Samstag, 5. November 2016

Standpunkt 1027: Nachrichten-Ticker, 04.11.2016


Wir unternehmen heute einen weiteren Anlauf, den Ende April im Standpunkt 1014 (hier) angekündigten "Neuanfang" zu versuchen. Damals war es uns nicht gelungen, das sicherlich ambitionierte Vorhaben anschließend auch in die Tat umzusetzen. Dafür bitten wir um Verständnis. Und geloben Besserung.

Trotzdem haben wir tagtäglich die Entwicklungen im weltweiten Finanzcasino genauso gründlich beobachtet wie den Niedergang der Weltwirtschaft und das dauernde Versagen der Politik und ihrer Institutionen.

Sporadisch haben wir uns danach zu Wort gemeldet und wichtige Themen aufgegriffen. Im Mai zum absehbaren Bargeldverbot, Teil 1 (hier), Teil 2 (hier). Bereits im Juni haben wir dazu ein Update veröffentlicht (hier); außerdem uns mit Goldverbot (hier) und Brexit beschäftigt: Teil 1 (hier), Teil 2 (hier). Teil 2 zum Goldverbot erschient noch im November. Im August war unser Thema der Bankenstresstest (hier). Im September haben wir uns mit den Büchern von Weik & Friedrich beschäftigt (hier) und dem Giftmischer Monsanto (hier). Zuletzt war die Deutsche Bank an der Reihe: Teil 1 (hier).

Jetzt, im November 2016, kehren wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurück: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Wir entlarven die Propaganda der regierungstreuen Leitmedien und geben Denkanstösse zur eigenen Meinungsbildung. Das Feedback unserer LeserInnen in den vergangenen Jahren bestätigt uns.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich. 

Leider müssen wir dafür häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Wir bitten dafür um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns die Zeit.

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.


Unsere Themen heute: Kriegslust im Westen (8 Beiträge) - Außenpolitik - Türkei (5 Beiträge) - Ursachen der Flüchtlingskrise - US-Arbeitsmarkt 2016 (5 Beiträge)


Britischer Verteidigungsminister erklärt Großbritannien bereit für Krieg gegen Russland  
(wsws.org) In einer Rede vor dem Verteidigungsausschuss des Parlaments erklärte der konservative Verteidigungsminister Michael Fallon, die Streitkräfte Großbritanniens wären für einen militärischen Konflikt mit Russland bereits ab dem Jahr 2018 vorbereitet. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wie krank ist das denn? Machen wir uns nicht länger etwas vor, die Friedenszeiten sind auch für Europa endgültig vorbei. Kranke PolitikerInnenhirne setzen um, was eine Hand voll Eliten sich wünscht. Dabei geht es nicht um geopolitische Machtspielchen, sondern nur um den schnöden Mammon. Wie die seit 2008 anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise ("Marc Faber Says America Will Launch More Wars to Distract from Bad Economy", 11.08.2009, WASHINGTONS BLOG, hier) ist es Teil der finalen Umverteilung der Vermögen von unten nach oben. Rücksichtlos und propagandistisch bestens vorbereitet. Dafür werden dann auch gerne Anleihen bei Goebbels und Hitler genommen. Die haben schließlich schon in den 1930er Jahren vorgemacht, wie so etwas funktioniert. 

Lesen Sie dazu den Beitrag "Kapitalismus ist Krieg", erschienen am 23.09.2003 bei HEISE/TELEPOLIS, der sich mit der Frage beschäftigt: "War der Irak-Krieg nur die konsequente Umsetzung der Wirtschaftstheorie von John Maynard Keynes?" Mehr hier. Außerdem den Beitrag von Helmut Creutz "Wirtschaftliche Triebkräfte von Rüstung und Krieg" in der ZEITSCHRIFT FÜR SOZIALÖKONOMIE, erschienen am 24.01.2007. Die Einleitung: "Alle Kriege, zumindest in unseren Zeiten, sind letztlich als Wahnsinn anzusehen. Das gilt in einem ganz besonderen Maße für jene auf dem Balkan, deren Voraussage in den 80er Jahren und auch noch unmittelbar nach der Wende in Mittel- und Osteuropa nur Kopfschütteln ausgelöst hätte. Wie aber kommt es heute noch zu solchen barbarischen Auseinandersetzungen in einer sich als zivilisiert bezeichnenden Welt? Wie kann es geschehen, dass Menschen, die über Jahrzehnte friedlich zusammengelebt haben, auf einmal einander Gewalt antun? Wie kam es zu jener mehr als zehn Jahre dauernden jugoslawischen Tragödie? Geht man diesen Fragen intensiver nach, dann stellt sich heraus, dass dieses Blutvergießen keinesfalls nur eine Folge der dortigen ethnischen Gegebenheiten war. Auch mit der wechselvollen Geschichte dieses Landes hat es nur bedingt zu tun. Vielmehr hängt es entscheidend mit bestimmten ökonomischen und monetären Gegebenheiten und Fehlentwicklungen zusammen, die auch in früheren Zeiten und an anderen Orten zu Bürgerkriegen oder grenzüberschreitenden gewaltsamen Auseinandersetzungen führten. Bevor wir uns mit diesen speziellen Gegebenheiten in Jugoslawien näher befassen, sollen darum einige Gedanken zu den angesprochenen wirtschaftlichen Gründen für Frieden oder Krieg vorausgeschickt werden." Mehr hier. In diesem Zusammenhang ebenfalls sehr aufschlußreich: "Why America Needs War", erschienen am 30.04.2003, erneut am 28.09.2016 bei GLOBAL RESEARCH (hier).

Wie Kriegspropaganda bereits Anfang des 20. Jahrhunderts - und bis heute - erfolgreich funktioniert lesen Sie in dem Beitrag "Lüge in Kriegszeiten", erschienen am 29.07.2014 bei HEISE/TELEPOLIS: "Am Beispiel des Ersten Weltkriegs formulierte Arthur Ponsonby 1928 die Strukturgesetze der Kriegspropaganda – sie gelten, wie die aktuelle Berichterstattung über die Ukraine zeigt, noch immer". Mehr hier

Seit dem Irak-Krieg ganz vorne dabei - natürlich die Briten. Da werden sich die Franzosen nicht lange bitten lassen - und die Deutschen leider auch nicht mehr. Längst hat sich Deutschlands militärische Haltung gewandelt - weg von der Verteidigung, hin zum Angriff. Die öffentliche Meinung spielt keine Rolle, die wird mit Hilfe der Leitmedien gefügig gemacht. Ein Handbuch für diese Neuausrichtung gibt es auch, das 2013 erschienene "Neue Macht Neue Verantwortung - Elemente einer deutschen Außen- und Sicherheitspolitik für eine Welt im Umbruch". Es "behandelt Deutschlands Rolle in der internationalen Ordnung und in Europa, seine strategischen Beziehungen und seine Sicherheitspolitik; für alle vier Bereiche macht es Empfehlungen." Mehr hier. Die Grundzüge der neuen deutschen Außenpolitik wurden aber bereits mehr als 10 Jahre früher festgelegt: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt", nachzulesen am 13.12.2002, bei HEISE/TELEPOLIS (hier). Nebenbei einer der Gründe für die heutige Flüchtlingskrise in Europa. 

Bei der offensichtlichen Kriegstreiberei des Westens erstaunt es doch sehr, dass die folgende Übersicht davon nichts weiß:

Quelle: zerohedge.com

Alle Beiträge liefern reichlich Nachdenkfutter...


Deutscher Thinktank fordert mehr außenpolitische Unabhängigkeit von den USA
(wsws.org) Wenige Tage vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl hat der regierungsnahe deutsche Thinktank "Stiftung Wissenschaft und Politik" (SWP) ein Papier mit dem Titel "Auch ohne Trump wird vieles anders" veröffentlicht. Es fordert eine aggressivere deutsche und europäische Außenpolitik, die "bei jedem Wahlausgang" bereit ist, ihre wirtschaftlichen und geopolitischen Ziele unabhängiger von den USA und notfalls auch gegen Washington durchzusetzen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine eigenständige Politik Europas fordern wir schon seit Jahren. Leider sehen wir dafür auf absehbare Zeit keine Chance. Washington und seine Brückenköpfe in Europa (Großbritannien und Polen an erster Stelle) verhindern die dafür nötige Einigkeit, besser auch als mehr politische und wirtschaftliche Integration zu begreifen. Den Rest erledigt Angela Merkel. Die hat verinnerlicht, was die ZEIT schon 2003 auf die Spitze treibt: "Das Glück, ein Vasall zu sein". Im Vorspann heißt es vielsagend: "Gegen das Großmachtstreben der USA hilft nur eins: Mitmachen". Mehr hier. Da haben wir einen weiteren Grund für die heutige Flüchtlingskrise in Europa. Ein Ende ist nicht in Sicht, selbst wenn Angela Merkel am Regieren die Lust verliert oder eine andere Parteienkonstellation in Berlin regiert. Deutschland bleibt politisch ein Knecht Amerikas.  


"Keine Zugeständnisse für Erdogan": Politiker fordern harten Kurs gegen Türkei
(n-tv.de) Die Festnahmen der beiden Vorsitzenden der prokurdischen HDP bringt für viele Politiker in der EU das Fass zum Überlaufen: Während der Bundesjustizminister einen EU-Beitritt der Türkei bei Einführung der Todesstrafe ausschließt, fordern seine Kollegen noch deutlichere Konsequenzen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Maulhelden, allesamt. Während Erdogan täglich Fakten schafft, salbadern Europas Politiker die Medien mit nutzlosem Zeug voll. Rückgrad? Fehlanzeige! Und so wird es bleiben. 

Ein wenig Hoffnung kommt aus dem Land selbst. Nachzulesen in dem Beitrag "Voll auf die Presse" von Cem Sey, bei INTERNATIONALE POLITIK UND GESELLSCHAFT: "Die Attacken auf die türkische Zeitung Cumhuriyet könnten ein Wendepunkt sein." Mehr hier. Nur, ohne Unterstützung von außen, sprich vom Westen, wird sich Erdogan gegen die demokratischen Kräfte in seinem Land rigoros durchsetzen. 

Die Bundesregierung lässt derweil durch die regierungsnahe "Stiftung Wissenschaft und Politik" (SWP) ihr vermeintliches Handicap erklären: "Die Ohnmacht Deutschlands gegenüber der Türkei". Die Einleitung: "Die Besonderheiten des deutsch-türkischen Verhältnisses engen den außenpolitischen Handlungsspielraum Deutschlands gegenüber der Türkei ein. Berlin kann daher ohne den Schulterschluss mit europäischen und transatlantischen Partnern keinen Einfluss auf das Land nehmen". Mehr hier

Die heimischen Referenzmedien halten sich mit ihrer Kritik wie gewohnt zurück und beschränken sich darauf, die Sprechblasen der Politiker zu wiederholen. Eine Ausnahme haben wir bei der WELT gefunden: "Merkels Politik wird zur Farce" ist dort ein Kommentar betitelt. Alles aber schon längst bekannt: "Mit dem Flüchtlingsdeal begab sich Europa in eine Abhängigkeit von Erdogan, die seine Allmachtsfantasien förderte. Jetzt wandelt sich die Türkei zur Diktatur. Das ist auch für Deutschland ein Drama." Auch das Fazit: "Mit einer türkischen Diktatur kann es keine Visum-Liberalisierung geben und schon gar keine EU-Mitgliedschaft. Wenn dies die Bedingungen des Flüchtlingsdeals sind, muss er aufgekündigt werden. Nicht von Erdogan, sondern von Europa." Mehr hier. Es wäre an der Zeit, dass Friede Springer und die Kanzlerin gemeinsame Sache machen. Schwestern im Geiste zu sein, ist einfach zu wenig. 

Was gerade in der Türkei passiert, kommt den Globalisierern aber gerade recht. Folgerichtig meldet in diesen Tagen u. a. BOERSE ONLINE: "S&P hebt Rating-Ausblick für Türkei auf stabil an". Im Vorspann heißt es: "Die Ratingagentur S&P hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der Türkei von negativ auf stabil heraufgestuft." Mehr hier. Erstaunlich: Die Wirtschaft in der Rezession, die Währung im Keller, aber S&P findet die Stecknadel in diesem Heuhaufen schlechter Aussichten. Das System funktioniert.


President Al-Assad: America, Turkey, Saudi Arabia Support and Protect Al Qaeda-ISIS-Daesh Terrorists
(globalresearch.ca) President Bashar al-Assad asserted that the United States and its Western allies are to blame for the failure of the latest ceasefire, because terrorism and terrorists are for them a card they w ant to play on the Syrian arena.
In an interview given to the Serbian newspaper Politika, President al-Assad said that Russia is very serious and very determined to continue fighting the terrorists, while the Americans base their politics on a different value as they use the terrorists as a card to play the political game to serve their ow n interests at the expense of the interests of other countries in the world.
President al-A ssad pointed out that Western countries wanted to use the humanitarian mask in order to have an excuse to intervene more in Syria, either militarily  or by supporting the terrorists.
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Kommentar/Ergänzung: Eine lohnende Lektüre für alle die begriffen haben, dass der Westen überhaupt kein Interesse daran hat, den Krieg in Syrien zu beenden. Es ist auch längst kein Stellvertreterkrieg mehr. 

Und es gibt nützliche Vorschläge dieses Blutvergießen zu beenden, kürzlich vorgeschlagen vom Erzbischof von Aleppo: "Die  5 Dinge,  die der Westen sofort tun  müsste,  um  den Krieg in  Syrien  zu beenden" (hier). Wir können uns nicht erinnern, dass irgendeine westliche Regierung oder eines unserer ehemals humanistischen Führungsmedien diese Vorschläge aufgegriffen und ernsthaft in Erwägung gezogen hätte. So etwas zu ignorieren ist nach unserem Verständnis Beihilfe zu tausendfachem Morden.  


USA=Multiple Jobholders Hits 21st Century High, As Full-Time Jobs Tumble
(zerohedge.com) While today's headline jobs print was somewhat disappointing, with the Establishment Survey missing the expected print of 173K, rising by 161K, it was offset by upward revisions to previous months. But while the quantitative headline aspect is open to interpretation, the qualitative component of the October jobs print was - just like in the case of September - all too clear: it was ugly, again. Read more... 

Kommentar/Ergänzung: Dieser und die folgenden Beiträge stützen unsere Kritik an der Schönschreibung der US-Economy durch die deutschsprachigen Leitmedien. Die Entwicklung in den USA ist ein Fiasko, für das wir Barrack "Yes We Can" Obama mit verantwortlich machen. Dieser Chart stammt aus dem Beitrag: 



Die Bestätigung für unsere gestrige Behauptung von mehr als 93 Millionen Erwerbsfähigen außerhalb der offiziellen Statistik: "People Not In Labor Force Surge By 425,000 To 94,609,000" schlagzeilt ZERO HEDGE zu den neuesten Zahlen (hier). Von dort kommt auch eine Aussage über die "Qualität" der Jobs: "Since 2014 The US Has Added 547,000 Waiters And Bartenders And Lost 36,000 Manufacturing Workers" (hier). Einen leicht verständlichen Chart gibt es ebenfalls in diesem Beitrag:



ALHAMBRA PARTNERS nennen es "The Payroll Problem" (hier) und liefert ebenfalls anschauliches Bildmaterial: 


Wir haben noch einen bemerkenswerten Beitrag von ALHAMBRA PARTNERS für unsere LeserInnen, der sich mit der Entwicklung der Produktivität in den USA beschäftigt: "One Or The Other Is Wrong, Which Means It’s All Wrong" (hier). Auch dazu gleich schon einen Chart


Zum Abschluss des heutigen Nachrichten-Tickers haben wir noch die aktuelle US-Arbeitslosenquote für Oktober 2016, unter Berücksichtigung der wahren Erwerbslosen, ermittelt von John Williams (hier):


Es sind 22,9% (hier).