Mittwoch, 26. Oktober 2016

Standpunkt 1024: Thema der Woche 38 - 40 - Deutsche B(l)ank? Teil 1


Quelle: toonpool.com


Endlich rückt diese Frage ins öffentliche Bewußtsein. (Schade nur, dass deshalb der Bayer-Monsanto-Deal - unser vorheriges Thema (hier) - schon wieder in Vergessenheit gerät.) Es wird offensichtlich, was bereits seit Jahren absehbar war und nicht mehr länger von den heimischen Refenrenz-Medien ignoriert werden kann. Schön zu beobachten, wie sich die Beiträge und Kommentare in diesen drei Wochen inhaltlich verändert haben. Mittlerweile sind auch die heimischen Medien an der Stelle angekommen, die in den USA bereits seit mehreren Jahren - aus gutem Grund - thematisiert wird: die gigantische Derivate-Exposure des deutschen Branken-Primus'. Selbst jetzt, in der aktuellen Diskussion um den finanziellen Zustand der Bank, haben F.A.Z. und Co. zwei Wochen lang versucht dieses Thema klein zu halten. Rumeiern war die Devise. Ohne Erfolg. Der Druck wurde einfach zu stark, den die angelsächsischen Medien, unterstützt von diversen Wirtschaftsblogs, auf die Bank und ihre medialen Unterstützer daheim ausgeübt haben. Für uns ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung. 

Wir müssen nicht länger Hohn und Spott ertragen, weil wir seit 2012 in vielen Blog-Beiträgen regelmäßig auf den Gefahrenherd Deutsche Bank hinweisen. Zuletzt haben wir uns in der Standpunkt-Ausgabe 1021, "Volksverdummung Banken-Stresstest" (hier) ausführlich mit den europäischen Banken im Allgemeinen und dem "Primus" Deutsche Bank im Besonderen beschäftigt. Eiligen LeserInnen genügt diese Lektüre für einen umfassenden Überblick. Wem das nicht reicht, für den hält dieser Blog noch reichlich  Lesestoff bereit: Beispielsweise hier (Standpunkt-Ausgabe 236, "Das dunkle Erbe des Josef Ackermann", ZEIT, 21.05.2012), hier (Standpunkt-Ausgabe 291, "Desaster Derivatehandel", 02.07.2012), hier (Standpunkt-Ausgabe 341, "Wegen Vernetzung: Schon die Schieflage einer Bank kann globalen Crash auslösen", 12.08.2012), hier (Standpunkt-Ausgabe 400, "Zockerbude Deutsche Bank", 01.10.2012), hier (Standpunkt-Ausgabe 439, "Deutsche Bank gehört zu gefährlichsten Instituten weltweit", 02.11.2012), hier (Standpunkt-Ausgabe 488, diverse Beiträge, u. a. "Wenn ein Brandstifter das Feuer löschen soll" und "Deutsche Bank – Betrug aus Leidenschaft?", 19.12.2012), hier (Standpunkt-Ausgabe 531, "Rosstäuscher Deutsche Bank", 31.01.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 620,  "The Biggest Derivative Junkie In The World", 29.04.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 668,  "Deutsche Bank hat keinen Spielraum für Fehler", 16.06.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 679, "Goldman Sachs: Deutsche Bank ist Bailout-Kandidat", 27.06.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 695, "Deutsche Bank, eine tickende Zeitbombe?", 13.07.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 697, "Hidden Risks at German Banks", 15.07.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 712, "Auf ein Wort: Deutsche Bank", 8 Beiträge zum Thema, 30.07.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 818, diverse Beiträge, 25.11.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 825, "Skandale in der Finanzbranche: Banker bedrohen das Wirtschaftssystem", 05.12.2013), hier (Standpunkt-Ausgabe 845, "Finanzindustrie - Organisierte Kriminalität?", 04.01.2014), hier (Standpunkt-Ausgabe 922,  "Derivate-Junkie Deutsche Bank: Weltweit die Nr. 1", 10.05.2014) und hier (Standpunkt-Ausgabe 1009, diverse Beiträge, u. a. "Neustart Deutsche Bank" und "Neuer Chef, alte Probleme", 20.06.2015). Alle Beiträge und Kommentare sind bis heute höchst aktuell, nichts davon müssen wir korrigieren oder gar zurücknehmen! 

Und die Politik kann nicht behaupten, sie habe von den gigantischen Problemen der Bank(en) nichts gewußt. Schon Mitte 2012 haben wir das "Desaster Derivatehandel" (hier) und die Folgen in der Mitte Europas bekannt gemacht: "Wir haben an Hand dieses Beitrags eine Reihe von Politikern in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und im Europaparlament informiert. Außerdem alle Redaktionen deutscher Tageszeitungen, zusätzlich auch ARD und ZDF. Mit einem vorhersehbaren Ergebnis: Eine Hand voll Politikerbüros hat sich gemeldet und versichert, man kenne die Problematik und werde sich darum kümmern. Alle anderen haben geschwiegen. Ausnahmslos alle sind bis heute durch völlige Untätigkeit auf gefallen." (aus: Standpunt-Ausgabe 620, Kommentar zu dem Beitrag "At $72.8 Trillion, Presenting The Bank With The Biggest Derivative Exposure In The World (Hint: Not JPMorgan)", hier). Mit einer Ausnahme: Die Linke Sahra Wagenknecht ist in den folgenden Wochen damit durch den Bundestag und die diversen deutschen Talkshows getingelt. Parlamentarische Arbeit zu diesem Thema stand offensichtlich nicht auf ihrer Agenda. Jedenfalls ist sie uns nicht aufgefallen. Schade.


Quelle: toonpool.com

 
Wir haben für dieses Thema akribisch recherchiert und mehr als 200 Beiträge zusammengetragen. Zu viele, um sie auf einen Rutsch zu verarbeiten. Beiträge auszusortieren war für uns keine Option, vielmehr möchten wir das mediale Schauspiel um die Deutsche Bank eingehend analysieren. Nur so können unsere LeserInnen die Rolle der heimischen Qualitätsjournalisten bei der vermeintlichen Rettung - und die spätere finale Krise der Bank - richtig einordnen. Zur besseren Übersicht haben wir unsere Analyse geteilt.

Selbstverständlich bleibt die Mehrzahl der Berichterstatter- und KommentatorInnen hierzulande ihrer regierungsfreundlichen Linie treu, Deutschlands ehemalige Vorzeige-Bank, "Kopf" der früheren Deutschland-AG, in all ihrem offenkundigen Elend so gut es geht schönzuschreiben. Aus einem einzigen Grund: Die Deutsche Bank muss demnächst gerettet werden, allen Dementis zum Trotz. Um jeden Preis, koste es, was es wolle! Das ist alternativlos - also ganz im Sinne von Angela Merkel. Gleichzeitig wird der Öffentlichkeit ein Lehrstück "marktkonformer Demokratie" geboten, höchstes Ziel Merkel'scher Politik und Ausdruck ihres geradezu vorbildlichen Demokratieverständnisses seit 2011 (hier).  Das hinlängliche Motto für diese Rettungstat hat der STERN in seiner Ausgabe 41, vom 06.10.2016, auf Seite 21 mit der folgenden Karikatur - wie wir finden - treffend dargestellt:

Quelle: stern, vom 06.10.2016


Die mediale Kampagne pro Deutsche Bank läuft von Anfang an wie geschmiert. Das HANDELSBLATT schlagzeilt am 16.09.2016 für seine internationalen LeserInnen "Deutsche Bank in New Existential Crisis" und lässt gleich schon eine Bombe platzen: "German financial officials reacted with shock and dismay to the leaking of a U.S. government demand for a $14 billion fine against Deutsche Bank, which may ultimately need a state bailout to pay the bill." Mehr hier. Die folgende Grafik aus dem Beitrag zeigt, die Bank befindet sich in "bester" Gesellschaft: 




Sofort rührt sich Widerstand. Der FOCUS kontert: "Deutsche Bank als Prügelknabe - US-Regierung mit 14-Milliarden-Drohung: Ist das die Rache für Apple?". Die Einleitung: "Die 14-Milliarden-Drohung der US-Regierung gegen die Deutsche Bank sorgt für Spekulationen - wird das Geldhaus in einem politischen Konflikt mit der EU instrumentalisiert? Das Institut sollte den Ball im Streit mit der US-Justiz besser flach halten, raten Experten." Mehr hier. Einer eindeutigen Antwort enthält sich der Beitrag, was nicht weiter verwundert: "Die Bank sei angesichts ihrer zahlreichen Vergehen nicht unschuldig daran, dass sie sich zum 'Boxsack der Regulierer' entwickelt habe" zitiert der Beitrag die NEW YORK TIMES aus 2015. Die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN verstärken am gleichen Tag abends noch diesen Eindruck: "Nach EU-Strafe für Apple: USA nehmen sich Deutsche Bank vor". Der Vorspann: "Die Aktie der Deutschen Bank ist wegen Drohungen des US-Justizministeriums unter hohen Druck geraten. Dieses fordert eine Strafe von 14 Milliarden Dollar für Vergehen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Einige Beobachter erkennen darin eine Vergeltungsmaßnahme für die hohe Milliardenstrafe, welche die EU kürzlich gegen Apple ausgesprochen hatte." Mehr hier. DIE WELT vermutet "Deutsche Bank: Milliardenschlacht zwischen EU und USA". Weiter heißt es dort: "Die Antwort der US-Regierung an die Adresse Europas ließ nicht lange auf sich warten. Ende August hatte US-Finanzminister Jacob Lew relativ unverblümt Vergeltungsmaßnahmen angekündigt für den Fall, dass die EU-Kommission den US-Giganten Apple zu einer Steuernachzahlung in Milliardenhöhe verdonnern würde. Man werde 'weiterhin mögliche Antworten prüfen, sollte die EU-Kommission ihren derzeitigen Kurs fortsetzen', ließ Lew damals unmissverständlich wissen." Mehr hier. Natürlich spricht sehr viel für die Einschätzung, dass es sich um ein Revanchefoul der Amerikaner handelt. Die Bank reagiert darauf gewohnt arrogant. In dem FOCUS-Beitrag heißt es: "Durch den Erfolg von Bankenkritikern wie Bernie Sanders stehe die Justiz unter hohem Druck, rigoros durchzugreifen. Umso unverständlicher sei, dass die Deutsche Bank mit aggressiven Ansagen einen Machtkampf riskiere. Die Bank hatte in einer sehr deutlich formulierten Mitteilung angekündigt, nicht annähernd die geforderte Summe zu zahlen." 

Quelle: paolo-calleri.de


Diese Aussage lässt eigentlich nur zwei Schlüsse zu: Die Bank erwartet eine deutliche Reduktion der europäischen Steuernachforderung an Apple, oder sie hält sich für unangreifbar - wenigstens noch für eine ganze Weile. Ersteres steht in den Sternen, bleibt nur die zweite Möglichkeit übrig. Zu diesem Zeitpunkt hält sich Angela Merkel noch bedeckt und überlasst das Feld anderen. Ruhe kehrt nicht ein. Wir haben für unsere LeserInnen eine kleine Auswahl zusammengetragen:   

Anderswo in Europa hält man sich nicht lange mit der Vorrede auf, sondern kommt gleich auf den Punkt. ZERO HEDGE meldet am 19.09.2016: "Italy's PM Unloads On Deutsche Bank's Unfixable Problem: 'Hundreds And Hundreds Of Billions Of Derivatives'". Ein Auszug: "Still, Deutsche Bank's 'derivative problem' was largely ignored by the 'experts' because why bring attention to something which is fundamentally a devastating break in the narrative that 'Europe is fine' and the financial crisis is contained. Fast forward to today when Europe is once again not fine, only this time one can't blame Europe's problems on Greece or Brexit, when in a surprising admission of reality, none other than Italy's prime minister Matteo Renzi, 'went there" and slammed Deutsche Bank as the true "derivative problem' facing Europe. (...) Specifically, Renzi told reporters in New York that Weidmann needed to solve the problem of German banks which had "hundreds and hundreds and hundreds of billions of euros of derivatives" on their books." Die Sorgen des italienischen Premierministers sind berechtigt. Wir zitieren noch einmal aus dem Beitrag: "Then again, it's more than just Deutsche Bank's problem; more than just Germany's problem. If something bad happens to DB, it is Europe's problem." Mehr hier. Warum, zeigt die folgende Grafik aus dem Beitrag: 



Trotz der wundersamen Reduktion des Derivate-Exposures der Bank von zuletzt mehr als 50 Billionen auf "nur noch" 42 Billionen Euro bleibt die Deutsche Bank eine "finanzielle Massenvernichtungswaffe" ("Derivatives are financial weapons of mass destruction", Warren Buffett am 04.03.2003(!) bei BBC NEWS, hier. Damals hierzulande u. a. vom HANDELSBLATT (hier) und der WELT (hier) aufgegriffen. Buffett hat auf diese Gefahr erst jüngst wieder hingewiesen: "Warren Buffett issues a fresh warning about derivatives 'timebomb'" titelte am 01.05.2016 der britische TELEGRAPH, hier) - nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt. Die folgende Grafik veranschaulicht noch einmal die tödlichen Verbindungen: 


Quelle: fuw.ch


Verständlich, dass die Amerikaner diese Gefahr im eigenen Haus lieber ignorieren. Sie haben selbst genug Probleme, ihre Großbanken sind maßgeblicher Teil dieser Zockerei. Geradezu dankbar nimmt ZERO HEDGE am 21.09.2016 den HANDELSBLATT-Beitrag vom 16.09.2016 auf und meldet "Deutsche Bank May Ultimately Need A State Bailout" (hier). Es verbreitet sich in US-amerikanischen Blogs wie ein Lauffeuer. Der "Analyst" unter Amerikas Bloggern, Reggie Middleton von VERITASEUM, macht sich derweil so seine Gedanken über eine "Lösung". Sein erster von mehreren Beiträgen zum Thema: "An Analysis of Deutsche Bank's Likely Recapitalization - German Tax Payer Bailout or German Bank Depositor Bail-in?". Seine Einleitung: "Deutsche Bank is going to need some money, and it's going to need some quite soon. The next two or three articles that I write will focus on why there is such a need. In a concerted effort to reduce or potentially eliminated the risk of taxpayer-funded bailouts of European banks, the EU implemented a new “bail-in” regime beginning on January 1, 2016. As such, new rules require banks and certain systemically significant market participants in EU member states to write-down, cancel, convert into equity or otherwise modify certain unsecured liabilities if such steps are required to recapitalize the institution. What are the most bountiful unsecured liabilities of a bank?" Leider ein Beitrag nur für Hardcore-Experten. Zum Derivate-Exposure der Bank finden sich jedoch einige informative Aussagen. Wir zitieren: "More than 50% of the total derivative contracts are going to be matured within 1 year and more than 80% within 5 years. So, in the current sluggish economic environment it is quite possible that Deutsche Bank will experience some losses in their derivative exposure as most of their counterparties having higher degree of exposure are in Europe and The USA. And this will impact the financial conditions of their counterparties also." Ergänzend dazu eine Übersicht aus dem Beitrag:




Mehr hier. Wer sich für einen Hardcore-Experten hält, über hinreichende Englischkenntnisse verfügt und ganz tief einsteigen möchte, der findet über diesen Link auch zu den weiteren Beiträgen von Reggie Middleton zum Thema. 

Während Angela Merkel eisern schweigt, rätselt Amerika weiter über eine "Lösung". Wie erwartet, hat sich ZERO HEDGE terriergleich längst in die Sache verbissen. Die Frage dort am 20.09.2016: "Could Germany Ever Allow Deutsche Bank To Go Under?". (Wohlgemerkt, die Diskussion über den Zustand der Bank und die Folgen der 14-Milliarden-$-Strafe hat zu diesem Zeitpunkt gerade erst begonnen!) Aus der Einleitung: "Deutsche Bank, one of Europe’s behemoths, is in very deep trouble having lost 90% 0f its share price value since 2007, has been falling sharply all this last year (48% loss this year) and, with its $42 Trillion in Derivatives exposure was singled out by the IMF, as the bank which, 'appears to be the most important net contributor to systemic risks '. Of course Deutsche agues the standard 'derivatives-aren’t-a-problem' line, that this 42 trillion all nets out and their real exposure is a fraction of that vast figure. Which is fine as long as you think that in the event of Deutsche coming unstuck, 42 trillions-worth of derivatives contracts can be held in abeyance for the time it would take for all those contracts to be netted out.  As I’ve said before netting out is akin to getting a rowing boat full of people to all change places  without the boat overturning. (...) Deutsche cannot pay $14 billion without raising a great deal of cash. Deutsche has put aside $5.5 billion for paying fines. A mere 9 billion short. So could Deutsche go down? Financially yes it could. But politically, I doubt it. And it’s the tension between these two answers, between the parlous financial state and the huge political significance of Deutsche, that I find interesting." Mehr hier. Eine sehr aufschlussreiche Analyse, mit einigen bemerkenswerten Feststellungen. Von denen wir eine an dieser Stelle zitieren: "Imagine the German government decides that not bailing out Deutsche just inflicts too much damage on Germany – potentially reducing Germany from the front rank of globally significant nations to  something lesser. It becomes a matter of national pride if not of survival." Lohnende Lektüre, verständlich geschrieben. 

Als nächstes hört ZERO HEDGE schon die Flöhe husten. "German Politicians Are Getting Nervous About Deutsche Bank" lautet die Schlagzeile am 22.09.2016. Aus der Einleitung: "Just a few short days after Germany's premier financial publication Handelsblatt dared to utter the "n"-word, when it said that in the aftermath of last week's striking $14 billion DOJ settlement proposal, 'some have even raised the possibility of a government bailout of Germany’s largest bank, which would be a defining event and a symbolic blow to the image of Europe’s largest economy', German lawmakers are finally starting to get nervous. According to Bloomberg, Deutsche Bank’s suddenly troubling finances, impacted by the bank's low profitability courtesy of the ECB's NIRP policy as well as mounting legal costs courtesy of years of legal violations, 'are raising concern among German politicians.' At a closed session of Social Democratic finance lawmakers on Tuesday, Deutsche Bank’s woes came up alongside a debate over Basel financial rules. Participants discussed the U.S. fine and the financial reserves at Deutsche Bank’s disposal if it had to cover the full amount." Mehr hier. Glaubt man dem Nachrichtensender N-TV, war noch ein anderer nervös: "Bank-Chef Cryan soll angefragt haben - Merkel schließt Hilfe für Deutsche Bank aus" meldet N-TV am 24.09.2016 online. Der Vorspann: "Die von den USA geforderte Strafzahlung über 14 Milliarden Euro von der Deutschen Bank macht der Bundesregierung Sorgen. Doch Merkel will die Bank auf keinen Fall retten - weder mit Geld noch mit diplomatischer Hilfe." Mehr hier. Das ist doch mal eine Ansage. Leider ähnlich glaubwürdig wie "die Spareinlagen sind sicher" (hier). Wertloser Politiker-Sprech, mehr nicht. Placebos, zur Beruhigung der Menschen. Eine (wahl)taktische Aussage. Das politische Berlin hofft noch darauf, dass dieser Kelch bis nach der Bundestagswahl 2017 an ihm vorübergeht. Im Anschluß daran stellt Mish Shedlock bei ZERO HEDGE eine wichtige Frage: "Merkel Rules Out Bailout For Deutsche Bank: Depositor Bail-In Coming Up?" Nachdem er alle Risiken noch einmal aufgezählt hat, fällt am Ende seine Antwort denkbar knapp aus: "Depositors beware!" Mehr hier. Währenddessen unterstreicht die Bundesregierung ihre Haltung. Die Nachrichtenagentur REUTERS meldet am 26.09.2016: "Regierung weist Spekulationen über Hilfe für Deutsche Bank zurück". Nach dem üblichen Blabla kommt der Regierungssprecher auf den (wunden) Punkt. Angela Merkel stützt ihre Ablehnung von Staatshilfen nämlich nur auf eine wachsweiche Annahme: "Zu den laufenden Gesprächen von Vertretern des Geldinstituts mit den amerikanischen Justizbehörden sagte Seibert, die Bundesregierung wisse, dass sich das US-Justizministerium mit anderen Kreditinstituten in der Vergangenheit auf Vergleiche geeinigt habe. Die Bundesregierung gehe davon aus, 'dass auch hier ein faires Ergebnis erzielt wird'." Mehr hier. Sehenswert auch der Ausschnitt aus der Presekonferenz, hier.  DIE WELT macht sich derweil schon echte Sorgen: "Deutsche Bank: Merkels Schweigen macht sie zu 'Heuschrecken'-Futter". Der Vorspann: "Angela Merkel hält sich bedeckt. Es gibt kein offizielles Statement, keine öffentliche Solidaritätsadresse. Dabei steht mit der Deutschen Bank das wichtigste Geldhaus des Landes unter Dauerbeschuss. Selbst die Milliardenforderung aus Washington, die eine Strafzahlung von umgerechnet 12,5 Milliarden Euro für windige US-Hypothekengeschäfte der Bank in den Jahren 2005 bis 2007 vorsieht, kann die Kanzlerin bisher nicht aus der Reserve locken. Dabei hat sich Berlin bei früheren Gelegenheiten nicht sonderlich lange bitten lassen, um sich zugunsten nationaler Interessen zumindest verbal einzumischen." Mehr hier.

In den USA nimmt man diese Vorlage dankbar an. Wolf Richter titelt auf WOLFSTREET: "Deutsche Bank in Free Fall. Shares, CoCo Bonds Plunge. Merkel Gives Cold Shoulder on Bailout. Bank Denies Everything" (hier). ZERO HEDGE legt nach: "Deutsche Bank Stock Plunges To All Time Low After Merkel Rules Out State Bailout; Default Risk Surges" (hier). Die US-Nachrichtenagentur BLOOMBERG titelt: "Deutsche Bank Slumps as Investors Question Lender’s Health". Weiter heißt es dort: "Deutsche Bank AG shares dropped to a record low and its riskiest bonds declined after a media report said the German government wouldn’t step in to back the lender, fueling investor concerns about its weakened finances." Mehr hier. Oder BLOOMBERG's Ausblick auf 2017: "Deutsche Bank Returns to Haunt Merkel in an Election Year". Die Einleitung des Beitrags erinnert an ein pikantes, längst vergessenes Detail: "In April 2008, as the global financial crisis was brewing, Angela Merkel hosted a 60th birthday reception in her Berlin chancellery for Deutsche Bank’s then-chief executive Josef Ackermann. Eight years later, her government is doing its best to keep Germany’s biggest bank at arm’s length." Mehr hier

Während hierzulande von den Leitmedien der Eindruck verbreitet wird, die Reduktion der Strafe durch das US-Finanzministerium auf bescheidene 3 - 5 Milliarden US$ sei nur reine Formsache, schätzen US-Medien die Situation anders ein. THE STREET titelt "Why it won't be easy for Deutsche Bank to cut down $14 billion U.S. fine". Aus der Einleitung: "It's not going to be easy for Deutsche Bank to tear up the recent $14 billion civil charges levied by the Justice Department: Its role in the never-ending 'Big Short' saga is not as minor as some of its banking peers." Mehr hier. Und NAKED CAPITALISM schlagzeilt "Deutsche Bank Unlikely to Get Much of a Break From the DoJ’s $14 Billion Mortgage Fine Target". Ein Ausschnitt: "By way of background, the Wall Street Journal reported that it was seeking a settlement of $14 billion with Deutsche Bank for mortgage-related abuses. The Journal also noted that the bank’s thinking was that it should pay only $2 or $3 billion. The day after the story broke, the German bank took the unusual step of saying no way would it pay anything close to $14 billion. That seemed like an unwise move, particularly since in the JP Morgan and Bank of America settlements, there were also leaks about the amount the government was seeking, and the final deals came in not all that much lower than the figures bruited about in the press." Mehr hier.  

Gleichzeitig gerät die Bundesregierung durch die vielfältig geäußerten Zweifel an der Solvenz der Bank erheblich unter Druck. Frances Coppola vom US-Magazin FORBES beschäftigt sich mit der Frage "Deutsche Bank: A Sinking Ship?". Ihre Antwort: "(...) no-one seriously believes that there would be a disorderly failure. The world learned its lesson with Lehman Brothers. Never again will a systemically-important bank be allowed to collapse. Deutsche Bank is much larger than Lehman, and far more interconnected: in July, the IMF named it as the world’s most systemically important bank. Nonetheless, whether Deutsche Bank survives – and if it does, in what form – is ultimately a political decision. If the flagship is too important to lose, the German government will no doubt facilitate a rescue. But the political imperative may be to prove to the world that no bank is too big to fail. If so, then Deutsche Bank will sink gently into oblivion, and the vultures will pick its bones clean." Mehr hier. Ebenfalls sehr informativ der Beitrag von Daisy Luther: "Deutsche Bank Is Going Under: Is The Real Reason Germans Were Told To Prepare For A National Crisis?", gefunden bei LEW ROCKWELL. Eindeutig schon Ihre Einleitung: "There is a very real possibility that Deutsche Bank is going down. If the most prominent bank in Germany fails, the effect on Europe will be profound, and I don’t think the United States will escape the effects. The ripples will turn into a tsunami as they travel across the Atlantic." Der Beitrag bietet viele interessante Links. Die Autorin setzt auf eine Rettung der Bank, durch wen auch immer. Zum Schluss hat sie nur einen Ratschlag: "Don’t wait until it’s too late." Mehr hier

Völlig entspannt meldet N-TV am 28.09.2016: "Keine Panik! Die Deutsche Bank ist nicht Lehman Brothers". Zum Beweis stellt der Autor eine gewagte These auf: "Die Deutsche Bank steckt in einer Existenzkrise. Vor dem unmittelbaren Zusammenbruch steht sie nicht. Denn das Finanzsystem ist viel sicherer als vor dem großen Crash von 2008." So, so, das Finanzsystem sei heute viel sicherer als zu Zeiten der Lehman-Pleite - diesen Nonsens hat sonst niemand verbreitet. Dazu passt auch das Fazit: "Bei allen Unterschieden haben Deutsche Bank und Lehman durchaus eine Gemeinsamkeit – sie sind im Größenwahn viel zu schnell und viel zu weit gewachsen. Doch im Gegensatz zu Lehman hat die Deutsche Bank eine Zukunft. Sie muss dafür aber kräftig schrumpfen – und sich von dem Anspruch verabschieden, ein Global Player zu sein." Mehr hier. Erschreckend einfältig. 

Viel besser - weil informativer - macht es da ZERO HEDGE mit dem Beitrag "Deutsche CEO Goes Full 'Dick Fuld': Bailout 'Out Of The Question' Sees 'Few Risks... Comfortable Liquidity' - Will John Cryan's name go down in the annals of financial history lore alongside Erin Callan, Joe Gregory, and Dick Fuld?". Und liefert außerdem einen bedenkenswerten Schluss: "So who blinks first? The ECB - knowing the collateral chains that will snap. The Bundesbank - knowing their entire banking system is at risk. The German government - knowing it's over for them if DB depositors have to take a haircut... Or Brussells - who know the entire EU plan is teetering is done if anything but the 'rules' are applied to Deutsche. For now, there is one thing for sure - the market will press for one of these players to be forced to make decision." Mehr hier. ZERO HEDGE sieht sehr wohl Parallelen zu Lehman Brothers, wie der folgende Chart zeigt: 

Quelle: zerohedge.com

Wenig nützlich, versucht sich die ZEIT in dem Beitrag "Der große Kater" an einer Bestandsaufnahme aller jahrelangen Fehler der Deutsche Bank-Chefetage. Die Einleitung: "Sie hat gezockt und sie hat sich verzockt: Die Deutsche Bank wollte London und die Wall Street erobern, nun gibt es Gerüchte über Staatshilfen." Mehr hier. Wenig überraschend, spielt ihre führende Rolle im weltweiten Derivatehandel dabei keine Rolle. Über die damit verbundenen billionenschweren Risiken schweigt man sich lieber aus.

Der ZEIT fällt in diesem Getümmel die Rolle zu, einen Versuchballon zu starten: "Bundesregierung bereitet Notfallplan für Deutsche Bank vor" meldet die Zeitung am späten Vormittag des 28.09.2016. Der Vorspann lässt keine Zweifel offen: "Trotz aller Dementi: Beamte arbeiten nach Informationen der ZEIT an einem Notfallplan für das größte deutsche Geldinstitut. Auch Staatshilfen könnten gezahlt werden." Angst vor der eigenen Courage? Jedenfalls dürfen die Dementis von Regierungssprecher und Bank-Chef nicht fehlen. Mehr hier. Bei N-TV liest sich das so: "Wirbel um Deutsche Bank - Regierung dementiert Rettungsplan-Bericht". Dort heißt es: "Ex-Deutsche-Bank-Chef Ackermann hätte sich bei der Annahme der Staatshilfe geschämt. Nun soll es einem Bericht zufolge nicht mehr unmöglich sein. Doch die Bundesregierung reagiert umgehend und spricht von einer 'falschen Meldung'." Mehr hier. Jetzt meldet sich auch die Bundesbank zu Wort. Natürlich nur, um die Diskussion einer möglichen Rettung mit Steurgeldern zu entspannen. DIE WELT titelt: "Deutsche Bank: Bundesbank warnt vor 'Zombiebanken'". Die Aussage: "Nach der Milliardenstrafe für die Deutsche Bank warnt die Bundesbank davor, das Institut mit Staatsgeldern zu retten." Mehr hier. Eine erstaunliche Einlassung, vor dem Hintergrund der im Mai 2014 von der EU beschlossenen Bankenunion. Deren Kern ist ein Bail-in, die Beteiligung von Aktionären und Gläubigern zur Rettung maroder Banken. 

Bis dahin zurückhaltend, beschäftigen sich nun auch unsere österreichischen Nachbarn mit der deutschen Bank-Krise. DER STANDARD betitelt einen kleinen Beitrag: "Deutsche Bank: Märkte zittern vor dem Lehman-Gespenst". Immerhin findet das Derivaterisiko bereits im Vorspann Erwähnung: " Derivatevolumen, das 14-mal so groß ist wie die deutsche Wirtschaftsleistung, lässt die Märkte vor einer Verschärfung der Krise bei der Deutschen Bank zittern - derstandard.at/2000045092503/Deutsche-Bank-und-das-Lehman-GespenEin Derivatevolumen, das 14-mal so groß ist wie die deutsche Wirtschaftsleistung, lässt die Märkte vor einer Verschärfung der Krise bei der Deutschen Bank zittern". Mehr hier.  

Jetzt ist es an der Zeit, dass die einschlägigen Institutionen konzertiert auf die Bremse treten. ZERO HEDGE schlagzeilt dazu: "Deutsche Denial Tsunami Begins: Draghi 'Not ECB Fault', IMF 'Solid Base'". Und bringt es in der Einleitung herrlich einfach auf den Punkt: "It is becoming very clear that the Deutsche Bank debacle is getting very serious. How do we know? Simple - everyone is denying everything." Wunderbar auch das Zitat von Madame Lagarde: "Deutsche Bank is a systemic important player in the global financial system. But, is on a solid base currently, and we are not at a stage in which I see the need for a government intervention." Mehr hier. An dieser Stelle lassen wir uns genüsslich auf der Zunge zergehen, was der IWF, dessen Chefin Madame Lagarde ist, erst im Juni 2016 festgestellt hat: "Deutsche Bank Poses The Greatest Risk To The Global Financial System", ZERO HEDGE, 29.06.2016, hier. Nur ein weiteres Beispiel dafür, wie die Öffentlichkeit ständig -druckreif ausgedrückt - "hinters Licht geführt" wird. 

Bereits 2010 befand die japanische Finanzaufsicht, die Deutsche Bank sei die "wichtigste Bank" der Welt. Damit ist sie noch vor den "Kollegen" Goldman Sachs und JP Morgan Chase in den USA "Die gefährlichste Bank" der Welt, schlagzeilt am 30.12.2010 die BERLINER ZEITUNG (hier). Zwei Jahre später, am 02.11.2012 meldet die WELT: "Too big to fail - Deutsche Bank zählt zu vier gefährlichsten Banken". In der Einleitung heißt es: "Die Bankenaufseher haben eine Liste der systemrelevanten Geldhäuser veröffentlicht, die "too big to fail" sind. Ausgerechnet die Deutsche Bank wurde dabei in die höchste Kategorie eingestuft." Mehr hier.

Ein Jahr zuvor, im Frühjahr 2011, war bereits abzusehen, was die Bank heute endgültig einzuholen beginnt: "US-Senat rechnet mit Deutscher Bank ab" titelt damals SPIEGEL ONLINE. Die Amerikaner finden klare Worte: "'Eine Schlangengrube voller Gier, Interessenkonflikte und Missetaten' - mit scharfen Worten prangert ein US-Senatsausschuss die Rolle der Banken in der Finanzkrise an. Auch die Deutsche Bank wird gebrandmarkt: Ein ganzes Kapitel widmet sich ihren riskanten Hypothekengeschäften." Mehr hier

An dieser Stelle empfehlen wir unseren LeserInnen wärmstens den Beitrag "Wie die Deutsche Bank Anstand vorlebt" des Politikberaters Michael Spreng zur Lektüre, den er am 16.12.2012 auf seinem Blog SPRENGSATZ veröffentlicht hat (hier). 

Abschließen möchten wir den ersten Teil des Themas "Deutsche B(l)ank?" mit dem Hinweis auf einen Beitrag von Wolfgang Hetzer, erschienen in dem Fachblatt DIE KRIMINALPOLIZEI, im März 2014. Hetzer beschäftigt sich mit der Frage "Ist die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung?" (hier). 

Wir haben unser Urteil längst gefällt... 

Quelle: mengede-intakt.de