Samstag, 11. März 2017

Standpunkt 1077: Nachrichten-Ticker, 28.02.2017


Im vergangenen November sind wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurückgekehrt: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Weit weg von den propagandaverseuchten Medien und als Unterstützung einer eigenen Meinung.

Leider müssen wir dafür häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen; die deutschsprachigen Medien schenken wichtigen Themen zu wenig Beachtung. Wir bitten dafür um Verständnis, dass von uns eine Übersetzung dieser Texte nicht bereitgestellt werden kann. Dafür fehlt uns schlicht die Zeit. 

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate noch Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.


Unsere Themen heute: Finanzsystem unter Druck - Griechenland - US-Wirtschaft - Donald Trump tritt auf der Stelle - Neues aus China's Blasenökonomie


"Europa in der Krise"


Finanzsystem unter Druck
Angeblich sind diejenigen Verschwörungstheoretiker, die felsenfest davon überzeugt sind, dass die seit 2008 andauernde globale Finanzkrise irgendwann in einem finalen Kollaps enden wird. Wir gehören dazu. Diskussionswürdig sind höchstens noch die Umstände, unter denen das Finanz(casino)system endgültig zusammenbricht. 

Untragbar hohe Staatsschulden, flankiert von unabsehbaren Verlusten der Banken (18,2 Billionen Euro allein im europäischen Bankensektor, hier), die Massenvernichtungswaffe Derivatehandel (Volumen offiziell rund 544 Billionen (Stand Juni 2016, hier), US-Schätzungen gehen sogar von bis zu 1.500 Billionen US-Dollar aus, hier) und maximale politische Versäumnisse (Ausfall der von den G20-Staaten 2009 versprochenen Finanzreform) pflastern die "Road to Hell". 

Das ist ohne eine tiefgreifende, für das gesamte System schmerzhafte Finanzreform nicht mehr zu beherrschen. Dazu fehlt der politische Wille. Nur die geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken, scheinheilig gescholten von den sogenannten Experten, halten das Finanzsystem noch am Leben. Auf Dauer kann das nicht funktionieren. 

Die Folgen sind absehbar und bruchstückhaft bereits heute zu beobachten. Die Zerstörung Griechenlands seit 2010, die Rettung der Banken in Zypern im Frühjahr 2013 (hier) und die in vielen Ländern begonnene Abschaffung des Bargelds, dem weltweiten "War on Cash" (hier), sind Teil einer konzertierten Aktion. Von langer Hand geplant. Ziel ist die Sozialisierung der Risiken aus dem Finanzsystem und die vollständige Enteignung der Bürger. 

Das wird alle treffen, nicht nur die Menschen in den bisherigen Krisenstaaten. Die extrem vernetzten TBTF-Banken sorgen dafür, dass Sozialisierung und Enteignung flächendeckend stattfinden. Die diversen Einlagensicherungen der Banken sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Der Staat wird nicht einspringen. Dessen Garantien sind Lippenbekenntnisse hinterlistiger Politiker, bestenfalls Beschwichtigung für eine beunruhigte Bevölkerung. Wie soll er auch? Ursache für die Enteigung der Bürger ist die völlige Überschuldung des Staates. 

Natürlich passieren diese Dinge nur in winzig kleinen Schritten, quasi in homöopathischen Dosierungen, um vor der Öffentlichkeit so lange wie möglich verborgen zu bleiben. Die Leitmedien helfen dabei kräftig, sie weigern sich darüber zu berichten. Dieses Manko versuchen wir auszugleichen.

Das nächste Feuer im Finanzsystem
(project-syndicate.org) Anfang 2007 begann die schlimmste Finanzkrise in 80 Jahren ihren Lauf zu nehmen und erreichte 18 Monate später mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und den weltweit spürbaren Schockwellen ihren Höhepunkt. Verzweifelte staatliche Maßnahmen ersparten uns eine Große Depression II und offizielle staatliche Vertreter gelobten, wir würden „nie wieder“ mit derartigen Risiken konfrontiert sein. Politiker und Zentralbanker nahmen einen umfangreichen Prozess nationaler Reformen und internationaler Koordination in Angriff, wobei sämtliche Bestrebungen darauf abzielten, das Risiko eines Zusammenbruchs sehr großer Banken zu senken. 
Einerseits präsentiert sich das globale Finanzsystem ein Jahrzehnt später sicherer. Andererseits hat sich an der Struktur nicht viel geändert – sie wurde womöglich noch anfälliger. Doch anstatt den Reformprozess zu vollenden, scheinen die politischen Entscheidungsträger auf beiden Seiten des Atlantiks entschlossen, die meisten Maßnahmen, die dem bisher erreichten Erfolg zugrunde liegen, rückgängig machen zu wollen. Mehr...

Ein Beitrag des US-Ökonomen Simon Johnson, ein ständiger Kritiker des US-Finanzsystems, dem hierzulande - völlig zu Unrecht - große Fortschritte bei der Reformierung attestiert werden. Trotz aller Kritik sieht er, im Gegensatz zu uns, kleine Erfolge bei der Entschärfung der Risiken. 

Die Zukunft dieses Systems fasst Johnson am Schluss wie folgt zusammen: "Die Großbanken werden noch größer. Die Kapitalausstattung wird sinken. Und vernünftige Risikomanagement-Strategien  werden wieder aus der Mode kommen. Mächtige Menschen leben gut von Booms und Pleiten. Und der Rest muss mit verstärkter Ungleichheit und einem höheren Maß an krisenbedingter Armut rechnen." Damit ist alles gesagt. 

Kontrollfreaks finden den englischen Originalbeitrag "The Financial Fire Next Time" hier

When Bankers Started Playing With Other People's Money
(theatlantic.com) In 1970, the small firm of Donaldson, Lufkin & Jenrette held its IPO - and fundamentally reshaped the world of finance. Read more...

Ein "lehrreicher" Beitrag. 


Griechenland
Wir können in diesen Tagen nicht die Finger davon lassen. Was mit diesem Land passiert ist eine der größten Sünden Europas. 

Griechenland steht vor  einer  sozialen und humanitären Katastrophe
(griechenland-blog.gr) Die Verschuldung Griechenlands reißt nicht nur wirtschaftliche Wunden und die Bürger des Landes stehen vor einer sozialen und humanitären Katastrophe. Mehr...


US-Wirtschaft
In Anbetracht der hochfliegenden Pläne des 45. US-Präsidenten Donald Trump lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Entwicklung. Auf diese Weise lassen sich demnächst die Erfolge(?) seiner Wirtschaftspolitik besser bewerten. 

Gleichzeitig ist es aber auch ein Beweis für das Scheitern von Barack Obama.

Number Of Distressed US Retailers Highest Since The Great Recession
(zerohedge.com) 2016 was a rough year for the so-called brick-and-mortar retailers with several mall-based apparel companies, including Aéropostale, Pacific Sun and American Apparel, being forced to seek chapter 11 bankruptcy protection.  Meanwhile, The Sports Authority didn't even bother with a reorg plan as creditors decided that a liquidation was the best way to maximize value for creditors.

But it's not just the niche apparel retailers that are having a hard time competing for those scarce consumer dollars.  Target plunged as much as 14% on the open this morning after announcing that steep price cuts would be required in 2017 to compete with the likes of Wal-Mart and the online retailing giant, Amazon (see "Target Plunges 12% After Missing Lowest EPS Estimate, Slashing Outlook").

Unfortunately, at least according to Moody's retail credit analyst Charlie O'Shea, the environment for retailers in the U.S. is likely to get worse before getting better. As Moody's notes, the number of distressed U.S. retailers has more than tripled since the Great Recession of 2008-2009, and with $5 billion worth of debt maturities over the next 4 years, the situation is likely to get much worse. Read more...

So What Are We Going to Do with the Retail Malls?
(wolfstreet.com) The Painstaking Relentless Collapse of Brick-and-Mortar Retail. Read more...

Quelle: businessinsider.com


Donald Trump tritt auf der Stelle
Außenpolitisch macht D. T. viel Wind, bei seinen wirtschaftspolitischen Plänen macht er keinerlei Fortschritte. Was ist los mit dem "Macher" Trump? Regieren ist ein Knochenjob. Besonders dann, wenn man sich so viel vorgenommen hat wie Donald Trump. Der Umgang mit "Recht und Ordnung", von Trump eher als störend empfunden, will gelernt sein. Das dauert. Und ermüdet. Wir halten es für möglich, dass Trump darauf keine große Lust verspürt. 

"Just A Reminder" (Quelle: truthdig.com)


Trumpology: "He’s a Performance Artist Pretending to be a Great Manager"
(politico.com) Donald Trump sits at the top of the biggest org chart in the world. Why does he look so uncomfortable in the job? Read more...

Eine absolute Pflichtlektüre! Sie liefert Wissenswertes und Bedenkliches über den 45. US-Präsidenten. 

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf Trump's Rede vor dem Congress:

President Trump's Address To Congress: Key Highlights And Full Text
(zerohedge.com) While the full Trump speech transcript is below, for those curious only in the key economic/trade excerpt, it is laid out below: Read more...

3 Hard Political Truths That Trump Is Facing
(alternet.org) Trump is on shakier ground than it seems. Read more... 

Most Trump Job Evaluations Are Strongly Held Opinions
(gallup.com) 

Story Highlights
  • 27% of Americans approve strongly
  • Substantially more, 41%, strongly disapprove
  • Proportion of strong opinions about Trump exceeds historical averages 
Read more...

Col. Wilkerson: Trump's Proposed $54 Billion Increase in the Military Budget Not for National Security 
(nakedcapitalism.com) President Trump is reportedly proposing a 10% increase in military spending. That’s an increase of $54 billion from approximately $600 billion that will be paired with cuts to other agencies. His so-called America First Budget will also increase funding for local law enforcement, while cutting funds to the EPA, State Department, foreign aid and social programs. Medicare and social security are apparently not on the budgetary chopping block. Trump’s plan is only in the outlining stage, and the final plan should be revealed in the upcoming weeks.
Now joining us to discuss this budget increase for the Pentagon is Larry Wilkerson who joins us from Williamsburg. Larry is the former Chief of Staff for US Secretary of State Colin Powell, currently and Adjunct Professor of Government at the College of William and Mary, and a regular contributor to Real News. Read more...

Dieses Interview ist ein Augenöffner.

"Deporting Lady Liberty"


Neues aus China's Blasenökonomie
Das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte ist das Ergebnis einer ganzen Reihe von schuldenfinanzierten Blasen. Das macht China zu einem exponierten Krisenherd. Bestens geeignet, durch eine unbedachte wirtschaftspolitische Entscheidung, die globale Krise schlagartig zu verschärfen. Bei den Experten hierzulande spielt die Gefahr keine Rolle. Die sehen China als wichtigsten Handelspartner. Besonders jetzt, nachdem sich Washington an einer neuen Handelspolitik versucht und seine (Geschäfts-)Partner kräftig piesackt. Wenig wahrscheinlich, dass China dieses Vertrauen in seine wirtschaftliche Stärke rechtfertigt. 

This Chart Signals China's Housing Bubble May Burst Soon
(zerohedge.com) The probability that a real estate bubble may burst in China is rising. The financial sector heavily depends on real estate, which in turn exposes the entire Chinese economy to systemic risk.
This link means that a downturn in real estate could soon spread to other areas of the Chinese economy if banks face liquidity shortfalls.
Also, falling housing prices could result in more non-performing loans (NPLs). While NPLs officially account for only 1.75 percent of all Chinese loans, the government is likely understating the figure. BMI Research, a financial consulting firm, estimated in a 2016 report that NPLs could be close to 20 percent of loans. 



Noch hat die Regierung die Probleme einigermaßen im Griff. Nur wie lange? Die chinesische Gesamt-Situation ist auf jeden Fall brandgefährlich! Wer bereits Krisenvorsorge betrieben hat, der kann sich entspannt zurücklehnen und die Dinge erwarten. Für alle anderen wird es allmählich Zeit zu handeln. Irgendwann ist es sonst endgültig zu spät. 


So, das war's für heute!