Dienstag, 13. Dezember 2016

Standpunkt 1043: Nachrichtenticker, 09. - 11.12.2016


Im vergangenen Monat sind wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurückgekehrt: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Weit weg von den propagandaverseuchten Medien und als Unterstützung einer eigenen Meinung.

Leider müssen wir dafür häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen; die deutschsprachigen Medien schenken wichtigen Themen zu wenig Beachtung. Wir bitten dafür um Verständnis, dass von uns eine Übersetzung dieser Texte nicht bereitgestellt werden kann. Dafür fehlt uns schlicht die Zeit. 

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate noch Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.


Unsere Themen heute: Ruf des Goldes - Donald Trump, der 45. US-Präsident? - Hillary Clinton: Nachlese - Europa kriselt - China in Not?


Ruf des Goldes
Neben den üblichen Verdächtigen befassen sich mittlerweile auch die Leitmedien vermehrt mit dem goldenen Metall. Natürlich, um seinen Kauf zu empfehlen. Wir können unsere LeserInnen nur dringend davor warnen, Gold als Krisensicherung zu kaufen! Die Gründe haben wir an dieser Stelle schon häufig erläutert, zuletzt sehr ausführlich hier. Teil 2 folgt in Kürze, im Augenblick recherchieren wir noch die aktuellsten Beiträge zum Thema.  

Niemand hat bis heute stichhaltige Argumente vorzuweisen, die gegen ein flächendeckendes Goldverbot sprechen. Selbst die "Gurus" Marc Faber und Jim Rogers bleiben an dieser Stelle in Deckung. Aus gutem Grund: Es kommt so sicher wie das Bargeldverbot. Nur über das Wie und Wann lässt sich noch streiten. Deshalb kennen wir keinen vernünftigen Grund Gold zu kaufen! 

Warum Anleger jetzt vielleicht Gold kaufen sollten
(manager-magazin,de) EZB-Geldflut hier, Trump-Euphorie dort: Seit an der Börse die Aktienkurse steigen, befindet sich der Goldpreis auf Talfahrt. Für Anleger vielleicht ein guter Moment zum Einstieg - einige Risiken könnten Gold demnächst zum Comeback verhelfen. Mehr...


Donald Trump, der 45. US-Präsident? 
Noch darf kräftig spekuliert werden, ob Donald Trump tatsächlich am 20. Januar 2017 in sein Amt als neuer US-Präsident eingeführt wird (hier). Was die Besetzung seines Kabinetts betrifft, stehen die Chancen gut: Alles Milliardäre, mit besten Verbindungen zur Wall Street. Für uns ist es schon eine Überraschung, wie offen sich Trump mit der Wall Street verbündet. Ohne jede Scham lässt er diejenigen ans Ruder, die seinen Wählern schon in der Vergangenheit kräftig zugesetzt haben. In Anbetracht der zahlreichen Fehlbesetzungen stellt sich die Frage, ob Trump überhaupt ernsthaft erwägt, auch nur eines seiner Wahlversprechen in die Tat umzusetzen, die Millionen Amerikanern wieder zu einem besseren, menschenwürdigeren Leben verhelfen sollen. Mehr als 100 Millionen erwerbsfähige Amerikaner sind ohne Job. Für 20 Millionen davon wollte Trump diesen Zustand ändern. Bisher drischt er nur die gleichen leeren Phrasen wie im Wahlkampf. Hoffentlich werden sich seine Anhänger nicht schon bald die Augen reiben - wenn sie dahinterkommen, wie sie verführt wurden. 

Vielleicht funktioniert seine Außenpolitik besser. Bisher lässt der neue US-Präsident aber auch in diesem Bereich kein Fettnäpfchen aus. Als Beispiel dafür, die folgende Karikatur: 

Quelle: truthdig.com
 
Michael Moore Warns "Something Crazy Could Happen To Stop Trump Becoming President" 
(zerohedge) Filmmaker Michael Moore, who correctly predicted that Trump would win Michigan, Wisconsin, Ohio and Pennsylvania, is now predicting that something "crazy" could happen to stop Trump from being sworn in as president on January 20. Read more...

Donald Trumps Kabinett der Schwerreichen: Washington hebt ab
(nzz.ch) Die Personalentscheide des gewählten US-Präsidenten deuten eher auf weniger statt mehr Bürgernähe hin. Washington wird sich weiter von Amerika entfernen. Mehr...

Quelle: truthdig.com


Von Goldman in die Regierung: Trump narrt seine Wähler
(n-tv.de) Goldman Sachs war im Wahlkampf für Donald Trump die Verkörperung des Bösen. Nun holt der künftige US-Präsident einen Banker nach dem anderen in seine Regierungsmannschaft. Das ist ziemlich dreist. Mehr...

"Donald Trump wird ein sehr guter Präsident"
(diepresse.at) Der Ökonom Arthur Laffer war ein Mitstreiter von Ronald Reagan. Er hat den Sieg von Donald Trump vorhergesagt. Dessen Geschichte ähnle der von Reagan, sagt der Befürworter niedriger Steuern. Mehr...

In den letzten Jahren ist A. Laffer nicht unbedingt durch bahnbrechende Ideen zur Krisenbewältigung in den USA aufgefallen. Da ist der Vergleich mit der Präsidentschaft von Ronald Reagan sicherlich sehr verständlich. Nur liegt die mehr als 25 Jahre zurück und die Probleme heute erfordern andere Lösungen. Die Senkung der Unternehmenssteuern reicht gewiß nicht. Das ist banal. Die US-Konzerne zahlen in der Regel zu Hause doch sowieso keine Steuern.

Quelle: truthdig.com

Rogue Republican Elector Warns Trump: "I Am Not The Only One Who Will Not Vote For You"
(zerohedge.com) Last week a Republican member of the Electoral College, Christopher Suprun, published an op-ed in the NYT explaining why he would not be casting his vote for Donald Trump. Suprun is the same elector who the NY Post reported one month ago that he’s on track to vote as assigned for Donald Trump next month, despite reports saying he’d consider going rogue and voting for Hillary Clinton. Previously, Politico had quoted Suprun in August saying he found Trump so unpalatable, he’d consider going "rogue" and voting for Clinton. He then told the Post that he "always planned to vote for his party’s nominee" when Electoral College electors gather in their respective state capitals to finalize Trump’s presidency on Dec. 19. Read more...


Hillary Clinton: Nachlese
Nach wie vor begreifen die Spitze der Demokraten und ihre Präsidentschaftskandidatin nicht die Gründe ihrer Niederlage. Jüngst haben sie die russische Regierung für den Sieg Trumps verantwortlich gemacht. Selbstkritisches sucht man vergebens. Das nützt weder der Partei, noch Hillary Clinton. 

Die deutschsprachigen Medien haben sich dieser Haltung im Großen und Ganzen angeschlossen. Da gab es in den vergangenen Wochen wenig Kritisches zu Hillary Clinton's Scheitern. Deshalb versorgen wir unsere LeserInnen mit bedenkenswerten Beiträgen zur Meinungsbildung.

Joe Scarborough: "Hillary Clinton Cost Hillary Clinton the Election", Not Fake News
(zerohedge.com) Joe Scarborough dropped an epic dose of truth on Hillary and her disaffected, snowflake supporters this morning after Clinton herself took to the stage yesterday to blame "fake news" for her stunning loss. Apparently not a buyer of the fake news" excuse, Scarborough blasted Hillary, and democrats in general, saying that "Hillary Clinton  cost Hillary Clinton the election." Read more...

Joe Scarborough ist Republikaner. Als Fernsehmoderator hat er es in den USA zu einiger Berühmtheit gebracht. Seine politische Haltung ist teilweise sehr bedenklich weit rechts außen. Trotzdem halten wir seine Aussage für lesenswert. 


Europa kriselt     
Den "alten Kontinent" in Grund und Boden zu verdammen, hat nach der Wahl Donald Trump's zum US-Präsidenten für die heimischen Refenrenzmedien wieder Hochkonjunktur. Endlich gibt es einen "guten" Grund, um aufs Neue kräftig auszuteilen. Ernstzunehmende Vorschläge zur Lösung der Krise(n) sind nicht dabei.

So gut wie alle kriegen ihr Fett weg. Die EZB, Italien, Griechenland, Frankreich, beispielsweise. Nicht zu vergessen, der Euro. Während gegenüber Italien und Griechenland eine rigorose Haltung eingenommen wird, bleiben Politik und Medien gegenüber den Menschenrechtsverletzungen in der Türkei erstaunlich ruhig. Hier und da eine kleine Mahnung, nie ein böses Wort, immer viel Verständnis und eine Menge fadenscheiniger Gründe gegen harte Sanktionen. Bei Russland geben sich Politik und Medien weniger zimperlich, da werden immer neue hanebüchene Argumente erfunden, um die Sanktionen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Staaten Osteuropas aufzurüsten, gegen den erklärten Aggressor Wladimir Putin

Das ist Volksverblödung in Reinkultur. Leider merkt der größte Teil des Volkes davon nichts. Der glaubt allen Ernstes, er sitzt auf einer Insel der Glückseligkeit. Klatscht heftig Beifall, wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Griechen und, neuerdings, den Italienern seine Sicht auf die Krise in Europa erklärt und wie er sich die Lösung ihrer Probleme vorstellt. Heulen auf, wenn die EZB einen weiteren Monat die Zinsen niedrig hält, oder Italien verzweifelt versucht seine Banken zu retten. Die Menschen wollen sich nicht eingestehen, dass sie fester Bestandteil dieser Krise sind, der sie nicht entrinnen können. Vorzugsweise hören und sehen sie weg, statt ihren Verstand zu benutzen und sich eine unabhängige eigene Meinung zu bilden. Gründe dafür gäbe es genug.

Europa zittert vor der Rückkehr der Krise
(sueddeutsche.de)
  • Griechenland provoziert seine Gläubiger mit Millionen-Geschenken, 
  • Italien muss wohl eine angeschlagene Bank retten.
Gerade die Situation in Italien ist gefährlich für Europa. Das Land ist schlicht
zu groß und könnte andere Staaten mit in den Abgrund reißen.
Mehr...


Es ist eine der hinterlistigsten Lügen in diesen Tagen: So zu tun, als sei die Krise weggewesen und komme jetzt wieder zurück. Das ist plumper Populismus. 

Griechenland und Italien sind, genauso wie die anderen Baustellen, das Ergebnis einer völlig verfehlten, egoistischen Krisenpolitik in Europa. An dieser Tatsache wird auch das andauernde "Drumherumgeschreibe" der Qualitätsjournalisten nicht das Mindeste ändern. 

Wie können wir den Kollaps in Europa verhindern?
(wiwo.de)  Die EZB kauft weiterhin Staatsanleihen auf, die Umverteilung von Nord nach Süd hält an. Die Folge: Zombie-Staaten, Zombie-Banken und Zombie-Unternehmen. Doch diese Politik ist nicht alternativlos. Mehr...

Vollkommener Blödsinn, dieser Beitrag. Das geht schon im Vorspann los: Zombie-Staaten, Zombie-Banken und Zombie-Unternehmen sind NICHT die Folge der Geldpolitik der EZB, sondern eine der Ursachen. Die andere ist das nicht eingelöste Versprechen der G20-Staaten aus 2009, das Finanzsystem zu reformieren. Zu keiner Zeit in den vergangenen Jahren wurde ein ernsthafter Versuch unternommen, das weltweite Finanzcasino-System niederzureißen und neu aufzubauen. Den Grund hat der Ökonom Heiner Flassbeck lakonisch in einem Satz so zusammengefaßt: "Wenn man den Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche fragen." 

An Lösungen hat der Beitrag nichts zu bieten. Das ist kaum verwunderlich, wenn bereits die Krisenursache falsch bewertet wird.  

Solche Beiträge dienen nur einem Zweck: Die kapitalen Fehler der vorherrschenden Politik kunstvoll zu kaschieren.

Ein Kartenhaus namens Euro
(wirtschaftlichefreiheit.de) Das Flüchtlingsthema verdrängt längst zu Unrecht  die Dramatik in der Euro-Zone. Die Lunte am Euro-Kartenhaus glimmt nicht nur, sie brennt. Bis zum Juli 2015 stand die Euro-Krise zu Recht im Fokus der Öffentlichkeit. Hinter der  "Überfremdungs-Angst" ist sie aus dem Blickfeld verschwunden, obwohl mit Italien die drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum in die griechischen Fußstapfen getreten ist. Mehr...  

Populistisches Politikergewäsch, dieser Beitrag. Da keilt einer aus, dem es an keiner Stelle um die Wahrheit geht, sondern nur um die Deutungshoheit an den heimischen Stammtischen. Ein politischer Scharfmacher, dieser Oswald Metzger. Möglicherweise in seiner "wechsel-vollen" politischen Geschichte begründet. 

Warum es zu Grexit und Griechenlands Staatsbankrott kommen wird
(griechenland-blog.gr) Die Capital Economics vertritt, Griechenland werde früher oder später aus der Eurozone ausscheiden und den Staatsbankrott erklären müssen.
In einer Analyse in Zusammenhang mit dem am 05. Dezember 2016 gefassten Beschluss der Eurogruppe bezüglich der Verschuldung Griechenlands schätzt die Capital Economics ein, die genehmigten kurzfristigen Maßnahmen stellen keine wirkliche Erleichterung der Verschuldung des Landes dar.
Ihre leitende Volkswirtin für Europa, Jennifer McKeown, warnt, die Verschuldung Griechenlands werde trotz der Maßnahmen außerordentlich untragbar bleiben, und charakterisiert die Einschätzung des ESM bezüglich einer Reduzierung der Verschuldung bis 2060 als sehr optimistisch. Die Capital Economics beharrt sogar auf ihrer Ansicht, früher oder später werde der Grexit stattfinden und Griechenland den Bankrott erklären.
Mehr...


Herr Metzger kann ganz beruhigt sein, wie dieser Beitrag zeigt, die Griechen bekommen irgendwann ihre "gerechte" Strafe: Rauswurf aus dem Euro und Zahlungsunfähigkeit. Über den genauen Zeitpunkt entscheidet Berlin. Vielleicht aber auch Washington. Niemand weiß das so richtig. Sicher ist nur: Athen ist es nicht. Da hört die Souveränität endgültig auf. 

Geldflut der EZB: Warum Draghis Wachstum eigentlich eine Illusion ist
(manager-magazin.de) Mario Draghi erinnert an einen Reiter, der mit einem altersschwachen und schwer beladenen Pferd Hindernisse zu überspringen versucht. Mit immer mehr Doping soll das Pferd zu früherer Form kommen. Am Ende dürfte es ihm nicht gut bekommen - und seinem Reiter auch nicht. Mehr...

Ein rundherum gelungener Beitrag von Daniel Stelter, der an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig lässt. Der Autor adressiert treffend die Probleme in Europa und die Defizite bei ihrer Bewältigung. Schade nur, dass seine Lösungsvorschläge, soweit vorhanden, uns nicht genauso überzeugen können wie seine Problemanalyse. Unabhängig davon eine Pflichtlektüre! 


China in Not?
Diese Frage ist für die deutsche Wirtschaft von existentieller Bedeutung. Die Experten streiten schon seit einiger Zeit darüber. 

Wir sind keine dieser Experten, deshalb tun wir uns in dieser Sache leicht und antworten mit einem eindeutigen Ja.

"China Has Run Off The Cliff So Fast, People Seem To Think They’ll Make It To The Other Side"
(zerohedge.com) Some perspectives on the fascinating economic experiment that is China from Eric Peters, CIO of One Asset Management, as told in his traditional third-person style. Read more...

Ergänzend dazu noch den Hinweis auf den folgenden Beitrag von ALHAMBRA PARTNERS in den USA: "Chinese Trade Revisits" (here). 

So, das war's für heute...