (hier).
 
Bei dem anderen, sehr beeindruckenden/bedrückenden Beitrag handelt es sich um den Dokumentarfilm "Monsanto, mit Gift und Genen" aus 2008 (hier). Die Kauf-DVD gibt es bei ARTE (hier). YOUTUBE zeigt nur Ausschnitte, den vollständigen Film gibt es hier, bei VIMEO.   

Der Bericht von GLOBAL RESEARCH und die Dokumentation bestätigen zweifelsfrei: Monsanto betreibt vorzugsweise höchst menschenverachtende, mörderische Geschäfte. Schon seit Jahrzehnten von der Politik gedeckt und den Medien geduldet, weil weitgehend ignoriert. Trotzdem ist dem Konzern in Europa bisher noch nicht der ganz große Durchbruch gelungen. Regelmäßig stellen sich auf europäischer Ebene - vornehmlich in Brüssel und Strassburg - einige Kritiker quer. Nachdem jüngst auch dem angestrebten Freihandelsabkommen TTIP das Scheitern droht, soll sich das nun offenbar auf dem Weg einer Übernahme durch einen europäischen Konzern ändern. Wenig überraschend, dass es ein deutsches Unternehmen - mit bisher klangvollem Namen - ist.  Das politische Deutschland hat sich bisher - sehr zum Ärger Washington's - mit einer zu forschen Unterstützung Monsanto's in Europa erstaunlich zurückgehalten. Offensichtlich aus Angst vor den Nackenschlägen einer in dieser Sache hochsensiblen heimischen Wählerschaft. Da müssen endlich Fakten geschaffen werden, die dem Establishment in Berlin wirkungsvolle Argumente liefern. Nur vor diesem Hintergrund macht es für uns Sinn, dass Bayer den weltgrößten Giftmischer übernehmen will. Der Preis spielt keine Rolle. Das Geld gibt es von der EZB zum Nulltarif.  

Quelle: toonpool.com


In diesem Zusammenhang lohnt es sich, diesen Beitrag bei GLOBAL RESEARCH zu lesen: "Germany Buys Monsanto – and Sells the TTIP to Europe". Die Einleitung: "Is it coincidence that Berlin approves and even recommends the 'hostile' takeover of Monsanto by the German agro-and pharma giant, Bayer? – Or is another occult strategic arrangement between Washington and its vassal-in-chief of the EU, Berlin, to push the nefarious, Europe-destructive TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) down the throat of the European population? Although the corrupt corporate western media are doing everything to keep the people at large as ignorant as possible, the truth is slowly seeping through. More than 90% of Germans object against Monsanto's weed killer glyphosate (brand name ‘Roundup’) – which was recently declared by WHO, after multiple studies and re-studies, as carcinogenic. A large majority of Germans also oppose GMOs (Genetically Modified Organisms) in food." Mehr hier.

Europa hat diesem Zusammenschluss nichts entgegenzusetzen. Der EU-Gipfel in Bratislava zeigt eine zerrissene, schwache, handlungsunfähige Union. Nachzulesen in der "Erklärung von Bratislava" (hier). ZEIT ONLINE titelt zu diesem Gipfeltreffen: "Solidarität nur aus Eigeninteresse". Weiter heißt es dort: "Nach Brexit und Flüchtlingskrise herrscht auf dem EU-Gipfel in der Slowakei schnöder Realismus. Nur das derzeit mögliche wird verhandelt, auf Kosten der Gemeinschaft." Mehr hier. Ein einziges Trauerspiel. 

Unter diesen Umständen spendet es uns wenig Trost wenn die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN feststellen: "Monsanto-Übernahme durch Bayer ist noch lange nicht fix". Hoffnungsvoll die Einleitung: "Die Übernahme von Monsanto durch Bayer ist noch lange nicht gesichert: Die Vereinbarung enthält für Bayer einige gefährliche Fallen. Eine höhere Verschuldung, verstimmte Investoren und eine Herabstufung der Bonität könnten die Folgen sein. Die Wettbewerbsbehörden werden sich den Deal sehr genau ansehen, weil der neue Konzern eine fast monopolartige Marktmacht hat." Mehr hier. Allein, uns fehlt der Glaube. 

Natürlich regt sich hier und da Widerspruch. So meldet die EPOCH TIMES "NRW-Umweltminister kritisiert Bayer-Monsanto-Deal" (hier). Das ist völlig bedeutungslos. 

Worum es Bayer/Monsanto geht, macht die folgende Karikatur leicht verständlich:

Quelle: santiago19austria

Das gilt zukünftig auch in Europa. Zu verhindern ist diese Entwicklung nicht (mehr). Soviel ist sicher: Die Politik, egal welcher Couleur, wird dabei eine unrühmliche Rolle spielen.

Trotzdem ist es zwingend notwendig, über die Hintergründe und Entwicklungen informiert zu sein. Deshalb möchten wir unsere LeserInnen noch auf den Beitrag "What it Means that Monsanto Holds the Patents on Life" von ALTERNET hinweisen, den wir in unserem Standpunkt-Ausgabe 563, Nachrichten-Ticker vom 04.03.2013, ausführlich kommentiert haben (hier). Ebenfalls nicht ermutigend, aber sehr informativ. 

Ausserdem haben unsere LeserInnen bis auf Weiteres die Möglichkeit, den Monsanto-Giften in Lebensmitteln aus dem Weg zu gehen. Informationen dazu gibt es hier

Zum Schluss noch eine "Gegenüberstellung":

Quelle: sourchewatch.org