Donnerstag, 26. Januar 2017

Standpunkt 1059: Nachrichten-Ticker, 19. & 20.01.2017


Im vergangenen November sind wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurückgekehrt: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Weit weg von den propagandaverseuchten Medien und als Unterstützung einer eigenen Meinung.

Leider müssen wir dafür häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen; die deutschsprachigen Medien schenken wichtigen Themen zu wenig Beachtung. Wir bitten dafür um Verständnis, dass von uns eine Übersetzung dieser Texte nicht bereitgestellt werden kann. Dafür fehlt uns schlicht die Zeit. 

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate noch Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.


Unsere Themen heute: Donald Trump, what else? - Deutsche Bank: Eine unendliche Geschichte! - Welt ohne Schulden?


"Good night, America" (Quelle: truthdig.com)


Donald Trump, what else?
Nichts wird in nächster Zeit die Welt mehr beschäftigen, als der 45. Präsident der USA. Sein Leitspruch "make America great again" wird für mächtig viel Unruhe sorgen: "Donald gegen den Rest der Welt" lautet dabei seine Devise. Trump lernt schnell: Nach bester Politikermanier teilt er auf diesem Weg, frei nach Nietzsche, "die Menschheit in zwei Klassen ein: Werkzeuge und Feinde"

Am Ende dieser Entwicklung wird es lediglich eine Hand voll Gewinner geben, das oberste 1%. D. T. und seine Unterstützer zählen sich dazu. 99% werden leer ausgehen, inklusive seiner Wähler, die immer noch große Hoffnungen in ihn setzen. Sie haben auch allen Grund dazu, seine Versprechungen an ihre Adresse sind einfach zu verführerisch. 

Trump wird bei seinem Treiben wenig Rücksicht nehmen. So lange die Richtung stimmt, wird ihm die Wall Street viele Freiheiten lassen. Hauptsache die Gewinne sprudeln. Trump macht einen auf Außenseiter, in Wahrheit ist er, fest und unverbrüchlich, Teil des US-amerikanischen Finanz-Establishments. Diese Verbindung wird er nie und nimmer auf's Spiel setzen. Das bestimmt seine Politik. 

"What should I do first?"


Jetzt kommt Donald Trump: Fertigmachen für die letzte, ganz große globale Verteilungsschlacht!
(stefanleichnersblog) Was haben Donald Trump, Xi Jinping, Shinzo Abe und Theresa May gemeinsam? Sie wollen alle ihr Land "wieder groß machen". 
Trump ist dabei nicht einmal der erste, der das angekündigt hat. Schon seit seinem Amtsantritt Anfang 2013 will Präsident Xi Jinping China "wieder groß machen", wobei es in diesem Fall natürlich sehr lange her ist, dass dieses Reich einmal groß war. Und Japans Regierungschef Abe zielt ebenfalls bereits seit seinem Wahlkampf 2012 darauf ab. 
Doch seit Trump mit seiner Ankündigung, Amerika wieder groß machen zu wollen, die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen hat, ist dieser Spruch in der Politik offensichtlich höchst populär geworden. Das mag natürlich an der Medienaufmerksamkeit liegen, die Trump – nicht gerade zu seinem Vorteil – im Wahlkampf auf sich gezogen hat. Mehr...

Wie immer ein lesenswerter Beitrag von SLE. Klarsichtig am Ende auch sein Fazit: "Amerika wieder groß zu machen, Großbritannien wieder groß zu machen oder auch China wieder groß zu machen, das hört sich gut an. Bei einer nüchternen Bestandaufnahme wird man jedoch nicht umhinkommen festzustellen, dass die Chancen dafür heute kleiner sind als je zuvor. Alleine ist niemand stark und zusammen in der heutigen Lage auch nur noch dann, wenn sich ein komplett neues, zukunftsträchtiges Konzept für eine Neuaufstellung der globalen Wirtschaft finden lässt. Doch das fehlt nach wie vor. Die Chancen, dass überhaupt und zudem auch noch intensiv danach gesucht wird, sind gesunken. Nur in China ist es (vielleicht noch) anders. Stattdessen ist absehbar, dass der Verteilungs- und Verdrängungskampf auf allen Ebenen, einschließlich jener der Politik, an Schärfe und Heftigkeit zunehmen wird. Je mehr Zeit und Ressourcen genau darauf verwendet werden, desto weniger stehen für die Lösung der weit wichtigeren, weil fundamentalen Frage zur Verfügung, was gegen das Schrumpfen des globalen Kuchens und gegen die explosive Kraft der großen und weiter wachsenden Ungleichgewichte getan werden kann. Hat Donald Trump die Antwort darauf? Oder Theresa May, Xi Jinping oder Shinzo Abe? Wer darauf baut, der hat keinen unverstellten Blick mehr auf die Realität, in der wir alle leben und in die Regierungen/wir uns manövriert haben. Die Finanzmärkte mögen eine ganze Zeitlang ohne auskommen und erfolgreich sein können. Für alle anderen gilt das zunehmend nicht mehr oder wie Ludwig Poullain es 2011 formulierte: "Das endet mit dem großen Knall." 

Es lohnt sich, allen Links im Beitrag zu folgen. Ganz besonders enpfehlen möchten wir jedoch die "Ungehaltene Rede" von Ludwig Poullain über den "Sittenverfall im Bankwesen", erschienen am 15.07.2004(!) in der F.A.Z. (hier). Wir haben selbst schon früher darauf hingewiesen und sind froh für die Gelegenheit, unsere Empfehlung erneuern zu können. 

Auf Kollisionskurs 
(ipg-journal.de) Was von der neuen US-Handelspolitik unter Präsident Trump zu erwarten ist. Mehr...

Der Versuch einer Deutung. Reich an Mutmaßungen.

Trump ist putting the wolves of Wall Street in charge of America's economy
(washingtonpost.com) In announcing the appointment of Carl Icahn as his new adviser on regulatory reform, President-elect Donald Trump characterized the Wall Street legend as "one of the world’s great businessmen." By Trump standards, it was a minor mischaracterization, one that confused the Main Street world of business, where value-adding goods and services are created and sold, with the trading, dealmaking world of finance on Wall Street.

Such confusion is understandable. For if anything has come to characterize American capitalism over the past 30 years, it has been the financialization of business. Whereas top executives of America’s biggest corporations once spent their time worrying about products, customers, employees and the communities in which they operated, today they focus on maximizing shareholder returns through clever feats of financial engineering. Executives who embrace this financialization are handsomely rewarded with tens of millions of dollars in bonuses and stock grants. Those who don’t are fired.
If you have any doubt about this shift of power and wealth from Main Street to Wall Street, you need look no further than the phalanx of successful financiers that Trump has recruited to his Cabinet and inner circle at the White House. Read more...

Trump's Economic Plan: Create 25 Million Jobs, Grow GDP At 4%, Lower Taxes For All Americans
(zerohedge.com) President Trump’s economic plan will create 25 million new jobs in next decade, "return to 4 percent annual economic growth", "lower rates for Americans in every tax bracket, simplify the tax code, and reduce the U.S. corporate tax rate" according to a statement just posted on the White House website.
He has also proposed "a moratorium on new federal regulations and is ordering the heads of federal agencies and departments to identify job-killing regulations". Read more...

Trump ist keine Job-Maschine
(n-tv.de) Ob GM, Ford oder Amazon: US-Konzerne kündigen eifrig an, Milliarden in den USA zu investieren und viele Jobs zu schaffen. Knicken die Firmen vor dem neuen Präsidenten Trump ein? Mitnichten. Mehr...

In wesentlichen Punkten argumentiert der Autor richtig. Trotzdem hat sein Beitrag ein großes Manko: Er verwendet die offiziellen Zahlen der US-Statistiken. Die sind aber nachweislich falsch. Beispielsweise die Arbeitslosenquote: Die liegt im vergangenen Monat nicht bei "unter 5%", sondern tatsächlich bei knapp 23%, wie John Williams auf seiner Website erläutert: 


Diese Quote korrespondiert trefflich mit dem Allzeithoch bei den Erwerbsfähigen ohne Job. Davon betroffen sind mittlerweile mehr als 94 Millionen Amerikaner! Insofern wären die von Trump angekündigten 25 Millionen neue Jobs eine gute Sache. Unabhängig von deren Qualität aber ein sehr ambitionierter Plan, das uns eher an großsprecherische Bauernfängerei erinnert. 



Trumps Antrittsrede im Wortlaut: "Das Massaker Amerikas endet hier und jetzt"
(wiwo.de) In seiner Antrittsrede am Freitag hat der neue US-Präsident Donald Trump das amerikanische Volk in den Mittelpunkt gestellt. Die Dokumentation der Rede in deutscher Übersetzung. Mehr...

An dieser Stelle möchten wir an ein Zitat des deutschen Dichters und Schriftstellers Otto Ernst erinnern: "In allen Staaten und unter allen Regierungsformen ist Politik das Schindluderspiel der Mächtigen mit den Schwachen." Die Rede zeigt: Daran wird auch Donald Trump nichts ändern. Ganz im Gegenteil: Er hat die Absicht, dieses Spiel noch zu verfeinern.

Trump's Populism Is a Fiction
(theatlantic.com) Don’t be fooled by inaugural pomp: The Trump administration is plotting a return to plutocracy. Read more...

President Donald Trump Is About to Victimize His Own Voters
(alternet.org) Our new president's supporters are likely to suffer from his regressive policies. I have no compassion for them. Read more...



Die USA steuern gut gelaunt Richtung Abgrund
(wiwo.de) Die Welt zittert, Amerika feiert: Donald Trump schürt in der amerikanischen Wirtschaft einen Optimismus, der auch viele Bürger ansteckt. Das Land berauscht sich selbst - und übersieht das absehbar dramatische Ende. Mehr...

Der Autor macht mit seiner Schlußbemerkung einen Kommentar überflüssig: "Trumps Wähler hoffen auf bessere Zeiten unter Donald Trump. Doch die werden für sie nicht kommen, wenn der neue Präsident seine angekündigte Politik in die Tat umsetzt. Das Gegenteil des US-Optimismus in diesen Tagen ist nicht Pessimismus. Es ist Realismus."

Bei Trump-Wählern in Louisiana: Verraten und verkauft
(faz.net) Arlie Russell Hochschild hat sich dort umgesehen, wo die Trump-Wähler leben. In Louisiana entdeckte sie deren wahren Feind und ein großes Paradox. Psychogramm einer versinkenden Welt. Mehr...

Ein großartiger Beitrag, ausgerechnet bei der F.A.Z., auf den bereits die NACHDENKSEITEN dankenswerterweise hingewiesen haben. Beispiel für hervorragenden Journalismus, nur noch vereinzelt zu finden im Feuilleton dieser einstmals ausgezeichneten Zeitung.

Soros setzt auf Scheitern Trumps
(heise.de/telpolis) Der umstrittene Milliardär nennt den neuen US-Präsidenten einen "Hochstapler", einen "Betrüger" und einen "Möchtegern-Diktator", der "den Finanzmärkten viel Schaden zufügen" werde. Mehr...

Sicherlich ist George Soros bestens vernetzt, quasi ein "Insider" im Kreis der Reichen und Mächtigen. Als Anhänger und Förderer von Hillary Clinton ist ihm der neue US-Präsident mehr als nur ein Dorn im Auge. Außerdem ist er in einer Parallelwelt zu Hause. Die Wahrscheinlichkeit, dass Soros' Annahme zutrifft, halten wir für gering. Wir glauben nicht an ein Scheitern Trump's, Amerikas rechte Eliten werden ihm aus jedem der zahllosen Fettnäpfe helfen, in die er zweifellos mit untrüglicher Sicherheit treten wird. 

Der mutmaßliche Milliardär als Mann des Volkes
(heise.de/telepolis) Donald Trump bleibt im populistischen Angriffsmodus gegen die Elite und Washington. Mehr...

Alles nur eine großangelegte, bestens durchorganisierte Show, mit der D. T. von seinen selbstsüchtigen Zielen ablenkt. Da sind wir uns sicher. Dazu muss man sich nur sein Personal ansehen, mit dem er regieren will. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung.

Die Parallelgesellschaft der Reichen
(heise.de/telepolis) Bush, Clinton, Obama und Trump studierten an Eliteuniversitäten, wo es mehr Studenten aus der Minderheitenschicht des reichsten 1 Prozent als von der Schicht der unteren 60 Prozent gibt. Mehr...

Ein kurzer Blick hinter die Kulissen einer Gruppe von Menschen, für die alle anderen nur aufsässige Störenfriede sind. Für die war Trump bisher nur eine Randfigur. Ein Umstand, der viele Jahre an seinem Selbstbewußtsein genagt hat. Das soll sich nun, mit Hilfe der Präsidentschaft, schlagartig ändern. In seinem Fahrwasser suchen auch noch andere Gestalten nach Anerkennung. 



Deutsche Bank: Eine unendliche Geschichte! 
Wenige Stunden, nachdem sich die Bank und das US-Justizministerium vorläufig geeinigt haben, folgt die nächste Hiobsbotschaft von einer neuen milliardenschweren Klage gegen die Deutsche Bank. Die Bank bleibt unter Druck und damit auch die Bundesregierung. Das wird nie aufhören - jedenfalls nicht, bis das System endgültig kollabiert.

Neue Milliardenklage gegen die Deutsche Bank in den USA
(manager-magazin.de) Jüdische Wohlfahrtsorganisationen in den USA haben Klage gegen die Deutsche Bank eingereicht. Sie beanspruchen das Milliardenerbe der Frankfurter Unternehmerfamilie Wertheim. Mehr...

Es geht um 3 Milliarden Dollar, für die Bank längst keine Peanuts mehr. 


Welt ohne Schulden?
Der deutsche Ökonom Daniel Stelter, in 2011 Mitautor der Boston Consulting Group-Studie zur Zwangsenteignung "Back to Mesopotamia? The Looming Threat of Debt Restructuring" (hier, eine deutsche Zusammenfassung dazu gibt es hier), macht sich Gedanken über einen Schuldenabbau der öffentlichen UND privaten Schuldenberge. Das ist löblich. In der öffentlichen Diskussion geht es regelmäßig nur um die Staatsschulden, eine sehr einseitige Betrachtung.

Die Zahlen, mit denen Stelter hantiert, sind gigantisch. Leider aber immer noch nicht vollständig; es fehlen die Risiken aus dem Finanzcasinosystem, die von der Finanzindustrie zu großen Teilen in einem unübersichtlichen, unkontrollierten  Schattenbankensystem versteckt werden. Niemand kennt die Größenordnung, es handelt sich jedoch um viele Billionen. Die jährliche Weltwirtschaftsleistung hat im Vergleich dazu bestenfalls die Größe einer Portokasse. 

Erfreulich auch, dass Stelter die Möglichkeit einer "Entschuldung über die Bilanzen der Notenbanken?" ins Spiel bringt. Leider bleibt er bei seinen Erläuterungen schwammig und erwähnt beispielsweise nicht die wichtige Tatsache, dass die Steuerzahler - ausgenommen in den USA - für die Schulden der Notenbanken nicht aufkommen müssen. Damit - und dem fehlenden Hinweis auf eine absehbare Zwangsabgabe/-enteignung entsprechend seiner eigenen Studie - entwertet Stelter diesen Beitrag wieder. Er bleibt auf halbem Weg stehen. Schade.

So wird die Welt die Schulden los
(manager-magazin.de) Beim Weltwirtschaftsforum in Davos geht es zentral um eine gerechtere Einkommens- und Vermögensverteilung. Diese braucht höhere Wachstumsraten, dafür wiederum müssen die Schulden deutlich senken. Lesen Sie, welche Optionen es gibt und welche Realisierungschance sie haben. Mehr...

So, das war's für heute!