Freitag, 4. November 2016

Standpunkt 1026: Nachrichtenticker, 03.11.2016



Wir unternehmen heute einen weiteren Anlauf, den Ende April im Standpunkt 1014 angekündigten "Neuanfang" zu versuchen. Aus unterschiedlichen Gründen war es uns nicht gelungen, das sicherlich ambitionierte Vorhaben anschließend auch in die Tat umzusetzen. Dafür bitten wir um Verständnis. Und geloben Besserung.

Trotzdem haben wir tagtäglich die Entwicklungen im weltweiten Finanzcasino genauso gründlich beobachtet wie den Niedergang der Weltwirtschaft und das dauernde Versagen der Politik und ihrer Institutionen.

Sporadisch haben wir uns danach zu Wort gemeldet und wichtige Themen aufgegriffen. Im Mai zum absehbaren Bargeldverbot, Teil 1 (hier), Teil 2 (hier). Bereits im Juni haben wir dazu ein Update veröffentlicht (hier); außerdem uns mit Goldverbot (hier) und Brexit beschäftigt: Teil 1 (hier), Teil 2 (hier). Teil 2 zum Goldverbot erschient noch im November. Im August war unser Thema der Bankenstresstest (hier). Im September haben wir uns mit den Büchern von Weik & Friedrich beschäftigt (hier) und dem Giftmischer Monsanto (hier). Zuletzt war die Deutsche Bank an der Reihe: Teil 1 (hier).

Jetzt, im November 2016, kehren wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurück: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Wir entlarven die Propaganda der regierungstreuen Leitmedien und geben Denkanstösse zur eigenen Meinungsbildung. Das Feedback unserer LeserInnen in den vergangenen Jahren bestätigt uns.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich. 

Leider müssen wir dafür häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Wir bitten dafür um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns die Zeit.

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.


Unsere Themen heute: Schäuble vs. Briefkastenfirmen - Brexit - US-Wirtschaft 2016 (5 Beiträge) - China


Briefkastenfirmen: Schäuble verschärft Kampf gegen Steuerbetrug  
(wiwo.de) Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geht schärfer gegen Steuerbetrug über Briefkastenfirmen vor und setzt damit Vereinbarungen mit den Ländern um. Der dürfte in der Wirtschaft für Diskussionen sorgen. Mehr... 

Kommentar: Oho, jetzt wird aber mit aller (politischer) Macht zurückgeschlagen. Bundesfinanzminister Wolfgang "Gnadenlos" Schäuble erfindet neue Waffen gegen den Steuerbetrug. Was in diesem Beitrag beschrieben wird, sorgt sicherlich für öffentliche Aufmerksamkeit und wohlige Gänsehaut beim deutschen Michel. Die wirklichen Täter, allesamt bestens politisch vernetzt und deshalb längst gewarnt, schmunzeln und lassen zufrieden die Korken knallen. Von denen bringen nur noch die Dummen und/oder Dreisten ihr Geld mittels Briefkastenfirmen in Sicherheit. Spätestens seit den Panama Papers sollte aber eigentlich auch dem letzten Steuer-Trickbetrüger klar sein: Das funktioniert nicht mehr. Insofern geht Schäuble's Vorstoß gänzlich ins Leere. Und wieder verbreitet er nur Aktionismus. Vergleichbar den über viele Jahre hinweg staatlich sanktionierten Betrügereien mit Cum-Ex-Geschäften (Dividendenstripping). In Wahrheit macht er viel Wind um nichts. Wie gewöhnlich hat wahrscheinlich eine der mit den Tätern verbundenen Großkanzleien dem Bundesfinanzministerium den Gesetzestext vorgeschrieben.


Ein Urteil, das fast alles verändern wird
(welt.de) Das Parlament soll beim Brexit stärker mitreden. Das wird den EU-Austritt wohl nicht aufhalten. Sonst aber wird es viele Dinge grundlegend verändern - mindestens drei Punkte sind entscheidend. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Wirklich? Alles rumeiern der britischen Seite in den vergangenen Monaten lässt nur einen Schluss zu: Die "eiserne Lady" Theresa May sucht mit allen Mitteln einen Ausstieg aus dem Brexit. Natürlich muss alles bestens orchestriert und politisch für die Tories so schmerzfrei wie möglich über die Bühne gehen. Gut möglich, dass am Ende mit Brüssel eine Vereinbarung unterzeichnet wird, der London immer noch das Etikett "Brexit" aufkleben wird. Die ursprünglichen Forderungen der Brexit-Befürworter werden sich in einem solchen Vertrag nicht wiederfinden. Dieses Urteil liefert jedenfalls einen wichtigen Baustein für den "Ausstieg aus dem Ausstieg".

Quelle: cicero.de

Bei HEISE/TELEPOLIS geht es im Zusammenhang mit der Entscheidung der Londoner Richter um die Frage, steht der "Brexit auf der Kippe?". Aus der Einleitung: "Die Gegner eines Brexit feiern das Urteil des High Court. 'Brexit means Brexit' sagte die Regierungschefin Theresa May in ihrer Antrittsrede vor drei Monaten, doch diese Aussage gerät mit dem Urteil der drei Richter nun ins Wanken. Sie haben festgestellt, dass "das Parlament souverän ist", das sei der 'oberste Grundsatz der britischen Verfassung'. Also kann die Regierung nicht einfach Gesetze über das Parlament hinweg verändern oder kippen. Das trifft auch auf das formelle Austrittsgesuch aus der Europäischen Union zu, Referendum hin oder her." Mehr hier. Erstaunlicherweise bleibt der Autor eine eindeutige Antwort schuldig. Aber lesen Sie selbst. 

Wir haben seit dem Votum mehr als 300 Dateien zum Thema "Brexit" gesammelt, die wir demnächst in einem längeren Blog-Beitrag verarbeiten, d. h. analysieren und bewerten werden. Soviel ist heute bereits sicher: Das Ergebnis wird unsere LeserInnen überraschen.


NYC Homelessness Surges To The "Highest Levels Since The Great Depression"
(zerohedge.com) With each passing week the level of homelessness in New York City continues to surge to new record highs. In fact, the number of homeless people checking into NYC shelters each night is up 85% just since 2010 and currently stands at the highest level since the Great Depression of the 1930s. Ironically, the increase in homelessness experienced during the "great recession" of 08/09 was just a blip on the radar compared to the past five years as residential rental rates in NYC have soared. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Es ist eine Schande. Damit meinen wir nicht die Zustände in New York und so ähnlich in anderen Städten der USA; das ist eine Tragödie. Eine Schande ist es, wie uns von den Referenzmedien hierzulande schon seit Jahren Monat für Monat erklärt wird "in Amerika ist alles besser" und Europa wäre im Vergleich dazu weit im Hintertreffen. Bei diesem Kokolores hat jetzt ausgerechnet der von uns bisher sehr geschätzte Thomas Fricke mit seinem Kommentar "Obamas Wirtschaftswunder" sprichwörtlich den berühmten Vogel abgeschossen. Das Vorwort: "Je näher der Abschied rückt, desto klarer wird, wie vorbildlich Barack Obama sein Land aus der Wirtschaftskrise geholt hat. Ein Lehrstück für künftige US-Präsidenten - und für deutsche Stabilitätsapostel." Einen Absatz später wird es richtig makaber. Da behauptet er allen Ernstes, "dass der Präsident hier sogar ein kleines Wunder vollbracht hat - gemessen an dem, was nach dem historischen Finanzcrash bei seiner Wahl vor acht Jahren zu befürchten war." Fricke tut gerade so, als sei sicher, dass alles noch hätte viel schlimmer kommen können. Seine Erklärungsversuche sind einfältig, seine Schlussfolgerungen lesen sich wie eine verkappte Wahlwerbung für Hillary Clinton. Mehr hier. Wer hat ihn zu diesem Mist bloß angestiftet? 

Die USA befinden sich mindestens in einer Rezession, eher schon an der Schwelle zu einer Depression. Mehr als 93 Millionen erwerbsfähige Amerikaner ab 16 Jahre spielen in der offiziellen Arbeitslosenstatistik keine Rolle! Die Labor Force Participation Rate ist auf das Niveau der 1970er Jahre zurückgefallen. Die folgenden beiden Charts veranschaulichen die Situation aus dem September 2016: 

Quelle: zerohedge.com

Monat für Monat werden Full Time Jobs vernichtet, Anstiege verzeichnen nur die Part Time Jobs: 

Quelle: zerohedge.com

Tatsächlich hat Obama nichts getan, was sein Land wirtschaftlich wieder auf Kurs bringt. Möglichkeiten hatte er genug: "Der kaputte Riese: Die marode US-Infrastruktur" betitelt am 24.10.2016 DEUTSCHLANDRADIO KULTUR einen entsprechenden Beitrag kritisch. Für Thomas Fricke leider zu spät. Der Vorspann: "Brücken brechen zusammen, Wasserleitungen bersten, tiefe Schlaglöcher machen Straßen unbrauchbar. Amerikas Infrastruktur ist in weiten Teilen alt und wird allenfalls notdürftig geflickt." Mehr hier. Bis zum Schluss lesenswert informativ.

Aktuell möchten wir auf zwei Beiträge von ALHAMBRA PARTNERS in den USA hinweisen, die sich wie immer sehr fundiert mit der Wirklichkeit beschäftigen. Da wird fündig, wer sich ernsthaft über die dortigen Verhältnisse informieren möchte: "Weak But Not Getting Weaker" beschäftigt sich mit den "Factory Orders for All Manufacturing Industries" (hier) und "Weak But Not Getting Weaker II" mit dem Rest (hier). Außerdem noch zwei ansehnliche Schaubilder dazu: 

Nichts davon rechtfertigt die Lobhudeleien heimischer Qualitätsjournalisten. 

Zurück zu New York. Dazu möchten wir noch eine Grafik aus dem zitierten Beitrag von ZERO HEDGE zeigen, die die Entwicklung seit mehr als 30 Jahren darstellt:


Signifikant der Anstieg seit Obamas Amtsübernahme im Januar 2009.


Hochverschuldete chinesische Firmen: China ächzt unter einem Schuldenberg
(nzz.ch) Nach Ausbruch der Wirtschaftskrise nahm Peking 2008 die Staatsbetriebe in die Pflicht. Sie sollten neue Arbeitsplätze schaffen. Die Aufgabe erfüllten sie. China merkt jedoch: "There is no free lunch." Mehr... 

Kommentar: Für uns und unsere LeserInnen nichts Neues, was in diesem Beitrag beschrieben wird. Schon sehr früh haben wir an dem angeblichen chinesischen Erfolgsmodell berechtigte Zweifel geäußert.

Bemerkenswert finden wir aber, dass die Chinesen während ihrer Ausbildungsjahre im westlichen Kapitalismus auch viele Sauereien gelernt haben. Nachzulesen direkt unter der Überschrift "Wer soll denn da investieren?": "Unklar ist noch, wer als Investor infrage kommt. Eine Lösung könnte darin bestehen, dass die Geschäftsbanken notleidende Kredite verbriefen und sie im Rahmen des – ausgelagerten – Vermögensverwaltungsgeschäfts an Kunden verkaufen. Insgeheim dürfte sich dahinter die Hoffnung verbergen, dass die Produkte bei den unwissenden Kleinanlegern wegen der höheren Zinsen begehrt sein werden. Diese gehen wiederum davon aus, dass die Banken bei Verlusten dafür aufkommen müssen." Wir erinnern uns: Solche Produkte haben 2008 von Amerika aus das weltweite Finanzsystem an den Rand eines vollständigen Kollaps' gebracht! Das müssen wir nicht extra kommentieren, oder?

Stattdessen zeigen wir lieber eine Karikatur, die das chinesische Befinden sehr schön zeigt:

Quelle: globaltimes.cn

Die folgenden drei Charts aus dem Beitrag zeigen die Entwicklung und warum sich China dem nicht durch irgendwelche nützlichen Maßnahmen entziehen kann:


Corporate debt as a % of GDP (2015)

Bei dem letzten Chart finden wir übrigens bemerkenswert, an welcher Stelle sich Luxemburg befindet. Wir werden uns damit noch bei anderer Gelegenheit ausführlich beschäftigen.