Donnerstag, 22. Dezember 2011

Standpunkt, Ausgabe 124 - Wunschzettel


Christkind oder Weihnachtsmann: Hier kommt unser sehr persönlicher Wunschzettel

 „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ wirbt ein deutscher Elektronikkonzern verkaufsfördernd für das Fest der Freude und Besinnlichkeit.

Wenige Stunden vor diesem Ereignis werden noch schnell die letzten Wunschzettel geschrieben und erfolgversprechend platziert. Scheinbar erfolgreich, wie die offiziellen Verkaufszahlen der Adventswochen bestätigen. Deutschland jedenfalls befindet sich im Konsumrausch.

Da wollen wir nicht länger aussen vor stehen, sondern die Gunst der Stunde nutzen und einen eigenen Wunschzettel, einen für Erwachsene, schreiben. Wir haben keine Hoffnung darauf, dass auch nur ein Teil dieser Wünsche erfüllt wird. Da hilft sogar der deutsche vorweihnachtliche Kaufrausch nicht weiter. Aber bekanntlich stirbt ja die Hoffnung zuletzt. 

Hier unsere Wünsche an das Christkind oder den Weihnachtsmann:

Noch in allerletzter Minute auf unseren Weihnachtswunschzettel gekommen ist der Rücktritt des Bundespräsidenten, Christian „Teflon“ Wulff. Viele andere sind schliesslich schon für weniger zurückgetreten (worden).  

Alle Jahre wieder wünschen wir uns seit 1973 den Austritt Großbritanniens aus der EU. Es reicht uns endgültig mit dem Gequengel und Gemaule von der Insel. Nie hat das aufgehört, war nur laut oder leise. Sollen die ihr Ding alleine machen, der europäische Kontinent schafft es auf jeden Fall ohne die Engländer. Es ist eine Insel: Einfach Segel setzen oder lange genug rudern, dann werden sie irgendwann schon in New York ankommen, die Freiheitsstatue sehen (Freiheit von Europa!) und mit offenen Armen empfangen werden  (oder vielleicht nicht?).

Natürlich wünschen wir uns als Europäer die Rettung von Euro und EU. Blühende Landschaften im Süden, mehr Einkommen in der Mitte, mehr europäischen Geist im Norden. Geht alles ohne Schuldenschnitt, Euro-Austritte, Nord- oder Süd-Euro, D-Mark II, Drachme, und wie diese Hirngespinste in den Köpfen deutscher Ökonomen und Stammtischler alle heissen. An die Adresse der Politiker: Nehmt endlich die Fehde (von Krieg darf man ja an Weihnachten nicht sprechen) mit Amerika an und wehrt euch mit den richtigen Mitteln dagegen. Sagt  endlich die Wahrheit (oder wisst ihr sie selbst noch nicht?), trocknet den Sumpf in den Bank-Bilanzen aus, fördert die Wirtschaft in Europa mit Direktinvestitionen, alimentiert nicht länger die Banken und ihr Welt-Finanz-Casino mit neuen Milliardenbeträgen, sondern sorgt für Lohn und Brot bei den Menschen, die danken es mit Konsum (wenigstens ausserhalb Deutschlands) und viel höheren Steuereinnahmen bei den Staatshaushalten (was dann wieder die Staatsschuldenquote deutlich senkt). Diese Dinge brauchen Zeit, deshalb muss eine Transferunion nach deutschem Vorbild her (hier könnte Deutschland wirklich etwas für Europa tun). Schickt die Leistungsbilanzüberschüsse als Care-Pakete dahin zurück, wo sie überwiegend herkommen, statt nach China, Südamerika, Afrika oder in die Türkei, um nur einige Regionen deutscher Wirtschaftsinteressen zu nennen.

Wir wünschen uns politisches Augenmass in der EU bei der Erweiterung nach Ost-Europa und den Vorderen Orient. Zuerst muss der Kern Europas gestärkt werden, diese Aufgabe fordert schon alle politischen und wirtschaftlichen Kräfte für mindestens die nächsten zehn Jahre. 

Von den Wirtschaftsbossen und Finanzjongleuren wünschen wir uns mehr Verantwortung – nicht für den Stand ihrer Konten, sondern für das Gemeinwesen. Ganz im Sinne J. F. Kennedy’s: „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“ 

Von den deutschen Star-Ökonomen, Ex-Bundesbankern, Ex-Verbandspräsidenten oder Professoren im Ruhestand, wünschen wir uns sehr viel weniger überkommene Theorien, falsch verstandenen Nationalismus und verbale Hetzereien. Wünschen würden wir uns statt dessen mehr praktische Ideen und gescheite Lösungen, also schlicht auf "göttliche Eingebungen" (hierher ausgeliehen aus „Ein Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma).

Wir wünschen uns eine bessere Schulbildung. Ganz besonders in Ländern, die eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Europa oder auch Teilen der Welt spielen. Für uns gehören dazu Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA. Politische Bildung, Wirtschaftskunde, Völkerkunde, Fremdsprachen und Ethik müssen in den Vordergrund rücken.  
  
Natürlich hätten wir noch einige Wünsche mehr, aber die himmlischen Heerscharen unter Leitung von Christkind und Weihnachtsmann haben jetzt schon alle Hände voll zu tun.  

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!