Sonntag, 20. November 2016

Standpunkt 1033: Nachrichten-Ticker, 15. & 16.11.2016


Jetzt, im November 2016, sind wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurückgekehrt: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Weit weg von den propagandaverseuchten Medien und als Unterstützung einer eigenen Meinung.

Leider müssen wir dafür mittlerweile häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen; die deutschsprachigen Medien lassen zu viele wichtige Themen unbeachtet. Wir bitten dafür um Verständnis, dass von uns eine Übersetzung dieser Texte nicht bereitgestellt werden kann. Dafür fehlt uns schlicht die Zeit. 

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.


Unsere Themen heute: Bargeldverbot -  Deutschland rüstet auf - Türkei - Europas Bankensystem - Ökonomie: Märkte ohne Staat - Zukunft des Kapitalismus - Wirtschaftskrieg: USA vs. Welt - US-Wirtschaft - US-Wahl & die Folgen 


Bargeldverbot
Ein Thema, das uns seit Jahren beschäftigt und nicht mehr loslässt. Zuletzt haben wir uns hier, hier und hier ausführlich damit beschäftigt. Die Amerikaner nennen es vollkommen zu Recht "war on cash". Das Bargeldverbot steht ganz, ganz oben auf der Agenda der Regierungen weltweit. Es beschränkt sich nicht nur auf Europa, sondern greift auch andernorts um sich. Diese Entwicklung ist unumkehrbar, das Bargeldverbot wird sich wie ein Krebsgeschwür in der Welt ausbreiten. Es ist Teil der finalen Katastrophe des Finanzsystems. Und zwingend notwendig. Die Regierungen brauchen den Zugriff auf die Vermögen ihrer Bürger - Ausnahmen sind nicht vorgesehen. 

Nach wie vor treffen wir auf naive Träumer, die eine Zukunft ohne Bargeld nicht für möglich halten. Sorry, das sind keine Träumer, das sind unbelehrbare Trottel. Die sehen die Gefahr auch dann nicht, wenn sie direkt am Abgrund stehen. 

Der Westen wird, anders als Indien, die Abschaffung des Bargelds effizient vorbereiten  und bestens durchorganisiert über die Bühne bringen. Unruhen wie in Indien wird es nicht geben, falls erforderlich steht ein bestens ausgerüsteter Polizeiapparat bereit. In Deutschland wird gerade damit begonnen, die Vorausetzungen dafür zu schaffen: "Waffen wie beim Militär: Hamburger Polizei bekommt Panzerwagen und Gewehre" schlagzeilt SPON. Für den Krieg vor der eigenen Haustür: "Die Stadt Hamburg rüstet ihre Polizei für mögliche Anti-Terror-Einsätze auf. Ein Panzerwagen soll direkt in den Kugelhagel fahren können." Mehr hier. Na klar, Proteste und Demonstrationen werden dann als Terrorakte eingestuft und mit aller Härte bekämpft. Man muss sich nur das Foto ansehen, das der SPIEGEL als Aufmacher mit dem Artikel verbreitet: 


Gruselig. Die Polizei, "dein Freund und Helfer" (hier)? Das war einmal. Heute schützt sie die sogenannten Eliten und ihre willfährigen politischen HandlangerInnen. Die Bürger werden lediglich noch als Störenfriede wahrgenommen. 

Zurück zum Thema: Aktuell haben wir zwei Beiträge für unsere aufmerksamen LeserInnen, die sich mit den Anfängen eines Bargeldverbotes beschäftigen. Beide stammen von ZERO HEDGE, aus den USA: "First India, Now Australia Should Abolish Big Bank-Notes According To UBS" (hier) und "War On Cash Intensifies: Citibank To Stop Accepting Cash At Some Branches" (hier). "The Show Must Go On".


Türkei
An dieser Stelle blamiert sich Europa, angeführt von Berlin, bis auf die Knochen. Erdogan gehört geächtet, das Land politisch und wirtschaftlich isoliert, die Beitrittsverhandlungen auf Eis gelegt oder - besser - gleich ganz beendet, das Flüchtlingsabkommen unverzüglich aufgelöst. Letzteres dient nur dem Despoten Erdogan. Der setzt es als willkommenes Druckmittel gegen die EU ein, einen praktischen Nutzen für Europas Flüchtlingspolitik hat es nicht.

Gründe für diese Ächtung gibt es genug...

Galgen oder Freiheit, das ist hier die Frage
(zeit.de) Politiker und Journalisten in Haft, Umbau der Verfassung: Die Lage in der Türkei spitzt sich auf unerträgliche Weise zu. Ist der Despotismus überhaupt noch zu verhindern? Mehr...

Zu den Beitrittsgesprächen mit der Türkei... dieses Interview mit Sevim Dagdelen:

"Die roten Linien sind längst überschritten"
(deutschlandfunk.de) "Folterstaat", "Diktatur" - mit harten Worten urteilt die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen über die Türkei unter Präsident Erdogan. Mit dessen Regierung dürfe man auf keinen Fall weitere EU-Beitrittsverhandlungen führen, sagte Dagdelen im DLF. Mehr...

Viel lieber lässt sich Frank-Walter Steinmeier, vielleicht bald schon designierter Bundespräsident, bei seinem Türkei-Besuch von der Regierung in Ankara an der Nase herumführen.  

Vermeintliche Solidarität
(taz.de) Die Bundesregierung will Erdoğan als Torwächter Europas halten. Steinmeiers Soli-Signale an die türkische Opposition sind eine Farce. Mehr...


Europas Bankensystem
Neues dazu aus Brüssel, von Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der EU-Kommission, zuständig für "Euro und sozialer Dialog". Der hat gerade  bei der europäischen Denkfabrik Bruegel über die Zukunft des europäischen Bankensystems einen Vortrag gehalten, den wir unseren LeserInnen nicht vorenthalten wollen: "What next for Europe's banking system?". Wortreiche, aber von vorne bis hinten inhaltsleeres Politikergequatsche. Wer davon einfach nicht genug haben kann ist hier richtig.


Ökonomie
"Märkte funktionieren ohne Staat", diese These ist einfach nicht totzukriegen. Jetzt wieder mit großer Entschiedenheit vertreten von Andreas Marquart, Vorstand des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Vorgebracht werden die immer gleichen Argumente, Realitäten schlicht ignoriert. Alleine schon die Manipulationen in den Finanzmärkten, ein wichtiger Teil der Volkswirtschaft, belegen das Gegenteil. Diese Manipulationen haben massiv zugenommen, seitdem sich der Staat dort raushält, sogar regelmäßig seine Aufsichtspflicht verletzt. Die vom Autor kritisierte Nullzinspolitik ist die Folge von (Finanz-)"Märkte funktionieren ohne Staat". Deshalb kann in der heutigen Zeit eigentlich niemand mehr diese Forderung noch ernst nehmen. Mehr hier.  


Zukunft des Kapitalismus
Spätestens seit der Finanzkrise 2008 steckt der Kapitalismus in der Bredouille. Die vielen erfolglosen Lösungsversuche dieser Krise, als deren Folge sich für Millionen Menschen die Lage massiv verschlimmert hat, lassen die Betroffenen an der Wirksamkeit zweifeln. Natürlich zu Recht, der Kapitalismus ist am Ende, die Globalisierung hat ihm den Todesstoß versetzt. Zweifler sind Heuchler.  

Das Problem: keiner weiß wie es weitergeht. Der globalisierte Kapitalismus kennt keine geeigneten Rezepte, um die Folgen der Finanzkrise von 2008 abzufedern. Für die weltweite Rezession fehlen Lösungen, so daß der nächste Schritt - die Depression - absehbar ist. Ohne ein radikales Umdenken setzt sich diese Entwicklung zwanghaft fort. Ideen sind Mangelware.

Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen möchte, dem empfehlen wir heute den Beitrag "Why Economic Recovery Requires Rethinking Capitalism", veröffentlicht vom 2009 gegründeten Institute for New Economic Thinking, hinter dem eine Reihe hochkarätiger Ökonomen stehen. Diese Betrachtung ist gleichzeitig eine nützliche Antwort auf den vorangegangenen Beitrag von Andreas Marquart: "Mission-oriented public investment is vital to spur a revival of private-sector investment". Mehr hier


US-Wirtschaftskrieg
"Amerika, du hast es besser" befand einst Johann Wolfgang von Goethe. Das gilt auch in diesem Fall. Die USA sind nicht nur für militärische Auseinandersetzungen (hoch)gerüstet, gleiches gilt für Wirtschaftskriege, in denen sich Washington/Wall Street mit Freund und Feind befinden. Der Beitrag "Wirtschaftskrieg: Wie die USA ihr Recht weltweit durchsetzen" beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Krieg gegen Freunde. Der Vorspann: "Waffe Milliardenstrafen - In Frankreich fordern rechte und linke Parlamentarier ein 'juristisches Aufrüsten' gegen 'Erpressung und Missbrauch'". Mehr hier. Ein interessanter Ansatz - aber völlig wirkungslos. Die Mittel, die Amerika einsetzt, sind rüde und (hinter)listig. Das war schön zu beobachten bei dem Steuerstreit mit der Schweiz. Die Politik hat schon früh die Waffen gestreckt. Am Ende war selbst die Schweizer Justiz machtlos. Frankreich wird ebensowenig Erfolg haben. 


US-Wirtschaft
Es geht ihr nicht gut, der Wirtschaft in den USA. Trotzdem sehen es die deutschsprachigen Leitmedien als ihre Aufgabe an, bei jeder mehr oder weniger günstigen Gelegenheit, Barack Obama für seine Wirtschaftspolitik zu loben und dabei auch noch der Globalisierung das Wort zu reden. Letzteres ist der Tatsache geschuldet, dass Deutschland als Export(welt)meister auf globalisierte Märkte dringend angewiesen ist. Die folgenden aktuelle Beiträge belegen, wie wenig die hiesige Berichterstattung mit der Wirklichkeit zu tun hat.

'Weak But Not Getting Weaker', US Retail Sales Version
(alhambrapartners.com) There were a great many ridiculous things we witnessed last year, but among them was the unshakable desire for the media and economists to label consumers and consumer spending as "strong" regardless of any other considerations. In most cases, whatever month-over-month change would seem positive, but it was so only in that very narrow view. Misunderstanding natural variation, they all would have done better by not seeing only what they wanted time and again. Read more... 

Wie üblich, hält der Beitrag einige anschauliche Charts parat. Einen zeigen wir an dieser Stelle: 



Industrial Production Contracts For 14th Straight Month - Longest Non-Recessionary Streak In 96 Years
(zerohedge.com) Industrial Production fell year-over-year for the 14th straight month - the longest period of contraction without a recession in 96 years. Against expectations of a small 0.2% rise in October, Industrial Production was unchanged (and manufacturing missed expectations). Read more...

Dazu ebenfalls eine Grafik aus dem Beitrag: 



Noch eine (neue) Baustelle:

Who’ll Get Hit by Fallout from the $11-Trillion Commercial Property Bubble in the US?
(wolfstreet.com) Warnings about the loans, bonds, and commercial-mortgage-backed securities (CMBS) tied to the vast $11-trillion commercial property sector in the US have been hailing down for months. Moody’s Investor Services just warned about the rising delinquency rate of some $360 billion in CMBS it rates. Delinquencies of 60+ days jumped from 4.6% last year to 5.6% in September.
Fitch Ratings has been fretting about valuations in the sector, and CMBS, for months. "Valuation and lending trends are not sustainable in the medium term", it said most recently in its November report. It pinpointed debt backed by apartment buildings as a particular trouble spot. But now it’s also fretting about construction loans, which "experienced the highest loss severity in the last crisis, and we expect a similar trend in the next downturn", it said.
It’s worried about the banks, whose commercial real estate (CRE) lending has reached "record levels"
. Read more...

Der Beitrag liefert ebenfalls eine sehr anschauliche Grafik:


Eine irre Preisentwicklung. Und das Ergebnis einer verfehlten Geldpolitik der US-Notenbank. Deren Geldschwemme hat nicht, wie behauptet, die Wirtschaft angetrieben, sondern nur zu neuen Blasen geführt. Die Folgen können nur dramatisch sein.


US-Wahl
Zuletzt haben wir es bereits angekündigt (hier), das Thema verliert für uns an Priorität. Trotzdem können wir nicht alle Beiträge ignorieren, die wir während unserer täglichen Recherche sichten. Auf die Besten wollen wir unsere LeserInnen an dieser Stelle hinweisen. Aber vorher zur "Einstimmung" noch diese Karikatur:

Quelle: cleveland.com


Break Up the Democratic Party: It’s Time for the Clintons and Rubin to Go – and Soros Too
(counterpunch.org) In the week leading up to last Tuesday’s election the press was busy writing obituaries for the Republican Party. This continued even after Donald Trump’s "surprising" victory – which, like the 2008 bank-fraud crash, "nobody could have expected". The pretense is that Trump saw what no other politician saw: that the economy has not recovered since 2008.
Democrats still seem amazed that voters are more concerned about economic conditions and resentment against Wall Street (no bankers jailed, few junk mortgages written down). It is a sign of their wrong path that party strategists are holding onto the same identity politics they have used since the 1960s to divide Americans into hyphenated special-interest groups.
Obviously, the bottom 95 Percent realize that their incomes and net worth have declined, not recovered. National Income and Federal Reserve statistics show that all growth has accrued to just 5 percent of the population. Hillary is said to have spent $1 billion on polling, TV advertising and high-salaried staff members, but managed not to foresee the political reaction to this polarization. She and her coterie ignored economic policy as soon as Bernie was shoved out of the way and his followers all but told to join a third party. Her campaign speech tried to convince voters that they were better off than they were eight years ago. They knew better!
So the question now is whether Donald Trump will really a maverick and shake up the Republican Party. There seems to be a fight going on for Donald’s soul – or at least the personnel he appoints to his cabinet. Thursday and Friday saw corporate lobbyists in the Republican leadership love-bombing him like the Moonies or Hari Krishna cults welcoming a new potential recruit. Will he simply surrender now and pass on the real work of government to the Republican apparatchiks?

The stock market thinks so! On Wednesday it soared almost by 300 points, and repeated this gain on Thursday, setting a DJIA record! Pharmaceuticals are way up, as higher drug prices loom for Medicaid and Medicare. Stocks of the pipelines and major environmental polluters are soaring, from oil and gas to coal, mining and forestry, expecting U.S. environmental leadership to be as dead under Trump as it was under Obama and his push for the TPP and TTIP (with its fines for any government daring to impose standards that cost these companies money). On the bright side, these "trade" agreements to enable corporations to block public laws protecting the environment, consumers and society at large are now presumably dead.
For now, personalities are policy. A problem with this is that anyone who runs for president is in it partly for applause. That was Carter’s weak point, leading him to cave into Democratic apparatchiks in 1974. It looks like Trump may be a similar susceptibility. He wants to be loved, and the Republican lobbyists are offering plenty of applause if only he will turn to them and break his campaign promises in the way that Obama did in 2008. It would undo his hope to be a great president and champion of the working class that was his image leading up to November 8.
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Die bemerkenswerte Analyse eines hervorragenden Ökonomen. Michael Hudson, "linker" Ökonom aus den USA, legt die Finger in die Wunden.  

Wir haben ihn entdeckt, als er vor vielen Jahren im Feuilleton(!) der F.A.Z. die Ursachen der Finanzkrise 2008 erklären durfte. Und sind seit dem begeistert. Diese Beiträge haben wir hier, hier und hier vorgestellt. Zuletzt hat sich Hudson in einem Interview wieder zu den Folgen dieser Krise geäußert:  "Kein Linker spricht über den Finanzsektor". Bei DER FREITAG heißt es im Vorspann: "in Finanzsektor unter öffentlicher Kontrolle und der Erlass aller die Welt drückenden Schulden – so will der US-Ökonom Michael Hudson den Finanzkapitalismus überwinden. In seinem im November auf Deutsch erscheinenden Buch Der Sektor schreibt er: 'Wir müssen die unvollendete Revolution des 19. Jahrhunderts durch eine Reform der Finanzmärkte ergänzen, um die fortbestehenden Ungerechtigkeiten post-feudaler Landnahme, der Aneignung von Gemeingütern und der Schaffung von Monopol-Privilegien zu beseitigen.' Hudson wurde 1939 in Minneapolis geboren, dem Herzen der US-Arbeiterbewegung, sein Vater gehörte zu den Führern der US-Trotzkisten. Er selbst wurde Ökonom, Wall-Street-Analyst, Regierungsberater in Griechenland, Island, Lettland, China und Fundamentalkritiker des kapitalistischen Finanzsystems. Die Vorhersage von Krisen gilt als seine größte Stärke." Mehr hier. Alles zusammen lohnende Lektüren. 

So sieht es aus, im amerikanischen Rost Belt...

Quelle: theguardian.com

 Hillary Clinton hat das ignoriert, Trump zu nutzen gewußt.


After the Election: Don’t Panic, Think!
(globalresearch.org) In 2016, the fundamentally undemocratic U.S. two-party system presented the public with the two most hated candidates in history. The choice was so dismal that over forty three percent of the voters could not bring themselves to go to the polls.  Everyone hated one or the other of the candidates, or both. Whoever won was bound to face vehement opposition. Read more... 


How We Will Win - Trump’s revolution and the road to freedom
(antiwar.com) The populist revolt currently shaking the American political landscape, and similar eruptions in Europe, herald the same sea change, albeit with somewhat different degrees of seismic intensity. In the United States, where a right-wing populist movement led by now President-elect Donald Trump has scored a major upset, the insurgents have stormed the fortress, and seized the inner sanctum of the ruling elite – the White House.
Trump defeated his Republican opponents and Hillary Clinton by attacking what he called their "globalist" agenda, and promised to put "America first" – a slogan that described his anti-Establishment politics to a tee. “Globalism,” or the idea of the American welfare-warfare state as the epicenter of a world system, perfectly encapsulates the ideology of the political class at "the end of history" – and captures the hubris that was their undoing.
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Populisten und dumme Wähler? Ihr habt nichts, aber auch rein gar nichts, verstanden
(nachdenkseiten.de) Während das politische Berlin und die Edelfedern letzte Woche mit einem bösen Kater erwacht sind und nun Gott und die Welt – oder um in ihrer Sprache zu bleiben, Populisten und die dummen Wähler – für den Sieg Donald Trumps verantwortlich machen, scharren Europas Trumps schon mit den Hufen. Im folgenden Jahr wird auch hier gewählt und ein Erfolg der Wilders, le Pens und Petrys sollte nun auch niemanden mehr so wirklich überraschen. Verblöden wir? Sind wir plötzlich alle zu Rassisten mutiert? Oder lässt sich die atemberaubende Erosion der traditionellen Politik nicht vielleicht auch durch eine angsterregende Entfremdung der "Eliten" vom Volk und den kompletten Verlust von Empathie im linksliberalen Lager erklären? Trump, Wilders, le Pen und Petry sind nicht vom Himmel gefallen. Paradoxerweise wurde und wird ihnen gerade vom linksliberalen Lager der Weg geebnet. Mehr...  

Ein Beitrag von Jens Berger, den wir unseren LeserInnen nur wärmstens empfehlen können. Eine der sehr wenigen tauglichen deutschsprachigen Analysen! 


Zur gleichen Zeit tauchen die ersten Ideen auf, wie auf das Wahlergebnis angemessen reagiert werden kann:

Mehr für die Mehrheit
(sueddeutsche.de) Es hilft nichts, Abstiegsängste kleinzureden. Die Politik hat Mittel gegen Populismus: Sie muss Erbschaften höher besteuern und endlich die Mittelschicht entlasten. Mehr...

Zwei Vorschläge für Deutschland. Die kratzen natürlich nur oberflächlich an dem Thema. Was da vorgeschlagen wird tut niemandem weh, bringt aber auch keine wirklichen Fortschritte. Und verhindert auch nicht den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr. Da ist mehr drin. Wie wäre es mit Investitionen in die Infrastruktur, die Bildung, die Sozialleistungen, höhere Löhne und Gehälter (für die Mittelschicht), eine schlüssige Flüchtlingspolitik? Die Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, führt jedoch bereits zu einer deutlichen Wachstumssteigerung und echtem Mehrwert für die Mehrheit. Teile davon können durch Reduzierung der Rüstungsausgaben finanziert werden, wenn in der Außenpolitik die Sanktionen durch Diplomatie ersetzt werden. Welche Ironie: An dieser Stelle könnte der neue US-Präsident gegenüber Russland schon bald ein Zeichen setzen. 

Ergänzend dazu bitte den Beitrag "EU fordert unabhängigere Außenpolitik nach Trumps Wahlsieg", bei WORLD SOCIALIST WEB SITE, lesen (hier).


Allianz-Chefstratege empfiehlt höhere Steuern für Reiche
(welt.de) Seit der Finanzkrise fehlt vielen Menschen eine wirtschaftliche Perspektive. Der Chefstratege der Allianz, Mohamed El-Erian, warnt vor wachsendem Populismus und hat einen einfachen Vorschlag. Mehr...

Ausgerechnet die WELT druckt diesen Vorschlag ab. Nur ein weiterer Beweis dafür, dass mit dieser Idee kein Blumentopf zu gewinnen ist und die Reichen damit sehr gut leben können. El-Erian hatte schon bessere Ideen. 


Trump could give new impetus to EU-China relations
(bruegel.org) It is too early to say what the Trump administration’s trade policy will look like – but a total cut-off from Asian partners is unlikely. It would harm the US economy, and offer China even more scope to cement its position in Asia. Nevertheless, with TPP and TTIP both looking unlikely, the EU should move fast to build relationships with China and ASEAN countries. Read more...  

BRUEGEL hat sich offenbar vorgenommen - statt Trübsal zu blasen - ein wenig Optimismus zu verbreiten. In Zeiten eines depressiven Welthandels ein wirklich ambintioniertes Unterfangen. China ist ein tönerner Riese, die ASEAN-Staaten kaum nützliche Handelspartner. Außerdem vom chinesischen Wohlwollen abhängig. So langsam greifen die ökonomischen Vordenker nach jedem Strohhalm.


Eine schreckliche Ahnung beginnt sich zu bewahrheiten: Die EU nutzt den Wahlsieg Trump's, um mächtig aufzurüsten

Die Supermacht Europa
(german-foreign-policy.org) Auf deutschen Druck treibt die EU mit neuen Beschlüssen ihrer Verteidigungsminister den Aufbau von der NATO unabhängiger Militärstrukturen voran. Wie die Minister auf ihrem gestern zu Ende gegangenen Treffen entschieden, sollen zunächst ausgewählte EU-Staaten ihre Militärkooperation ausbauen; parallel werden ein EU-Logistik- sowie nach Möglichkeit auch ein Sanitätskommando errichtet. Zudem ist die Keimzelle für ein zivil-militärisches EU-Hauptquartier geplant, aus der nach Auskunft des italienischen Außenministers dereinst ein EU-Generalstab erwachsen soll. Die Strukturen können innerhalb der NATO genutzt werden, sind aber auf lange Sicht auch für eine EU-Armee geeignet. Die Versuche Berlins, die EU in demonstrativer Absetzung gegenüber dem künftigen US-Präsidenten Trump gegen die USA in Stellung zu bringen, stoßen auf Widerstand: Großbritannien sowie mehrere östliche EU-Staaten verweigern sich dem Ansinnen. Führende europäische Außenpolitiker erklären die EU zur "Supermacht", die als "Dienstleister für globale Sicherheit" gefragt sei. Mehr...  

Unbedingt lesen, randvoll mit Nachdenkfutter, aber nichts für lupenreine Pazifisten. Denen rutscht das Herz in die Hose. Leider steht der Beitrag nur begrenzt frei zugänglich zur Verfügung. 


Zum Abschluss dieses Nachrichten-Tickers haben wir noch einen Beitrag, der die heimischen "Hassprediger" und Dollbohrer wieder auf den Boden der Tatsachen holt:

Europa und Donald Trump: Ohne die USA geht es nicht
(cicero.de) Die Außenminister der EU haben in Brüssel beraten, wie mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump umzugehen sei. Europa strebt zwar eine Zusammenarbeit an, knüpft die aber an Bedingungen. Bei den unterschiedlichen Kräfteverhältnissen könnte das jedoch nach hinten losgehen Wie soll man mit einem amerikanischen Präsidenten umgehen, dessen Eignung für dieses wichtige Amt zuvor in verschiedenen Varianten abschätzig kommentiert wurde? Das ist die Frage, vor der viele deutsche Politiker stehen, deren Äußerungen über den zukünftigen amerikanischen Präsidenten despektierlich ausfielen. Denn die USA sind der wichtigste Verbündete Deutschlands, auch wenn das in der Bundesregierung anscheinend nicht mehreinhellig so gesehen wird. Für unsere Sicherheit und unseren Wohlstand aber sind die USA unerlässlich. Mehr...

So, das war's für heute.