Donnerstag, 10. November 2016

Standpunkt 1030: Nachrichten-Ticker, 08. & 09.11.2016


Quelle: truthdig.com


Jetzt, im November 2016, kehren wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurück: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Wir entlarven die Propaganda der regierungstreuen Leitmedien und geben Denkanstösse zur eigenen Meinungsbildung. Das Feedback unserer LeserInnen in den vergangenen Jahren bestätigt uns.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich. 

Leider müssen wir dafür häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen, die deutschsprachigen Medien lassen einfach zu viele wichtige Themen unbeachtet. Wir bitten dafür um Verständnis, dass wir eine Übersetzung der englischen Texte nicht bereitstellen können. Dafür fehlt uns die Zeit.

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.


Unsere Themen heute: US-Wahl: Der Kater danach (4 Beiträge) - Bashing Donald Trump (8 Beiträge) - Zukunft mit Donald Trump (8 Beiträge) - Bargeldverbot - Weltwirtschaft & China 


Panik in Brüssel: EU-Politiker fürchten sich vor Albtraum Trump
(heise/telepolis) Mit wem der Le Monde-Korrespondent im Machtzentrum Europas genau gesprochen hat, verrät Jean-Pierre Stroobants nicht. Seine Quellen bleiben anonym. Der Mann aus dem Brüsseler Büro berichtet von einer Angst-Stimmung in EU-VIP-Kreisen angesichts der letzten Umfragen zur US-Wahl, die Trump wieder größere Chancen einräumen.
Ein Diplomat des Europäischen Rates habe ihm gegenüber davon gesprochen, dass "einige Kollegen die Finger kreuzen und andere beten". Die Umfrageergebnisse hätten eine "Brise Panik" nach Brüssel gebracht.
Üblicherweise würden sich die "Führer der europäischen Institutionen" bedeckt halten, wenn es um ihre Präferenzen bei nationalen Wahlen ginge, doch diesmal löse die Möglichkeit eines Sieges des republikanischen Kandidaten bei den US-Präsidentenwahlen die Zungen, "zumindest im Privaten", erzählt Stroobants.
Ein der EU nahestehender Botschafter habe ihm gegenüber sogar von einer "existenziellen Bedrohung" im Falle eines Triumpfs von Trump gesprochen. Der Botschafter zweifle daran, ob die Europäische Union diese Herausforderung im Moment überstehen könnte.
Stroobants Gesprächspartner aus der EU-Kommission äußerte, dass es auch bei der Wahl Clintons zu Neuanpassungen kommen werde, weil von ihr zu erwarten sei, dass die EU mit stärkeren Forderungen bei den Verteidigungshaushalten und mit Druck bei den Handelsverträgen konfrontiert würden. Aber das sei kein Vergleich zum "Albtraum", den der Sieg ihres Rivalen repräsentieren würde.
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Kommentar/Ergänzung: Dieser Beitrag vom Wahltag macht deutlich, dass sich Europas politisches Establishment nicht nur schlecht, sondern gar nicht auf einen möglichen Wahlsieger Donald Trump vorbereitet hat. Selbstgefällig war man der festen Überzeugung, nur Hillary Clinton könne das Rennen machen. Weit gefehlt, wie das mehr als deutliche Ergebnis zeigt. Logischerweise hat Trump die Wahl in den Bundesstaaten entschieden, die Madame Clinton und ihre Entourage nicht auf ihrer Landkarte hatten. Dort leben mehrheitlich die Menschen, denen die Finanzkrise 2008 und ihre Folgen übel mitgespielt hat. Barack Obama konnte oder wollte nichts für sie tun. Was folgte beschreibt der CICERO als "Die Rache der Abgehängten". Uns gefällt auch die Einleitung: "Fast niemand hatte mit einem Präsidenten Donald Trump gerechnet. Doch der Hass auf die Eliten ist in den USA offenbar gerade in der weißen Mittelschicht größer als angenommen. Das deutet auf eine wachsende Entfremdung zwischen Politik und Bevölkerung hin, die uns auch in Deutschland blühen könnte". Mehr hier

Das MANAGER MAGAZIN versucht sich ebenfalls an einer Erklärung: "Auto- und Stahlregionen entscheiden US-Wahl: So hat Trump Amerikas Industrie-Herzkammer gestürmt". Der Vorspann: "Michigan, Wisconsin, Pennsylvania - kaum jemand hätte vor der Wahl damit gerechnet, dass Donald Trump den Demokraten diese Staaten entreißen werde. Doch mitten in der alten industriellen Herzkammer ist Hillary Clintons Firewall - die Reihe von 18 als 'sicher' geltenden Staaten - in Flammen aufgegangen. Beispiel Wisconsin: Umfragen hatten Clinton kurz vor der Wahl im Schnitt mit 5,3 Prozentpunkten vorn gesehen. Am Ende lang Trump mit etwa einem Punkt vor der Demokratin. Eine ähnliche Sensation gab es in Pennsylvania. Trump gewann ebenfalls knapp mit etwa einem Prozentpunkt Vorsprung nach einem Umfrage-Rückstand von 3 Punkten. In Michigan, dem Herz der alten US-Autoindustrie um GM, Ford und Chrysler, lieferten sich die beiden Kandidaten bis zum Nachmittag ein enges Rennen - doch auch das hatte fast niemand vor der Wahl vorhergesagt. Seit 1988 hatte kein Kandidat der Republikaner einen dieser drei Staaten gewonnen. Trumps Botschaft hat in dieser noch immer von Folgen der Finanzkrise gebeutelten Region aber jetzt offenbar ihre volle Wirkung entfaltet. Der Slogan 'Make America great again' konnte am Ende nirgendwo sonst eine derart entscheidende Wechselstimmung erzeugen." Mehr hier. In den vergangenen Monaten hat sich kaum eine unserer heimischen Referenzmedien über das Wählerpotential für den republikanischen Bewerber Donald Trump Gedanken gemacht. Das rächt sich jetzt bitter. Seit Mittwochmorgen stehen alle mit heruntergelassener Hose da - Qualitätsjournalisten und Politiker.

Einzig die Linke Sahra Wagenknecht hörte - so behauptet sie wenigstens - die Flöhe husten. Sie erklärt in diesem Interview für den SPUTNIK, "Warum Trumps Wahlsieg NICHT überrascht". Das Vorwort: "Wenn die Menschen vom Establishment die Nase voll haben, wählen sie gegen die 'gekauften Politiker', wie Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht im Sputnik-Interview sagt. Dass in den USA nun der Republikaner-Kandidat Donald Trump Präsident wird, ist für sie durchaus nachvollziehbar und zu erwarten gewesen." Mehr hier. Ihr Parteikollege Gregor Gysi hat da weniger Glück, wie ein Beitrag weiter unten zeigt. 


The Voters Who Gave Trump the White House
(bloomberg.com) Donald Trump defeated Hillary Clinton in part by building a coalition of voters who had not supported Republican candidates as enthusiastically in the past. Based on election results as of 7 a.m. Wednesday EST, Bloomberg analyzed county-level U.S. Census data to make sense of the places where Trump secured his most critical victories. Read more...

Kommentar: Die US-Nachrichtenagentur BLOOMBERG hat schnell reagiert, um dem Phänomen dieser Wahl auf die Spur zu kommen. Eine Analyse, die wir allen empfehlen, die diesem Ereignis immer noch ratlos gegenüberstehen. Alles leicht verständlich, der Beitrag "lebt" von seinen zahlreichen Schaubildern.    


Brexit hoch 5? Fünf Gründe, warum Trump schlimmer ist
(n-tv.de) Erst "Great Britain first", jetzt "America first" - Trumps Programm erinnert an das EU-Referendum Großbritanniens. Der Brexit ist allerdings vergleichsweise harmlos zu dem, was dem neuen Präsidenten der USA so vorschwebt. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Dumpfbackig hoch 10! Der Beitrag ist so "niveauvoll" wie eine Wahlkampfrede von Donald Trump. Amerika hat - im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten - in einer demokratischen Wahl seinen neuen Präsidenten gewählt. Die affärenbelastete Kriegstreiberin Hillary Clinton hat diesen Kampf verloren. Und mit ihr auch die journalistischen Hilfstruppen im Ausland. Statt Selbstkritik zu üben und sachlich die Ursachen zu erforschen, geht es weiter mit den Angriffen auf den 45. Präsidenten der westlichen Führungsmacht und weltgrößten Militärmacht USA. 

Wir sind nicht anspruchsvoll. Wohltuend empfinden wir deshalb in diesen Tagen den (selbst)kritischen Beitrag "Eine Niederlage für den Journalismus" der gerade bei der WIRTSCHAFTSWOCHE erschienen ist. Ein Auszug: "'Im Moment sind die Menschen hier in einer Schockstarre....', sagte die USA-Korrespondentin des Nachrichtensenders N-TV am Morgen nach der Wahl Donald Trumps zum nächsten amerikanischen Präsidenten. Ähnlich hätte man vermutlich auch die Stimmung in Deutschland beschreiben können. Zumindest im unmittelbaren Umfeld derjenigen Menschen, die über Wahlen berichten, wird das auch zutreffend sein. Aber die Aussage der NTV-Journalistin ist natürlich trotzdem falsch. Denn 'die Menschen' in Amerika haben bekanntlich Trump gewählt. Und diese Menschen freuen sich vermutlich – oder empfinden zumindest Genugtuung. Vermutlich auch ein gar nicht so unbeträchtlicher Teil der Deutschen, der Franzosen und anderer Nationen. Gerade wir Journalisten können oder wollen dieses Wahlergebnis kaum fassen. Vermutlich auch, weil wir zwar über Trump schreiben, aber kaum jemals mit seinen Anhängern sprechen. Für französische Journalisten und den Front National gilt das ähnlich wie für deutsche und die AfD. In westlichen Gesellschaften hat sich ein Graben aufgetan und die große Mehrheit der Journalisten steht auf derselben Seite – da wo auch die politischen Eliten stehen." Mehr hier

Was ist nur in Gregor Gysi gefahren? Der "Gottvater" der Linken in Deutschland holt zum verbalen (Tief-)Schlag aus. In dem Beitrag "Er wird die Ungerechtigkeit deutlich verschärfen", einem Interview mit dem DEUTSCHLANDFUNK, beugt sich Gysi geistig ganz weit nach unten: "Ein schlichtes Gemüt und grobschlächtig: So einen Präsidenten hätten die USA noch nie gehabt, sagte der Linke-Politiker Gregor Gysi im Deutschlandfunk. Donald Trump stehe für den Aufschwung der Rechtspopulisten weltweit. Mit seinen Versprechungen habe er die 'bequemen' Wähler für sich gewonnen." Mehr hier. Gregor, uns graust vor Dir! 

Sein Parteifreund, Oskar Lafontaine, geht anders an die Sache ran. Nach seiner Meinung ist es eine "Absage an ein korruptes Wirtschaftssystem". Auszug: "Die Mehrheit der US-Wähler hat die Herrschaft der Wall Street, der Kriegs- und Öl-Industrie abgewählt. Viele haben gewarnt, so auch Ex-Präsident Jimmy Carter: Die USA ist 'eine Oligarchie, in der unbegrenzte politische Bestechung herrscht'. Ganz offensichtlich hatten viele die Schnauze voll von einer gekauften Politik, die Banken und Konzerne bedient und den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Arbeitslosen, Rentnerinnen und Rentnern immer mehr wegnimmt. Das vorherrschende Gefühl war: So darf es nicht mehr weitergehen. Also haben viele ihre Stimme an Trump gegeben, weil der Multimilliardär nicht auf die Spenden der Wall Street angewiesen sei und darum keine Anweisungen von ihr entgegennehmen müsste. Dass Trump jetzt allerdings eine Politik für die Ärmeren und Benachteiligten macht, erwarten wohl nicht einmal viele seiner Wähler." Mehr hier. Es geht also auch sachlich.

Völlig von der Rolle schon wieder Frank-Walter Steinmeier, immerhin deutscher Außenminister und Aspirant für den "heiligen" Stuhl des Bundespräsidenten. Da ist bei N-TV zu lesen: "'Ich will nichts schönreden' Steinmeier gratuliert Trump nicht". Nach dem Vorwuf "Hassprediger" an die Adresse Trumps (hier) erleidet Steinmeier gerade seinen zweiten diplomatischen Kollaps. Die Einleitung: "Der Sieg des Republikaners Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA erwischt die Bundesregierung offenbar kalt. Bundesaußenminister Steinmeier 'will nichts schönreden' und gratuliert Trump in einer Stellungnahme auch nicht." Mehr hier. Für das Amt des Bundespräsidenten, die Königsklasse der Diplomatie, hat er sich damit disqualifiziert. Eigentlich. 

Den Streitigkeiten von VW und Deutsche Bank in den USA werden solche Äußerungen eines hochrangigen deutschen Politikers wenig helfen.

Schon besser, die Kanzlerin. Sie versucht den Spagat: "Kanzlerin Merkel Donald Trump zur Wahl gratuliert. Sie rief Trump indirekt zur Einhaltung demokratischer Grundwerte auf." Das steht bei der WELT als Einleitung zu dem Beitrag "Angela Merkel ruft Donald Trump zu Achtung demokratischer Grundwerte auf". Mehr hier. Angela Merkel als Oberlehrer. Sie kann sich diese deutsche Untugend nicht verkneifen. Folgerichtig beschäftigt sich die WELT auch gleich noch mit der Frage "Kann Angela Merkel Donald Trump wirklich Bedingungen stellen?", bleibt die Antwort jedoch schuldig. Mehr hier

Uns fällt in diesem Zusammenhang auf, dass die Kanzlerin seit Wochen dem Treiben in der Türkei tatenlos zusieht: Bis heute hat sie Erdogan nicht an die "demokratischen Grundwerte" erinnert. Dazu hätte sie allen Grund und auch die politische Legitimation: Die Türkei ist Beitrittskandidat zur EU und wird schon seit Jahren mit vielen Hundert Millionen Euro der EU gesponsert, um sich an die europäischen Standards anzupassen. Der türkische Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre basiert ausschließlich auf dem Status als EU-Beitrittskandidat. Der umstrittene Flüchtlingsdeal spült sogar gleich mehrere Milliarden Euro in die Türkei. Vor den sehenden Augen Europas verwandelt der Despot Erdogan die Türkei in eine Diktatur, Massenverhaftungen und Todesstrafe inklusive. 


Trumps Wahlsieg: Das ist das Ende des American Way of Life
(welt.de) Jetzt ist es passiert. Was (zu) lange niemand für möglich hielt, ist geschehen: Donald Trump wird US-Präsident. Und anders als sein Vorgänger Barack Obama wird der neue Mann im Weißen Haus von einer eigenen Mehrheit im Repräsentantenhaus getragen. Damit wird die größte und wichtigste Volkswirtschaft der Welt von einem Mann regiert werden, für den das eigene Interesse zuerst kommt und dessen Wahlprogramm weder berechenbar noch wünschenswert war – nicht für die Weltwirtschaft, nicht für Europa, nicht für Deutschland.
Auch wenn Trump verspricht, alles anders zu machen als das verhasste Establishment der Vergangenheit, ermöglicht die Wahlentscheidung keinen Neubeginn für die USA. Vielmehr ist sie das Ende des "American Way of Life".
Dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten alles möglich ist – wer glaubt das wirklich noch, nach einer defensiven, rückwärtsorientierten Schlammschlacht, die Glaubwürdigkeit und Integrität des neuen Präsidenten grundsätzlich infrage stellte? Was ist vom unerschütterlichen Optimismus in die Machbarkeit der Dinge übrig geblieben? Was vom nüchternen Pragmatismus, Probleme zu lösen, anstatt sie zu bejammern?
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Kommentar: Ein Beitrag von Thomas Straubhaar. Einem Schweizer Ökonomen des Establishments. Heute auch als Migrationsforscher unterwegs. Sein Beitrag steht hier beispielhaft für eine Reihe seiner Kollegen, die bereits wenige Stunden nach der Wahl glauben zu wissen, wie Trumps Wirtschaftspolitik aussieht. 

Der "American Way of Life" ist schon lange am Ende. Verantwortet wird dessen Tod von der Wall Street. Barack Obama hat es nicht verhindert, Hillary Clinton hätte die traurigen Reste entsorgt. Das haben die Wähler erst einmal verhindert. Straubhaar weiß das sehr genau, er ist nicht blind. Er gehört aber zu denen, wie Hans-Werner Sinn oder dessen Nachfolger beim Ifo-Institut, Clemens Fuest, die der Öffentlichkeit regelmäßig einen Bären aufbinden, ihr ein X für ein U vormachen, sie hinters Licht führen. Insofern ist Straubhaar für uns eine Enttäuschung. Unmittelbar nach der Finanzkrise hat er die Ursachen und ihre Folgen messerscharf analysiert und auch öffentlich vertreten. Damit ist mittlerweile leider Schluß. Heute versucht er es mit Lug und Trug. 

Natürlich haben wir wenig Hoffnung, dass sich Donald Trump wirklich mit seinen Plänen durchsetzen kann. Er ist abhängig vom Goodwill der Wall Street. Sicher ist aber, Hillary Clinton hätte es erst gar nicht versucht. 


Fünf Gründe gegen die Trump-Panik
(manager-magazin.de) Sein erstes Versprechen hat der künftige US-Präsident Donald Trump schon am Tag der Wahl gebrochen. Seine Wahl werde ein Ergebnis wie "Brexit mal fünf", hatte er als Kandidat geprahlt. Gemessen an der Reaktion der Finanzmärkte am Tag danach, ist der Trump-Schock allerdings spürbar schwächer als der von Großbritanniens EU-Austritt - und auch der hat sich seitdem gelegt.
Unsicherheit herrscht - die kann sich aber in einem breiten Spektrum von Ergebnissen der Trump-Präsidentschaft niederschlagen, zwischen katastrophal und gar nicht so schlecht. Auch nach 18 Monaten Wahlkampf, in denen fast jedes Detail beleuchtet wurde, ist noch nicht klar, was der Triumph des Baumoguls für die Wirtschaft wirklich bedeuten wird.
Es gibt zwar ein Wahlprogramm, aber das ist unrealistisch, kaum in sich schlüssig und zudem hat Trump viele der Positionen aus dem Standardrepertoire der Republikaner nie für sich angenommen - oder auch öffentlich das Gegenteil vertreten, in wichtigen Fragen von Gesundheit über Rente bis Steuern und Schulden.
Klar ist nur Trumps nationalistische Haltung mit einem harten Anti-Immigrations-Kurs, der Rassismus und Hass nährt - schlimm genug. Was alles andere angeht, gibt die Wahl (bei aller Vorsicht) durchaus auch Anlass zur Hoffnung auf einige positive Impulse. Hier eine Auswahl.
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Kommentar/Ergänzung: Ausgerechnet das MANAGER MAGAZIN gibt sich sachlich. Das macht diesen Beitrag lesenswert. 

Genauso dieses Interview, erschienen bei der Schweizer FINANZ UND WIRTSCHAFT, Überschrift: "Trump gibt sich ab sofort staatsmännisch". Die Einleitung: "Für Christian Gattiker, Chefstratege von Julius Bär, steht der Wahlsieg von Donald Trump für eine wachstumsfreundlichere US-Politik und mehr Inflation." Mehr hier

Ebenfalls empfehlenswert die Kolumne "Trump ist keine Katastrophe" von Wolfgang Grupp für die WIRTSCHAFTSWOCHE. Seine Einleitung: "Die Wahl des republikanischen Kandidaten Donald Trump zum 45. US-Präsidenten ist keine Katastrophe, sondern eine erwartbare Konsequenz der amerikanischen Politik der vergangenen Jahre. Diese hat das eigene Volk, die einfachen Leute, nicht beachtet, sondern links liegen gelassen. Diese Leute haben nun in Trump die Chance gesehen, daran etwas zu ändern. Ich bin davon überzeugt, dass Trump in der praktischen Politik anders agieren wird, als er sich im Wahlkampf präsentiert hat. Das hat sich in seiner ersten Rede nach seinem Wahlsieg schon angedeutet. Er wird moderater sein, sich allerdings klar auf das konzentrieren, was seine Wähler von ihm erwarten: eine Politik, die deren Lebenssituation verbessert und die sich erst in zweiter Linie um die Welt außerhalb der USA kümmert." Mehr hier. Nachdenkfutter.

Dazu passt auch der FOCUS-Beitrag "Nahost-Experte: 'Trump könnte für Lösung des Syrien-Konflikts ein Segen sein'". Der Vorspann: "Fünf Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien könnte die Situation verfahrener kaum sein. Die Terrormiliz IS treibt ihr blutiges Unwesen in dem Land. Ein Land, das gespalten ist zwischen treuen Anhängern des Assad-Regimes und Rebellen. Rund 400.000 Menschen fielen nach Schätzungen der UN in dem Krieg bislang zum Opfer, ein Ende ist nicht in Sicht. Die internationale Staatengemeinschaft schafft es sogar nur mit Mühe, Waffenruhen zu vereinbaren, um den Hunderttausenden Eingeschlossen in syrischen Städten humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Doch das könnte sich nun ändern, meint der Nahost-Experte Abdel Mottaleb el Husseini. 'Trump könnte den Syrien-Konflikt schneller lösen als Clinton', sagte Husseini FOCUS Online. 'Im Gegensatz zu Hillary Clinton, die eine Fortsetzung der alten Politik bedeutet hätte, lassen die bisherigen Äußerungen von Trump auf pragmatische Lösungen hoffen', so Husseini." Mehr hier. Das ist es, was die hoffnungsvolle Welt von Donald Trump erwartet: Pragmatismus.

Mittlerweile kehrt auch hierzulande ein gewisser Pragmatismus ein. Dafür drei Beispiele, allesamt aus den Leitmedien:

Wir beginnen mit der WELT, die dafür ihren "Spitzenmann" ins Feld schickt: "Mathias Döpfner über die US-Wahlen: Mit Donald Trump ist alles möglich". Das Vorwort: "Putin wird die Krim annektieren? Das traut er sich nicht. Erdogan wird die Todesstrafe einführen? So weit geht er nicht. Kaczynski wird das polnische Verfassungsgericht paralysieren? Das kann er nicht. Die Engländer werden für den Brexit stimmen? Das tun sie nicht. Trump wird Präsident? Niemals. Es liegt im Wesen von Gesellschaften der Mitte, dass sie den moderaten Status quo für stabil und die Disruption durch Extreme nicht für möglich halten. Deshalb sind sie durch das Absehbare und Naheliegende oft überrascht. Nun ist das Absehbare und Naheliegende, bisher aber Unaussprechliche passiert. Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Bald regiert er das größte und wichtigste Land des freien Westens. Er ist dann der mächtigste Mann der Welt." Mehr hier

Noch einmal die WELT: "Friedrich Merz: 'Trump ist aggressiv und laut, aber nicht dumm'". Die Einleitung: "Der Chef der Atlantik-Brücke, Friedrich Merz, ist vom Wahlsieg Trumps nicht überrascht. Er markiere sicher eine Zäsur. Das Freihandelsabkommen TTIP müsse Europa aber noch nicht abschreiben." Mehr hier. Der ausgewiesene Amerika-Freund Merz, Lobbyist trifft es besser, gibt sich zuversichtlich - und Trump eine Chance. 

Zuletzt die F.A.Z. Für die kommentiert der Mit-Herausgeber Holger Steltzner die jüngste Entwicklung so: "Herausforderung Trump". Seine Einleitung: "Niemand sah den Wahlsieg von Donald Trump kommen. Jetzt redet Berlin, als hätte ein Diktator die Macht in Washington übernommen. Doch Wähler wie die von Trump gibt es auch in Europa." Mehr hier

Alles lesenswerte Artikel. Deren Autoren haben erkannt, was die heimischen Politiker noch nicht wahrhaben wollen: Donald Trump wird am 20. Januar 2017, dem Inauguration Day, offiziell in sein Amt eingeführt. Jedenfalls dann, wenn ihm vorher nicht ein Unglück geschieht oder sich viele seiner Wahlmänner am 19. Dezember 2016 doch noch anders entscheiden und so Hillary Clinton die notwendige Mehrheit verschaffen: "No Matter What Happens, We Won’t Know Who The Next President Will Be Until December 19th" titelt Michael Snyder bei THE ECONOMIC COLLAPSE. Auszug: "Most Americans assume that their votes decide who the next president will be, but that is actually not the case. It is the Electoral College that will elect the next president, and they don’t meet until December 19th. And the truth is that all of the members of the Electoral College never meet in one place. Rather, electors gather together in all 50 state capitals on the second Wednesday in December, and it is at that time that the next president and vice president are officially elected. Of course members of the Electoral College have voted according to the will of the people about 99 percent of the time throughout our history, but with how crazy this election has turned out to be you never know what might happen. For example, later on in this article you will see that one elector in Washington state has already publicly stated that he will not cast his vote for Hillary Clinton. If other 'faithless electors' emerge, that could potentially change the entire outcome of the election." Mehr hier. Eine interessante Betrachtung. Irgendwann ist schließlich immer das erste Mal...  


Die Welt dreht sich weiter und es gibt noch Ereignisse außerhalb der US-Wahl. Wir haben dazu noch einige Nachrichten zusammengetragen:

War On Cash Strikes India: PM Scraps Large Bills, Limits ATM Withdrawals To "Fight Corruption"
(zerohedge.com) In a fiery address to the Indian nation, PM Narendra Modi just took a major step in the war on cash that is being waged worldwide. Talking tough on fighting corruption and the black market economy, Modi decreed that the INR500 ($7.50), and INR1000 ($15) bills will no longer be legal tender and that ATM withdrawals will be limited to INR2000 ($30) for some. Read more...

Kommentar/Ergänzung: ZERO HEDGE waren die Ersten. Im deutschsprachigen Raum haben sich die Österreicher sehr intensiv mit dieser Entwicklung des "War On Cash" auseinandergesetzt. 

DER STANDARD titelt beeindruckt: "Indien startet radikale Bargeldreform". Weiter heißt es: "Eigentlich sollte der indische Premierminister Narendra Modi am Dienstagabend eine eher unspektakuläre Ansprache an die Nation halten. Doch was er sagte, löste ein wirtschaftliches Beben aus, dessen Folgen noch nicht absehbar sind. Gegen 20.30 Uhr Ortszeit verkündete der mächtigste Mann Indiens, dass nur wenige Stunden später das meiste Bargeld im Land nichts mehr wert sein würde. 'Um uns aus dem Griff von Korruption und Schwarzgeld zu befreien, haben wir entschieden, dass die aktuellen 500- und 1.000-Rupien-Noten nicht mehr gültig sind', sagte Modi. Ein 1.000-Rupien-Schein, bisher die größte Banknote im Land, ist gerade einmal 13,60 Euro wert. Schon um Mitternacht sollte er nichts mehr wert sein. Die größte legale Banknote im Land ist nun der 100-Rupien-Schein – rund 1,36 Euro. Am Mittwoch stauten sich die Autos vor den staatlichen Tankstellen und Apotheken, die zu den wenigen Stellen gehörten, die ein paar Tage lang noch große Scheine annehmen durften. Den meisten von ihnen ging bereits in der Früh das Wechselgeld aus, was häufig zu lautstarken Auseinandersetzungen führte. Kleinere Geschäfte und Straßenhändler hatten sichtlich weniger Kunden – was angesichts fehlender Geräte für bargeldlose Zahlung auch vorerst so bleiben dürfte." Mehr hier

Der PRESSE ist es gleich zwei Beiträge wert. Zuerst "Indien schafft das Bargeld ab": "Mit einer überraschend radikalen Bargeldreform will die indische Regierung das Land auf den Weg zur bargeldlosen Gesellschaft dirigieren." Mehr hier. Wenige Stunden später dann das: "Indien: Alle großen Geldscheine sind plötzlich wertlos": "Die indische Regierung macht einen großen Schritt in Richtung bargeldlose Gesellschaft." Weiter:  "Auch in Indien saßen in der Nacht auf Mittwoch viele Menschen vor den Fernsehgeräten, um die US-Präsidentschaftswahlen zu verfolgen. Doch dann passierte etwas Unerwartetes. Zahlreiche Fernsehsender unterbrachen das Programm. Premierminister Narenda Modi wandte sich in einer Fernsehansprache an die Nation. Er kündigte eine radikale Bargeldreform an und löste damit in dem 1,25 Milliarden Menschen zählenden Land ein wirtschaftliches Erdbeben aus." Es ist "bestens" organisiert: "Laut früheren Angaben besitzen jedoch 42 Prozent der Inder kein Bankkonto und keine Bankomatkarte." Mehr hier.  

Überraschenderweise nimmt auch SPON davon Kenntnis: "Radikale Bargeldreform: Indien erklärt große Banknoten für ungül tig" (hier).

Wir sehen unsere Annahme bestätigt: Früher oder später kommt es weltweit zu einem Bargeldverbot (hier, hier und hier). Die Front gegen das Bargeld wird international stärker. Allerdings, so schlecht vorbereitet wie in Indien wird es in der EU nicht ablaufen. Da ist alles minutiös durchgeplant. Wetten? 


Right There In The Numbers
(alhambrapartners.com) In early November 2012, China’s National Bureau of Statistics reported that China’s exports were figured by the Customs Bureau to have been about $175.57 billion for October that year. It represented a year-over-year increase of 11.5% which only sounds good as compared to the economy that followed. The rate was down sharply from recovery-like growth that everyone had expected would continue from the year before, if after a short delay. The global economy had weakened appreciably in 2012, no less in China than elsewhere, but by later that year "everyone" saw what they wanted: global central banks coordinating “stimulus” that was leading to signs of "stabilization"  throughout. Read more...



Fractures In History
(alhambrapartners.com) The cost of this economy cannot be strictly measured by statistics or even the massive deviations of those statistics. As noted earlier today, China’s exports in the twelve months ending October 2016 were figured to be just $2.2 trillion. Had the Great "Recession" actually been a recession, where the world resumed growth even modestly like that from the pre-crisis period, China’s exports would have been more than $4.9 trillion. That difference is truly unfathomable, yet it is very real even though it isn’t itself a direct observation (it is a counterfactual that more aptly defines this economy than the mainstream deference to the drumbeat of small, positive changes that signify nothing meaningful).
It isn’t, of course, strictly a Chinese problem; it is globally endemic, from across Asia to Europe and even these United States. In this part of the global “dollar” economy, the inconceivable deficit is of the labor market, where the unemployment rate in one sense is actually accurate. In other words, it suggests "full employment" but only of a shrunken official labor pool. That leaves the unemployment rate to describe quite well the current situation where the economy is but some fraction of its prior condition. Economists pay no mind to that minimization, but the real economy cannot escape it; thus economists are constantly confused as to why nothing ever improves and nothing they do or figure changes that.
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Kommentar: Ja, wir sind eine Spaßbremse. Zwei Beiträge zur Situation der Weltwirtschaft und Chinas. Wieder eine gute Gelegenheit, sich unabhängig vom medialen Mainstream eine eigene Meinung zu bilden.